
Erstmals in seiner Geschichte widmet das Museum Rietberg unter dem Titel „NÄCHSTER HALT NIRVANA – ANNÄHERUNGEN AN DEN BUDDHISMUS“ einer der Weltreligionen eine grosse Sonderausstellung.
Dabei kann – neben den üblichen Elementen einer solchen Sonderschau wie Leben und Wirken des Religionsstifters Buddha, Geschichte und Verbreitung des Buddhismus oder Leben als Buddhist oder Buddhistin – einiges zur Lehre des Buddhas und ihrer Weiterentwicklung entdeckt werden.
Und da wird es spannend: So staunt der Mensch des 21. Jahrhunderts immer wieder, wie gut die Vorgaben und Grundsätze einer über 2000 Jahre alten Religion auch heute noch Leitlinien für eine bewusste Lebensgestaltung abgeben können. Gerade die neusten Erkenntnisse zum Funktionieren und der Veränderbarkeit (Neuroplastizität) des menschlichen Gehirns machen einige alte Praktiken des Buddhismus hochaktuell. So passt einiges aus der alten Buddhistischen Lehre ausgesprochen gut zum Themenbereich des bewussten Umgangs mit dem Belohnungszentrum unseres Hirns (–> siehe dazu Kleine Freuden des Alltags ). Dazu braucht es nur die Erwähnung der Stichworte Achtsamkeit, Ritual oder Meditation, die im Buddhismus zentral sind.
Und auch der Trend des sich Beschränkens und sich wieder mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren (Stichworte hierzu: Sein anstatt Haben, Zeit statt Geld oder Minimalismus), findet sich prominent im Buddhismus wieder. So kommt einem bei der im Foto gezeigten Geschichte vom gierigen Affen beispielsweise der eine oder die andere Bekannte in den Sinn, der oder die losrennen muss, wenn z.B. eine neue Version vom iPhone auf den Markt kommt, obwohl ihre Version doch noch ganz gut alles abdeckt, was er oder sie wirklich braucht und gar das Gerät eigentlich liebgewonnen wurde, da es die Person doch überall hin begleitete und viele emotional wichtige Kommunikationen darauf stattgefunden hatten.
Solche Gedanken regt ein Ausstellungsbesuch im Museum Rietberg in Zürich immer wieder an. Und das, ganz ohne, dass dies direkt von der Ausstellung angeleitet wird, so dass sie nicht belehrend daherkommt und jeder Besucher und jede Besucherin ausgehend von der Lehre des Buddhas und ihrer vielen Weiterentwicklungen seine eigenen Assoziationen machen lässt.
Neben Inspirationen nimmt der oder die Besuchende natürlich viele bleibende Eindrücke von Kunstwerken aus etlichen asiatischen Ländern und aus ganz verschiedenen Zeiten mit, die die reiche Tradition und regionalen Adaptionen des Buddhismus erahnen lassen und mich oft ins Staunen brachten.
Zu empfehlen ist des Weiteren der Kauf des Begleitbüchleins „ABC Buddhismus“, das auf spielerische Art eine weitere Annäherung an das Thema der Ausstellung ermöglicht. Dieses Büchlein erlaubt, das von ausgewählten Experten und Expertinnen in der Ausstellung Gelesene und auch Gehörte zu Konzepten und Begriffen des Buddhismus zu Hause nochmals intensiver zu studieren. Denn, wie oben beschrieben, können die da verhandelten Begriffe wie etwa Karma, Mitgefühl, Meditation oder Unbeständigkeit auch den westlichen Menschen des 21. Jahrhunderts nach wie vor inspirieren – wie sie dies etwa Hermann Hesse oder Arthur Schopenhauer bereits taten.
Für mehr Informationen:
Die Ausstellung kann noch bis am 31. März 2019 besucht werden.
Es ist genug Zeit für den Besuch einzuplanen. Die Zeit verfliegt gerade an den Videostationen, an denen Experten und Expertinnen verschiedene Konzepte aus dem Buddhismus aus ihrer spezifischen Sicht erläutern, beim Ausstellungsbesuch enorm schnell.
