Archiv der Kategorie: Museologisches

Sieben Jahre lang war ich in einem Museum tätig. Drei Jahre davon als Co-Leiter. Auch heute noch interessiere ich mich für Museen, Ausstellungen und Sammlungen. In dieser Rubrik werden in loser Folge Beiträge zu den vorher genannten Themen präsentiert. Dies insbesondere, wenn eine Ausstellung oder ein Museum nach einem Besuch einen besonders prägenden Eindruck hinterliess und ich den Besuch empfehlen möchte.

Museumstipp: Sei kein gieriger Affe

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Brauche ich wirklich das iPhone X?

 

Erstmals in seiner Geschichte widmet das Museum Rietberg unter dem Titel „NÄCHSTER HALT NIRVANA – ANNÄHERUNGEN AN DEN BUDDHISMUS“ einer der Weltreligionen eine grosse Sonderausstellung.

Dabei kann – neben den üblichen Elementen einer solchen Sonderschau wie Leben und Wirken des Religionsstifters Buddha, Geschichte und Verbreitung des Buddhismus oder Leben als Buddhist oder Buddhistin – einiges zur Lehre des Buddhas und ihrer Weiterentwicklung entdeckt werden.

Und da wird es spannend: So staunt der Mensch des 21. Jahrhunderts immer wieder, wie gut die Vorgaben und Grundsätze einer über 2000 Jahre alten Religion auch heute noch Leitlinien für eine bewusste Lebensgestaltung abgeben können. Gerade die neusten Erkenntnisse zum Funktionieren und der Veränderbarkeit (Neuroplastizität) des menschlichen Gehirns machen einige alte Praktiken des Buddhismus hochaktuell. So passt einiges aus der alten Buddhistischen Lehre ausgesprochen gut zum Themenbereich des bewussten Umgangs mit dem Belohnungszentrum unseres Hirns (–> siehe dazu Kleine Freuden des Alltags ). Dazu braucht es nur die Erwähnung der Stichworte Achtsamkeit, Ritual oder Meditation, die im Buddhismus zentral sind.
Und auch der Trend des sich Beschränkens und sich wieder mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren (Stichworte hierzu: Sein anstatt Haben, Zeit statt Geld oder Minimalismus), findet sich prominent im Buddhismus wieder. So kommt einem bei der im Foto gezeigten Geschichte vom gierigen Affen beispielsweise der eine oder die andere Bekannte in den Sinn, der oder die losrennen muss, wenn z.B. eine neue Version vom iPhone auf den Markt kommt, obwohl ihre Version doch noch ganz gut alles abdeckt, was er oder sie wirklich braucht und gar das Gerät eigentlich liebgewonnen wurde, da es die Person doch überall hin begleitete und viele emotional wichtige Kommunikationen darauf stattgefunden hatten.

Solche Gedanken regt ein Ausstellungsbesuch im Museum Rietberg in Zürich immer wieder an. Und das, ganz ohne, dass dies direkt von der Ausstellung angeleitet wird, so dass sie nicht belehrend daherkommt und jeder Besucher und jede Besucherin ausgehend von der Lehre des Buddhas und ihrer vielen Weiterentwicklungen seine eigenen Assoziationen machen lässt.

Neben Inspirationen nimmt der oder die Besuchende natürlich viele bleibende Eindrücke von Kunstwerken aus etlichen asiatischen Ländern und aus ganz verschiedenen Zeiten mit, die die reiche Tradition und regionalen Adaptionen des Buddhismus erahnen lassen und mich oft ins Staunen brachten.

Zu empfehlen ist des Weiteren der Kauf des Begleitbüchleins „ABC Buddhismus“, das auf spielerische Art eine weitere Annäherung an das Thema der Ausstellung ermöglicht. Dieses Büchlein erlaubt, das von ausgewählten Experten und Expertinnen in der Ausstellung Gelesene und auch Gehörte zu Konzepten und Begriffen des Buddhismus zu Hause nochmals intensiver zu studieren. Denn, wie oben beschrieben, können die da verhandelten Begriffe wie etwa Karma, Mitgefühl, Meditation oder Unbeständigkeit auch den westlichen Menschen des 21. Jahrhunderts nach wie vor inspirieren – wie sie dies etwa Hermann Hesse oder Arthur Schopenhauer bereits taten.

Für mehr Informationen:

http://rietberg.ch/nirvana

Die Ausstellung kann noch bis am 31. März 2019 besucht werden.

Es ist genug Zeit für den Besuch einzuplanen. Die Zeit verfliegt gerade an den Videostationen, an denen Experten und Expertinnen verschiedene Konzepte aus dem Buddhismus aus ihrer spezifischen Sicht erläutern, beim Ausstellungsbesuch enorm schnell.

Museumstipp: Vreneli-Museum Guggisberg

Wer kennt es nicht, das national bekannte Lied vom Vreneli abem Guggisberg, das „Guggisbergerlied“?

Traurig ist die Geschichte vom Vreneli – eine Liebesgeschichte ohne Happy End. In den Kriegsdienst unter fremder Flagge muss der Geliebte, Hans-Joggeli, um einer Strafe zu entgehen. Vreneli bleibt mit Herzschmerz in Guggisberg zurück und stirbt bevor Hans-Joggeli wieder zurück ist – ein Drama.

Was davon genau wahr ist und was Legende, das ist offen. Verbürgt ist jedenfalls, dass es in Guggisberg einen Hans-Joggeli gab, der mit 92 Jahren im Jahre 1736 starb. Von Vreneli sind keine genauen Daten bekannt. Dies, da erst ab ca. 1700 systematisch im Kirchenbuch Geburt- und Todesdaten erfasst wurden. Da Vreneli wohl vor diesem Zeitpunkt starb – Hans-Joggeli wurde für das 17. Jahrhundert sehr alt und schaffte es so in die Zeit des Beginns des Registers -, fehlen diesbezügliche Eintragungen.

Pech hatten sie also, diese beiden Liebenden. Wenigstens haben sie nun ein Museum in einem sehr schmucken alten Speicher mitten in Guggisberg. Tritt man ein in dieses heimelige Holzhäuschen neben der Kirche, so taucht man in eine längst vergangene Welt ein. Im kleinen aber feinen Museum sind allerlei alte und sehr alte Möbel, Bekleidungen, Werkzeuge und vieles mehr zu sehen. Nicht nur der niedrige Holzofen mit den massiven Gusseisenpfannen lässt erahnen, wie anstrengend das Bauernleben in diesen Voralpenhügeln gewesen sein muss. Aber auch damals schon wusste man sich zu verwöhnen – so ist ein grosses Brezeleisen auf dem Herd zu bestaunen. Auch schön sollte es sein: So finden sich vielerlei verzierte Stoffe, heimatliche Bilder und sorgfältig bemaltes Geschirr aus vergangenen Zeiten in den niederen Holzräumen des Museums.

Ein Schwerpunkt des Museums ist das Vorstellen der Guggisberger Tracht, einer besonderen Berner Tracht. Die Frauentracht ziert in heutiger Zeit ein grüner Schurz, der, wie der Rock, lediglich knielang ist. Mir wird im Museum erzählt, dass dies darauf zurückzuführen sei, dass die Guggisberger und Guggisbergerinnen früher arm waren
und wo man konnte gespart wurde, so auch am Stoff. Die Guggisbergerinnen und Guggisberger sind stolz auf ihre besondere Tracht. So findet man sie auch auf dem Dorfwappen oder als Motive der Kirchenfenster – und natürlich trägt sie besagtes Vreneli in den meisten Abbildungen.

Weitere Informationen:

https://www.vreneli-museum.ch

Das „Vreneli-Museum“ ist nur auf Voranmeldung für Führungen offen.

 

Die Kontaktdaten für eine Anmeldung finden sich auf der angegebenen Homepage.

 

 

Und wenn man schon in Guggisberg ist, sollte man unbedingt auf das ab Guggisberg in rund 30 Minuten zu Fuss erreichbare Guggershörnli spazieren – die Strapazen des steilen Aufstieges mit der langen Treppe am Ende werden durch eine einmalige Aussicht belohnt! Und so hat man auch einen Blick auf die Schattenseite des Horns, wo Hans-Joggeli gewohnt haben soll.

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Auch im Winter ein schönes Wanderziel: Das Guggershörnli

Wer etwas länger wandern möchte, sollte ab Schwarzenburg dem Wanderwegweiser auf das Guggershörnli folgen. So kann man Guggershörnli und Museum in Guggisberg gut verbinden und hat vor oder nach dem Muesumsbesuch einens schönen Überblick über Hügel, Berge und Täler, in denen Vreneli und Hans-Joggeli als Bauern lebten.

Doppelter Ausstellungstipp: Landesmuseum Zürich

Landesmuseum Zürich

Auf der Suche nach dem Stil
1850 bis 1900

23.3 – 15.07.2018

Mit der Digitalisierung erleben wir zur Zeit eine Revolution. Beschleunigung, Vernetzung und Innovationen am Laufband prägen unsere Zeit. Schon die nahe Zukunft wird anders sein, als wir es uns vorstellen können. Wandel und Veränderung prägen unsere Zeit.
Besucht man die Austellung „Auf der Suche nach dem Stil – 1850 bis 1900“ im Landesmuseum Zürich, so wird einem klar, dass in der Epoche die Menschen gleiches erlebt hatten. Denn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es ähnlichen Wandel und eine ähnliche Flut von Innovationen wie heute. Und ich staunte, wie diese kurze Epoche das Weltbild in jeder Hinsicht bis heute prägt. Stichworte dazu sind: Eisenbahn, Kommunikation, Verkehr, Architektur, Kunst, Alltagsprodukte, Gewerbe, Grossbetriebe – sehr vieles, das wir heute kennen, stammt genau aus der in der Ausstellung beleuchteten Epoche – durch die vielen Bilder gingen mir wörtlich die Augen auf, dass wir heutzutage in einer Welt leben, die zu einem massgeblichen Teil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt wurde.

Neben den eindrücklichen Bildern, vor allem, wie unsere heutigen Stadtbilder Form annahmen und unserer Verkehrswege zu einem richtigen Netz wurden, kann der oder die BesucherIn anhand vieler interessanter Gegenstände die Fülle der Innovationen (Telefon, Auto, Möbel, Zahnarztbohrmaschine, Design, Malerei u.v.m.) nachempfinden. Dies geht soweit, dass man dank modernster Technologie auch virtuelle Gänge durch Gebäude jener Zeit machen kann und in die Musik jener Epoche eintauchen kann – und hier schliesst sich der Kreis zu heute. So erlebt man in der Ausstellung durch das Verwenden einer modernen Technologie, namentlich iPads, gerade wieder Innovation und hält in Händen ein Produkt einer Firma, die die Gegenwart und wohl auch die Zukunft prägen wird, genau, Apple Ob diese so lange Bestand haben wird, wie die in der Epoche, der die Ausstellung gewidmet ist, gegründeten Firmen wie z.B. Knorr, Nestlè oder Mercedes, kann nur die Zukunft zeigen.

Ein Besuch im Landesmuseum in Zürich lohnt sich im Juni doppelt. So läuft noch bis am 01.07.2018 die…

Swiss Press Photo 18

Die Fotoausstellung zeigt von einer Jury prämierte Pressebilder des vergangenen Jahres. Sowohl Porträts, wie Bilder von Alltäglichem als auch solche von Nichtalltäglichem sind atemberaubend. Die kurzen Texte dazu ordnen das Bildliche gut ein – das Eintauchen in fremde Lebenswelten, geografisch nah und fern, macht Freude.

Weitere Infos:

https://www.nationalmuseum.ch/d/zuerich/