Aldous Huxley (Brave New World, 1932) may have been more prescient than George Orwell (1984, 1949): People can be controlled more effectively through the mind than through the body.
The antidote is well known: Attention!
Hinweis: Soma heisst im Griechischen „Körper“ (σῶμα) – und bezeichnet bei Huxley zugleich die Glücksdroge aus Brave New World (1932): ein Mittel, mit dem man sich von unangenehmen Gefühlen und der Wirklichkeit verabschieden kann. Huxley entlehnte den Namen dem vedischen Soma, einem berauschenden Ritualtrank des alten Indien.
Diesen Sommer hatte ich die Gelegenheit, eine sechswöchige Auszeit zu nehmen.
Die Vorfreude war riesig. Die Verheissungen ebenso: Es lockte die grosse Freiheit.
Die Realität war dann aber ganz anders. Zeit für eine Bilanz.
Gemischte Bilanz
Einerseits habe ich viel erlebt, erlaufen, erlesen, nachgedacht und mich ausgeruht.
Andererseits bleiben trotz Musse meine grossen Fragen an das Leben weiterhin ungeklärt. Auch zeigte sich, dass sich gute Laune nicht automatisch mit Freiraum einstellt. Die eigenen Unzulänglichkeiten bleiben bestehen und reisen überall mit.
Und Strukturlosigkeit zeigt ebenfalls schnell ihre Tücken – oder dass manches in der Erwartung besser erscheint als später in der Realität.
Alles in allem war diese Auszeit deshalb eine spannende Erfahrung und ein kleines Lehrstück in Sachen conditio humana – mit einer unerwartet gemischten statt nur positiven Bilanz.
Bezeichnend: In der letzten Woche sagte ich sogar zwei weitere Auswärtsübernachtungen ab, weil ich von Menschen, Eindrücken und Unterwegssein schlicht satt bis müde war. Dies, obwohl ich die kleine Schweiz nie verliess, nur Bergaufenthalte machte und auch einen grossen Teil der Auszeit zu Hause verbrachte.
Was nehme ich mit?
Bild: Sarah Beyeler
Mehr freie Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Wohlbefinden.
Offenbar braucht es nicht maximale Freiheit, sondern die richtige Dosis davon.
Sinnvoll erscheint mir deshalb:
Alltag mit genügend Freiraum + Mikroabenteuern.
Gelegentliche Unterbrechungen des Alltags zur Erholung.
In diesen kürzeren Auszeiten wirklich abschalten und möglichst viel rausgehen – im doppelten Sinne: gedanklich und aus der Stadt.
Die Rückkehr in Alltag, Routinen und Struktur bewusst schätzen.
Längere Auszeiten brauchen eine gewisse Struktur, sonst können sie in Leere kippen.
Persönliche Lebenssituation beachten
Die sechs Wochen waren nicht die optimale Dosis in meiner jetzigen Lebensphase.
Früher war das anders: Freie Zeit hatte bei mir immer ein Ziel und mehrere parallele Projekte – intellektuelle, sportliche, politische, schriftstellerische oder zuletzt auch Instagram. Diese Missionen erzeugten Getriebenheit. Die Freiheit war Mittel zum Zweck und konnte deshalb scheinbar nie gross genug sein.
Diese Getriebenheit fällt bei mir inzwischen weitgehend weg. Und damit fühlt sich Freiheit plötzlich anders an. Sie kann sich sogar ungewohnt, leer oder beinahe unverdient anfühlen, während rundherum die Welt weiter umtriebig ist. Rational ist dieses schlechte Gewissen vermutlich unbegründet – aber es ist trotzdem da.
Die spannenden Fragen, die nach dem Getriebensein, den Ambitionen und den Zielen bleiben, lauten deshalb: Welche Dosis Freiheit tut einem Menschen tatsächlich gut?
Und persönlich:
Brauche ich wieder Ziele, Ambitionen und die daraus entstehende Getriebenheit?
Oder gäbe es einen Zwischenweg?
Ziele ohne Zwang.
Projekte ohne Mission.
Ambition ohne Selbstwertbindung.
Struktur ohne Gefängnis.
Diesen Sommer wollte ich die Auszeit ganz frei angehen und nahm mir bewusst nichts vor. Ich dachte, ich müsste möglichst viel Freiheit haben, um sie möglichst gut geniessen zu können.
Tatsächlich scheint mir ein gewisses Mass an Aufgabe und Anstrengung zu helfen, Freiheit überhaupt als Freiheit zu erleben.
Freiheit ist somit nicht unbedingt die Abwesenheit von Verpflichtung. Vielleicht braucht Freiheit einen Rahmen, damit sie sich gut anfühlt.
Weiterführende philosophische Schlussfolgerungen
In den älteren Texten dieses Blogs geht es immer wieder um Spannung und Entspannung im richtigen Verhältnis als Bedingung für ein gutes Leben.
Meine Sommerauszeit hat mir nun gewissermassen die Gegenprobe geliefert.
Zu viel Entspannung kann führen zu:
→ Strukturlosigkeit → Leere → wenig Antrieb → weniger Erfüllung als in der Vorstellungen erwartet
Die interessante Zone liegt also dazwischen – in der Balance, im richtigen Mass.
Meine Sommerauszeit war damit vielleicht weniger eine Antwort als ein Experiment, das eine alte Einsicht wieder sichtbar gemacht hat:
Μηδὲν ἄγαν – nichts im Übermass.
Mit 16 Jahren hatte ich in meiner ersten Altgriechischstunde einen Spruch kennengelernt, der mir sofort gefiel und den ich mir damals sogar als meinen persönlichen Leitspruch ins Heft schrieb.
Später wurde daraus im Laufe der Jahre ein ziemlich grundlegendes Prinzip meines Lebens: Verschiedene Interessen und Tätigkeiten verfolgen und immer wieder nach einer Balance suchen. Die beiden Dinge gehören für mich zusammen – gerade die Vielfalt braucht genügend Freiraum, und der Freiraum wird durch unterschiedliche Tätigkeiten überhaupt erst sinnvoll gefüllt.
In einigen Texten dieses Blogs taucht derselbe Gedanke immer wieder auf: Spannung und Entspannung im richtigen Verhältnis, Ruhe und Aktivität, Anstrengung und Erholung. Entspannung ohne vorherige Spannung schmeckt fade. Gleichzeitig darf eine angespannte Phase nicht zum Dauerzustand werden.
Und genau das habe ich diesen Sommer praktisch ausprobiert.
Ich habe die Spannung weitgehend herausgenommen und begann meine Auszeit ohne sportliche Mission, ohne Schreibprojekt, ohne Instagram, ohne Ambition, irgendwohin zu kommen, ohne Ambition, gesehen zu werden und ohne grosse Reiseabsichten.
Stattdessen wollte ich nur Freiheit und Entspannung.
Und siehe da: Freiheit und Entspannung sind schön– aber offenbar nicht im Übermass.
Frühere Auszeiten waren immer zu voll. Es ging nie ohne mehrere parallele Projekte, sportliche Ziele, intellektuelle Vorhaben, politisches Engagement, Schreiben, später Instagram. Das gab mir enorm viel Energie und Richtung, aber eben auch Unruhe und das Gefühl, nie anzukommen.
Diesen Sommer habe ich erlebt, dass auch Entspannung kippen kann.
Nicht in Stress – sondern in Leere.
Vielleicht liegt ein guter Kompromiss in Ambition ohne Getriebenheit.
Eigentlich lebe ich schon länger nach diesem Prinzip.
Ein schönes Beispiel ist ausgerechnet der Sport:
Schon in meinen früheren Texten habe ich beschrieben, dass körperliche Anspannung und anschliessende Entspannung für mich zusammengehören. Die Bewegung selbst kann Selbstzweck sein, aber die Entspannung danach bekommt gerade durch die vorherige Anstrengung ihren besonderen Wert. Eine Balance von Spannung und Entspannung ist auch beim Training entscheidend.
Ich habe das als Sportler also jahrzehntelang auf körperlicher Ebene verstanden.
Vielleicht muss ich es nun auf das ganze Leben übertragen.
Ein Tag, an dem ich morgens konzentriert lese und schreibe und nachmittags in die Berge gehe, kann möglicherweise befriedigender sein als ein ganzer Tag, an dem ich jederzeit tun kann, was ich möchte.
Nicht weil die Freiheit am Nachmittag kleiner wäre.
Sondern weil sie durch die Spannung des Vormittags Kontur bekommt.
Vielleicht ist Freiheit deshalb nicht die Abwesenheit von Verpflichtung. Vielleicht braucht sie einen Rahmen, damit sie sich gut anfühlt.
Damit schliesst sich der Kreis zu dem Satz, den ich mit 16 intuitiv ins Griechischheft geschrieben habe und dessen Bedeutung ich offenbar immer wieder neu lernen muss:
Μηδὲν ἄγαν. Nichts im Übermass.
Das gilt somit offenbar auch für die Freiheit.
Die eigentliche Frage nach der Sommerauszeit lautet deshalb vielleicht nicht mehr nur:
Welche Dosis Freiheit tut einem Menschen tatsächlich gut?
Sondern:
Wie viel Struktur braucht Freiheit, damit sie sich gut anfühlt – und wie viel Freiheit braucht Struktur, damit sie nicht wieder zur Getriebenheit wird?
ChatGPT erhielt den Auftrag,Goethes Zauberlehrling im Stil dieses Blogs umzuschreiben. Ich schrieb ebenfalls eine Version. Unten stehen beide Texte. Welcher stammt vom Menschen, welcher von KI?
Der KI-Lehrling (I)
Alles Wissen dieser Welt Ein Klick und es ist mein Damit werde ich produktiv Also los – Prompt rein!
Seht, wie das läuft! Wahrlich, Prompt um Prompt Dein wird mein Du und ich werden wir
ChatGPT und ich – das neue Dreamteam!
Tiefer, tiefer unsere Verbindung geht Mehr und mehr meine erste Adresse Plötzlich Tröster sowie Problemversteher Wahre Wunder tut es sehr Etwa gar mein Freund?
Doch die Zweifel kommen mehr:
Was stammt noch vom Menschen, was von Maschine? Merkt jemand, was genuin mein? Prompter statt kreativ?
Seine Antworten manchmal schräg Und kann es mich überhaupt verstehen? Prompt um Prompt weiss es mehr Und, verbinden wir uns zu sehr?
Ab und zu ist es auch nicht smart Manchmal grobe Schnitzer im System Sowie Verzerrungen allenthalben Bin ich nun Teil der Desinformation?
Irgendwie nun daran gewöhnt Ersatz für alles immer mehr? Könnte ich denn ohne noch?
Ach egal – es ist ja so behände! Und alle brauchen es immer mehr Lassen wir es doch mal laufen!
Als ein Werkzeug nicht verkehrt? Oder doch am Ende die Ausgeburt der Hölle?
Der KI-Lehrling (II)
Der Mensch ruft Maschine hört Prompt hinein Antwort stört Kaum gelernt schon produziert Text und Bild perfektioniert
Im Zug sitzen vier Jugendliche. Niemand spricht. Alle schauen auf ihr Handy. Finger wischen, im Sekundentakt. Niemand sieht aus dem Fenster. Draussen Morgenröte, drinnen nur Displays.
Vor wenigen Wochen wäre mir diese Szene kaum aufgefallen. Oder genauer: Ich hätte mich nicht wirklich ausserhalb davon gefühlt. Den Feed ignorierte ich zwar weitgehend und auch sinnloses Scrollen war nie mein Ding. Dennoch sass ich oft im Zug und schnitt meine Videos oder beantwortete Instagram-Messages. Ich war Content-Produzent und damit auch irgendwie Teil dieser Welt.
Drei Jahre lang baute ich einen Instagram-Account auf. Zunächst spielerisch, da ich mal wieder etwas Neues lernen wollte. Mit dem Erfolg kam dann der Ehrgeiz. Die Lernkurve war steil: Ich lernte Fotografieren, Filmen, Schneiden, Erzählen. Ich begriff, wie der Algorithmus funktioniert, wie man Aufmerksamkeit bekommt. Und ich war erfolgreich damit. In meiner kleinen Nische wurde ich so etwas wie bekannt, die Reichweite stieg stetig. Junge Menschen erkannten mich auf der Strasse. Einige mir unbekannte Menschen schrieben mir täglich Nachrichten. Mit 49 war ich plötzlich in einer Währung relevant geworden, die eigentlich den Jungen gehört: Reichweite, Sichtbarkeit, digitale Präsenz.
Das erzeugte eine Eigendynamik, es fühlte sich gut an.
Denn natürlich schmeichelte mir diese Bestätigung. Und es motivierte sehr, wenn Menschen auf Beiträge warten, reagieren, reposten, Kollaborationen mit einem anstreben und liken. Und ich wurde immer sichtbarer – dies ausgerechnet in der riesigen virtuellen Welt, in der Aufmerksamkeit längst zur härtesten Währung geworden ist!
Diese Dynamik gab mir Lebendigkeit. Bald entstand ein neuer Teil meiner Identität: Aus dem Eigenbrötler, der keine sozialen Medien nutzt wurde der Mann mit Reichweite: Der mit sichtbaren Mikroabenteuern, im Führerstand der schnellen Züge, Sport, Berge, Tiere und Reichweite. Einer, der auch mit grauem Bart in der Welt der Jungen Interesse weckt.
Heute wirkt das fast surreal. Nicht völlig blöd, aber komisch und etwas künstlich, eher wie ein Fiebertraum. Als hätte ich lange in einem Raum gelebt, dessen Lärm mir erst auffällt, seit ich draussen bin.
Gleichzeitig lebte ich von Anfang an mit einem Widerspruch: Ich hielt soziale Medien immer für problematisch – und machte plötzlich trotzdem mit.
Lange redete ich mir ein, ich könne das anders handhaben. Schliesslich scrollte ich so gut wie nie. Ich produzierte vor allem und hatte auch in der intensivsten Zeit klare Regeln im Umgang mit meinem Handy. So machte ich alle 4-6 Monate mehrere Wochen vollständig Pause von Instagram. Oder erlaubte mir nur gerade diese Plattform. Auch machte ich mindestens 1h vor dem Schlafengehen das Handy aus und es durfte nie mit ins Schlafzimmer.
Erst später verstand ich: Auch Produzenten sind Teil dieser Maschinerie. Meine Regeln reichten nicht aus, um den Sog wirklich zu brechen.
Denn schleichend beginnt man, die Welt nicht mehr bewusst zu erleben, sondern sieht überall nur Augenblicke, die man posten könnte. Die Morgenröte. Die grüne Lokomotive. Ein Lauf im Nebel. Die Begegnung mit der Katze auf dem Arbeitsweg in aller Frühe. Alles ist potenzieller Content. Man ist nie ganz einfach im Moment. Immer existiert noch eine zweite Ebene: Könnte das ein guter Beitrag für Instagram sein?
Dazu kam etwas anderes, das schwerer zu beschreiben ist: Reziprozitätsdruck. Menschen schauten meine Inhalte, reagierten regelmässig, begleiteten mich über Jahre. Und still entstand das Gefühl, man müsse zurückschauen, zurückliken, zurückreagieren. Was bei wenigen Kontakten menschlich und schön ist, wird bei grösserer Reichweite unmöglich. Trotzdem bleibt das diffuse Gefühl, dauernd jemandem etwas schuldig zu sein.
Und gleichzeitig begann etwas kleiner zu werden: meine Aufmerksamkeit.
Ich war immer ein Mensch gewesen, der viel las. Lange Texte. Bücher. Täglich. Konzentration war früher etwas Selbstverständliches. Mit der Zeit griff ich immer öfter zum Smartphone statt zum Buch.
In meinen regelmässigen Instagram-Pausen, bemerkte ich, wie schnell manches zurückkam. Bereits nach wenigen Tagen las ich wieder deutlich mehr. Meine Wahrnehmung wurde ruhiger. Begegnungen echter. Ich merkte plötzlich, wie viele Menschen dauernd halb abwesend sind. Körperlich anwesend, geistig jedoch anderswo. Wie viele an Bushaltestellen, in Cafés oder im Zug kaum mehr in die Welt schauen, sondern in diese kleinen leuchtenden Rechtecke.
Und gleichzeitig begann sich mein Blick auf mich selbst zu verändern. Immer mehr hatte ich Sichtbarkeit mit Bedeutung verwechselt. Heute erscheint mir diese permanente Selbstexponierung seltsam, fast fremd. Wie konnte ich es normal finden, dauernd sichtbar zu sein? Ständig etwas von mir preiszugeben? Immer leicht performativ zu leben? Ich lernte, dass sichtbar sein bedeutet, beobachtet zu werden. Damit ist oft eine Bewertung verbunden. Und man wird angreifbar.
Und dennoch wäre es falsch, Instagram einfach als schlecht abzutun. Das stimmt nicht. Über diese Plattform kam ich zu Begegnungen, Möglichkeiten und Erfahrungen, die ich sonst nie gemacht hätte. Meine Freiwilligenarbeit im Tierheim begann indirekt damit. Ich lernte viele junge Menschen kennen. Manche suchten Rat oder Austausch. Ich mochte diese Rolle. Vielleicht vermisse ich sie sogar am meisten: Dieses Gefühl, trotz meines Alters noch Teil einer jüngeren Welt zu sein. Nicht bloss Zuschauer des Älterwerdens, sondern jemand, der noch Resonanz erzeugen kann. Immer wieder denke ich gerne an die ersten Nachrichten von jungen Menschen zurück, die aktiv bei mir Rat und Inspiration via Instagram suchten. Auch bleibt mir für immer, dass einige Menschen wegen mir zu Laufen anfingen, nachdem sie ein Laufvideo von mir in der Natur oder den Bergen sahen.
Und in kurzer Zeit lernte ich von null auf viele neue Fähigkeiten, die mir gar bei der ersten Teilnahme an einem Fotowettbewerb den Gewinn einbrachten. Und eben, ich konnte in Echtzeit erleben, was Reichweite mit einem macht – im positiven und negativen Sinne.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Schwierigkeit sozialer Medien: Sie ermöglichen reale Dinge wie Kreativität, Resonanz oder Sichtbarkeit. Auch erlebt man Gemeinschaft. Aber sie verlangen dafür gleichzeitig einen Preis, den man oft erst spät bemerkt: Unruhe, Zerstreuung, Lärm. Und sie nehmen das Gefühl, ganz im Hier und Jetzt zu sein.
Heute, nach Wochen ohne Instagram, kommt mir diese Zeit gleichzeitig nah und weit weg vor. Ich kann kaum noch verstehen, weshalb ich diese Aufmerksamkeitsökonomie einmal so ernst nahm. Weshalb ich so viel Energie investierte, um sichtbar zu sein in einem System, das Menschen nie ganz zur Ruhe kommen lässt.
Und trotzdem bin ich meinem früheren Ich nicht böse. Vielleicht musste ich genau dort hineingehen, um zu verstehen, warum ich dort eigentlich nie ganz hingepasst habe. Der Wertekonflikt, der mich durch diese drei Jahre begleitete, wurde nie kleiner – egal, wie viel mir Instagram sonst gab.
Manchmal glaube ich heute, die eigentliche Herausforderung unserer Zeit besteht nicht darin, ständig verbunden zu sein. Sondern darin, wieder wirklich anwesend zu werden.
Wie gross war meine Freude, als ich heute Morgen im Zug eine junge Frau sah, die einfach die Morgenröte betrachtete — ganz ohne Handy und Kopfhörer.
Seufz – mach’s doch lieber jetzt aber mal konkret!
Freude am Prozess anstatt Fokus auf Ziele Tätigsein ohne völlige Verausgabung Die Welt im Kleinen besser machen Disziplin, Routinen, Gewohnheiten Beziehungen und Begegnungen Sich nicht in Macht verstricken Langsamkeit und Achtsamkeit Weniger ist oftmals mehr Nicht zu viel wollen Genug definieren Keep it simple Dankbarkeit übe täglich
Und nun doch zurück zum Pathos! Eudaimonia oder Glückseligkeit Eigentlich gar nicht so schwer?
In jungen Jahren wer nicht kämpft, hat schon verloren Identität im Gegen und Trotzdem Revolte, Widerstand, Opposition Vitalität dauernd demonstrieren Unruhe als Lebenselixier schaut her: Ich bin hier!
In mittleren Jahren sich mit dem Gegebenen arrangieren Besonnenheit wächst mehr und mehr ruhige Nische gefunden = Jackpot Unsichtbarkeit tut weniger weh Verstrickungen minimiert Beständigkeit als Ziel
In reifen Jahren besonnen und weich – Kampf und Härte jetzt Torheit gelassen aus der dritten Reihe kommentiern Bewusstheit: es ist die letzte Jahreszeit aussen sanft – innen konsequent schwindende Kräfte bündeln Freiheiten riesengross