Von den Extremen

Grosse Personenzüge bin ich gewohnt – rund um Bern fährt die BLS sämtliche Regionalzüge, so dass wir Berner SBB-Lokführer und Lokführerinnen fast ausschliesslich lange und schwere Personenzüge fahren.
Dabei ist auch regelmässig der grösste fahrplanmässig fahrende Personenzug der Schweiz. Dieser ist 400 Meter lang, rund 1000 Tonnen schwer und mit einer Re 460 an der Zugspitze sowie am Zugschluss bestückt. Diesen stark motorisierten Zug nennen wir Lokführer und Lokführerinnen „Jumbo“.

–> Bild bald wieder verfügbar

Seit gestern gehört nun auch der Gegenpart zum „Jumbo“ zu den Fahrzeugen, die ich fahren darf: Neu werde ich auch mit dem kleinsten und schwächsten Fahrzeug des Personenverkehrs der SBB unterwegs sein, dem Stadler GTW (RABe 526). GTW steht für Gelenktriebwagen. Dieses Züglein, mit dem Antriebsteil in der Mitte, ist mit 55 m Länge kaum länger als zwei Wagen eines ICs. Und der ganze GTW ist vom Gewicht her in etwa so schwer wie eine einzige Re 460 Lok – zum Vergleich, der „Jumbo“ hat 14 Wagen und zwei Loks, ein ganz schöner Kontrast!

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Parkierter GTW in La-Chaux-de-Fonds.

Aber er ist was Besonderes, der GTW. Kenner und Kennerinnen sehen dies schon von Weitem. So erinnert der GTW doch irgendwie an den Flirt (RABe 523, 521 u.a.) und gar an den modernen KISS („RV Dosto“, RABe 511)? Front oder Kupplung scheinen doch ähnlich zu sein?

 

Richtig, der GTW ist die Mutter des Flirts und der Grossvater des KISS. Mit ihm begann es, auf ihm baut Stadler Rail eine ganze Familie von Triebzügen für den Regionalverkehr auf. Der GTW existiert seit Mitte der 1990er Jahre und trotz dieses stolzen Alters findet sich einiges davon eins zu eins im seit 2010 verkehrenden sehr modernen RV Dosto / KISS wieder.

Und er ist ein Erfolg, der kleine GTW. So fährt er in über zehn Ländern, unter anderem auch in den USA.

Ob wir zwei gut harmonieren werden, kann ich ab dem Fahrplanwechsel berichten – ab dann werde ich mit dem kleinsten SBB-Zug im Berner Jura unterwegs sein!

 

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