Früher machte man nach dem Aufstehen eine Runde durch Haus und Hof – heutzutage begibt sich der Mensch als Erstes auf einen Rundgang durch Mail, Facebook und Wetter-App.
Weltende – ein Gedicht von Jakob van Hoddis, das in den Roaring Twenties Kultstatus erlangte:
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, In allen Lüften hallt es wie Geschrei, Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken. Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
Früher war es ein Privileg mit einem Flughafendestinationszettel am Gepäck rumzulaufen. Die Menschen liessen ihn möglichst lange am Gepäck. Je exotischer die darauf stehende Destination, desto besser. Ein echtes Statussymbol – seht her: Ich bin kosmopolitisch, weltgewandt. Bin weitgereist, individuell, vermögend – aussergewöhnlich!
Heute ist das anders. Die Zettel müssen sofort weg. Sie bedeuten: Ich bin ein Egoist. Ich verursache unnötig CO2 und Lärm. Mir ist die Umwelt, das Klima, die Tiere, die zukünftigen Generationen und Menschen im Süden egal. Ich konsumiere die Welt. Ich bin ein Viehmensch, der sich mit 300 anderen eng einsperren lässt. Ich lasse mich von peinlichen Sicherheitskontrollen demütigen. Meine Zeit ist nichts wert, ich vergeude sie in Schlangen. Ich bin Teil einer Touristenmasse – nichts ausser gewöhnlich!
Früher war beim Kaufentscheid einer Stereoanlage oder eines Fernsehers eines der absolut entscheidenden Kriterien die Fernbedienbarkeit. Wehe, in den Katalogen war die Fernbedienung zu wenig gross abgebildet. Dann musste man zwingend ins Fachgeschäft gehen.
Was lässt sich alles fernbedienen – auch der Kassettenrekorder und nicht nur Radio und CD? Auch Spezialfunktionen wie zufällige Wiedergabe? Nur die Sender beim TV oder auch noch alle Einstellungen? Das waren über Jahrzehnte wichtige Fragen beim Gerätekauf.
Mehr ist besser – das war die Devise. Wie oft lachte ich meinen Bruder aus, der zum Verändern der Lautstärke aufstehen musste oder die Sender beim TV nicht einfach rauf- und runterschalten konnte, sondern die Nummern einzeln eingeben musste.
Heute ist das ganz anders.
Einerseits hält man die meisten Geräte – etwa Smartphones oder iPads – eh direkt in der Hand, so dass sich die Frage nach der Fernbedienbarkeit oft gar nicht mehr stellt.
Und läuft man andererseits mal zufällig an einen stationären Fernseher heran, liegen da gleich mehrere Fernbedienungen bereit. Eine für das Gerät selber, eine für das komische viereckige Teil darunter, das die Kenner und Kennerinnen Box nennen, und vielleicht noch eine dritte für was weiss ich noch was?! Und wie riesig und kompliziert diese heutigen Fernbedienungen sind.
„…zu viel des Guten?“
Ich selber bin damit völlig überfordert: Zu viele Knöpfe, zu viele Farben – weniger wäre nun definitiv mehr! Ohne Hilfe bringe ich kaum mehr einen Fernseher zum laufen… läuft nun schon die Box oder habe ich den Fernseher angemacht? Wie finden sich die Geräte… och, nun wieder alles schwarz. Ich geb’s auf.
Für uns, die Übergangsgeneration, ist das Internet da, um das reale Leben zu organisieren und allenfalls etwas zu dokumentieren.
Für die nächste Generation, die ersten Digital Natives, ist das anders. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen realem Leben und virtueller Präsenz: Realweltliche und virtuelle Identitäten werden vermengt und bilden eine singuläre Daseinseinheit – ein Generation- und Zeitenbruch.
Alte Katzen haben es besonders schwierig, wenn sie in ein Tierheim müssen. Einerseits sind sie besonders schwer vermittelbar. Andererseits leiden gerade sie besonders, da sie vorher meist das einzige Tier im Haushalt waren und es sich in der Regel um einen ruhigen Haushalt handelte. Im Tierheim geht es hingegen sehr lebhaft zu und her. Ausserdem leben die Katzen da in der Regel wegen engen Platzverhältnissen in einer grossen Zahl zusammen.
Dabei ist gerade eine Adoption einer älteren Katze grundsätzlich interessant. Dies da auf der einen Seite solche Katzen sehr dankbar sind und dies auch zeigen, so bald sie sich etwas eingewöhnt haben. Auf der anderen Seite muss man bei alten Katzen nicht damit rechnen, dass die Vorhänge runtergerissen sind oder alle Topfpflanzen am Boden liegen, wenn man nach Hause kommt – sie sind ruhige und sanfte Gefährten. Und man verpflichtet sich nicht für 15 bis 20 Jahre, wie wenn man eine junge Katze aufnimmt, so dass man je nach Lebensphase auch wieder einmal eine „katzenfreie“ Phase machen kann.
Vor dem Hintergrund dieser Gedanken hatte ich bis vor Kurzem immer wieder älteren und teils gar sehr alten Katzen ein Obdach bei mir (oder je nach Lebensphase bei uns) geboten. Der eine – Tigi – verstarb bereits nach wenigen Wochen, da er als kranke Notplatzierung kam, während andere noch einen langen Lebensabend von mehreren Jahren bei mir (oder uns) verbrachten.
Sie alle sind mir, meinen ehemaligen Wohngspännlis, Partnerinnen, Freunden und Familie in lebendiger Erinnerung geblieben. So hatten alle ihren ganz eigenen Charakter.
Um diese Erinnerung bei den Menschen, die diesen acht Katzen begegnet sind, lebendig zu halten, findet sich unten eine kleine „Ahnengalerie“.
Wer erinnert sich noch an Thömmi, mit dem im 2001 alles begann und der auch auf einer sehr heissen Heizung, die ein Mensch kaum berühren konnte, stundenlang liegen konnte? Und wer hat nicht alles einen der legendären Wutanfälle von Cleo miterlebt? Oder Floomie, wohl die einzige Katze weit und breit, die gerne Zug fuhr, wer erinnert sich an diesen immer hungrigen Riesenkater mit dem für seine Körperfülle viel zu dünnen Schwanz?
Mit ihm begann es 2001: Thömmi aus der Ostschweiz.