Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 2)

Dies ist die Fortsetzung zu Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 1) – dort findet sich eine Einleitung, wie die Tipps zu verstehen sind.

Teil 2 der Tipps für Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler mit Ambitionen:

  • Das Material (2)

    Quota
    Das letzte Rennrad (gefahren 2011-12): Fahrbereit sagenhafte 6.9 kg, SRAM Red. Ich wurde nie richtig warm damit: Zu steif, seelenlos und vor allem defektanfällig – aber beeindruckend sah es aus!

    Wie gut muss dein Material sein? Hier scheiden sich die Geister und ich gebe zu, dass auch ich phasenweise von den Verheissungen des Top-Materials auf dem Velomarkt mich um den Finger habe wickeln lassen (bei Laufschuhen oder Langlaufmaterial bin ich weniger anfällig). Meine Erfahrungen zeigen, dass Topmaterial zwar sehr motiviert, der Effekt jedoch im Verhältnis zum Preis nicht gross genug ist: Ein bis zwei Stufen unter dem Topmaterial tut es auch sehr gut. Gerade, als ich viel mit Halbprofis unterwegs war, die wenig Geld hatten, sah ich, dass es gar mit Material in der mittleren Preisklasse auf sehr hohem Niveau noch geht. Und, als ich gegen Ende meiner Aktivzeit mal ein ganz teures Velo mit der damals leichtesten Schaltgruppe billig bekam, musste ich lernen, dass es eine Grenze gibt: Diese Teile waren zwar extrem leicht, doch anfällig für Defekte.

    Cannondale
    Mein Liebling (gefahren 2003-2011): Fahrbereit 8.0 kg, Dura-Ace. Agil, zuverlässig und alle Teile daran selber ausgewählt, was einen besonderen Bezug ergab.

    Langer Rede kurzer Sinn:
    Wenn du wenig Geld hast, investiere dies besser in Trainingslager, gute Leistungstests und Trainingsberatungen oder Sportmassagen als in Highend-Material, für das du doppelt so viel zahlst wie für die Mittelklasse, aber nur noch einen winzigen Sprung (z.B. im Gewicht) von wenigen Prozenten erhälst. Und, falls du viel arbeitest, reduziere lieber da und trainiere mehr, als schon wieder ein neues Velo oder diese superschnellen Schuhe zu kaufen.
    Und lass dich nicht blenden – entweder hast du Geld und jedes Jahr neues Topmaterial, dafür wegen Zeitmangel kaum Kondition oder du bist gut trainiert und dafür mit schlechterem Material unterwegs, da du dafür Zeit hast – ich jedenfalls überholte mit meinen Untere- Mittel-Klasse-Trainingsvelos jeweils sehr gerne am Berg die Leute mit diesen 3 kg leichteren aber 4x so teueren Rennrädern oder MTBs. Beides hat vor allem in jungen Jahren kaum wer, Geld und Zeit für viel Training.

  • Das Wetter
    Wie im ersten Teil der Tipps gezeigt (Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 1)), gilt es nun ernst: Du musst 4-5 Mal raus in der Woche. Dass du dich dabei nicht mehr nach dem Wetter richten kannst, liegt auf der Hand (ausser du hast ein Laufband oder ein Velo auf einer Rolle eingespannt (das finde ich aber zu langweilig und zu schweisstreibend)).

    Schnee.jpg
    Nicht selten kamen wir auch mit Schnee in Berührung, hier einmal im Mai auf dem Glaubenbergpass – das LeMond (gefahren 2005-2012) hatte ich extra dafür, ein richtig robustes Trainingsrad, das gerne auch mal auf Kies fahren durfte, was die Wettkampfräder nicht durften.

    Daher musst du deine Einstellung gegenüber dem Wetter anpassen und Kleidung für jedes Wetter griffbereit haben. Frage bei Erfahreneren rum, was sie so bei welchem Wetter für welche Sportart anziehen, was nötig und was nur nice to have ist. Für Radsportler sind Schuhüberzüge, gute Handschuhe, eine Leuchtveste und sehr gutes Licht, Thermobidon oder eine gute Mütze für unter den Helm Pflicht, willst du den ganzen Winter durchfahren. Wärmer hast du auch, wenn du im Winter MTB oder Gravelbike fährst, anstatt Rennrad oder du zumindest Bikepedale und MTB-Schuhe fürs Rennvelo verwendest, da diese besser gegen Kälte und Nässe schützen.

    Bei Läuferinnen ist viel weniger nötig, Rennen gibt immer warm. Aber auch hier gehören Handschuhe, Mütze und eine Leuchtveste zum Grundbestand für den Winter. Beim Rest geht auch das Schichtprinzip.

    Es lohnt sich als Radportlerin, ein Trainingsvelo zu haben (ich hatte gar eines mit Schutzblechen, „pfui“ sagten die Kumpels regelmässig dazu, aber wer hatte immer ein trockenes Hinterteil?) , so dass du deine geliebten Wettkampfvelos nicht dem Regen und

    Rolle.jpg
    Stand meist unbenutzt in der guten Stube, das Rollenvelo – zu langweilig und zu schweisstreibend…

    salzversetzen Schmelzwasser aussetzen und viel Zeit für das Putzen der Räder verwenden musst. Mein Trainingsvelo war immer sehr schmutzig, dafür die schönen Wettkampfvelos durchgehend in gutem Zustand, da sie ausser an Renntagen, nie auf nasser Strasse fahren mussten.

  • Du brauchst Gspännli
    Es gibt sie, die Menschen, die viele Stunden in der Woche alleine trainieren, sich auch alleine bis ans Limit pushen können und sich über Monate alleine motivieren. Die sind jedoch eher die Ausnahme. Meine Erfahrung ist, dass man Gspännli auf etwa demselben Niveau und mit derselben Motivation braucht. Dann entsteht eine motivierende Dynamik, man schaukelt sich im Trainingseifer gegenseitig auf, findet immer wen, der ein langes Training anreist oder ein Trainingswochenende im Tessin organisiert und nicht zuletzt macht es grossen Spass mit einer Gruppe von Gleichgesinnten ein Trainingslager zu machen oder an ein Rennen zu fahren und dann da zu zelten oder im Wohnmobil zu übernachten – das alles schweisst ungemein zusammen, ergibt Freundschaften fürs ganze Leben (viele Details über die wichtige soziale Dimension des Lebens als Sportler oder Sportlerin finden sich unter Der Überlebende – die Geschichte einer Passion, so dass dies hier kurz abgehandelt werden kann).

Hier geht es weiter zum Teil 3 der Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen.

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