Sonnige Herbsttage in den Bergen: Eindrückliche Felsformationen, ein Wasserfall und besondere Momente hoch oben.

Samichlaus hart am Berg

Insta-Idylle (ohne Insta)

Auf dem Gipfel
5. Padella Foto-Wettbewerb der Gemeinde Samedan
Am 6. Januar 2026 herrschten in Samedan eisige –22 Grad.
Bei einem langen Lauf durch das Engadin blieben wir am Fluss stehen, denn die besondere Morgenstimmung war einfach zu schön, um weiterzulaufen.
Ich fotografierte, bis mir beinahe die Hände abfroren. Dass eines dieser Bilder später den 5. Padella Foto-Wettbewerb gewinnen würde, hätte ich damals niemals erwartet.
Später entdeckte ich den Aufruf zum Fotowettbewerb und schickte eines der Bilder dieses eisigen Morgens ein.
Völlig überraschend gewann das Bild den Wettbewerb.
Vielen Dank an die Jury für die wohlwollende Bewertung meines Bildes und an die Gemeinde Samedan für die Organisation des Fotowettbewerbs sowie dem Restaurant Mamà für den Gutschein.



Short cOntent
Mass mAnipulation
Aldous Huxley (Brave New World, 1932) may have been more prescient than George Orwell (1984, 1949): People can be controlled more effectively through the mind than through the body.
The antidote is well known:
Attention!
Hinweis:
Soma heisst im Griechischen „Körper“ (σῶμα) – und bezeichnet bei Huxley zugleich die Glücksdroge aus Brave New World (1932): ein Mittel, mit dem man sich von unangenehmen Gefühlen und der Wirklichkeit verabschieden kann. Huxley entlehnte den Namen dem vedischen Soma, einem berauschenden Ritualtrank des alten Indien.
Diesen Sommer hatte ich die Gelegenheit, eine sechswöchige Auszeit zu nehmen.
Die Vorfreude war riesig.
Die Verheissungen ebenso: Es lockte die grosse Freiheit.
Die Realität war dann aber ganz anders.
Zeit für eine Bilanz.
Gemischte Bilanz
Einerseits habe ich viel erlebt, erlaufen, erlesen, nachgedacht und mich ausgeruht.
Andererseits bleiben trotz Musse meine grossen Fragen an das Leben weiterhin ungeklärt. Auch zeigte sich, dass sich gute Laune nicht automatisch mit Freiraum einstellt. Die eigenen Unzulänglichkeiten bleiben bestehen und reisen überall mit.
Und Strukturlosigkeit zeigt ebenfalls schnell ihre Tücken – oder dass manches in der Erwartung besser erscheint als später in der Realität.
Alles in allem war diese Auszeit deshalb eine spannende Erfahrung und ein kleines Lehrstück in Sachen conditio humana – mit einer unerwartet gemischten statt nur positiven Bilanz.
Bezeichnend: In der letzten Woche sagte ich sogar zwei weitere Auswärtsübernachtungen ab, weil ich von Menschen, Eindrücken und Unterwegssein schlicht satt bis müde war. Dies, obwohl ich die kleine Schweiz nie verliess, nur Bergaufenthalte machte und auch einen grossen Teil der Auszeit zu Hause verbrachte.
Was nehme ich mit?
Mehr freie Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Wohlbefinden.
Offenbar braucht es nicht maximale Freiheit, sondern die richtige Dosis davon.
Sinnvoll erscheint mir deshalb:
Persönliche Lebenssituation beachten
Die sechs Wochen waren nicht die optimale Dosis in meiner jetzigen Lebensphase.
Früher war das anders: Freie Zeit hatte bei mir immer ein Ziel und mehrere parallele Projekte – intellektuelle, sportliche, politische, schriftstellerische oder zuletzt auch Instagram. Diese Missionen erzeugten Getriebenheit. Die Freiheit war Mittel zum Zweck und konnte deshalb scheinbar nie gross genug sein.
Diese Getriebenheit fällt bei mir inzwischen weitgehend weg. Und damit fühlt sich Freiheit plötzlich anders an. Sie kann sich sogar ungewohnt, leer oder beinahe unverdient anfühlen, während rundherum die Welt weiter umtriebig ist. Rational ist dieses schlechte Gewissen vermutlich unbegründet – aber es ist trotzdem da.
Die spannenden Fragen, die nach dem Getriebensein, den Ambitionen und den Zielen bleiben, lauten deshalb: Welche Dosis Freiheit tut einem Menschen tatsächlich gut?
Und persönlich:
Brauche ich wieder Ziele, Ambitionen und die daraus entstehende Getriebenheit?
Oder gäbe es einen Zwischenweg?
Diesen Sommer wollte ich die Auszeit ganz frei angehen und nahm mir bewusst nichts vor. Ich dachte, ich müsste möglichst viel Freiheit haben, um sie möglichst gut geniessen zu können.
Tatsächlich scheint mir ein gewisses Mass an Aufgabe und Anstrengung zu helfen, Freiheit überhaupt als Freiheit zu erleben.
Freiheit ist somit nicht unbedingt die Abwesenheit von Verpflichtung. Vielleicht braucht Freiheit einen Rahmen, damit sie sich gut anfühlt.
Weiterführende philosophische Schlussfolgerungen
In den älteren Texten dieses Blogs geht es immer wieder um Spannung und Entspannung im richtigen Verhältnis als Bedingung für ein gutes Leben.
Bereits erlebt hatte ich (z.B. zuletzt durch Instagram siehe dazu Der Mann mit Reichweite – Drei Jahre Instagram), dass zu viel Spannung zu folgendem führt:
→ Getriebenheit
→ Überlastung
→ Energieverlust
→ Unfreiheit
Meine Sommerauszeit hat mir nun gewissermassen die Gegenprobe geliefert.
Zu viel Entspannung kann führen zu:
→ Strukturlosigkeit
→ Leere
→ wenig Antrieb
→ weniger Erfüllung als in der Vorstellungen erwartet
Die interessante Zone liegt also dazwischen – in der Balance, im richtigen Mass.
Meine Sommerauszeit war damit vielleicht weniger eine Antwort als ein Experiment, das eine alte Einsicht wieder sichtbar gemacht hat:
Μηδὲν ἄγαν – nichts im Übermass.
Mit 16 Jahren hatte ich in meiner ersten Altgriechischstunde einen Spruch kennengelernt, der mir sofort gefiel und den ich mir damals sogar als meinen persönlichen Leitspruch ins Heft schrieb.
Später wurde daraus im Laufe der Jahre ein ziemlich grundlegendes Prinzip meines Lebens: Verschiedene Interessen und Tätigkeiten verfolgen und immer wieder nach einer Balance suchen. Die beiden Dinge gehören für mich zusammen – gerade die Vielfalt braucht genügend Freiraum, und der Freiraum wird durch unterschiedliche Tätigkeiten überhaupt erst sinnvoll gefüllt.
In einigen Texten dieses Blogs taucht derselbe Gedanke immer wieder auf: Spannung und Entspannung im richtigen Verhältnis, Ruhe und Aktivität, Anstrengung und Erholung. Entspannung ohne vorherige Spannung schmeckt fade. Gleichzeitig darf eine angespannte Phase nicht zum Dauerzustand werden.
Und genau das habe ich diesen Sommer praktisch ausprobiert.
Ich habe die Spannung weitgehend herausgenommen und begann meine Auszeit ohne sportliche Mission, ohne Schreibprojekt, ohne Instagram, ohne Ambition, irgendwohin zu kommen, ohne Ambition, gesehen zu werden und ohne grosse Reiseabsichten.
Stattdessen wollte ich nur Freiheit und Entspannung.
Und siehe da:
Freiheit und Entspannung sind schön– aber offenbar nicht im Übermass.
Frühere Auszeiten waren immer zu voll. Es ging nie ohne mehrere parallele Projekte, sportliche Ziele, intellektuelle Vorhaben, politisches Engagement, Schreiben, später Instagram. Das gab mir enorm viel Energie und Richtung, aber eben auch Unruhe und das Gefühl, nie anzukommen.
Diesen Sommer habe ich erlebt, dass auch Entspannung kippen kann.
Nicht in Stress – sondern in Leere.
Vielleicht liegt ein guter Kompromiss in Ambition ohne Getriebenheit.
Eigentlich lebe ich schon länger nach diesem Prinzip.
Ein schönes Beispiel ist ausgerechnet der Sport:
Schon in meinen früheren Texten habe ich beschrieben, dass körperliche Anspannung und anschliessende Entspannung für mich zusammengehören. Die Bewegung selbst kann Selbstzweck sein, aber die Entspannung danach bekommt gerade durch die vorherige Anstrengung ihren besonderen Wert. Eine Balance von Spannung und Entspannung ist auch beim Training entscheidend.
Ich habe das als Sportler also jahrzehntelang auf körperlicher Ebene verstanden.
Vielleicht muss ich es nun auf das ganze Leben übertragen.
Ein Tag, an dem ich morgens konzentriert lese und schreibe und nachmittags in die Berge gehe, kann möglicherweise befriedigender sein als ein ganzer Tag, an dem ich jederzeit tun kann, was ich möchte.
Nicht weil die Freiheit am Nachmittag kleiner wäre.
Sondern weil sie durch die Spannung des Vormittags Kontur bekommt.
Vielleicht ist Freiheit deshalb nicht die Abwesenheit von Verpflichtung. Vielleicht braucht sie einen Rahmen, damit sie sich gut anfühlt.
Damit schliesst sich der Kreis zu dem Satz, den ich mit 16 intuitiv ins Griechischheft geschrieben habe und dessen Bedeutung ich offenbar immer wieder neu lernen muss:
Μηδὲν ἄγαν.
Nichts im Übermass.
Das gilt somit offenbar auch für die Freiheit.
Die eigentliche Frage nach der Sommerauszeit lautet deshalb vielleicht nicht mehr nur:
Welche Dosis Freiheit tut einem Menschen tatsächlich gut?
Sondern:
Wie viel Struktur braucht Freiheit, damit sie sich gut anfühlt – und wie viel Freiheit braucht Struktur, damit sie nicht wieder zur Getriebenheit wird?

ChatGPT erhielt den Auftrag, Goethes Zauberlehrling im Stil dieses Blogs umzuschreiben. Ich schrieb ebenfalls eine Version. Unten stehen beide Texte. Welcher stammt vom Menschen, welcher von KI?
Der KI-Lehrling (I)
Alles Wissen dieser Welt
Ein Klick und es ist mein
Damit werde ich produktiv
Also los – Prompt rein!
Unser erstes gemeinsames Gedicht
Unser erstes gemeinsames Bild
Seht, wie das läuft!
Wahrlich, Prompt um Prompt
Dein wird mein
Du und ich werden wir
ChatGPT und ich – das neue Dreamteam!
Tiefer, tiefer unsere Verbindung geht
Mehr und mehr meine erste Adresse
Plötzlich Tröster sowie Problemversteher
Wahre Wunder tut es sehr
Etwa gar mein Freund?
Doch die Zweifel kommen mehr:
Was stammt noch vom Menschen, was von Maschine?
Merkt jemand, was genuin mein?
Prompter statt kreativ?
Seine Antworten manchmal schräg
Und kann es mich überhaupt verstehen?
Prompt um Prompt weiss es mehr
Und, verbinden wir uns zu sehr?
Ab und zu ist es auch nicht smart
Manchmal grobe Schnitzer im System
Sowie Verzerrungen allenthalben
Bin ich nun Teil der Desinformation?
Irgendwie nun daran gewöhnt
Ersatz für alles immer mehr?
Könnte ich denn ohne noch?
Ach egal – es ist ja so behände!
Und alle brauchen es immer mehr
Lassen wir es doch mal laufen!
Als ein Werkzeug nicht verkehrt?
Oder doch am Ende die Ausgeburt der Hölle?
Der KI-Lehrling (II)
Der Mensch ruft
Maschine hört
Prompt hinein
Antwort stört
Kaum gelernt
schon produziert
Text und Bild
perfektioniert
Früher hiess es:
Üben
Scheitern
Denken
Verwerfen
Nochmal beginnen
Heute:
Prompt
Copy
Paste
Fertig
Ach, wie herrlich!
Nie mehr leeres Blatt
Nie mehr Schreibblockade
Nie mehr stundenlanges Grübeln
Doch langsam
wird es seltsam
Wer schrieb das?
Wer dachte das?
Wer lernte dabei?
Die Maschine
kennt Millionen Texte.
Ich
kenne
mein eigenes Denken
immer weniger.
Sie formuliert besser.
Sie argumentiert schneller.
Sie erinnert sich an alles.
Ich
vergesse
bereits die Frage.
Die Geister
die ich rief
arbeiten zuverlässig.
Tag und Nacht.
Ohne Müdigkeit.
Ohne Zweifel.
Ohne Langeweile.
Und ich?
Ich sitze daneben
und staune.
Bis plötzlich
eine leise Frage auftaucht:
Wenn sie
immer mehr übernimmt –
was
übe
ich
eigentlich
noch?
Auflösung
Der erste Text stammt von mir. Der zweite wurde von ChatGPT im Stil dieses Blogs verfasst. Das Beitragsbild entstand ebenfalls mit ChatGPT.