Alle Beiträge von Amordasini

Eigentlich bin ich Ethnologe mit vertieften Kenntnissen der Philosophie und Ökologie. Den akademischen Betrieb habe ich nach vielen Jahren verlassen und verdiene meine Brötchen nun indem ich Züge durch nahezu die ganze Schweiz führe. Dennoch bin ich dem Wissen und der Neugierde treu geblieben. So interessiere ich mich weiterhin intensiv für die Fortschitte und das Wissen aus allen möglichen Gebieten der Wissenschaften, der Philosophie aber auch für Fragen der guten Lebensführung.

Abgesang auf die Endstation

 

Bis zum Ende dünnte es immer so schön aus.

Bis ganz ans Ende fahren nur wenige.

Wir waren die Verworrenen, bleiben sitzen.

Abends sind es Menschen aus dem Quartier.

Früh am Morgen ebenso.

Immer Einstieg mit Sitzplatz-Garantie.

Kein Frieren im Winter – der Bus wartet immer schon.

Die Auserwählten fahren bis zum Schluss…

oder sind stadteinwärts immer bereits drin.

 

Nun steige ich zu und aus – im nirgendwo.

Wie die und der: Ohne besonderen Bezug.

Einer mitten drin, grauer Masse Teil.

Der Name des Kurses ist nicht mehr mein Ziel.

Oh meine Endstation, wie ich dich vermiss!

Dilettant, Laie oder Experte?

„Ne, ich werde kein Fachidiot!
Kein Spezialist oder so genannter Experte!“

„Dann viel Glück mit deiner Karriere.“

„Oh nein, ich lasse mich nicht disziplinieren,
kein enges Korsett anlegen. Ich behalte den Überblick.
Es wird schon einen Platz für einen Universalgelehrten geben.“

„Aber sicher nicht im heutigen Wissenschaftsbetrieb.“

„Dann gehe ich in die praxisorientierte Forschung!“

„Auch dazu: Viel Glück!
Da sind die beackerten Probleme komplex,
das benötigte Wissen fachspezifisch.
Was für Experten.“

„Böh, das geht schon, irgendwie…“

„… und du kannst nirgends in die Tiefe, bleibst Dilettant.“

„Was nützt Tiefe, wenn du keine Übersicht hast.
Du mit deinen ausgeklügelten Fachmethoden
bist ganz vorne in einem Finger und hast keine
Ahnung vom Körper, nicht mal vom Nachbarsfinger
weisst du was…  von wegen Dilettant.“

„Aber du hast dafür von nichts richtig eine Ahnung!“

„Blödsinn, gegenüber Laien weiss ich doch zu fast allem viel…“

„… aber an Fachtagungen ist dir doch dennoch unwohl.
Du sagtest doch selber, dass du unter Fachleuten
immer irgendwie Mimikry betreibst –
so tust als gehörest du dazu.“

„Ja, schon, da fühlt es sich immer so an,
als müsste ich mogeln. Gefahr enttarnt
zu werden, ist immer da. Ihr Fachfixierten
geht ja immer so ins Detail und eure Fachausdrücke…“

„… unter uns Fachexperten bist dann halt du der Laie,
Herr Universalgelehrter!“

Hinweis: Dieser Text ist bewusst nur in der männlichen Form verfasst. Dies, da der Wissenschaftsbetrieb ab einer gewissen Hierarchiestufe vor allem von Männern geprägt ist – schön, wenn das jemandem aufgefallen ist!

Forschen und Verwalten

 

Mal wieder bin ich auf einer Tagung. Mal wieder in Berlin. Es geht um Methoden der Messung des Outputs der Forschung. Die Tage waren lang. Es war interessant, doch nun, am dritten Tag, ist die Luft draussen. Nicht nur bei mir, auch andere scheinen gesättigt und matt zu sein. In den Workshops wird kaum mehr engagiert diskutiert, alle scheinen auf das Ende zu warten.

Doch da, an zwei Stehtischen sehe ich drei jüngere Teilnehmende intensiv diskutieren. Das scheint interessant zu sein und da ich den einen von einem gemeinsamen Projekt in der Schweiz kenne, nähere ich mich. Da sehe ich, dass die drei Formulare ausfüllen und das scheinbar eine schwierige Aufgabe darstellt, denn es wird wild gestikuliert.

Um die Pausenzeit zu überbrücken und nicht alleine rumzustehen, frage ich, was sie da so Spannendes machen würden. Die Antwort fällt kurz und knapp aus: „Spesenblätter ausfüllen!“

Frage der Woche

Warum kann streng genommen ein 3-D-Drucker nicht 3-D drucken?

 

Auflösung

Ein dreidimensionaler Raum besteht aus allen Punkten in einem Raum (x, y, z). Der Druckkopf eines 3-D-Druckers kann zwar alle beliebigen Punkte in einem solchen Raum ansteuern. Aber er kann nicht überall Material deponieren. Dies kann er nur, wenn vom Boden aus bereits Material aufgeschichtet ist. Man kann folglich nicht frei Koordinaten im 3-D-Raum wählen, es braucht Hilfsstützen und ähnliches, falls an besagtem Punkt noch kein Material aufgeschichtet wurde.

Inspiriert durch Spektrum der Wissenschaft (8.18).

Frage der Woche

 

Wann tut es im Herzen so weh, wenn ein Schaf eine Rose frisst, dass man weinen muss?                                                                                                                                                

Antwortmöglichkeiten (mehrere zutreffend möglich):
  1. Wenn man die Rose selber aufgezogen, gehegt und gepflegt oder gezähmt hat.
  2. Wenn die Rose besonders schön war.
  3. Wenn das Schaf den Befehl, sie nicht zu essen, nicht befolgt hat.
  4. Wenn man so besoffen war, dass man vergessen hatte, das Schaf in seine Kiste zu sperren.
  5. Wenn sie besonders wertvoll war.
  6. Wenn man so beschäftigt war, dass man vergessen hatte, sie mittels Glasglocke zu schützen, bevor man seinem strengen Beruf nachging.
  7. Wenn man die Rose noch nicht nach Art und Familie bestimmt hat.
  8. Wenn man jemanden kennt, der die Rose aufgezogen, gehegt und gepflegt oder gezähmt hatte.

Auflösung:

Wie einem der kleine Prinz im Büchlein von Antoine de Saint-Exupéry aufzeigt, gewinnt man einen Freund oder eine Freundin, wenn man ein Lebewesen hegt, pflegt oder zähmt. Wenn diese Bindung aufgelöst wird, tut einem das Herz weh und man muss weinen. Dasselbe gilt, wenn dies einer Freundin oder einem Freund geschieht. Somit sind eins und acht richtig. Wer mehr über die übrigen Antworten erfahren will, lese das immer wieder lohnenswerte Büchlein von Saint-Exupéry (1943): Le Petit Prince. Bei den Antworten handelt es sich um die Personen, welche der Prinz trifft und die ihm zu denken geben (2. der Eitle / 3. der König / 4. der Trinker / 5. der Geschäftsmann / 6. der Laternenanzünder / 7. der Forscher).

Frage der Woche

Am 24. Juni ging es um Schwarze Löcher, konkret um den Schwarzschildradius. Die heutige Frage der Woche stellt eine Anschlussfrage an die vom 24. Juni dar.

Nehmen wir an, wir würden die Sonne auf besagte 3 km komprimieren, so dass nicht mal mehr Licht entfliehen kann und sie somit zu einem Schwarzen Loch geworden ist.

Was würden wir hier auf der Erde davon spüren (abgesehen, dass es kalt und dunkel werden würde), wäre die Sonne ein Schwarzes Loch mit derselben Masse, wie die Sonne als Gasballen hat?

Antwortvorschläge:

  1. Das Schwarze Loch saugt uns sofort ein, wie ein Staubsauger – aus die Maus!
  2. Die Erde würde beschleunigt und ganz schnell um das Schwarze Loch rasen.
  3. Da das Schwarze Loch nur 3 km Radius hat, kann es die Planeten nicht mehr auf den Bahnen halten und wir würden auf einer tangentialen Linie aus der Umlaufbahn austreten und immer weiter ins All fliegen.
  4. Es ändert sich nichts an der Erdumlaufbahn, der gravitationale Einfluss auf die Planeten bleibt gleich gross.

Auflösung:

Nein, Schwarze Löcher sind keine „Staubsauger“, die alles einfach so einsaugen – auch wenn dies in Filmen oft so dargestellt wird. Nur, wenn man sich dem so genannten Ereignishorizont nähert (der in ähnlicher Grössenordnung wie der Schwarzschild-Radius ist; für nicht rotierende Schwarze Löcher ist der Radius des Ereignishorizontes gleich dem Schwarzschild-Radius, bei drehenden wird es wegen der Abplattung komplizierter, aber auch da nicht Grössenordnungen höher), wird es gefährlich.
Wenn die Masse der Sonne in unserem Gedankenexperiment nun also auf eine Kugel mit 3 km Radius zusammengedrückt würde, so würde es dunkel und kalt, klar, doch am gravitationalen Aufbau des Sonnensystemes ändert sich grundsätzlich nichts: Das Schwarze Loch würde nichts ansaugen, was die Sonne nicht schon angezogen hätte: Seine Masse und damit Anziehungskraft bleiben gleich gross, der Raum bleibt gleich fest „gekrümmt“, und die Planeten können brav weiter kreisen.