Archiv der Kategorie: Philosophisches

Kleine Freuden des Alltags

In einer von „Superstimuli“ geprägten Welt, wird unser evolutionär altes Belohnungszentrum regelmässig heftig stimuliert. Mit viel raffiniertem Zucker Angereichertes, Junk Food oder visuelle sexuelle Reize in Werbung, Fernsehen oder Internet sowie Benachrichtigungen oder Likes lassen das zuständige Dopamin in Strömen fliessen. Leider gewöhnen wir uns daran und werden unempfindlicher für schwächere Reize.

Da ist es schön, Inne zu halten und sich der kleinen Freuden des Alltags bewusst zu werden – solche können sein:

  • ein frisch bezogenes Bett
  • der Duft nach einem Sommerregen
  • wenn das bestellte Kleidungsstück wie nach Mass hergestellt sitzt
  • Vögel vor dem Fenster beobachten
  • an die Bushaltestelle kommen, wenn gerade der Bus ankommt
  • mit einem Hund über die Felder gehen und ihn rufen und dann beobachten, wie er freudebebend angerannt kommt
  • wenn die fremde Katze, welche regelmässig vor dem Haus rumlungert, einem schon von Weitem zu erkennen beginnt und sich sichtlich auf die Streicheleinheit freut
  • zu sehen, wie das im Frühling gesetzte Gemüse gedeiht
  • wenn irgendwo überraschend ein Lieblingslied erklingt
  • zufällige Begegnungen mit alten Bekannten
  • die Farben des Herbstwaldes
  • der erste Schnee
  • die ersten spriessenden Pflanzen und ersten Blüten im Frühling
  • Vorfreude aller Art
  • sich ein Rubbellos von der Landeslotterie kaufen
  • eine bewusste kleine Belohnung
  • ein warmes Bad
  • Wenn man selber keinen Hund hat oder von Freunden „ausleihen“ kann: Mit einem vom Tierheim spazieren gehen

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    Auch er hatte sehr Freude an unserem Spaziergang – Hund vom Tierheim Oberbottigen.
  • wenn die Tage wieder länger werden
  • jemandem etwas schenken, das man selber gerne hätte
  • in einem Fluss oder See schwimmen
  • freundlich zu einem unfreundlichen Menschen sein und sehen, dass seine Schroffheit weniger wird
  • die Patina der Dinge, die einem schon Jahre begleiten

 

 

 

Frage der Woche

 

Wann tut es im Herzen so weh, wenn ein Schaf eine Rose frisst, dass man weinen muss?                                                                                                                                                

Antwortmöglichkeiten (mehrere zutreffend möglich):
  1. Wenn man die Rose selber aufgezogen, gehegt und gepflegt oder gezähmt hat.
  2. Wenn die Rose besonders schön war.
  3. Wenn das Schaf den Befehl, sie nicht zu essen, nicht befolgt hat.
  4. Wenn man so besoffen war, dass man vergessen hatte, das Schaf in seine Kiste zu sperren.
  5. Wenn sie besonders wertvoll war.
  6. Wenn man so beschäftigt war, dass man vergessen hatte, sie mittels Glasglocke zu schützen, bevor man seinem strengen Beruf nachging.
  7. Wenn man die Rose noch nicht nach Art und Familie bestimmt hat.
  8. Wenn man jemanden kennt, der die Rose aufgezogen, gehegt und gepflegt oder gezähmt hatte.

Auflösung:

Wie einem der kleine Prinz im Büchlein von Antoine de Saint-Exupéry aufzeigt, gewinnt man einen Freund oder eine Freundin, wenn man ein Lebewesen hegt, pflegt oder zähmt. Wenn diese Bindung aufgelöst wird, tut einem das Herz weh und man muss weinen. Dasselbe gilt, wenn dies einer Freundin oder einem Freund geschieht. Somit sind eins und acht richtig. Wer mehr über die übrigen Antworten erfahren will, lese das immer wieder lohnenswerte Büchlein von Saint-Exupéry (1943): Le Petit Prince. Bei den Antworten handelt es sich um die Personen, welche der Prinz trifft und die ihm zu denken geben (2. der Eitle / 3. der König / 4. der Trinker / 5. der Geschäftsmann / 6. der Laternenanzünder / 7. der Forscher).

Im falschen Leben – eine Parabel

Bei den anderen sieht es so locker aus. Während sie vom Brückengeländer abspringen, breiten sie einfach die Flügel aus, flattern ein, zwei Mal und schon werden sie von der Luft getragen. Es sieht aus, als wäre es das Einfachste der Welt, als ob sie nichts dabei überlegen müssten.

Bei mir ist es anders. Ich habe jedes Mal das Gefühl, als spränge ich ins Leere, in einen Abgrund. Im Moment, wo meine Füsse den Kontakt zum steinernen Brückengeländer verlieren, kriege ich Panik. Es ist, als spränge ich ins Nichts. Die ersten zwei Flügelschläge führe ich jeweils hektisch aus. Danach geht es besser, die Luft trägt auch mich leicht. Doch zuerst ist immer diese Angst, dass sie mich nicht halten kann und ich zur Erde falle.

Ich wünschte mir sehr, dass unsere Kolonie an einen anderen Ort ziehen würde, dass ich nicht immer von so weit oben starten müsste, wenn wir ausfliegen. Die Brücke ist hoch, ich versuche jeweils beim Starten nicht nach unten zu schauen. Die anderen schauen mich schon komisch an. So bin ich doch eine erfahrene Fliegerin und weit oben in den Lüften eigentlich eine der Agileren. Wären da nur nicht die Starts und die Flüge nahe am Boden oder knapp über dem Meer.

Meine Kolonie ist umgezogen. Wir leben nun am Boden, haben einen schönen Teich, werden regelmässig gefüttert. Es ist zwar kühler hier, doch mir macht dies nichts aus. Auch nicht, dass uns ab und zu die längsten Schwungfedern gerupft werden. Viele sind unzufrieden und äussern sich ungehalten über unser neues Habitat. Viele beklagen sich auch, dass wir nicht mehr fliegen. Mir gefällt es, ich bin glücklich hier.

Und wir werden auch nicht mehr von Fischern verjagt. Ganz im Gegenteil, wir sind nun gar etwas prominent. Gerade gestern las ein Kind das Schild am Zaun laut vor: „Flamingos (Phoenicopteriformes), Vorkommen Süd-, Mittel- und Nordamerika sowie Europa, Afrika und Südwestasien. Bevorzugte Nahrung: Plankton, Fische, Krebse, Muscheln und anderes Kleintier des Meeres, Samen, Wasserpflanzen.“

Subjektive Wahrnehmung oder vom Blickwinkel – Versuch einer literarischen Annäherung

Es ist eine Binsenwahrheit, dass Menschen die Welt gefiltert wahrnehmen, dass es stark von eben dieser, in der Alltagssprache oft „Brille“ gennannten, subjektiven Wahrnehmung, die wir nie ganz ausschalten können, abhängt, was wir wie sehen sowie schliesslich wie bewerten.

Der Blickwinkel, aus dem wir eine Tatsache, Dinge oder andere Menschen betrachten variiert stark. Ausser den radikalen Konstruktivisten (jede/r erschafft sich seine eigene Welt) gehen die meisten Positionen davon aus, dass die Welt gewisse Stimuli vorgibt (niemand kann durch eine Wand gehen), doch wie diese dann schlussendlich wahrgenommen und bewertet werden, hängt in vielerlei Hinsicht vom wahrnehmenden Subjekt ab.
Es ist wohl eine ganze Bibliothek erstellt worden, um zu umschreiben, von was allem die Wahrnehmung abhängt. Stichworte dazu sind: Sprache, Begriffe, Vorerfahrungen, Vorurteile, Wissenstand, persönliche Erfahrungen, Kenntniss der eigenen Unwissenheit, psychologische Faktoren, Zeitgeist, soziale Faktoren und vieles mehr.

Das hier kurz angerissene Thema versuchte ich für einmal literarisch anzugehen – falls Du wissen willst, wie ich das getan habe, dann kannst Du gerne den Text Drei Blickwinkel auf die NBS lesen.

Gelingt es mir, für einmal ohne zu theoretisieren, aufzuzeigen, wie stark die Wahrnehmung vom „Filter“, den die wahrnehmende Person hat, abhängt? Wird klar, dass der Blickwinkel stark variieren kann? Und, wird ersichtlich, dass wir mit abschliessenden Urteilen und Bewertungen vorsichtig sein sollten, dass viel mehr im Fluss ist, als wir oft meinen? Kannst Du durch das lesen der Texte nachvollziehen, wie fluid Identität ist? Wie sich auch die Sprache und Wortwahl ändert, je nach Lebensituation, sollte auch ersichtich sein.

Schwierigkeiten der Ontologie – das Drei-Ebenenproblem

Befasst man sich mit der Beschaffenheit der Dinge, gelangt man immer wieder zum Problem, das ich das „Drei-Ebenenproblem“ nennen möchte.

Beschreibt man Phänomene, Prozesse sowie die Beschaffenheit der Welt an sich, merkt man schnell mal, dass es stark von der Ebene, auf die man sich bezieht, abhängt, was sinnvoll ist. Analoges wird man konstatieren, wenn man sich überlegt wie man handeln könnte oder sollte. Sinnvollerweise kann man drei Ebenen unterscheiden. Diese können in etwa so umrissen werden:

  1. Makroebene –> Sonnensystem, interstellare Dimension, Galaxie, Galaxienhaufen, Kosmos/ Universum, Multiversum (?) — Distanzen von Millionen von Kilometern (z.B. Erde-Sonne = 150 Mio. km (entspricht einer astronomischen Einheit)) bis hin zu Millionen und Milliarden von Lichtjahren — Zeitdimensionen „kosmischer Art“ (Millionen und Milliarden von Jahren)
  1. Mesoebene –> Erde, Biosphären, sämtliche Lebewesen aller Grössendimensionen — Tausende von Kilometern bis zur Ebene der Moleküle — Millionen Jahre bis zu Sekundenbruchteilen — Welt der Newtonschen-Physik
  1. Mikroebene –> Welt der Atome, subatomaren Teilchen (Quarks) etc.; quantenmechanische Ebene bis hin zu den physikalisch allerkleinsten Längen und Zeiten, bei denen das Konzept der Kausalität Sinn macht („Plankwelt“)

Die Vorgänge in resp. die Beschreibungskonzepte der einen Ebene haben für unseren Geist zur Zeit wenig mit denen der anderen Ebenen zu tun. Dies muss man sich immer bewusst sein, sonst gibt es ein verwirrendes Durcheinander in Beschreibung und Verständnis. Insbesondere das, was wir bisher von der Mikroebene wissen (oder zu wissen glauben), gehorcht einer anderen Logik (Quantenphysik, Rolle des Zufalls etc.) als wie wir die Vorgänge in den beiden anderen Ebenen verstehen und erklären. Jedenfalls fehlen uns noch vereinende Konzepte und es ist einfacher zu versuchen, die Dinge bewusst getrennt zu analysieren (natürlich im Wissen, dass dies eine pragmatische Trennung zwecks einfacherem Verstehen und Erklären ist und die Dinge in der realen Welt verbunden sind).

Auch die Rolle, die wir als bewusst handelnde Wesen uns geben können, unterscheidet sich je nach Bezugsebene:

  1. Makroebene –> staunen, sich glücklich schätzen als sich selbst wahrnehmendes Wesen den Kosmos immer besser verstehen zu können und Teil davon zu sein. Akzeptieren, dass auf so grossen Zeit– und Raumdimensionen wir völlig bedeutungslos sind (und sie sind rational kaum fassbar, man gewöhnt sich an die Zahlen, ohne eigentlich zu durchdringen, wie unfassbar gross (schon nur unsere Nachbargalaxie Andromeda ist unglaubliche 2.5 Mio. Lichtjahre entfernt) und alt das Universum ist). So haben wir keinerlei Einfluss auf die Abläufe dieses menschlich gesehen „kalten“, leeren, extrem grossen und alten und moral-losen Universums. Es gilt, das einzugestehen, unseren Platz gelassen zu akzeptieren, ohne deswegen fatalistisch zu werden für die Mesoebene (ja, die Sonne wird sich ausdehnen, ihre Hüllen abwerfen und alles Leben auf der Erde zerstören- doch das ist erst in mehreren Milliarden von Jahren der Fall, was auf unserer Zeitskala als Menschen eine Ewigkeit und daher für uns vorläufig noch lange Zeit völlig unrelevant ist). Und, das Universum ist ein unwirtlicher Ort, unsere Erde eine geradezu paradiesische Insel in lebensfeindlicher Umgebung – müssen wir nicht gerade vor dem Hintergrund dieses Wissen aus der Makrosphäre, die Mesosphäre um so mehr schätzen? Mit jedem mehr an Kenntnis über das Universum wurde die Besonderheit unserer Lebenswelt bewusster ins Licht gerückt.
  2. Mesoebene –> hier gilt es genau zu verstehen, damit wir als Menschheit handeln können, denn nur hier können wir genau beschreiben, verstehen, erklären. Und nur hier können wir umfassend, gar empatisch, handeln. Wo sonst haben wir einerseits Einfluss und echten Handlungsspielraum? Und wo andererseits sehen wir als empathische Wesen Leiden, das wir minimieren können und sollen? Auch wenn das aus Sicht 1. und 3. absurd erscheinen mag: Aktives Gestalten und Teilnahme an der Mit- und Umwelt begründet sich aus dieser Ebene selber (dazu dann andere Texte).
  3. Mikroebene –> hier schulden wir es unserer Neugierde, das Wissen voranzutreiben: Was hält die Welt im Innersten zusammen? Hier liegt auch ein Schlüssel zum Verständnis der Prozesse der Makroebene, denn die Vorgänge der Mikrowelt sind die Ursache vieler Phänomene in der Makrowelt (man denke nur schon an die Entstehung des Universums). Somit gilt hier ähnliches wie da: Neugieriges Staunen, Dankbarkeit für Teilhabe. Aber hier können wir nicht alles verstehen und es ist ein Fehler, das zu wollen, da die Welt im Innersten sehr wahrscheinlich nicht so aufgebaut ist, dass ein Wesen, das einen in der Mesowelt geformten Wahrnehmungs- und Denkapparat hat, es wirklich verstehen und erklären kann (Superposition und Verschränkung stehen in Widerspruch mit der menschlichen Intuition: Gott würfelt doch!). Dennoch bereichert uns die Erweiterung der Erkenntnisse und zeigt, wie auch Ebene 1, dass wir als Wesen der Mesowelt, nicht der Nabel des ganzen Universums sind. Pragmatiker könnten noch anführen, dass wir durch den Wissenszuwachs in der Mirkowelt auch den einen oder anderen Nutzen für die Mesowelt ziehen – für mich nicht primär wichtig, denn all zu oft werden wir die Geister, die wir riefen, dann nicht mehr los. Im kleinen schlummern teils immense Kräfte, denken wir nur an die Atomspaltung. Das ist aber ein Thema für einen eigenen Text.

 

Fazit:

Ich finde, dass es eine der grossen kognitiven Leistungen ist, wenn man sich der drei Ebenen bewusst ist und akzeptiert, dass es im Moment (noch) keine belastbare Theorie gibt (Stringtheorie empirisch noch nicht überprüfbar), die erlaubt, sie als Einheit zu behandeln. 

Das ist aus der Perspektive des handelnden Subjektes auch nicht nötig, denn das Befassen mit jeder Ebene macht an und für sich Freude und bereichert das Leben. Und Handeln können und sollen wir eh primär in unserer Lebenswelt und nicht unsere Energie in überhöhte Träume stecken, die unrealistisch sind oder deren Realisation gar unvorhergesehene, unkontrollierbare negative Effekte haben kann.

Der Überlebende – die Geschichte einer Passion

Hast Du dich auch schon gefragt, warum manche Menschen einer Sache sehr intensiv nachgehen, richtiggehend getrieben zu sein scheinen? Kennst Du das oder ist dir das eher fremd? Wie kommt mensch zu einer solchen Passion? Und was geschieht, wenn sie nicht mehr da ist?

In der hier vorgestellten Kurzgeschichte habe ich ausgehend von eigenen Erfahrungen eine vertiefte Verarbeitung des Themas versucht. Ich wünsche viel Lesevergnügen!

Der Überlebende

Schaut her !

Ein um ein Jahrzehnt älterer Nachbarssohn brachte ein hochtechnisches Bergvelo aus Amerika mit. Dies sorgte in unserem Dorf für Aufsehen. Nicht nur wir Jüngeren bestaunten es in der elterlichen Garage ausgiebig. Wie auf einem Altar wurde es hoch oben auf einer Werkbank präsentiert. Ungläubig fragten wir immer wieder nach, ob es wirklich 15 Gänge habe. Damals hatten die Velos in der Schweiz maximal zehn Gänge. Unvorstellbar, was man mit 15 davon machen könnte.

Irgendwann konnte ich mir aus einer Kombination von angesammeltem Taschen- und Geburtstagsgeld sowie von bezahlter Samstags- und Ferienarbeit auch so ein Bergvelo, inzwischen auch Mountainbike oder schlicht MTB genannt, kaufen. Dieses hatte sogar 18 Gänge.

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