
Die Eisenbahn ist ein 24-Stunden-Betrieb. Auch wir Lokführer und Lokführerinnen sind rund um die Uhr unterwegs. Manchmal ist es hart, so früh raus zu müssen. Oder sich lange nach Mitternacht wach zu halten. Doch es gibt dieses spezielle Feeling, das Jovanotti in seinem Lied „Gente della notte“ so schön beschreibt: Die Zugehörigkeit zu den Menschen der Nacht.
Die Lyrics des besagten Songs könnten auf das Dasein des Lokführers übertragen so lauten:
Menschen der Nacht
Die Nacht ist schöner, es lebt sich gemächlich
Dank langem Mittagschlaf bin ich bis zwei Uhr fit
Der Bahnhof atmet tiefer, doch schläft er nie ganz
und der Nebel umhüllt die Fahrleitungsmasten
und alles ist etwas ruhiger
Auf dem Weg zum Bahnhof bin ich alleine
So auch auf den Rolltreppen
Niemand der drängelt, niemand der stresst
Die Menschen der Nacht sind immer die Gleichen
Wir kennen uns alle, der Bahnhof wird zum Dorf
Tag für Tag dieselben Gesichter
Am Tag wird politisiert, taktiert und traktiert
Die Zeit vergeht – schon wieder ist es Winter
Wir Menschen der Nacht sind dieselben
Da ist der Zeitungsverteiler mit dem Schubkarren
Der Bettler bei der vordersten Bank im Park
Der alte Taxifahrer mit dem weissen Hut
Die Verkehrsreglerin bei der grossen Baustelle
Da sind die Reiniger, immer in der Gruppe
Immer derselbe Take-Away-Verkäufer
Er bäckt schon Brötchen – oh wie das duftet
und fragt wie immer: Wohin fährst Du heute?
Da sind die Polizisten, immer zum Schwatz bereit
Da sind die Nachschwärmer, selten nüchtern
Da sind die ersten oder letzten mit Koffern
Da sind die Rangierer, wie immer in orange
Man nickt sich zu, kennt einander
Alle sind per Du, die Leute der Nacht
Vieles geht wortlos, nur mit Gesten
Wir sind verbündet, irgendwie im selben Boot
Ich mag die Nacht gerne
Die warmen Gipfeli um drei Uhr dreissig
Den ritualisierten Schwatz mit dem Kollegen
natürlich beim Kaffeeautomaten
Und das Abliefern der Pendler
pünktlich um sechs Uhr dreissig
sie sind alle noch müde und
ich krieg nun mein Mittagessen
Inspiriert von „Gente della notte“ von Jovanotti (–> inkl. Text auf Youtube).
Ich liebe den Song von Giovanotti, bin aber froh, dass ich nicht dazu gehöre, ich weiss nicht, ob ich mich an diesen Rhythmus gewöhnen könnte…Verena
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