I‘m not rich but I am free
I‘m not important but I am free
I‘m not famous but I am free
I live in a tiny appartement but it‘s enough
I live a quiet life but it is full of adventures
I live slow but I am wide awake
I own less but make more experiences
I own less but feel more connected
I own less but have more purpose
I prefere learning to earning
I prefere travelling to saving money
I prefere beeing outside to the office
I don’t have a house but I am free
I don‘t have a car but I am free
I don’t have a fancy watch but I am free
What‘s important to you?
Schlagwort-Archive: Gesellschaft
Nächtliche Fata Morgana: Das Glühen der Städte
Vorne in der Lok fährt man ohne Innenbeleuchtung. Man muss sich ja auf die Signale und die Fahrbahn konzentrieren. Auch hat es – abgesehen von den Bahnhöfen – keine Beleuchtung der Gleise. Die Scheinwerfer der Loks sind vergleichsweise schwach. Bildschirme und Anzeigen im Führerstand dimmen wir. Dadurch passen sich die Augen an die Dunkelheit an und man sieht erstaunlich viel auf den langen nächtlichen Fahrten über Land.
Fährt man im Dunkeln länger durch die ländliche Landschaft, fällt einem auf, dass alle grösseren Orte eine rötliche Lichtglocke über sich erzeugen. Bei meinen ersten solchen Fahrten staunte ich oft über dieses Glühen der Städte. Es ist vor allem bei tief hängenden Wolken bereits von weit sichtbar.
Anziehend wirkt dieses Glühen über den grösseren Ortschaften. Gerade an einem kalten, windigen Wintermorgen scheint es einladend, richtiggehend warm.
Fuhr ich jedoch nicht gerade vor zwei Stunden auf dem Weg zum Bahnhof durch meine Stadt an einigen beleuchteten Fenstern vorbei, wo Menschen noch um 3 Uhr alleine vor dem Fernseher sassen? Manchmal in zwei benachbarten Wohnungen, dennoch isoliert? Stiess ich nicht gerade heute früh wieder auf zwei Betrunkene, die mich grundlos arg beschimpften und wer weiss, falls ich näher gekommen wäre, was die mit mir gemacht hätten? Und dann da, bei den Liften für in den Bahnhof runter, waren da nicht – wie fast immer am Wochenende- zwei Gruppen von Jugendlichen am sich aggressiv anbrüllen? Kippte da die Stimmung mal wieder und bald wird aus Anpöbeln und etwas Schupsen brutale physische Gewalt? Oder dann die Verwirrte unten in der Bahnhofsunterführung, die immer mit sich selber redet und von allen ignoriert wird: Ob sie auch heute Nacht von den Ordnungshütern aus dem Bahnhof auf den kalten Vorplatz verjagt wird?
Nicht alles was glüht, bietet auch (menschliche) Wärme!
Utilitarismus versus Deontologie – Rechnen oder die Pflicht befolgen?
Bei der Frage, was moralisch richtiges Handeln ist, haben sich in der Geschichte der Philosophie zwei Hauptrichtungen herauskristallisiert.
Auf der einen Seite steht der Utilitarismus. Darunter versteht man die Position, die eine Nutzenethik vertritt. Konkret heisst dies, dass die Folgen einer Handlung darüber entscheiden, ob sie moralisch gut oder schlecht ist. Das Ziel, der Zweck stehen also im Vordergrund – daher wird diese Position auch als teleologisch (Griechisch Telos = Ziel) bezeichnet. Plakativ gesagt, muss man also rechnen, ob es gut rauskommt und dann das machen, das am meisten bringt.
Die utilitaristische Position wurde im 19. Jahrhundert erstmals systematisch von Bentham und Mill herausgearbeitet. Später entwickelten sich verschiedene Unterarten und Verfeinerungen des Ansatzes. Insbesondere wurde diskutiert, was genau in die Rechnung genommen werden soll, um eine Handlung als moralisch gut oder schlecht zu bewerten (z.B. kam der Negative Utilitarismus („Leid vermeiden“) auf, verschiedene Gewichtungen verschiedener Arten von Nutzen werden diskutiert, Differenzierung nach Bedürfnissen vorgenommen oder verschiedene Positionen zum Guten Leben und was Glück bedeutet erarbeitet).
In der Deontologie geht es hingegen um die Pflicht. Relevant sind die moralisch richtigen Gründe und Absichten, warum und wie wir handeln. Ergebnisse sind nicht das Entscheidende. Daher spricht man auch von Gesinnungsethik.
Der Hauptvertreter dieser Richtung ist Kant mit seinem Kategorischen Imperativ. Neuere Diskussionen um unverhandelbare Menschenrechte und die universelle Menschenwürde orientieren sich an dieser Position der Prinzipien, die einmal begründet und dann stur eingehalten werden sollen.
Beide Strömungen haben Kritik geerntet und für beide Ansätze gibt es in den philosophischen Diskussionen schöne Beispiele, wie es in einzelnen Situationen absurd wird, sich stur an eine Position zu halten.
Das klassische Kritik-Beispiel gegenüber der Pflichtethik ist die Lüge. Deontologisch gesehen muss man immer die Wahrheit sprechen, man hat eben die Pflicht dazu, ausnahmslos. Dies auch, wenn nun ein Nazischerge an die Türe klopft und man eine jüdische Familie verstecke und danach gefragt wird.
Beim Utilitarismus geht die Kritik hingegen unter anderem in die Richtung, dass es absurd ist, immer alle Folgen einer Handlung kennen zu wollen (man denke z.B. an die Kernkraft) oder die Bewertung der Folgen sehr subjektiv (was ist eigentlich Glück?) sein kann, so dass Minderheitenpositionen es schwer haben.
Dann gibt es in der Philosophiegeschichte AutorInnen, die die beiden Positionen verbinden wollen. Am bekanntesten ist da John Rawls mit seiner umfassenden Theorie der Gerechtigkeit. In seinem Mammutwerk zur Gerechtigkeit präsentiert er Grundprinzipien aus beiden Ansätzen und kombiniert sie, was einige Probleme löst, aber wieder andere schafft.
Neutral gesehen haben in der Tat beide Positionen Schwächen und Stärken und eine situative und intuitive Anwendung mal der einen, mal der anderen Position dürfte Sinn machen.
Im weiteren Verlauf der Entwicklung von eigenen, konkreten Ansätzen für eine gute Lebensführungen werden somit teils deontologische Ansätze zum Zuge kommen, während es in anderen Bereichen wohl ein Abwägen der Folgen geben wird. Teils wird es wohl auch eine Mischung brauchen – es ist in der Realität mal wieder viel komplexer und komplizierter als in der Theorie!
Sustine et abstine (17) – der Mensch als geselliges Wesen (3)
Mensch als soziales Wesen – ein bisschen Theorie
Seit langer Zeit denken Menschen darüber nach, wie wir das Zusammenleben untereinander am besten organisieren können. Zuerst waren es Mythen, religiöse Überzeugungen, und überlieferte Traditionen, die diesbezüglich den Ton angaben. Später, vor allem durch die ersten griechischen Philosophen, löste sich das Denken von diesen überlieferten Dogmen und Geboten und es wurde auch abstrakter, systematischer sowie theoretischer darüber nachgedacht, wie gutes Zusammenleben unter den Menschen organisiert werden könnte.
Die grundsätzlichen Ideen und Lehren aus der Antike wurden verfeinert und einige Konzepte kamen (und kommen immer wieder) hinzu, während vieles, was sich seit Jahrtausenden bewährt hat, in die weitere Diskussion integriert wird.
So wurde etwa die Idee der Gerechtigkeit bereits bei den Griechen stark diskutiert, während in den letzten Jahrzehnten das Konzept zum Beispiel um die Begriffe Fairness oder Chancengleichheit erweitert wurde.
Erweitert wurde auch der Kreis, den man bei solchen Überlegungen mit einbezieht: So war auch noch bei den Griechen hauptsächlich eine männliche Elite Ziel – und Urheber – der ethischen Diskurse, während heutzutage auch Tiere bis hin zu ganzen Ökosystemen und schliesslich der ganze Planet eine Rolle bei solchen Überlegungen spielen.
Schon nur diese kurze Einleitung zeigt, dass es schnell kompliziert wird: Befasst man sich heute mit den philosophischen Diskursen zum Thema, wird es umgehend unübersichtlich. Daher sollen hier ganz stark vereinfacht lediglich die wichtigsten Konzepte aus der Diskussion – ohne abschliessend sein zu wollen – zusammengestellt werden. Denn es es soll schnell wieder konkret werden!
Um die später folgenden Ansichten und konkreten Ideen für ein sinnvolles Zusammenleben als Menschen als soziale Wesen, eingebetet in ein weiteres Umfeld, eine nachvollziehbare Basis geben zu können, müssen in den nächsten Texten der Serie trotz der Komplexität und „Trockenheit“ der Themen, folgende grundlegende Fragen kurz näher betrachtet werden:*
Die beiden Hauptrichtungen der Ethik: Rechnen oder die Pflicht befolgen?
Kann ich wirklich tun, was ich will?
Kann ich mir wirklich frei eine Meinung bilden?
Wie gelangen wir zum bestmöglichen Wissen?
Welche Gefahren hat das wissenschaftliche Wissen?
Was bleibt? Plädoyer für freies Denken und eine holistische Weltsicht
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*Dies ergänzend und vertiefend zu den bei den Grundlagen (siehe dazu Teil 1, Teil 2 und Teil 3) bereits gemachten Verortungen.
Sustine et abstine (16) – der Mensch als geselliges Wesen (2)
Vom Ego zur Gesellschaft – oder vom Ich zum Wir
Nachdem es in der Serie zum Menschsein in einer von Ambivalenzen geprägten Zeit in den ersten 14 Teilen vor allem um das Individuum und seine eigene Lebensführung ging, soll der Blick nun geweitet werden: Ist mensch nicht gerade ein weltabgewandter Einsiedler, so heisst Leben immer Verwobensein mit anderen Menschen.
Des Weiteren ist ein jeder Mensch in vielfältige Zusammenhänge natürlicher, sozialer, politischer oder wirtschaftlicher Art eingebettet.
Menschsein bedeutet somit, wie bereits Aristoteles festhielt, ein Zoon politikon zu sein. Damit ist gemeint, dass das Wesen des Menschen grundsätzlich sozialer und damit politischer Art ist. Das hat zur Folge, dass eine Individualethik, die beim Ich startet, nicht beim Ich aufhören darf, will sie nicht bei einer egoistischen sowie narzistischen oder rein hedonistisch ausgerichteten Lebensführung enden.
Dieser Erweiterung vom Ich zum Wir sind die nächsten Teile der Serie gewidmet.
Sustine et abstine (15) – der Mensch als geselliges Wesen (1)