Kleines ABC der Eisenbahnsprache (Teil 1)

Wir Eisenbahner und Eisenbahnerinnen pflegen eine eigene Sprache. Folgende Wörter sind dabei zentral (Teil 1, Teil 2 findet sich hier):

  • Abschuss
    = wenn ein Sicherheitssystem den Zug mittels Schnellbremsung angehalten hat (kann wegen Fehler LokführerIn oder technischer Störung passieren)
  • Abspitzen / die Spitzkehre machen
    = wenden
  • Abstossen
    = einen Zugteil, der nicht gekuppelt ist, durch Bremsen des Triebfahrzeuges alleine weiterrollen lassen
  • An der Front
    = Mitarbeitende, die im Betrieb und nicht im Büro arbeiten (für die im Büro gibt es auch interessante Ausdrücke, doch die sind nicht grad nett, so dass ich die lieber weglasse)
  • Anfahren
    = z.B. mit der Lok zum Kuppeln an Wagen heranfahren bis sich die Puffer berühren
  • Aufschneiden
    = nein, nicht Bluffen, sondern, wenn eine Weiche in der falschen Stellung (= Lage) befahren wird
  • Besetzte Einfahrt
    = wenn wir auf ein Gleis fahren, auf dem schon andere Fahrzeuge stehen
  • „Chäsli“
    = Kurzpause von 20 Minuten (war früher mit einem runden Kreis in der Einteilung ersichtlich, eben, ein runder Käse)
  • Das Kissen anhören
    = in Frühschicht wichtig: Etwas im Ruhezimmer schlafen gehen
  • Fachausdruck für das Totmannpedal
    = Schnellgang
  • Fiesling
    = Bremseinsatzpunkt auf Strecken mit Führerstandsignalisation (ETCS Level 2), siehe dazu –> Mit 200 km/h auf der NBS unterwegs
  • Fluchtfahrt
    = mit einem Zug ins Gleisfeld und zurück fahren, damit ein Perron für einen anderen Zug frei wird
  • Für BernerInnen: An den Prellbock gehen
    = nach Zürich fahren (leider, seit man auch noch weiter kann (Durchmesserlinie), nicht mehr so gebräuchlich)
  • Heizer
    = Lokführer in Ausbildung (je nach Ausbildungsstand auch Fühergehilfe resp. Lokführeraspirant genannt)
  • Küche
    = Kantine
  • Lea
    = eigentlich LEA: Lokpersonal Electronic Assistant – des Lokführers wichtigstes Werkzeug, ein iPad auf dem wir alle für eine Fahrt relevanten Infos entnehmen (für mehr Details siehe: https://stories.sbb.ch)
  • Tour
    =  der Tagesplan eines Arbeitstages
  • Überfuhr
    = wenn ein Zugteil geschlossen mitgenommen wird
  • Übergang
    = die Ruhezeit zwischen zwei Schichten
  • Überwerfung
    = eine Brücke zum Überqueren von anderen Gleisen (z.B. Durchmesserlinie Zürich)
  • Unterschied zwischen Kreuzung und Zugbegegnung
    = Kreuzung findet auf eingleisiger Strecke statt (ein Zug muss ausweichen); Zugbegegnung ist, wenn sich Züge auf einer mehrspurigen Strecke treffen
  • Vorziehen
    = wenn der Lokführer oder die Lokführerin mit dem Zug in einem Gleis ein Bisschen nach vorne fahren darf, z.B. bis ein Signal sichtbar wird
  • Zwergsignal
    = diese kleinen dreieckigen Signälchen am Boden; sind beim Rangieren zentral

    IMG_5717.jpeg
    Ein Zwergsignal im Bahnhof Brig

 

No-Gos:

  • Gas geben
    –> ein Lokführer oder eine Lokführerin erhöht die Zugkraft
  • Zug fahren
    –> das machen die Passagiere – vom Führerstand aus wird ein Zug geführt

Die war Teil 1 des Wörterbuches – weiter geht es hier.

 

2 Kommentare zu „Kleines ABC der Eisenbahnsprache (Teil 1)“

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