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Nach der Verletzungspause

Endlich geht es wieder los
Das ist es doch, wofür ich brenne?
Yeah, das wird famos!

Nicht mehr nur Bewegen in Wasser
Sondern frei in der Landschaft
Nur das hat echte Klasse!

Und so richtig Schwitzen
Endlich wieder Leistung
Fertig mit so viel Rumgesitze

Laufschuh passt doch nicht zu Jeans?
Rennvelo nicht für unter 30 Meilen?
Top motiviert nicht mehr zu schlendern

Doch die Realität ist brutal:
Ich komm einfach nicht voran!
Das Herz pocht, die Beine schwer

Bewegung nicht mehr im Fluss
Keuchen, Schnappen nach Luft
Und dieses Stechen in der Brust?

Der Tag darauf nur brachial:
Überall tut es nur noch weh!
Wie konnte das bloss geschehen?

Ich war doch ein 4:00 pro km Reh?
Als ob sie spinnt, die GPS-Uhr:
Nun zeigt sie eine ganze Minute mehr?!

Was nun zählt ist Fleiss
Geduld eher noch mehr
Hab Vertrauen in die Zeit!

Obacht vor den Rückfällen
Gefragt ist Durchhaltewille
Aber keine grossen Sprünge

Und keine Angst vor dem Mitleid…
wenn du nun wie ne Schnecke schleichst
und überholt wirst von denen mit Schneid

Das Wichtigste kennen alle der Sportnation:
DANKE für die wiedererlangte Sportoption 🙂

Joggen am Bielersee
Der Bewegungshunger nach einer Verletzungspause ist jeweils gross!

 

Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 4)

Dies ist die Fortsetzung zu Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 1) , Teil 2 und Teil 3 – im Teil 1 findet sich eine Einleitung, wie die Tipps zu verstehen sind.

Teil 4 der Tipps für Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler mit Ambitionen:

  • Die Zahlen lügen nie
    … ausser du gehörst zu den 1% Superbegabten, was sehr unwahrscheinlich ist, sonst musst auch du echt viel trainieren, sorry! Dokumentiere dies in einem Trainingstagebuch, deiner Agenda oder in einer Excell-Tabelle. Dies einerseits, damit es dich motiviert, einen gewissen Schnitt an Trainingsstunden zu leisten.

    Fahren nach zahlen.jpg
    Wer erinnert sich noch an diese alten Messgeräte? Lange vor GPS und smarten Uhren.

    Du kannst dann z.B. immer Ende Woche und Monat zusammenzählen, wie es lief und den Schnitt auf das Jahr hochrechnen, um zu sehen, wie du insgesamt drin bist.
    Andererseits gibt dir dies Selbstvertrauen, denn eben, die Zahlen lügen wirklich nicht: Hast du eine bestimmte Anzahl Stunden oder km absolviert, bist du in immer etwa gleich fit.
    Schlussendlich funktionieren wir nicht alle gleich, du musst deine eigenen Erfahrungen machen: Lief es in einem Jahr gut, hilft dir das Trainingstagebuch, dieses Jahr zu kopieren. Halte an dem fest, was sich ganz persönlich für dich bewährte und schaue nicht zu viel auf die anderen.

  • Die zweitletzte Nacht vor dem Wettkampf zählt
    Bist du am Abend vor einem Wettkampf nervös? Bin ich auch immer, auch nach über 100 Wettkämpfen noch.
    Hält sich dies im Rahmen, ist es positiv, denn es gibt deinem Körper und Geist eine gewisse Spannung und Vorfreude, die sich dann im Wettkampf entladen kann und du so klar mehr herausholst, als in Trainings.
    Doch auch hier kann es wieder zu viel vom Guten sein: Bist du so nervös, dass du einen flauen Magen bekommst oder gar nicht mehr schlafen kannst, so empfehle ich dir die im Teil 3. der Tipps unter dem Punkt Mentales Training vorgestellten Techniken zu probieren und auch generell Meditation und Achtsamkeitsübungen in deinen Alltag einzubauen – das rückt die Dinge an den Platz, wohin sie gehören: Auch das Versagen an wichtigen Wettkämpfen ist kein Weltuntergang! Das Ganze sollte auch auf hohem Niveau spielerisch bleiben, alles kannst du eh nicht beeinflussen. Und oft sind es im Nachhinein ja gerade die Geschichten, die man sich im Freundeskreis immer wieder erzählt.
    Glaube einfach daran, dass du dich im Rahmen deiner Möglichkeiten gut vorbereitet hast und dann geht es auch gut und gegen Stürze, Platten oder plötzliches Knieweh ist niemand gefeit – dann kommst du einfach nächstes Jahr wieder…
    Kannst du vor einem wichtigen Wettkampf nicht schlafen, dann ist das nicht schlimm. Aus Erfahrung weiss ich, dass die vorletzte Nacht die entscheidende ist. Dieses Wissen beruhigte mich oftmals, als ich wusste, dass der Wecker vor einem Radmarathon schon um 4 Uhr klingelt, da wir einige Stunden vor dem Start unsere kalten Teigwaren aus dem Tupperware runterwürgen müssen, und wir so viel zu wenig schlafen. Hatte ich die Nacht davor gut geschlafen, hat das Adrenalin und die Endorphine mich immer hellwach durch die Wettkampftage getragen, auch wenn wir Marathons fuhren, die bis zu 5000 Höhenmeter hatten und ewig dauerten.
  • Es tut nicht weniger weh – du bist einfach schneller

    topform.png
    Auch in Topform musst du  am Berg auf die Zähne beissen.

    Tja, ich muss dich enttäuschen: Auch wenn es bei sehr gut Trainierten so locker aussieht, strengen auch sie sich sehr an.
    Glaube mir, auch wenn du sehr gut trainiert bist, musst du an die Schmerzgrenze gehen. Du bist es vom vielen und harten Training zwar etwas besser gewohnt, du kannst dich dafür aber länger und härter pushen, was am Ende auf dasselbe rauskommt.
    Und, wenn du alles gibst, werden auch die ersten Tage nach dem Wettkampf immer noch richtig mühsam beim Gehen und Treppensteigen bleiben – auch wenn du im Rennen lockerer aussiehst als die Breitensportlerinnen, am Limit ist aber immer noch am Limit und daran führt kein Weg vorbei!

 

 

  • Sei kreativ
    Du musst nun viel trainieren, eigentlich immer und überall. Sei daher kreativ, nütze die Gelegenheiten: Der Arbeitsweg lässt sich leicht als Training nutzen. So auch Besuche bei Freunden oder Verwandten. Oder ein Familienausflug: Du fährst dann einfach mit dem Velo heim oder rennst einen Teil.
    Turnschuhe gehören nun eh immer in dein Gepäck. Gehst du an Tagungen, Messen oder sonst wie auf Dienstreise, so gibt es immer Gelegenheiten, schnell eine Runde zu rennen oder im Hotel auf dem Hometrainer oder dem Rudergerät eine Einheit zu absolvieren – nutze jede Gelegenheit und schreibe es in deine Trainingsstatistik. Du wirst sehen, mit ein bisschen Kreativität, hast du auch in Zeiten, wo du anderweitig eingespannt bist, schnell ein paar Trainingsstunden zusammen.
    Und die Bekannten gewöhnen sich daran, dass du nun halt bei allem und jedem in Sportklamotten auftauchst oder noch schnell Duschen musst, bevor auch du an den festlich gedeckten Tisch sitzen kannst. Dafür hast du dann immer schön Appetit!
  • Keep it simple – entrümple dein Leben
    Dies ist aus meiner Sicht der wichtigste Tipp von allen: Vereinfache dein Leben generell. Jeder Mensch hat nur eine endliche Fülle von Energie und Zeit. Du hast dich entschieden nun richtig zu trainieren. Das bedeutet aber auch, dass du dich gegen hundert andere Dinge entschieden hast (siehe dazu Das Freiheitsdilemma). Das ist anfangs hart, du kannst nicht mehr bei allem dabei sein und musst lernen, nein zu sagen.
    Auf die Dauer wird dies aber befreiend, denn ein Leben mit Konzentration auf das Wesentliche beschränkt die Optionen und mühsamen Entscheidfindungen: Du verpasst nun auch gerne etwas, da du vom Sport sehr viel bekommst.
    Bist du da mal richtig dabei, entwickelt sich eine Passion, die das Leben ungeahnt bereichert (siehe dazu Der Überlebende – die Geschichte einer Passion und Beschränken der Lüste oder Askese ohne Verzicht?) – probiere es aus, den Sportler-Lifestyle, und ich garantiere dir, dass es sich lohnt.
    Das funktioniert auch – wie bei mir seit einigen Jahren – ganz als Selbstzweck, ohne Wettkämpfe und nur mit moderater Leistungsorientierung 🙂
  • Dein Schrank muss voller Sportkleider sein

    Kleider
    Ausdauersportler brauchen einen grossen Kleiderschrank.

    Zum keep it simple gehört neben deiner allgemeinen Lebensführung mit Beschränkung auf das Wesentliche auch ein einfaches, niederschwelliges System, was deine Sportbekleidung und sonstige Sportausrüstung betrifft. Alles muss immer bereit sein, denn nichts soll dich in deinem Trainingseifer bremsen. All zu schnell übernimmt sonst der innere Schweinehund und du lässt eine geplante Einheit sausen, da ja als Ausrede grad gelegen kommt, dass z.B. alle Velohosen im Waschkorb liegen. Kauf dir daher viele Sportkleider: Du wirst viel waschen müssen und es sollte nicht an ausgehenden Kleidern liegen, dass du nicht loslegen kannst.
    Das gilt auch für anderes Sportmaterial. Z.B. müssen deine Velos immer gewartet und bereit sein. Kannst du etwas nicht selber flicken, bringe es sofort zum Mechaniker, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn du bei Lust und Zeit nicht trainieren kannst, weil das Veo immer noch defekt ist. Und je länger du wartest, desto mehr inneren Widerstand hast du, es dann endlich mal zur Reparatur zu bringen. Fülle auch das Flickzeug für Platten immer sofort auf, so dass du dann nicht in der Pampa strandest, weil du es vergessen hast.

  •  Ein Geheimtipp für den Wettkampftag

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    Kistenweise verschlungen… Powerbar!

    Würge immer eine Stunde vor dem Start einen ganzen Powerbar runter – auch wenn du keinen Hunger hast.
    Erstens sind diese Art von Riegel leicht wasserlöslich und damit schnell verdaut. Das belastet den Magen, der bei mir immer die Achillesferse war, wenig – du startest leicht, mit gefühlt leerem Magen.
    Zweitens hast du trotz leichtem Gefühl im Magen einen Energievorsprung, denn die Stundenregel macht, dass die geballte Energie vom Powerbar just um die Startzeit verfügbar ist.
    Das hat, bei kurzen Rennen die Folge, dass du mit nur noch flüssiger Nahrung bis ins Ziel kommst und keine Risiken auf Magenschmerzen eingehst. Bei langen Rennen kannst du länger ohne zu essen fahren, was den Magen schont, der ja oft anfällig ist bei Marathondistanzen aller Art.

 

  • Geduld
    Last but not least muss ich zu Geduld ermahnen. Fängst du an, mehr zu trainieren, machst du wohl schnell mal einen grossen Sprung. Doch dann passiert länger nichts mehr. Und nach jedem Winter musst du z.B. als Radrennfahrer wieder mühsam in Form kommen – dir scheint, dass 95% der Trainings schon nur dazu dienen, wieder gleich gut zu werden, wie vor dem Saisonende.
    Oder du hast mitten im Jahr, trotz viel Umfang, plötzlich nicht mal mehr dieselben Werte in den Belastungstests wie noch im Frühling. Oder eine klitzekleine Erkältung und du bist um Wochen zurückgeworfen.
    Das alles ist normal: Die Form zu finden, ist kein linearer Prozess und der Körper keine Maschine.
    Ausserdem wird gegen oben die Luft immer dünner: Es braucht immer mehr, um schon nur das Niveau zu halten, noch zu steigern braucht dann einen immensen Effort. Das betrifft dann immer mehr neben dem Körper auch die Koordination und Technik. Auf hohem Niveau muss z.B. auch die Tiefenmuskulatur, die erst bei sehr viel Übung selbsttätig und dezentral gut zusammenarbeitet, spezifisch trainiert werden. Und auch die Bildung der Netzwerke im Gehirn, damit Bewegungen geschmeidiger und automatisierter werden, geschieht nicht von heute auf Morgen.
    Das alles geht nur durch Wiederholung, eben, üben, üben und nochmals üben! Vielerorts kann man lesen, dass es sage und schreibe 10 000 Stunden der Übung braucht, bis man in etwas wirklich ein Meister oder eine Könnerin ist – du siehst, es ist ein langer Weg, der sich aber lohnt zu gehen, denn schon der Weg ist ein Ziel – wie oben beim Lebensstil gezeigt.

–> Also los, fertig gelesen und raus – wenn nicht jetzt, wann ist dann die nächste Gelegenheit, weitere zwei Stunden den 10 000 näher zu kommen?

Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 2)

Dies ist die Fortsetzung zu Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 1) – dort findet sich eine Einleitung, wie die Tipps zu verstehen sind.

Teil 2 der Tipps für Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler mit Ambitionen:

  • Das Material (2)

    Quota
    Das letzte Rennrad (gefahren 2011-12): Fahrbereit sagenhafte 6.9 kg, SRAM Red. Ich wurde nie richtig warm damit: Zu steif, seelenlos und vor allem defektanfällig – aber beeindruckend sah es aus!

    Wie gut muss dein Material sein? Hier scheiden sich die Geister und ich gebe zu, dass auch ich phasenweise von den Verheissungen des Top-Materials auf dem Velomarkt mich um den Finger habe wickeln lassen (bei Laufschuhen oder Langlaufmaterial bin ich weniger anfällig). Meine Erfahrungen zeigen, dass Topmaterial zwar sehr motiviert, der Effekt jedoch im Verhältnis zum Preis nicht gross genug ist: Ein bis zwei Stufen unter dem Topmaterial tut es auch sehr gut. Gerade, als ich viel mit Halbprofis unterwegs war, die wenig Geld hatten, sah ich, dass es gar mit Material in der mittleren Preisklasse auf sehr hohem Niveau noch geht. Und, als ich gegen Ende meiner Aktivzeit mal ein ganz teures Velo mit der damals leichtesten Schaltgruppe billig bekam, musste ich lernen, dass es eine Grenze gibt: Diese Teile waren zwar extrem leicht, doch anfällig für Defekte.

    Cannondale
    Mein Liebling (gefahren 2003-2011): Fahrbereit 8.0 kg, Dura-Ace. Agil, zuverlässig und alle Teile daran selber ausgewählt, was einen besonderen Bezug ergab.

    Langer Rede kurzer Sinn:
    Wenn du wenig Geld hast, investiere dies besser in Trainingslager, gute Leistungstests und Trainingsberatungen oder Sportmassagen als in Highend-Material, für das du doppelt so viel zahlst wie für die Mittelklasse, aber nur noch einen winzigen Sprung (z.B. im Gewicht) von wenigen Prozenten erhälst. Und, falls du viel arbeitest, reduziere lieber da und trainiere mehr, als schon wieder ein neues Velo oder diese superschnellen Schuhe zu kaufen.
    Und lass dich nicht blenden – entweder hast du Geld und jedes Jahr neues Topmaterial, dafür wegen Zeitmangel kaum Kondition oder du bist gut trainiert und dafür mit schlechterem Material unterwegs, da du dafür Zeit hast – ich jedenfalls überholte mit meinen Untere- Mittel-Klasse-Trainingsvelos jeweils sehr gerne am Berg die Leute mit diesen 3 kg leichteren aber 4x so teueren Rennrädern oder MTBs. Beides hat vor allem in jungen Jahren kaum wer, Geld und Zeit für viel Training.

  • Das Wetter
    Wie im ersten Teil der Tipps gezeigt (Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 1)), gilt es nun ernst: Du musst 4-5 Mal raus in der Woche. Dass du dich dabei nicht mehr nach dem Wetter richten kannst, liegt auf der Hand (ausser du hast ein Laufband oder ein Velo auf einer Rolle eingespannt (das finde ich aber zu langweilig und zu schweisstreibend)).

    Schnee.jpg
    Nicht selten kamen wir auch mit Schnee in Berührung, hier einmal im Mai auf dem Glaubenbergpass – das LeMond (gefahren 2005-2012) hatte ich extra dafür, ein richtig robustes Trainingsrad, das gerne auch mal auf Kies fahren durfte, was die Wettkampfräder nicht durften.

    Daher musst du deine Einstellung gegenüber dem Wetter anpassen und Kleidung für jedes Wetter griffbereit haben. Frage bei Erfahreneren rum, was sie so bei welchem Wetter für welche Sportart anziehen, was nötig und was nur nice to have ist. Für Radsportler sind Schuhüberzüge, gute Handschuhe, eine Leuchtveste und sehr gutes Licht, Thermobidon oder eine gute Mütze für unter den Helm Pflicht, willst du den ganzen Winter durchfahren. Wärmer hast du auch, wenn du im Winter MTB oder Gravelbike fährst, anstatt Rennrad oder du zumindest Bikepedale und MTB-Schuhe fürs Rennvelo verwendest, da diese besser gegen Kälte und Nässe schützen.

    Bei Läuferinnen ist viel weniger nötig, Rennen gibt immer warm. Aber auch hier gehören Handschuhe, Mütze und eine Leuchtveste zum Grundbestand für den Winter. Beim Rest geht auch das Schichtprinzip.

    Es lohnt sich als Radportlerin, ein Trainingsvelo zu haben (ich hatte gar eines mit Schutzblechen, „pfui“ sagten die Kumpels regelmässig dazu, aber wer hatte immer ein trockenes Hinterteil?) , so dass du deine geliebten Wettkampfvelos nicht dem Regen und

    Rolle.jpg
    Stand meist unbenutzt in der guten Stube, das Rollenvelo – zu langweilig und zu schweisstreibend…

    salzversetzen Schmelzwasser aussetzen und viel Zeit für das Putzen der Räder verwenden musst. Mein Trainingsvelo war immer sehr schmutzig, dafür die schönen Wettkampfvelos durchgehend in gutem Zustand, da sie ausser an Renntagen, nie auf nasser Strasse fahren mussten.

  • Du brauchst Gspännli
    Es gibt sie, die Menschen, die viele Stunden in der Woche alleine trainieren, sich auch alleine bis ans Limit pushen können und sich über Monate alleine motivieren. Die sind jedoch eher die Ausnahme. Meine Erfahrung ist, dass man Gspännli auf etwa demselben Niveau und mit derselben Motivation braucht. Dann entsteht eine motivierende Dynamik, man schaukelt sich im Trainingseifer gegenseitig auf, findet immer wen, der ein langes Training anreist oder ein Trainingswochenende im Tessin organisiert und nicht zuletzt macht es grossen Spass mit einer Gruppe von Gleichgesinnten ein Trainingslager zu machen oder an ein Rennen zu fahren und dann da zu zelten oder im Wohnmobil zu übernachten – das alles schweisst ungemein zusammen, ergibt Freundschaften fürs ganze Leben (viele Details über die wichtige soziale Dimension des Lebens als Sportler oder Sportlerin finden sich unter Der Überlebende – die Geschichte einer Passion, so dass dies hier kurz abgehandelt werden kann).

Hier geht es weiter zum Teil 3 der Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen.

Die 10 Gebote der Selbstsabotage im Wettkampfsport (ein Erfahrungsbericht)

 

  1. Probiere neue Nahrung kurz vor dem Wettkampf oder im Wettkampf aus – das gibt dir dann einen Zusatzkick!
    Realitätscheck (was wirklich geschah):
    Kohlenhydratpulver 24h Stunden vor einem Bikemarathon als Spezial-Carboloading einfach mal in alles reintun, was man isst: Wird dann für irre Power sorgen! Es führte jedoch zu rasend schneller „Abfuhr “ und dies bereits ab 2 Uhr morgens – die Kraft ging dann schon in der Hälfte des langen Rennens aus.
    Mal ein ganz langes Rennen nur mit Gels fahren, das schont den Magen. Resultat war ein böser Hungerast mit einer Zwangspause liegend in der Alpwiese.
    Redbull wird im Feld in einem Radrennen rumgereicht. Nehme ich doch auch mal ein bisschen, soll ja Flügel verleihen – führte dann etwas später, als es im Schlussaufstieg zur Sache ging, zu einem klebrigen (und nach Kaugummi riechenden) Rennrad (und keinen Flügeln, sondern Gummibeinen).
  2. You’re the Boss – zeig es ihnen von Anfang an! Vollgas ab der Startlinie!
    Realitätscheck:
    Anstatt da, wo ich von meinem Können in der Rangliste her gelandet wäre, landete ich viel weiter hinten und die Rennen wurden schon nach kurzer Zeit viel härter als sie sonst gewesen wären.
    Aber man konnte es ja eine Woche später wieder damit versuchen – bekannt im Feld wurde man durch diese Taktik sehr. Auf ging sie jedoch genau nie.
  3. Trainiere nur alleine und überrasche dann die anderen mit deiner Topform im Rennen!
    Realitätscheck:
    Wieso sind die denn plötzlich so schnell? In anderen Jahren, als wir viel in der Gruppe fuhren, waren die nicht plötzlich einen Zacken schneller als ich!
  4. Erkältungen gehen schneller weg, wenn man weitertrainiert – schwitze es raus!
    Realitätscheck:
    Schnell arteten Erkältungen zu langwierigem Husten aus und dann ist schnell mal eine Pause von 3 bis 4 Wochen fällig und die Form bricht voll ein. Kann sogar mal eine Lungenentzündung geben und dann sind Monate des Formaufbaus weg.
  5. Ein bisschen Schmerz gehört dazu – nur Memmen hören beim ersten Wehwehchen auf!
    Realitätscheck:
    Fast alle längeren Verletzungspausen fingen mit feinem Stechen im Knie oder einem leichten Brennen an einer Sehne an…
  6. Was dich nicht umbringt, macht dich hart!
    Realitätscheck:
    Nicht auf die Warnzeichen des Körpers zu hören, dass nun eine Ruhetag oder eine Trainingspause nötig wäre, rächte sich dann spätestens in einem Rennen oder Leistungstest: Jetzt habe ich doch so viel mehr und härter trainiert, warum bin ich denn weniger leistungsfähig als vor 6 Monaten?
  7. Stecke alles Geld in eine top Ausrüstung!
    Realitätscheck:
    Ja, ein neues Velo oder neue Laufschuhe motivierten immer ungemein. Doch es muss nicht das High-End-Teil sein, das dich dein halbes Erspartes kostet und dich zu mehr Stunden bei der Arbeit zwingt. Mehr Training  – oder ein Kilo weniger auf den Rippen – hätten wohl immer mehr gebracht als nochmals leichteres Material – wie viele waren mit schlechterem Material besser? Einige. Und wie viele mit noch viel besserem Material massiv langsamer? Sehr viele. Aber eben, hat der Trainingskumpan leichtere Räder, brauche ich solche doch auch sofort?
  8. Am Abend vor dem Wettkampf die Schaltung am Velo nochmals einstellen: Das lässt dich besser schlafen!
    Realitätscheck:
    Mehrmals fuhr ich einen Marathon mit mehreren Pässen nur mit den halben Gängen, da sich über Nacht die neue Einstellung der Schaltung verstellte oder das umgebogene Teil sich wieder zurückbog.
    Oder die Kette fiel immer wieder raus beim Bikemarathon, da halt nur schnell auf dem Hotel-Parkplatz getestet wurde und nicht im Gelände – bei 5000hm wird das dann sehr mühsam – verdammt, vorher ging es einen Monat gut über Stock und Stein!
    Oder ein Renntag wird zur Tortur, weil ich unbedingt noch einen neuen Winkel das Sattels ausprobieren wollte und das dann zur einer schrägen Belastung des Knies führte.
  9. Neue Kleider oder Schuhe machen dich an der Startlinie zum unschlagbaren King!
    Realitätscheck:
    Blasen wegen neuen Schuhen nach 2 km in einem langen Lauf.
    Brustwarzen vom neuen super-marken T-Shirt wund nach kurzer Zeit und der Rest des Laufes wird zum Horror.
    Oder die neuen Veloschuhe, nur einmal kurz ausprobiert, werden dann unter Vollbelastung im langen Rennen zur Folter. Folge: Schmerzen in der Achillessehne für 4 Wochen!
  10. Leistungstests in einer Belastungswoche machen – dann bist du ja eh voll drin und auf Touren!
    Realitätscheck:
    Es wird noch viel härter als sonst.
    Enttäuschung pur wegen schlechten Werten.
    Last but not least: Werte völlig unbrauchbar – Geld und Zeit für nichts aufgewendet!

 

Tipps für Sporttreibende ohne Ambitionen

Das Netz ist voll von Trainingstipps – hier wirst du schneller, da gibt es mehr Muskeln! Oder klicke hier, dann hast du bald ein Sixpack! Nein, davon handelt dieser Text nicht. Er präsentiert lediglich Tricks und Tipps, um den inneren Schweinehund zu überwinden.

Früher trieb ich ambitioniert Sport (–> Der Überlebende – die Geschichte einer Passion). Damals brauchte ich keine Tricks: Trainieren gehörte einfach zu meinem Leben wie essen oder schlafen. Seit ein paar Jahren ist dies anders. Sport und Bewegung sind ein Selbstzweck geworden. Aber eben, seit ich nicht mehr leistungsorientiert Sport treibe, ist der innere Schweinehund auch bei mir eingezogen (–>> Der Mensch ändert sich). Um ihn in Schach zu halten, haben sich ein paar Grundsätze bewährt:

1. Die Zwei-Tage-Regel: Nach zwei Tagen ohne Sport wird am dritten zwingend eine Bewegungseinheit absolviert.

2. Die Drei-Einheiten-Regel: Es gibt nie eine Woche mit nicht mindestens drei sportlichen Einheiten (auch wenn es Sonntag 22 Uhr ist und die dritte noch fehlt, wird sie gemacht).

3. Eine Einheit dauert mindestens 40 Minuten.

4. Jede Einheit wird in der Agenda notiert (sonst überlistet man sich selber bezogen auf 1. und 2.).

5. Ab 35: Zweimal in der Woche gibt es vor oder nach einer Einheit 10 Minuten Kraftübungen mit Eigengewicht (erspart einem Rückenschmerzen und den viel zeitaufwendigeren Gang ins schweissluftgeschwängerte Fitnesscenter).

6. Handy ist nur bei langen Einheiten oder in gefährlichem Gelände dabei. So schafft man sich so gleich auch mentale Inseln, die einem stärken und inspirieren (–>> Selbstreferenzialität oder einfach ein bisschen Nachsport-Blödsinn?).

7. Kaufe schöne und funktionale Sportkleidung und staune, wie gerne du nun draussen unterwegs bist.

8. GPS-Uhr, ja oder nein? Eine schwierige Frage, der ich besser einen eigenen Artikel widmen werde, denn sie kann sehr motivieren aber auch zu Fixiertheit und Verletzungen führen. Abwechslung und Masshalten könnten ein Ansatz sein?

9. Harter Tag gehabt? Dennoch am morgen eine Einheit vorgehabt? Sofort gehen, ja nicht auf das Sofa sitzen…

10. Fixe „Hausrunden“ ab der Haustüre für 40, 50, 60 und 80 Minuten Joggen/Walken und/oder 1:15h, 1:30h, 1:45h und 2h für Velo haben, so dass du nur noch überlegen musst, wie lange du unterwegs sein willst und nicht noch daran denken musst, wohin es gehen könnte.

11. Kleider schon am Morgen für den Feierabend bereit halten und auch sonst ein einfaches System im Schrank haben: Auch hier, wie bei 10., alles minimieren, was mental anstrengt, so dass du findest, heute sei die Hürde zu gross bis du bereit bist.

12. Schwere Beine? Traue dem Endorphin, die werden in Bewegung schnell besser, „gehen auf“, wie wir früher sagten, wo wir in Trainingslagern täglich mit schweren Beinen viele Stunden im Sattel waren. Nur Muskelkater ist ein Grund, zu pausieren. Lerne den von nur „müden Beinen“ zu unterscheiden.

13. Wetter ignorieren – so bald man mal draussen und aufgewärmt ist, ist es gerade bei Wind und Wetter besonders befriedigend, unterwegs zu sein (einzige Ausnahme: Rennvelo, da zu exponiert = Erkältungsgefahr).

14. Fit sein als Selbstzweck: Glaube mir, es macht viel mehr Spass, wenn du mal fitter bist (ich rede nicht von Topform) – es ist ein Selbstläufer: Fitter bewegst du dich einfach lieber und machst es dann auch einfach so. Somit gilt, dass der Anfang das Schwierigste ist, dafür merkst du da die Fortschritte am Besten, was doch auch motiviert?

15. Vernünftige Gewichtskontrolle: Nein, es gilt nicht, stur und überambitioniert täglich auf die Waage zu stehen (du merkst das ja auch, wenn die Hosen enger erden). Dennoch solltest du ab und zu auf eine Waage stehen und einen Alarmwert definieren (kann natürlich auch eine bestimmte Hose sein, die bei Alarmwert nicht mehr zugeht). Ist er erreicht, isst du etwas bewusster und bewegst dich mehr. Auch das motiviert sehr.

16. Suche wen, der oder die grad ein bisschen fitter ist als du selbst und orientiere dich daran. Auch die andere Person wird mehr trainieren, wenn sie merkt, dass du plötzlich gleich schnell bist, was eine sehr motivierende Dynamik auslöst.

17. Sich angewöhnen, immer mit Tempo bis ü b e r Kuppen zu ziehen (gilt wandernd, rennend oder auf dem Velo).

18. Belohne dich! Lege schon etwas Feines zum Essen vor einem langen Training bereit oder plane lange Einheiten so, dass du bei einem schönen Café mit feinem Gebäck und Terrasse aufhören kannst (dann kannst du auch noch etwas in den neuen Sportkleidern (siehe 7.) rumgockeln) und den Bus heim nimmst, so dass du da Schlemmen kannst. Plane im Winter ein heisses Bad nach dem Training ein. Nütze die Kenntnis, dass alles Essen besser schmeckt nach einem langen Training, dass Getränke (schon nur kühles Hahnenwasser) im Sommer so viel besser schmecken nach einer schweisstreibenden Runde.

Last but not least sei nachsichtig mit dir – du willst nicht nach Olympia, also ist es auch mal egal, wenn du die Regeln brichst, es sind nur Richtlinien, es reicht, wenn du sie generell im Auge hast und nach einer laschen Phase dich wieder mehr daran orientierst. Aber es gilt halt schon, dass nur Wiederholung zu Gewohnheit und schliesslich zum Automatismus führt, so dass der innere Schweinehund nur noch selten zu Besuch kommen wird.

Back to the Roots – in vierfachem Sinne

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Zurück zu den Wurzeln mit dem Rondo Ruut ST.

Vor zwei Monaten bin ich zu den Wurzeln zurückgekehrt und dies gerade in vierfachem Sinne:
Erstens  – nach genau sechs Jahren der Abstinenz in Bezug auf das sportliche Zweiradfahren (siehe Der Überlebende – die Geschichte einer Passion) – sitze ich nun wieder regelmässig in engen Hosen mit Polster im Sattel. Zweitens bin ich wie in den 1990er Jahren nun mit einem Quervelo (nun auch „Gravelbike“ genannt) unterwegs. Drittens geht es nun zurück auf die Wurzelwege und viertens – ganz nach dem Motto „only Steel is real“ – fahre ich nun erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit wieder einen Stahlrahmen, ein Rondo Ruut ST.

Da die ersten 1000 km mit meinem grün-gelben Hippstergöppi gefahren sind, ziehe ich hier Bilanz, was die Stärken und Schwächen eines Quervelos im Vergleich zu den früher gefahrenen Mountainbikes und Rennrädern sind.

Vorteile Quervelo / Gravelbike:

  • Fahren abseits des Verkehrs
  • Flexibilität was die Routenwahl betrifft (Kieswege, Teerstrassen und auch Singeltrails fahrbar und beliebig spontan kombinierbar)
  • Auf Teer und Kieswegen gegenüber MTB klar überlegen (Position, Rollwiderstand, Gänge) und nur wenig langsamer als Rennvelo auf Teerstrassen
  • Wartungsarm (keine Federgabel, Dämpfer, Gelenke, nur ein Kettenblatt, kaum Platten)
  • Mittelschwere Abfahrten machen mehr Spass als mit MTB, da mehr Fahrkönnen nötig ist und man länger fährt, da man nicht einfach runterbrettern kann
  • Gegenüber früher sind Bremsen top, was im Gelände ähnliches Fahrgefühl wie beim Hardtail, das ich schon lange mit Scheibenbremsen fuhr, bringt (gegenüber früheren Quervelos mit Cantilever-Bremsen ein andere Welt)
  • Aufgeräumter Keller: Hatte ich früher eine Armada von Fahrrädern, steht nun nur noch eines im Keller rum – das heisst auch, viel weniger Putzen und Warten sowie die Befreiung von Entscheiden, was heute gefahren wird

Nachteile Quervelo / Gravelbike:

  • Gegenüber Rennvelo schwer (merkt man auch beim Verlad in den Zug)
  • Bei steileren Abfahrten auf Teer doch arg langsamer als Rennvelo
  • Klar träger als Rennvelo beim Beschleunigen
  • Ruppige Abfahrten sind sehr hart für Gelenke – da wünsche ich mir doch oft das MTB zurück
  • Spektrum der Gänge macht steile Anstiege schnell hart bis unfahrbar gegenüber MTB

Vorteile Mountainbike (MTB):

  • Wenn es steil wird (oder Mensch müde wird in langen Aufstiegen) genug kleine Gänge dabei
  • Die Federung und Dämpfung (Federgabel + breitere Pneus) sind in ruppigen Abfahrten gold wert
  • Im Gelände viel Halt und länger Traktion durch breite Pneus und Federung

Nachteile Mountainbike (MTB):

  • Auf Teer und guten Kieswegen lahme Ente im Vergleich zum Quervelo
  • Wartung aufwendig und teuer (immer ging irgendwas kaputt…)
  • Putzen aufwendiger als bei Quervelo

Vorteile Rennvelo:

  • Auf Teer unschlagbar schnell und agil beim Beschleunigen
  • Einmaliges Gefühl beim Fahren, da maximaler Vortrieb in Bezug auf eingesetzte Kraft
  • Am Berg einfach unschlagbar (aber eben: nur auf Teer oder sehr gutem Kiesweg)
  • Gewicht (alles geht leicht, nicht nur das Fahren: Es aus dem Keller nehmen, im Zug an den Haken hängen etc.)
  • Abfahrten auf Teer machen damit schlicht und einfach am meisten Spass

Nachteile Rennvelo:

  • An Teerstrassen gebunden, kein dem Verkehr-Ausweichen-Können, keine spontanen Abstecher über Kieswege möglich
  • anstrengendere Sitzposition als Quervelo und Bike

 

Fazit:

Das Quervelo / Gravelbike scheint kein fauler Kompromiss zu sein:
Im Gelände ist es dank Scheibenbremsen und relativ breiten Pneus doch recht nahe an einem Hardtail-MTB dran, auf dem Teer durch die sportliche Position und die vielen Möglichkeiten der Stellung der Hände dank Rennvelolenker und die mittelbreiten Pneus, die immerhin 4 Bar Druck erlauben, recht nahe an einem Rennvelo.
Zwar nirgends top, doch die Freiheit, die es bietet, gleicht dies mehr als aus – ich bleibe sicherlich dabei und freue mich schon auf die nächste Ausfahrt über kleine Teersträsschen, viel Kieswege und ab und zu auch einen Wurzelweg – dies alles innerhalb einer Ausfahrt, das bringt so schön Abwechslung und ein Gefühl von Freiheit!