Grundlagen und Verortungen (Teil 1)

Wissen, Gedanken und Publikationen zu Weltbildern, zum Menschsein und zur guten Lebensführung sind in den letzten Jahrzehnten explosionsartig angestiegen. Vor diesem Hintergrund gilt es als ersten Schritt nach der Sichtung dieses Wissenskorpus‘, ihn zu ordnen und einige Elemente als Grundpfeiler bewusst auszuwählen: Alles kann nicht berücksichtigt werden, es gilt eine kluge und mutige Wahl zu treffen.

In diesem Blogeintrag werden die Elemente präsentiert, die eine sinnvolle Auswahl als Startpunkt für weitere Schritte hin zu einem kohärenten Weltbild und konkreten Handlungsanleitungen zum Menschsein in der heutigen, komplexen Welt, darstellen.

Bei der Auswahl werden als erstes die Geisteswissenschaften (geisteswissenschaftliche Grundlagen) beleuchtet. In einem separaten Text werden dann als nächstes die naturwissenschaftlichen Grundlagen präsentiert, während ein dritter Teil sich mit weiteren Formen* des Wissens, dem Erfahrungswissen, beschäftigen wird.

Zuerst wird damit geklärt, was für wissen da ist (und was fehlt), was prinzipiell überhaupt analysiert sein kann (und was nicht). Weiter wird beleuchtet, was es heisst, Mensch zu sein und wie ein Leben sinnstiftend geführt werden könnte sowie was kluges Handeln sein könnte.

Aus der geisteswissenschaftlichen Tradition werden schwerpunktartig folgende Elemente beigezogen – im Wissen, dass dies nicht vollständig sein kann und eklizistisch ausgewählt wird (sowie ganz viel anderes implizit einfliessen wird):

  • Antike Philosophie:
    Darunter werden schwerpunktmässig Gedanken aus dem Stoizismus, Konzepte der Sorge um sich selber (bereits von Sokrates begründet), Überlegungen zur Lebensführung (Mässigung, Balance-Halten) oder zum Umgang mit den Lüsten (z.B. Epikur) sowie Gedanken zur wohlüberlegten, klugen Wahl (oder Nichtwahl) zentral sein.
  • Existenzialismus:
    Besonders hervorzuheben gilt es dabei Albert Camus: Seine Gedanken zur Geworfenheit eines jeden menschlichen Daseins und seine Beschreibungen des Absurden der conditio humana an sich werden immer wieder auftauchen. Wichtig werden auch Gedanken sein, die aufzeigen dass diesem (elenden) Zustand nur durch eigene aktive Sinngebung, z.B. durch (soziales) Engagement („l’homme révolté“), eine gewisse Erträglichkeit und ein Sinn eingehaucht werden kann.
    Des Weiteren einfliessen werden Camus‘ Aussagen, dass Glück nur kurze Momente darstellen kann und kein Dauerzustand ist, denn die schönen Momente sind flüchtig und müssen immer wieder erkämpft werden. Und da ist noch das Bild von Sisyphus in Camus‘ Dissertation: Gar er hat seine glücklichen Momente und wir sind alle eigentlich mit ihm verwandt und müssen ein Leben im Dennoch oder im Trotzdem gestaltend abspulen.
  • Friedrich Nietzsche:
    Was er in die Diskussion um unser Dasein als Menschen (z.B. „Gott ist tot“ oder Gedanken zu Macht- und Herrschaftstrieb) einbrachte, ist wohl allgemein bekannt, so dass dies hier nicht weiter ausgeführt werden muss. Begegnen werden wir in unserer Serie immer wieder Elementen aus seinem Denken.
  • Michel Foucault:
    Zwei Hauptgedanken fliessen in die weiteren Überlegungen ein: Einerseits werden wir sehen, dass Macht und Strukturen alles durchdringen und wir uns immer wieder mit ihr verstricken, ob wir wollen oder nicht. Es wird sich zeigen, dass wir keine echten Positionen der Opposition finden können, keine Positionen ausserhalb der Macht – ob wir aber Sand ins Getriebe streuen können und wollen oder uns eine Nische zu schaffen anstreben, müssen wir klug abwägen.
    Neben Gedanken zur Macht bringen wir durch Foucault natürlich auch Gedanken zur Entwicklung von Wissensystemen, zum Übertragen der antiken Konzepte der Sorge um sich selbst (Lebenskunst) in die (Post)Moderne oder Hinweise zur Geschichte und Ausgestaltung der Sexualität mit in unsere Serie hinein.
  • Wirtschaftswissenschaften, insbes. Wirtschaftsethik:
    Wir alle sind tätig und in ein grösseres Wirtschaftsystem eingebetet, ob wir wollen oder nicht. Von der schwierigen Diskussion um das Privateigentum (man denke z.B. an Marx extreme Position dazu) bis hin zu Überlegungen zum Umbruch der Wirtschaft in Zeiten der aufkommenden Digitalisierung werden uns hier einige Themen beschäftigen müssen.
  • Literatur:
    Dabei handelt es sich um ein riesiges Feld, das die ganze Kultur, Sprache und Weltwahrnehmung prägt. Exemplarisch werden wir Gedanken von Thomas Mann (eigenes Leben unter einer Beschreibung führen, als Kunstwerk gestalten und Triebe und Abgründe durch Disziplin im Schach halten) sowie Dostojewski (innere Kämpfe, Ambivalenzen und Widersprüche als Dauerzustand) beiziehen. Viele weitere von Dante bis Sybille Berg werden einfliessen – alle hier zu nennen würde den Rahmen dieser Einleitung sprengen.
  • Weitere VertreterInnen der moderneren Philosophie, insbes. der Wissenschaftstheorie:
    Auch hier ist das Feld, das es abzuschreiten gilt, sehr gross, so dass an dieser Stelle nur exemplarisch auf einige wichtige Elemente verwiesen werden kann, die in der Serie wichtige Grundpfeiler sein werden. So werden etwa Überlegungen zur prinzipiellen Beschränktheit ein jeglichen Wissens, der Sprache und das Gefangen- resp. Geworfen-Sein eines jeden Denken und denkenden Daseins im jeweiligen Moment der Geschichte wichtige Reflexionspunkte darstellen (z.B. Wittgenstein (Sprache als Gefängnis), Heidegger (Welt als (zer)fliessender Zeitstrom)). Erwähnt werden muss namentlich noch Thomas Kuhn: Der beschränkte Status von wissenschaftlichem Wissen (als Abfolge von Paradigmen beschrieben), die Brüche in der Entwicklung des Wissens (kein linearer Prozess, sondern auch ein sozialer), wird uns immer wieder zum Misstrauen gegenüber zu viel Einbildung auf unser eigenes Wissen ermahnen und die von ihm angeregte Stimuli-Ontologie wird in Fragen wie die Welt an sich beschaffen ist und was für eine Rolle unser evolutionär entstandener Wahrnehmungsapparat bei einer solchen Konzeptionalisierung spielt, anregen.
    Generell bringen AutorInnen der Postmoderne, der Sozialanthropologie sowie des Dekonstruktivismus Gedanken zum Hinterfragen unserer eigenen Wahrnehumgs- , Deutungs- und Handlungsmuster auf, die es in der Serie immer wieder zu beachten und reflektieren gilt.
  • Arthur Schopenhauer und fernöstliches Denken:
    Er soll doch noch namentlich erwähnt werden, denn er wird uns Distanz gewinnen lassen bei den dann doch teils eher schwarz eingefärbten, schweren Themen: So betont er auf spielerische Art, dass all diese Machtspielchen und dieses „wer sein“, doch eigentlich in allen Zeiten nur ein Affentheater – jeweils mit anderen Mitteln – sind. Somit soll der Serie ein optimistischer Pessimismus zu Grunde gelegt werden – auch wenn Schopenhauer das wohl nicht passen würde, er würde wohl lieber einem pessimistischen Pessimismus Vorschub leisten.
    Über Schopenhauer gelangt man zum fernöstlichen Denken. Das führt hin zu Achtsamkeits-, Meditations- und Selbsttechniken, die auch eine wichtige Rolle in der Serie spielen werden.
  • Psychologie:
    Aus der Psychologie wird so einiges einfliessen. Alles kann hier nicht erwähnt werden. Dem Systemtheoretischen Hirnmodell wird an anderer Stelle dann eh ein eigener Text gewidmet sein. Denn das aktuelle Wissen zum Aufbau des Gehirns, dessen Funktionsweise und wie Lernen sich darin manifestiert, sind ganz zentral für das Verständnis, was es heisst, Mensch zu sein.

Dies zu den geisteswissenschaftlichen Grundlagen und Verortungen. Als nächstes sollen die naturwissenschaftlichen Grundlagen zur Sprache kommen.

 

*Wissenschaftliches Wissen wird durch ein strukturiertes Vorgehen und klar umrissene Methoden erarbeitet. Ausserdem wird es immer wieder überprüft und revidiert. Treten dabei Widersprüche auf, wird angepasst. Weitere Wissenschaftlichkeitskriterien sind etwa die intersubjektive Überprüfbarkeit, eine Fachsprache mit Begriffsklärungen oder aufbauendes, logisches Argumentieren. Dieses Wissen erhält in der Serie eine Schlüsselposition. Nichtsdestotrotz werden andere Wissensarten (Erfahrungswissen, Intuition u.ä.) auch zur Sprache kommen. Hingegen wird dogmatisches Behaupten (d.h. durch unhinterfragbare Autorität gesetzte, unumstössliche Wahrheiten) sowie einfach so Postuliertes aussen vor gelassen.

Sustine et abstine (2)

Auftakt einer Serie

Vom Menschsein als gestaltenden Prozess in einer von Ambivalenzen geprägten Zeit

Diese Serie trägt wichtige Elemente und Grundpfeiler eines Weltverständnisses zusammen. Dies als Grundlage für Überlegungen, wie eine gelingende Lebensführung aussehen könnte.

Vorschau – was alles eine Rolle spielen wird:

Astrophysik

Ethik

Evolutionstheorie

Geschichte

Grenzen der Erkenntnis

Hirnmodell

Kosmogonie

Kosmologie

Literatur

Multiversentheorie

etwas Mystik

etwas Mythologie

viel Neugierde

Nichtwissen

Ontologie

Philosophie

Quantenphysik

Religionsgeschichte

Staunen

Stringtheorie

Standardmodell (Teilchenzoo)

Wissenschaftstheorie, – soziologie und -kritik

Zweifel und kritisches Denken

 

Genug Zeit für Musse und Muse

Hier weiter zu Teil zwei.

Sustine et abstine (1)

 

 

Das Freiheitsdilemma

Letzte Woche ging es um den schwierigen Umgang mit der Freiheit:

Warum spricht man in der Philosophie vom Dilemma der Freiheit?

Das Freiheitsdilemma wird in der Philosophie seit der Antike thematisiert. Seit damals fragen wir Menschen uns, wie wir Freiheit behalten und dennoch erfüllt leben können. Freiheit ohne sie zu nutzen, sich also auf etwas festzulegen, ist leer – wird sie genutzt, verschwindet sie hingegen.

Am Beispiel von sozialen Bindungen wird dies gut sichtbar: Ein Leben ohne soziale Bindungen ist wenig wert. Geht man jedoch solche Bindungen ein, verliert man an Freiheiten, wird gar abhängig. Mit dem Realisieren von Bindungen schränken wir unsere Freiheit umgehend ein.

Eine weitere Variante des Dilemmas sind alle Entscheide für oder gegen eine Option. Wir alle haben eine endliche Menge an Energie und Zeit, so dass jeder Entscheid für etwas gleichzeitig ein Entscheid gegen hundert andere Dinge ist. Oft ist dann halt die realisierte Option nicht so befriedigend, wie es im Vorfeld aussah, so dass Freiheit oft schnell in Enttäuschung und Frust umschlägt.

Menschsein heisst, mit diesen Widrigkeiten umzugehen. Daran führt kein Weg vorbei. Das Dilemma ist nicht auflösbar und gilt es somit auszuhalten. Dies kann man bewusst machen oder sich einfach treiben lassen.

Will man ersteres, also trotz Widrigkeiten selber entscheiden und nicht einfach gelebt werden, so gibt es ein paar Werkzeuge, die einem dabei helfen können. Dazu gehört ein vernünftiges Erwartungsmanagement, das Treffen von bewussten, wohlinformierten Entscheiden oder das periodisches Überprüfen und Neuausrichten.
Letzteres besteht konkret darin, sich einerseits der Bindungen an Menschen, Werte, Dinge, die Auswahl von Aktivitäten und allgemein der eingegangenen und vorhandenen Abhängigkeiten bewusst zu werden und dann diese auch mal wieder zu lösen, um neue – oder die alten – willentlich wieder einzugehen.

Und nicht zuletzt darf Befreiung – wie es in der heutigen Zeit der „Multioptionsgesellschaft“ arg propagiert wird – nicht als reine Verheissung angesehen werden. Denn ganz frei wird es schnell mal fade und einsam. Aber auch das Gegenteil, das heute bei einigen Gesellschaftsgruppen zu beobachtende unreflektierte Verharren in alten Gewohnheiten oder Denkmustern ist keine gute Wahl im Umgang mit einer sich rasend verändernden Welt.

Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Und es gilt intuitiv, klug und situativ zu wählen sowie zu akzeptieren, dass das Leben im Fluss ist und nichts ein für alle Male feststeht.

Tja, und wie erreichen wir dies alles konkret? Selbstreflexion, Zeit und Raum für Muse und Musse, Disziplin und Mässigung sind mal wieder einige der zu nennenden Stichworte. Und nicht schaden tut halt auch die viel beschworene Gelassenheit. Diese ist halt schon wichtig, damit man auch mal eine Option nicht nutzt und nicht umgehend das Gefühl hat, was zu verpassen. Dies hier mal so angedeutet, mehr dazu wird an anderer Stelle noch folgen.

Die Zeit der Ausschnitte

Alles war ihnen in ihrem Revier bekannt
Neues Wissen fiel auf
Sofort ordneten sie ein
Sofort knüpften sie an
und webten ein
Die Grundstruktur blieb bewahrt

Man war zu Hause
Alles vermessen, alles kartiert

Heute kennen wir nur Ausschnitte
Der ganze Wissenskörper? Spinscht, zu gross!

Und alles aus zweiter Hand
Metakommunikation
Lingua Franca ist eigentlich nicht mein
Keine Einheit, kein Topos mehr
Gesichtet, beschlagwortet, abglegt
Durchdringen hiesse jedoch mehr

Unsere Unsicherheit, unsere blinden Flecken
Es bleibt dabei: Teilüberblick und Widersspruch

Gelehrter sein? – bitte sei nicht passé

Gefühl des Nichtgenügens
Angst ertappt zu werden
Mut zur Lücke !
Innen aber Kapitulation
Kenntnisstand des Nichtwissens – mir unbekannt

Eigener Garten? Spinscht, auch das passé
Fremde Experten – oh weh oh weh
Critical Friends und Citations Index
Global vernetzt und nie allein:
Juche, ein anderer weiss immer mehr!

Frage der Woche

 

Bei vielen antiken Philosophen werden in Bezug auf ein gelungenes Leben asketische Übungen oder generell eine Lebensführung mit Beschränkung des Auslebens der Lüste empfohlen.

Dies ist heute wieder en vogue (siehe dazu Museumstipp: Sei kein gieriger Affe oder Kleine Freuden des Alltags).

Oft werden diese Konzepte jedoch falsch verstanden, nämlich als reiner Verzicht auf Freuden des Lebens („Lustfeindlichkeit“).
Dies ist jedoch falsch, was uns zur Frage der Woche führte:

Warum ist Beschränken des Auslebens der Lüste oder Askese eigentlich gar kein Verzicht?

 

 

Die Zeiten ändern sich: Die verschwundene Magie der Fernbedienung

Früher war beim Kaufentscheid einer Stereoanlage oder eines Fernsehers eines der absolut entscheidenden Kriterien die Fernbedienbarkeit.  Wehe, in den Katalogen war die Fernbedienung zu wenig gross abgebildet. Dann musste man zwingend ins Fachgeschäft gehen.

Was lässt sich alles fernbedienen – auch der Kassettenrekorder und nicht nur Radio und CD? Auch Spezialfunktionen wie zufällige Wiedergabe? Nur die Sender beim TV oder auch noch alle Einstellungen? Das waren über Jahrzehnte wichtige Fragen beim Gerätekauf.

Mehr ist besser – das war die Devise. Wie oft lachte ich meinen Bruder aus, der zum Verändern der Lautstärke aufstehen musste oder die Sender beim TV nicht einfach rauf- und runterschalten konnte, sondern die Nummern einzeln eingeben musste.

Heute ist das ganz anders.

Einerseits hält man die meisten Geräte – etwa Smartphones oder iPads – eh direkt in der Hand, so dass sich die Frage nach der Fernbedienbarkeit oft gar nicht mehr stellt.

Und läuft man andererseits mal zufällig an einen stationären Fernseher heran, liegen da gleich mehrere Fernbedienungen bereit. Eine für das Gerät selber, eine für das komische viereckige Teil darunter, das die Kenner und Kennerinnen Box nennen, und vielleicht noch eine dritte für was weiss ich noch was?! Und wie riesig und kompliziert diese heutigen Fernbedienungen sind.

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„…zu viel des Guten?“

Ich selber bin damit völlig überfordert: Zu viele Knöpfe, zu viele Farben – weniger wäre nun definitiv mehr! Ohne Hilfe bringe ich kaum mehr einen Fernseher zum laufen… läuft nun schon die Box oder habe ich den Fernseher angemacht? Wie finden sich die Geräte… och, nun wieder alles schwarz. Ich geb’s auf.

 

Die Zeiten ändern sich

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Verdoppelte Identität? Mensch – quo vadis?

Für uns, die Übergangsgeneration, ist das Internet da, um das reale Leben zu organisieren und allenfalls etwas zu dokumentieren.

Für die nächste Generation, die ersten Digital Natives, ist das anders. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen realem Leben und virtueller Präsenz: Realweltliche und virtuelle Identitäten werden vermengt und bilden eine singuläre Daseinseinheit – ein Generation- und Zeitenbruch.

 

 

Museumstipp: Sei kein gieriger Affe

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Brauche ich wirklich das iPhone X?

 

Erstmals in seiner Geschichte widmet das Museum Rietberg unter dem Titel „NÄCHSTER HALT NIRVANA – ANNÄHERUNGEN AN DEN BUDDHISMUS“ einer der Weltreligionen eine grosse Sonderausstellung.

Dabei kann – neben den üblichen Elementen einer solchen Sonderschau wie Leben und Wirken des Religionsstifters Buddha, Geschichte und Verbreitung des Buddhismus oder Leben als Buddhist oder Buddhistin – einiges zur Lehre des Buddhas und ihrer Weiterentwicklung entdeckt werden.

Und da wird es spannend: So staunt der Mensch des 21. Jahrhunderts immer wieder, wie gut die Vorgaben und Grundsätze einer über 2000 Jahre alten Religion auch heute noch Leitlinien für eine bewusste Lebensgestaltung abgeben können. Gerade die neusten Erkenntnisse zum Funktionieren und der Veränderbarkeit (Neuroplastizität) des menschlichen Gehirns machen einige alte Praktiken des Buddhismus hochaktuell. So passt einiges aus der alten Buddhistischen Lehre ausgesprochen gut zum Themenbereich des bewussten Umgangs mit dem Belohnungszentrum unseres Hirns (–> siehe dazu Kleine Freuden des Alltags ). Dazu braucht es nur die Erwähnung der Stichworte Achtsamkeit, Ritual oder Meditation, die im Buddhismus zentral sind.
Und auch der Trend des sich Beschränkens und sich wieder mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren (Stichworte hierzu: Sein anstatt Haben, Zeit statt Geld oder Minimalismus), findet sich prominent im Buddhismus wieder. So kommt einem bei der im Foto gezeigten Geschichte vom gierigen Affen beispielsweise der eine oder die andere Bekannte in den Sinn, der oder die losrennen muss, wenn z.B. eine neue Version vom iPhone auf den Markt kommt, obwohl ihre Version doch noch ganz gut alles abdeckt, was er oder sie wirklich braucht und gar das Gerät eigentlich liebgewonnen wurde, da es die Person doch überall hin begleitete und viele emotional wichtige Kommunikationen darauf stattgefunden hatten.

Solche Gedanken regt ein Ausstellungsbesuch im Museum Rietberg in Zürich immer wieder an. Und das, ganz ohne, dass dies direkt von der Ausstellung angeleitet wird, so dass sie nicht belehrend daherkommt und jeder Besucher und jede Besucherin ausgehend von der Lehre des Buddhas und ihrer vielen Weiterentwicklungen seine eigenen Assoziationen machen lässt.

Neben Inspirationen nimmt der oder die Besuchende natürlich viele bleibende Eindrücke von Kunstwerken aus etlichen asiatischen Ländern und aus ganz verschiedenen Zeiten mit, die die reiche Tradition und regionalen Adaptionen des Buddhismus erahnen lassen und mich oft ins Staunen brachten.

Zu empfehlen ist des Weiteren der Kauf des Begleitbüchleins „ABC Buddhismus“, das auf spielerische Art eine weitere Annäherung an das Thema der Ausstellung ermöglicht. Dieses Büchlein erlaubt, das von ausgewählten Experten und Expertinnen in der Ausstellung Gelesene und auch Gehörte zu Konzepten und Begriffen des Buddhismus zu Hause nochmals intensiver zu studieren. Denn, wie oben beschrieben, können die da verhandelten Begriffe wie etwa Karma, Mitgefühl, Meditation oder Unbeständigkeit auch den westlichen Menschen des 21. Jahrhunderts nach wie vor inspirieren – wie sie dies etwa Hermann Hesse oder Arthur Schopenhauer bereits taten.

Für mehr Informationen:

http://rietberg.ch/nirvana

Die Ausstellung kann noch bis am 31. März 2019 besucht werden.

Es ist genug Zeit für den Besuch einzuplanen. Die Zeit verfliegt gerade an den Videostationen, an denen Experten und Expertinnen verschiedene Konzepte aus dem Buddhismus aus ihrer spezifischen Sicht erläutern, beim Ausstellungsbesuch enorm schnell.

Vertrauen und Autorität: Ich habe es im Collins nachgeschlagen!

Den Collins verabschieden

Er ist eine physische Macht
Er markiert eine Epoche
Auch eine Epoche meines Lebens
Nichts steht ihm in seiner Aura nah

Gerne streiche ich das Deckblatt
Gerne schlage ich zufällig nach
Nochmal, nochmal, nochmal
Ein Universum von Wissen

Diese Erinnerungen
An die Studententage
An die Prüfungsvorbereitung
An die Seminararbeiten
An die Tage mit noch so vielen Erwartungen
so viel Hoffnung und
vorweggenommenem Glanz

Es sind über 2000 Seiten
Es sind mehrere Kilogramme
Und noch mehr Symbolik

Mensch, habe ich gelitten
Schlafdrang, Unsicherheiten, Unauffindbarkeiten
Mensch, habe ich geschwitzt
darin zu finden, genau die Bedeutung die es ist

Heute ist alles anders
Klick – Doubleclick – Copy-Paste
Community – Pears – Userforum
Alles ist immer da
und sofort verwertbar
Vorgekaut, vorweggenommen, vorgegaukelt
Das Tempo steigt – doch was bleibt?

Ach, ich streiche nochmals drüber
Eine physische Urgewalt
Dennoch zügle ich Dich nicht mehr,
ersetze ich Deine Kilogramme durch
Maus, Screen, IP, www
Schöne neue Welt

Schwer wird dabei mir die Seele –
Mensch stellvertretend für Menschheit
am Umbruch – Goodbye mein Collins
Goodbye Zeit des Nachschlagens und
physischen Suchens – hello Klickerei

 

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Vom Collins (rechts) zu leo.org und Co. (links) – ob dies ein guter Tausch ist?

In Erinnungen an meinen, für damals sehr viel Geld gekauften, riesigen Deutsch-Englisch Dictionary Collins mit dem verheissenden Untertitel „Für Experten und Universität“.

 

 

 

Lebenskunst, Philosophie, Sport und Eisenbahn – ein skurriler Mix?