Früher
Hans Guck-in-die-Luft
Heute
Luana Blickt-ins-Smartphone
Früher
Hans Guck-in-die-Luft
Heute
Luana Blickt-ins-Smartphone
Früher
Uff, bald gehen mir die Zwänzgis aus, es wird gleich aufhängen
– und weg war sie, die Liebste!
Heute
Sorry, ich falle nun wohl raus, Akku leer
– und weg ist er, der Liebste!
P.S.:
Wer erinnert sich noch an den Trick, bevor einem das Münz ausging (oder etwas später: die Taxcard leer war), sich in der Telefonzelle anrufen zu lassen?
P.P.S.:
Was für ein Lebensgefühl das war!
Sich bei Regen runter von der Alphütte ins Dorf zu bemühen, dabei fast zu rennen, da man es kaum erwarten konnte, nach Tagen oben endlich die Stimme der Liebsten zu hören. Und dann stand man da in dem angelaufenen Glashäuschen, die Regentropfen prasselten aufs Blechdach, in der Leitung knarrte es… und wie so oft nach kurzer Zeit schon den Druck einer wartenden Person im Nacken, die immer wieder auf die Uhr zeigte… heute suchen wir höchstens im klimatisierten Zugwagon noch die Steckdose!
Hegel zeigte auf, dass der Meister mindestens genau so abhängig vom Diener ist wie umgekehrt – heute fragt sich, wer hier wen an der Leine führt?
Früher machte man nach dem Aufstehen eine Runde durch Haus und Hof – heutzutage begibt sich der Mensch als Erstes auf einen Rundgang durch Mail, Facebook und Wetter-App.
Wissen
Ich weiss es
Ich weiss wo es steht
Ich weiss wo es abgelegt ist
Ich weiss wo ich finden kann
— — — — — — — — — — — — — — — — — —
Es ist nun elektronisch verfügbar, digital
Es wird drauflos gesucht, hip hip hurra!
Es lebe die Volltextsuche
Es wird gefunden
Suchen
Früher war beim Kaufentscheid einer Stereoanlage oder eines Fernsehers eines der absolut entscheidenden Kriterien die Fernbedienbarkeit. Wehe, in den Katalogen war die Fernbedienung zu wenig gross abgebildet. Dann musste man zwingend ins Fachgeschäft gehen.
Was lässt sich alles fernbedienen – auch der Kassettenrekorder und nicht nur Radio und CD? Auch Spezialfunktionen wie zufällige Wiedergabe? Nur die Sender beim TV oder auch noch alle Einstellungen? Das waren über Jahrzehnte wichtige Fragen beim Gerätekauf.
Mehr ist besser – das war die Devise. Wie oft lachte ich meinen Bruder aus, der zum Verändern der Lautstärke aufstehen musste oder die Sender beim TV nicht einfach rauf- und runterschalten konnte, sondern die Nummern einzeln eingeben musste.
Heute ist das ganz anders.
Einerseits hält man die meisten Geräte – etwa Smartphones oder iPads – eh direkt in der Hand, so dass sich die Frage nach der Fernbedienbarkeit oft gar nicht mehr stellt.
Und läuft man andererseits mal zufällig an einen stationären Fernseher heran, liegen da gleich mehrere Fernbedienungen bereit. Eine für das Gerät selber, eine für das komische viereckige Teil darunter, das die Kenner und Kennerinnen Box nennen, und vielleicht noch eine dritte für was weiss ich noch was?! Und wie riesig und kompliziert diese heutigen Fernbedienungen sind.

Ich selber bin damit völlig überfordert: Zu viele Knöpfe, zu viele Farben – weniger wäre nun definitiv mehr! Ohne Hilfe bringe ich kaum mehr einen Fernseher zum laufen… läuft nun schon die Box oder habe ich den Fernseher angemacht? Wie finden sich die Geräte… och, nun wieder alles schwarz. Ich geb’s auf.

Für uns, die Übergangsgeneration, ist das Internet da, um das reale Leben zu organisieren und allenfalls etwas zu dokumentieren.
Für die nächste Generation, die ersten Digital Natives, ist das anders. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen realem Leben und virtueller Präsenz: Realweltliche und virtuelle Identitäten werden vermengt und bilden eine singuläre Daseinseinheit – ein Generation- und Zeitenbruch.
Er ist eine physische Macht
Er markiert eine Epoche
Auch eine Epoche meines Lebens
Nichts steht ihm in seiner Aura nah
Gerne streiche ich das Deckblatt
Gerne schlage ich zufällig nach
Nochmal, nochmal, nochmal
Ein Universum von Wissen
Diese Erinnerungen
An die Studententage
An die Prüfungsvorbereitung
An die Seminararbeiten
An die Tage mit noch so vielen Erwartungen
so viel Hoffnung und
vorweggenommenem Glanz
Es sind über 2000 Seiten
Es sind mehrere Kilogramme
Und noch mehr Symbolik
Mensch, habe ich gelitten
Schlafdrang, Unsicherheiten, Unauffindbarkeiten
Mensch, habe ich geschwitzt
darin zu finden, genau die Bedeutung die es ist
Heute ist alles anders
Klick – Doubleclick – Copy-Paste
Community – Pears – Userforum
Alles ist immer da
und sofort verwertbar
Vorgekaut, vorweggenommen, vorgegaukelt
Das Tempo steigt – doch was bleibt?
Ach, ich streiche nochmals drüber
Eine physische Urgewalt
Dennoch zügle ich Dich nicht mehr,
ersetze ich Deine Kilogramme durch
Maus, Screen, IP, www
Schöne neue Welt
Schwer wird dabei mir die Seele –
Mensch stellvertretend für Menschheit
am Umbruch – Goodbye mein Collins
Goodbye Zeit des Nachschlagens und
physischen Suchens – hello Klickerei

In Erinnungen an meinen, für damals sehr viel Geld gekauften, riesigen Deutsch-Englisch Dictionary Collins mit dem verheissenden Untertitel „Für Experten und Universität“.
Auslöser von Eifersucht
Früher:
Aufmerksamkeit gegenüber anderem Weiblein / Männlein.
Heute:
Aufmerksamkeit, die dem Smartphone geschenkt wird.
Früher dachte man an die Zahnbürste im Bad oder die Schuhe unter dem Bett und hoffte, nichts vergessen zu haben – heutzutage muss man an so viel mehr denken, wenn man das Hotel verlässt: Boff, hab ich doch glatt die Artikel, das eBook und die Serien für die lange Zugfahrt vergessen runterzuladen – wo es nun wohl WLAN hat?