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Eigentlich bin ich Ethnologe mit vertieften Kenntnissen der Philosophie und Ökologie. Den akademischen Betrieb habe ich nach vielen Jahren verlassen und verdiene meine Brötchen nun indem ich Züge durch nahezu die ganze Schweiz führe. Dennoch bin ich dem Wissen und der Neugierde treu geblieben. So interessiere ich mich weiterhin intensiv für die Fortschitte und das Wissen aus allen möglichen Gebieten der Wissenschaften, der Philosophie aber auch für Fragen der guten Lebensführung.

Frage der Woche

 

Wann tut es im Herzen so weh, wenn ein Schaf eine Rose frisst, dass man weinen muss?                                                                                                                                                

Antwortmöglichkeiten (mehrere zutreffend möglich):
  1. Wenn man die Rose selber aufgezogen, gehegt und gepflegt oder gezähmt hat.
  2. Wenn die Rose besonders schön war.
  3. Wenn das Schaf den Befehl, sie nicht zu essen, nicht befolgt hat.
  4. Wenn man so besoffen war, dass man vergessen hatte, das Schaf in seine Kiste zu sperren.
  5. Wenn sie besonders wertvoll war.
  6. Wenn man so beschäftigt war, dass man vergessen hatte, sie mittels Glasglocke zu schützen, bevor man seinem strengen Beruf nachging.
  7. Wenn man die Rose noch nicht nach Art und Familie bestimmt hat.
  8. Wenn man jemanden kennt, der die Rose aufgezogen, gehegt und gepflegt oder gezähmt hatte.

Auflösung:

Wie einem der kleine Prinz im Büchlein von Antoine de Saint-Exupéry aufzeigt, gewinnt man einen Freund oder eine Freundin, wenn man ein Lebewesen hegt, pflegt oder zähmt. Wenn diese Bindung aufgelöst wird, tut einem das Herz weh und man muss weinen. Dasselbe gilt, wenn dies einer Freundin oder einem Freund geschieht. Somit sind eins und acht richtig. Wer mehr über die übrigen Antworten erfahren will, lese das immer wieder lohnenswerte Büchlein von Saint-Exupéry (1943): Le Petit Prince. Bei den Antworten handelt es sich um die Personen, welche der Prinz trifft und die ihm zu denken geben (2. der Eitle / 3. der König / 4. der Trinker / 5. der Geschäftsmann / 6. der Laternenanzünder / 7. der Forscher).

Frage der Woche

Am 24. Juni ging es um Schwarze Löcher, konkret um den Schwarzschildradius. Die heutige Frage der Woche stellt eine Anschlussfrage an die vom 24. Juni dar.

Nehmen wir an, wir würden die Sonne auf besagte 3 km komprimieren, so dass nicht mal mehr Licht entfliehen kann und sie somit zu einem Schwarzen Loch geworden ist.

Was würden wir hier auf der Erde davon spüren (abgesehen, dass es kalt und dunkel werden würde), wäre die Sonne ein Schwarzes Loch mit derselben Masse, wie die Sonne als Gasballen hat?

Antwortvorschläge:

  1. Das Schwarze Loch saugt uns sofort ein, wie ein Staubsauger – aus die Maus!
  2. Die Erde würde beschleunigt und ganz schnell um das Schwarze Loch rasen.
  3. Da das Schwarze Loch nur 3 km Radius hat, kann es die Planeten nicht mehr auf den Bahnen halten und wir würden auf einer tangentialen Linie aus der Umlaufbahn austreten und immer weiter ins All fliegen.
  4. Es ändert sich nichts an der Erdumlaufbahn, der gravitationale Einfluss auf die Planeten bleibt gleich gross.

Auflösung:

Nein, Schwarze Löcher sind keine „Staubsauger“, die alles einfach so einsaugen – auch wenn dies in Filmen oft so dargestellt wird. Nur, wenn man sich dem so genannten Ereignishorizont nähert (der in ähnlicher Grössenordnung wie der Schwarzschild-Radius ist; für nicht rotierende Schwarze Löcher ist der Radius des Ereignishorizontes gleich dem Schwarzschild-Radius, bei drehenden wird es wegen der Abplattung komplizierter, aber auch da nicht Grössenordnungen höher), wird es gefährlich.
Wenn die Masse der Sonne in unserem Gedankenexperiment nun also auf eine Kugel mit 3 km Radius zusammengedrückt würde, so würde es dunkel und kalt, klar, doch am gravitationalen Aufbau des Sonnensystemes ändert sich grundsätzlich nichts: Das Schwarze Loch würde nichts ansaugen, was die Sonne nicht schon angezogen hätte: Seine Masse und damit Anziehungskraft bleiben gleich gross, der Raum bleibt gleich fest „gekrümmt“, und die Planeten können brav weiter kreisen.

Im falschen Leben – eine Parabel

Bei den anderen sieht es so locker aus. Während sie vom Brückengeländer abspringen, breiten sie einfach die Flügel aus, flattern ein, zwei Mal und schon werden sie von der Luft getragen. Es sieht aus, als wäre es das Einfachste der Welt, als ob sie nichts dabei überlegen müssten.

Bei mir ist es anders. Ich habe jedes Mal das Gefühl, als spränge ich ins Leere, in einen Abgrund. Im Moment, wo meine Füsse den Kontakt zum steinernen Brückengeländer verlieren, kriege ich Panik. Es ist, als spränge ich ins Nichts. Die ersten zwei Flügelschläge führe ich jeweils hektisch aus. Danach geht es besser, die Luft trägt auch mich leicht. Doch zuerst ist immer diese Angst, dass sie mich nicht halten kann und ich zur Erde falle.

Ich wünschte mir sehr, dass unsere Kolonie an einen anderen Ort ziehen würde, dass ich nicht immer von so weit oben starten müsste, wenn wir ausfliegen. Die Brücke ist hoch, ich versuche jeweils beim Starten nicht nach unten zu schauen. Die anderen schauen mich schon komisch an. So bin ich doch eine erfahrene Fliegerin und weit oben in den Lüften eigentlich eine der Agileren. Wären da nur nicht die Starts und die Flüge nahe am Boden oder knapp über dem Meer.

Meine Kolonie ist umgezogen. Wir leben nun am Boden, haben einen schönen Teich, werden regelmässig gefüttert. Es ist zwar kühler hier, doch mir macht dies nichts aus. Auch nicht, dass uns ab und zu die längsten Schwungfedern gerupft werden. Viele sind unzufrieden und äussern sich ungehalten über unser neues Habitat. Viele beklagen sich auch, dass wir nicht mehr fliegen. Mir gefällt es, ich bin glücklich hier.

Und wir werden auch nicht mehr von Fischern verjagt. Ganz im Gegenteil, wir sind nun gar etwas prominent. Gerade gestern las ein Kind das Schild am Zaun laut vor: „Flamingos (Phoenicopteriformes), Vorkommen Süd-, Mittel- und Nordamerika sowie Europa, Afrika und Südwestasien. Bevorzugte Nahrung: Plankton, Fische, Krebse, Muscheln und anderes Kleintier des Meeres, Samen, Wasserpflanzen.“

Geheimnisse der Pünktlichkeit

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Alles läuft nach Plan – der Dispozug zu Bern steht im Gleisfeld (hintere rote Re460).

Warum sind die Bahnen in der Schweiz so viel pünktlicher und zuverlässiger als in den meisten anderen Ländern?

Nein, unsere Züge und Infrastruktur sind nicht entscheidend besser oder störungsfreier. Nein, wir fahren nicht besser, die Passagiere steigen nicht schneller um.
Es sind viele Mosaiksteine, die als Gesamtbild ein Uhrwerk ergeben, das nahezu perfekt läuft.

Zwei Mosaiksteine in dieser Maschinerie heissen Dispozug und Reserve. Was hinter diesen zwei Fachausdrücken steckt, wird in unten stehendem Text erläutert.

Sie stehen in den Gleisfeldern aller grosser Bahnhöfe. Getestet, Bremsen geprüft und mit einem Lokführer oder einer Lokführerin besetzt. Wenn ich diesen Dienst habe, mache ich es mir meist im ersten Wagen hinter der Lok gemütlich. Doch, Murphys Law gemäss, kommt gefühlt genau immer dann ein Telefon, wenn ich ein Schläfchen machen will oder viele Dokumente zum Ordnen ausgebreitet habe. Und dann muss es schnell gehen. „Bist du auf dem Dispozug? Ich brauche ihn um 6:32 Uhr für nach Zürich, der Regelzug hat 12 Minuten Verspätung“. Dann wird es hektisch – abklären, wie ich vom Gleisfeld in den Bahnhof komme, alleine oder mit Rangierpersonal? Je nach Abfahrtsgleis geht dies direkt oder man muss noch gegen Westen abkreuzen gehen. Fahrordnung und Ähnliches muss im Intranet gesucht werden. Absprachen mit Rangierpersonal, Fahrdienstleiter und Zugpersonal sind nötig. Reicht es auf die geplante Abfahrtszeit oder müssen wir eine Verspätung bekannt geben?
Dann geht es los, der Zug rollt ans Perron und übernimmt für den verspäteten regulären Zug – die Passagiere, die in Bern zusteigen wollen, merken nichts, ausser, dass eine Durchsage erfolgt, dass der Zug in geänderter Form einfährt. So fährt der IC pünktlich um 6:32 Uhr in Bern ab – der eigentliche IC, der so genannte Stammzug, ist dann aber erst in Schmitten!

Dispozüge gibt es in der Schweiz insgesamt elf. Sie stehen in allen grossen Bahnhöfen. In Bern und Zürich hat es gar deren zwei – einen für den Fernverkehr und einen für den Regionalverkehr. Und es kommt oft vor, dass ein Dispozug leer an einen anderen Ort fährt und dann da für einen verspäteten Zug einspringt. Ein top eingerichtetes Rückfallsystem.

Der Dienst als Lokführer oder Lokführerin des Dispozuges ist somit eine Wundertüte. Der eine Lokführer bereitet den Zug im Falle von Bern kurz vor fünf Uhr im Gleisfeld vor und bleibt dann bis gegen 13 Uhr da. Dann wird er von einer nächsten Lokführerin abgelöst, die bis kurz nach 20 Uhr auf dem Zug ist. Der Zug muss zwischen sechs und 20 Uhr abrufbereit sein. Ob man ausrücken muss, hängt auch von der Witterung ab. Ist es sehr kalt oder heiss, muss man eher ausfahren. Insgesamt stehen die Chancen, dass man einen ruhigen Dienst hat wohl so bei 50%.

Dasselbe gilt für die Reservedienste. Hier ist aber die Wahrscheinlichkeit auf wenig Arbeit sehr klein, irgendwas muss man fast immer tun. Reserve gibt es gar rund um die Uhr und in den grösseren Bahnhöfen sind ausser zu Randzeiten immer mehrere Reservisten oder Reservistinnen parallel eingeteilt. Um was geht es da? Ähnlich wie beim Dispozug handelt es sich um sofort einsatzbereiten Ersatz. Jedoch wird damit nicht ein Zug, sondern ein Kollege oder eine Kollegin ersetzt. Dies einerseits, wenn jemand kurzfristig krank ist oder wegen einer Störung oder Verspätung nicht mehr am richtigen Ort erscheinen kann oder die maximale Lenkzeit erreicht hat. Auch hier ist es ein Dienst, der einer Wundertüte entspricht: Mal ist es gemütlich und man kann stundenlang im Reservezimmer rumsitzen, andere Male muss man sofort nach Ankunft zum Dienst im Bahnhof um 3:20 Uhr aufs Taxi und in einem anderen Bahnhof jemanden ersetzten. Auch in der Reserve wird es ab und zu hektisch, da man teils umgehend einspringen muss oder nicht alle nötigen Unterlagen hat und so im Intranet für eine Fahrt noch kurz vor Abfahrt suchen muss.

Wann immer ich in Bern die Schanzenstrasse mit Blick auf das Gleisfeld runtergehe, schaue ich automatisch zum Gleis, in dem der Dispozug seinen Stammplatz hat, und weiss sofort, ob heute alles rund läuft oder es irgendwo geklemmt hat und der Dispozug in den Einsatz gehen musste. Wirklich immer, egal ob ich in den Dienst gehe oder auf dem Weg zu was ganz Anderem bin, muss ich einfach nachschauen, ob der Dispozug da ist oder nicht – eine klassische Déformation professionelle und, falls ich Begleitung habe, kennt diese dann sicherlich ein Geheimnis der Pünktlichkeit unseres Bahnsystems mehr!

Martin der Absolvent

Martin hat sich an der Uni eingeschrieben. Er ist seit einem Jahr Student. Mit viel Elan widmet er sich der Psychologie, Philosophie und Literaturwissenschaft.

Man sieht ihn oft mit Büchern im schmucken Café in der Nähe der Universität, welches nach einer altgriechischen Gottheit benannt ist. Mehrmals in der Woche sitzt Martin da, meist vor einem  dieser kleinen aber starken arabischen Kaffees im Gläschen.

Trotz seiner regelmässigen Besuche im Café kommt Martin voran. Nach sechs Jahren hat er es geschafft: Abschluss – Martin ist nun Absolvent, Psychologe mit Diplom.

Abgesehen vom Stolz in seiner Brust ändert sich wenig. Man sieht Martin weiterhin oft im Café mit dem klingenden Namen aus der griechischen Götterwelt, nun etwas mehr hinter einer Zeitung als in ein Buch vertieft. Des Öfteren ist er nun sogar zweimal am Tag da, er ist ja schliesslich nun Absolvent – also auf Arbeitssuche und die vielen Zeitungen des Cafés ermöglichen die Sichtung vieler Stelleninserate.

Bewerbung fünf kommt wieder zurück. So auch Nummer elf und zwölf. Doch für einen Absolventen auf Arbeitssuche wird in diesem Land anfangs der 2000er Jahre gesorgt. Auf den Sozialstaat ist Verlass – Martin kann in aller Ruhe weiterhin arabischen Kaffee aus kleinen Gläschen trinken.

Bewerbung 16 schlägt ein. Martin freut sich – ging ja schneller als bei manchen anderen mit demselben Abschluss.

Das bringt ihn an genau denselben Tisch, an dem er zum Absolventen wurde: Martin hat ein Vorstellungsgespräch an dem Institut, an dem er studierte. Perfekt: Bleiben an der Alma Mater erscheint in Griffnähe.

Das Gespräch läuft gut. Martin wählt die Worte gezielt, die vor dem Spiegel eingeübte Mimik wirkt überzeugend und der extra für das Gespräch gekaufte Anzug unterstreicht seine Seriösität. Martin wird Doktorand.

„Wow, Martin, du bist dabei!“, meint eine Exkommilitonin – pardon, mittlerweilen auch eine Absolventin mit Diplom (auf Arbeitssuche) – als sie Martin zufällig auf seinem gewohnten Gang von der Uni zum Café mit dem Namen einer Bewohnerin des Olymps trifft.
„Ja, es gefällt mir sehr“ – „sehr“ ist auch das passende Adjektiv für seinen Einsatzwillen am Institut. Martin macht kurze Mittagspausen und löscht spät das Licht im Büro. Auch in der Lehre engagiert er sich intensiv.

Und trotzdem sieht man ihn noch mehr als zu Studentenzeiten oder als Absolvent in seinem Stammcafé. Nun ist er gar an den Wochenenden regelmässig da. Und dann sieht man ihn oft durch das grosse Fenster gar noch gegen das Ende der Öffnungszeiten.
„Du bist noch viel in dem Café da an der Ecke, du weisst schon, das mit dem arabischen Kaffee“, spricht ihn besagte Kommilitonin ein paar Wochen später auf der Strasse mal wieder an.

„Ja“, meint Martin und ergänzt etwas errötet: „ Ich arbeite jetzt da, sonst kann ich mir als Doktorand den Kaffee da ja nicht mehr leisten…“

Frage der Woche

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Alles läuft rund – der Dispo-Zug Fernverkehr zu Bern steht im Gleis K2 (linke rote Re460).

Heute wird es kurz und knapp:

Was ist ein Dispo-Zug?

Kleine Hilfestellung:
Es gibt ihn nur in den grösseren Bahnhöfen. In Bern steht er an guten Tagen im Gleisfeld K, an schlechten Tagen sieht man ihn nicht.

Auflösung

Der Auflösung der Frage ist der Text Geheimnisse der Pünktlichkeit gewidmet.

Kleines ABC der Eisenbahnsprache (Teil 1)

Wir Eisenbahner und Eisenbahnerinnen pflegen eine eigene Sprache. Folgende Wörter sind dabei zentral (Teil 1, Teil 2 findet sich hier):

  • Abschuss
    = wenn ein Sicherheitssystem den Zug mittels Schnellbremsung angehalten hat (kann wegen Fehler LokführerIn oder technischer Störung passieren)
  • Abspitzen / die Spitzkehre machen
    = wenden
  • Abstossen
    = einen Zugteil, der nicht gekuppelt ist, durch Bremsen des Triebfahrzeuges alleine weiterrollen lassen
  • An der Front
    = Mitarbeitende, die im Betrieb und nicht im Büro arbeiten (für die im Büro gibt es auch interessante Ausdrücke, doch die sind nicht grad nett, so dass ich die lieber weglasse)
  • Anfahren
    = z.B. mit der Lok zum Kuppeln an Wagen heranfahren bis sich die Puffer berühren
  • Aufschneiden
    = nein, nicht Bluffen, sondern, wenn eine Weiche in der falschen Stellung (= Lage) befahren wird
  • Besetzte Einfahrt
    = wenn wir auf ein Gleis fahren, auf dem schon andere Fahrzeuge stehen
  • „Chäsli“
    = Kurzpause von 20 Minuten (war früher mit einem runden Kreis in der Einteilung ersichtlich, eben, ein runder Käse)
  • Das Kissen anhören
    = in Frühschicht wichtig: Etwas im Ruhezimmer schlafen gehen
  • Fachausdruck für das Totmannpedal
    = Schnellgang
  • Fiesling
    = Bremseinsatzpunkt auf Strecken mit Führerstandsignalisation (ETCS Level 2), siehe dazu –> Mit 200 km/h auf der NBS unterwegs
  • Fluchtfahrt
    = mit einem Zug ins Gleisfeld und zurück fahren, damit ein Perron für einen anderen Zug frei wird
  • Für BernerInnen: An den Prellbock gehen
    = nach Zürich fahren (leider, seit man auch noch weiter kann (Durchmesserlinie), nicht mehr so gebräuchlich)
  • Heizer
    = Lokführer in Ausbildung (je nach Ausbildungsstand auch Fühergehilfe resp. Lokführeraspirant genannt)
  • Küche
    = Kantine
  • Lea
    = eigentlich LEA: Lokpersonal Electronic Assistant – des Lokführers wichtigstes Werkzeug, ein iPad auf dem wir alle für eine Fahrt relevanten Infos entnehmen (für mehr Details siehe: https://stories.sbb.ch)
  • Tour
    =  der Tagesplan eines Arbeitstages
  • Überfuhr
    = wenn ein Zugteil geschlossen mitgenommen wird
  • Übergang
    = die Ruhezeit zwischen zwei Schichten
  • Überwerfung
    = eine Brücke zum Überqueren von anderen Gleisen (z.B. Durchmesserlinie Zürich)
  • Unterschied zwischen Kreuzung und Zugbegegnung
    = Kreuzung findet auf eingleisiger Strecke statt (ein Zug muss ausweichen); Zugbegegnung ist, wenn sich Züge auf einer mehrspurigen Strecke treffen
  • Vorziehen
    = wenn der Lokführer oder die Lokführerin mit dem Zug in einem Gleis ein Bisschen nach vorne fahren darf, z.B. bis ein Signal sichtbar wird
  • Zwergsignal
    = diese kleinen dreieckigen Signälchen am Boden; sind beim Rangieren zentral

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    Ein Zwergsignal im Bahnhof Brig

 

No-Gos:

  • Gas geben
    –> ein Lokführer oder eine Lokführerin erhöht die Zugkraft
  • Zug fahren
    –> das machen die Passagiere – vom Führerstand aus wird ein Zug geführt

Die war Teil 1 des Wörterbuches – weiter geht es hier.

 

Frage der Woche

 

Mit dem 1895 erschienen Roman Die Zeitmaschine begründete H. G. Wells den modernen Science-Fiction-Roman.

Darin reist ein Wissenschaftler in das ferne Jahr 802701 n. Chr.
Dort trifft er auf eine zweigeteilte Gesellschaft: Oberirdisch leben idyllisch die Eloi, unter der Erdoberfläche fristen die Morlocks ein tristes Dasein. Letztere sind es, welche die ganze Arbeit verrichten müssen.

Wells kritisierte mit dieser Beschreibung die extreme Zweiklassengesellschaft seiner Zeit (Viktorianisches Zeitalter in England).

Gibt es auch heute Eloi und Morlocks?

 

Gar in die bekannte US-Fernsehserie The Big Bang Theory haben es die Morlocks geschafft (Verlinkung auf Youtube):

 

Auflösung:

Tja, hier stellte sich eine Frage, die nicht einfach so beantwortet werden kann. Es hängt von der Gewichtung, Bewertung und vom Blickwinkel ab, wie fest wir unsere heutige Zeit resp. Gesellschaftsordnung als egalitär bewerten oder eben nicht.

Am besten beantwortet dies jeder und jede für sich.
Als Anregung möchte ich nur ein paar Stichworte mitgeben: Nord-Süd-Gefälle, Digital Gap / Access, Altersdiskrimierung, neue globale Eliten, Geschlecht, Lohnschere, Migration, Sweatshops und ähnliches.

Was meinst Du, vieles nur Hysterie oder hat es da schon auch die eine oder andere Zweiteilung, die ins Gewicht fällt? Ich bin gespannt auf Deine Einschätzung!

„Nickel“ – 5 Minuten für die Sprachverständigung

 

Etwas vom Schönen bei der SBB ist, dass wir die Sprachgrenzen überwinden. Dies einerseits im wörtlichen Sinne mit den Zügen und andererseits durch den Kontakt der Mitarbeitenden untereinander.
So war auch ich anfangs meiner Zeit als Lokführer längere Zeit in der Romandie stationiert. Und auch heute noch fahre ich mehrmals in der Woche in die französsichsprachige Schweiz.
Ausserdem gibt es keinen Tag, an dem ich nicht mit Mitarbeitenden aus einer anderen Sprachregion auf dem Zug eingeteilt bin oder in den Pausenlokalen auf Andersprachige treffe.

Wer so lebt, dem fällt auf, dass frankophone Kollegen und Kolleginnen ein paar Ausdrücke in nahezu jede Konversation einflechten. Kennt man diese Ausdrücke, fällt die Sprachverständigung viel leichter:

  • tu m’étonnes !
    = das wundert / erstaunt mich gar nicht
  • impeccable
    = einwandfrei, tipptopp
  • c’est nickel ! oder einfach „nickel !
    = das ist super
  • ne t’inquiètes pas
    = beunruhige dich nicht, mach dir keine Sorgen
  • bosser
    = arbeiten, meist im Sinne von „schuften“ oder „malochen“ verwendet