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Das Freiheitsdilemma

Letzte Woche ging es um den schwierigen Umgang mit der Freiheit:

Warum spricht man in der Philosophie vom Dilemma der Freiheit?

Das Freiheitsdilemma wird in der Philosophie seit der Antike thematisiert. Seit damals fragen wir Menschen uns, wie wir Freiheit behalten und dennoch erfüllt leben können. Freiheit ohne sie zu nutzen, sich also auf etwas festzulegen, ist leer – wird sie genutzt, verschwindet sie hingegen.

Am Beispiel von sozialen Bindungen wird dies gut sichtbar: Ein Leben ohne soziale Bindungen ist wenig wert. Geht man jedoch solche Bindungen ein, verliert man an Freiheiten, wird gar abhängig. Mit dem Realisieren von Bindungen schränken wir unsere Freiheit umgehend ein.

Eine weitere Variante des Dilemmas sind alle Entscheide für oder gegen eine Option. Wir alle haben eine endliche Menge an Energie und Zeit, so dass jeder Entscheid für etwas gleichzeitig ein Entscheid gegen hundert andere Dinge ist. Oft ist dann halt die realisierte Option nicht so befriedigend, wie es im Vorfeld aussah, so dass Freiheit oft schnell in Enttäuschung und Frust umschlägt.

Menschsein heisst, mit diesen Widrigkeiten umzugehen. Daran führt kein Weg vorbei. Das Dilemma ist nicht auflösbar und gilt es somit auszuhalten. Dies kann man bewusst machen oder sich einfach treiben lassen.

Will man ersteres, also trotz Widrigkeiten selber entscheiden und nicht einfach gelebt werden, so gibt es ein paar Werkzeuge, die einem dabei helfen können. Dazu gehört ein vernünftiges Erwartungsmanagement, das Treffen von bewussten, wohlinformierten Entscheiden oder das periodisches Überprüfen und Neuausrichten.
Letzteres besteht konkret darin, sich einerseits der Bindungen an Menschen, Werte, Dinge, die Auswahl von Aktivitäten und allgemein der eingegangenen und vorhandenen Abhängigkeiten bewusst zu werden und dann diese auch mal wieder zu lösen, um neue – oder die alten – willentlich wieder einzugehen.

Und nicht zuletzt darf Befreiung – wie es in der heutigen Zeit der „Multioptionsgesellschaft“ arg propagiert wird – nicht als reine Verheissung angesehen werden. Denn ganz frei wird es schnell mal fade und einsam. Aber auch das Gegenteil, das heute bei einigen Gesellschaftsgruppen zu beobachtende unreflektierte Verharren in alten Gewohnheiten oder Denkmustern ist keine gute Wahl im Umgang mit einer sich rasend verändernden Welt.

Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Und es gilt intuitiv, klug und situativ zu wählen sowie zu akzeptieren, dass das Leben im Fluss ist und nichts ein für alle Male feststeht.

Tja, und wie erreichen wir dies alles konkret? Selbstreflexion, Zeit und Raum für Muse und Musse, Disziplin und Mässigung sind mal wieder einige der zu nennenden Stichworte. Und nicht schaden tut halt auch die viel beschworene Gelassenheit. Diese ist halt schon wichtig, damit man auch mal eine Option nicht nutzt und nicht umgehend das Gefühl hat, was zu verpassen. Dies hier mal so angedeutet, mehr dazu wird an anderer Stelle noch folgen.

Frage der Woche

 

Wann tut es im Herzen so weh, wenn ein Schaf eine Rose frisst, dass man weinen muss?                                                                                                                                                

Antwortmöglichkeiten (mehrere zutreffend möglich):
  1. Wenn man die Rose selber aufgezogen, gehegt und gepflegt oder gezähmt hat.
  2. Wenn die Rose besonders schön war.
  3. Wenn das Schaf den Befehl, sie nicht zu essen, nicht befolgt hat.
  4. Wenn man so besoffen war, dass man vergessen hatte, das Schaf in seine Kiste zu sperren.
  5. Wenn sie besonders wertvoll war.
  6. Wenn man so beschäftigt war, dass man vergessen hatte, sie mittels Glasglocke zu schützen, bevor man seinem strengen Beruf nachging.
  7. Wenn man die Rose noch nicht nach Art und Familie bestimmt hat.
  8. Wenn man jemanden kennt, der die Rose aufgezogen, gehegt und gepflegt oder gezähmt hatte.

Auflösung:

Wie einem der kleine Prinz im Büchlein von Antoine de Saint-Exupéry aufzeigt, gewinnt man einen Freund oder eine Freundin, wenn man ein Lebewesen hegt, pflegt oder zähmt. Wenn diese Bindung aufgelöst wird, tut einem das Herz weh und man muss weinen. Dasselbe gilt, wenn dies einer Freundin oder einem Freund geschieht. Somit sind eins und acht richtig. Wer mehr über die übrigen Antworten erfahren will, lese das immer wieder lohnenswerte Büchlein von Saint-Exupéry (1943): Le Petit Prince. Bei den Antworten handelt es sich um die Personen, welche der Prinz trifft und die ihm zu denken geben (2. der Eitle / 3. der König / 4. der Trinker / 5. der Geschäftsmann / 6. der Laternenanzünder / 7. der Forscher).