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Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 4)

Dies ist die Fortsetzung zu Tipps für Ausdauersport-Treibende mit Ambitionen (Teil 1) , Teil 2 und Teil 3 – im Teil 1 findet sich eine Einleitung, wie die Tipps zu verstehen sind.

Teil 4 der Tipps für Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler mit Ambitionen:

  • Die Zahlen lügen nie
    … ausser du gehörst zu den 1% Superbegabten, was sehr unwahrscheinlich ist, sonst musst auch du echt viel trainieren, sorry! Dokumentiere dies in einem Trainingstagebuch, deiner Agenda oder in einer Excell-Tabelle. Dies einerseits, damit es dich motiviert, einen gewissen Schnitt an Trainingsstunden zu leisten.

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    Wer erinnert sich noch an diese alten Messgeräte? Lange vor GPS und smarten Uhren.

    Du kannst dann z.B. immer Ende Woche und Monat zusammenzählen, wie es lief und den Schnitt auf das Jahr hochrechnen, um zu sehen, wie du insgesamt drin bist.
    Andererseits gibt dir dies Selbstvertrauen, denn eben, die Zahlen lügen wirklich nicht: Hast du eine bestimmte Anzahl Stunden oder km absolviert, bist du in immer etwa gleich fit.
    Schlussendlich funktionieren wir nicht alle gleich, du musst deine eigenen Erfahrungen machen: Lief es in einem Jahr gut, hilft dir das Trainingstagebuch, dieses Jahr zu kopieren. Halte an dem fest, was sich ganz persönlich für dich bewährte und schaue nicht zu viel auf die anderen.

  • Die zweitletzte Nacht vor dem Wettkampf zählt
    Bist du am Abend vor einem Wettkampf nervös? Bin ich auch immer, auch nach über 100 Wettkämpfen noch.
    Hält sich dies im Rahmen, ist es positiv, denn es gibt deinem Körper und Geist eine gewisse Spannung und Vorfreude, die sich dann im Wettkampf entladen kann und du so klar mehr herausholst, als in Trainings.
    Doch auch hier kann es wieder zu viel vom Guten sein: Bist du so nervös, dass du einen flauen Magen bekommst oder gar nicht mehr schlafen kannst, so empfehle ich dir die im Teil 3. der Tipps unter dem Punkt Mentales Training vorgestellten Techniken zu probieren und auch generell Meditation und Achtsamkeitsübungen in deinen Alltag einzubauen – das rückt die Dinge an den Platz, wohin sie gehören: Auch das Versagen an wichtigen Wettkämpfen ist kein Weltuntergang! Das Ganze sollte auch auf hohem Niveau spielerisch bleiben, alles kannst du eh nicht beeinflussen. Und oft sind es im Nachhinein ja gerade die Geschichten, die man sich im Freundeskreis immer wieder erzählt.
    Glaube einfach daran, dass du dich im Rahmen deiner Möglichkeiten gut vorbereitet hast und dann geht es auch gut und gegen Stürze, Platten oder plötzliches Knieweh ist niemand gefeit – dann kommst du einfach nächstes Jahr wieder…
    Kannst du vor einem wichtigen Wettkampf nicht schlafen, dann ist das nicht schlimm. Aus Erfahrung weiss ich, dass die vorletzte Nacht die entscheidende ist. Dieses Wissen beruhigte mich oftmals, als ich wusste, dass der Wecker vor einem Radmarathon schon um 4 Uhr klingelt, da wir einige Stunden vor dem Start unsere kalten Teigwaren aus dem Tupperware runterwürgen müssen, und wir so viel zu wenig schlafen. Hatte ich die Nacht davor gut geschlafen, hat das Adrenalin und die Endorphine mich immer hellwach durch die Wettkampftage getragen, auch wenn wir Marathons fuhren, die bis zu 5000 Höhenmeter hatten und ewig dauerten.
  • Es tut nicht weniger weh – du bist einfach schneller

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    Auch in Topform musst du  am Berg auf die Zähne beissen.

    Tja, ich muss dich enttäuschen: Auch wenn es bei sehr gut Trainierten so locker aussieht, strengen auch sie sich sehr an.
    Glaube mir, auch wenn du sehr gut trainiert bist, musst du an die Schmerzgrenze gehen. Du bist es vom vielen und harten Training zwar etwas besser gewohnt, du kannst dich dafür aber länger und härter pushen, was am Ende auf dasselbe rauskommt.
    Und, wenn du alles gibst, werden auch die ersten Tage nach dem Wettkampf immer noch richtig mühsam beim Gehen und Treppensteigen bleiben – auch wenn du im Rennen lockerer aussiehst als die Breitensportlerinnen, am Limit ist aber immer noch am Limit und daran führt kein Weg vorbei!

 

 

  • Sei kreativ
    Du musst nun viel trainieren, eigentlich immer und überall. Sei daher kreativ, nütze die Gelegenheiten: Der Arbeitsweg lässt sich leicht als Training nutzen. So auch Besuche bei Freunden oder Verwandten. Oder ein Familienausflug: Du fährst dann einfach mit dem Velo heim oder rennst einen Teil.
    Turnschuhe gehören nun eh immer in dein Gepäck. Gehst du an Tagungen, Messen oder sonst wie auf Dienstreise, so gibt es immer Gelegenheiten, schnell eine Runde zu rennen oder im Hotel auf dem Hometrainer oder dem Rudergerät eine Einheit zu absolvieren – nutze jede Gelegenheit und schreibe es in deine Trainingsstatistik. Du wirst sehen, mit ein bisschen Kreativität, hast du auch in Zeiten, wo du anderweitig eingespannt bist, schnell ein paar Trainingsstunden zusammen.
    Und die Bekannten gewöhnen sich daran, dass du nun halt bei allem und jedem in Sportklamotten auftauchst oder noch schnell Duschen musst, bevor auch du an den festlich gedeckten Tisch sitzen kannst. Dafür hast du dann immer schön Appetit!
  • Keep it simple – entrümple dein Leben
    Dies ist aus meiner Sicht der wichtigste Tipp von allen: Vereinfache dein Leben generell. Jeder Mensch hat nur eine endliche Fülle von Energie und Zeit. Du hast dich entschieden nun richtig zu trainieren. Das bedeutet aber auch, dass du dich gegen hundert andere Dinge entschieden hast (siehe dazu Das Freiheitsdilemma). Das ist anfangs hart, du kannst nicht mehr bei allem dabei sein und musst lernen, nein zu sagen.
    Auf die Dauer wird dies aber befreiend, denn ein Leben mit Konzentration auf das Wesentliche beschränkt die Optionen und mühsamen Entscheidfindungen: Du verpasst nun auch gerne etwas, da du vom Sport sehr viel bekommst.
    Bist du da mal richtig dabei, entwickelt sich eine Passion, die das Leben ungeahnt bereichert (siehe dazu Der Überlebende – die Geschichte einer Passion und Beschränken der Lüste oder Askese ohne Verzicht?) – probiere es aus, den Sportler-Lifestyle, und ich garantiere dir, dass es sich lohnt.
    Das funktioniert auch – wie bei mir seit einigen Jahren – ganz als Selbstzweck, ohne Wettkämpfe und nur mit moderater Leistungsorientierung 🙂
  • Dein Schrank muss voller Sportkleider sein

    Kleider
    Ausdauersportler brauchen einen grossen Kleiderschrank.

    Zum keep it simple gehört neben deiner allgemeinen Lebensführung mit Beschränkung auf das Wesentliche auch ein einfaches, niederschwelliges System, was deine Sportbekleidung und sonstige Sportausrüstung betrifft. Alles muss immer bereit sein, denn nichts soll dich in deinem Trainingseifer bremsen. All zu schnell übernimmt sonst der innere Schweinehund und du lässt eine geplante Einheit sausen, da ja als Ausrede grad gelegen kommt, dass z.B. alle Velohosen im Waschkorb liegen. Kauf dir daher viele Sportkleider: Du wirst viel waschen müssen und es sollte nicht an ausgehenden Kleidern liegen, dass du nicht loslegen kannst.
    Das gilt auch für anderes Sportmaterial. Z.B. müssen deine Velos immer gewartet und bereit sein. Kannst du etwas nicht selber flicken, bringe es sofort zum Mechaniker, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn du bei Lust und Zeit nicht trainieren kannst, weil das Veo immer noch defekt ist. Und je länger du wartest, desto mehr inneren Widerstand hast du, es dann endlich mal zur Reparatur zu bringen. Fülle auch das Flickzeug für Platten immer sofort auf, so dass du dann nicht in der Pampa strandest, weil du es vergessen hast.

  •  Ein Geheimtipp für den Wettkampftag

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    Kistenweise verschlungen… Powerbar!

    Würge immer eine Stunde vor dem Start einen ganzen Powerbar runter – auch wenn du keinen Hunger hast.
    Erstens sind diese Art von Riegel leicht wasserlöslich und damit schnell verdaut. Das belastet den Magen, der bei mir immer die Achillesferse war, wenig – du startest leicht, mit gefühlt leerem Magen.
    Zweitens hast du trotz leichtem Gefühl im Magen einen Energievorsprung, denn die Stundenregel macht, dass die geballte Energie vom Powerbar just um die Startzeit verfügbar ist.
    Das hat, bei kurzen Rennen die Folge, dass du mit nur noch flüssiger Nahrung bis ins Ziel kommst und keine Risiken auf Magenschmerzen eingehst. Bei langen Rennen kannst du länger ohne zu essen fahren, was den Magen schont, der ja oft anfällig ist bei Marathondistanzen aller Art.

 

  • Geduld
    Last but not least muss ich zu Geduld ermahnen. Fängst du an, mehr zu trainieren, machst du wohl schnell mal einen grossen Sprung. Doch dann passiert länger nichts mehr. Und nach jedem Winter musst du z.B. als Radrennfahrer wieder mühsam in Form kommen – dir scheint, dass 95% der Trainings schon nur dazu dienen, wieder gleich gut zu werden, wie vor dem Saisonende.
    Oder du hast mitten im Jahr, trotz viel Umfang, plötzlich nicht mal mehr dieselben Werte in den Belastungstests wie noch im Frühling. Oder eine klitzekleine Erkältung und du bist um Wochen zurückgeworfen.
    Das alles ist normal: Die Form zu finden, ist kein linearer Prozess und der Körper keine Maschine.
    Ausserdem wird gegen oben die Luft immer dünner: Es braucht immer mehr, um schon nur das Niveau zu halten, noch zu steigern braucht dann einen immensen Effort. Das betrifft dann immer mehr neben dem Körper auch die Koordination und Technik. Auf hohem Niveau muss z.B. auch die Tiefenmuskulatur, die erst bei sehr viel Übung selbsttätig und dezentral gut zusammenarbeitet, spezifisch trainiert werden. Und auch die Bildung der Netzwerke im Gehirn, damit Bewegungen geschmeidiger und automatisierter werden, geschieht nicht von heute auf Morgen.
    Das alles geht nur durch Wiederholung, eben, üben, üben und nochmals üben! Vielerorts kann man lesen, dass es sage und schreibe 10 000 Stunden der Übung braucht, bis man in etwas wirklich ein Meister oder eine Könnerin ist – du siehst, es ist ein langer Weg, der sich aber lohnt zu gehen, denn schon der Weg ist ein Ziel – wie oben beim Lebensstil gezeigt.

–> Also los, fertig gelesen und raus – wenn nicht jetzt, wann ist dann die nächste Gelegenheit, weitere zwei Stunden den 10 000 näher zu kommen?

Die 10 Gebote der Selbstsabotage im Wettkampfsport (ein Erfahrungsbericht)

 

  1. Probiere neue Nahrung kurz vor dem Wettkampf oder im Wettkampf aus – das gibt dir dann einen Zusatzkick!
    Realitätscheck (was wirklich geschah):
    Kohlenhydratpulver 24h Stunden vor einem Bikemarathon als Spezial-Carboloading einfach mal in alles reintun, was man isst: Wird dann für irre Power sorgen! Es führte jedoch zu rasend schneller „Abfuhr “ und dies bereits ab 2 Uhr morgens – die Kraft ging dann schon in der Hälfte des langen Rennens aus.
    Mal ein ganz langes Rennen nur mit Gels fahren, das schont den Magen. Resultat war ein böser Hungerast mit einer Zwangspause liegend in der Alpwiese.
    Redbull wird im Feld in einem Radrennen rumgereicht. Nehme ich doch auch mal ein bisschen, soll ja Flügel verleihen – führte dann etwas später, als es im Schlussaufstieg zur Sache ging, zu einem klebrigen (und nach Kaugummi riechenden) Rennrad (und keinen Flügeln, sondern Gummibeinen).
  2. You’re the Boss – zeig es ihnen von Anfang an! Vollgas ab der Startlinie!
    Realitätscheck:
    Anstatt da, wo ich von meinem Können in der Rangliste her gelandet wäre, landete ich viel weiter hinten und die Rennen wurden schon nach kurzer Zeit viel härter als sie sonst gewesen wären.
    Aber man konnte es ja eine Woche später wieder damit versuchen – bekannt im Feld wurde man durch diese Taktik sehr. Auf ging sie jedoch genau nie.
  3. Trainiere nur alleine und überrasche dann die anderen mit deiner Topform im Rennen!
    Realitätscheck:
    Wieso sind die denn plötzlich so schnell? In anderen Jahren, als wir viel in der Gruppe fuhren, waren die nicht plötzlich einen Zacken schneller als ich!
  4. Erkältungen gehen schneller weg, wenn man weitertrainiert – schwitze es raus!
    Realitätscheck:
    Schnell arteten Erkältungen zu langwierigem Husten aus und dann ist schnell mal eine Pause von 3 bis 4 Wochen fällig und die Form bricht voll ein. Kann sogar mal eine Lungenentzündung geben und dann sind Monate des Formaufbaus weg.
  5. Ein bisschen Schmerz gehört dazu – nur Memmen hören beim ersten Wehwehchen auf!
    Realitätscheck:
    Fast alle längeren Verletzungspausen fingen mit feinem Stechen im Knie oder einem leichten Brennen an einer Sehne an…
  6. Was dich nicht umbringt, macht dich hart!
    Realitätscheck:
    Nicht auf die Warnzeichen des Körpers zu hören, dass nun eine Ruhetag oder eine Trainingspause nötig wäre, rächte sich dann spätestens in einem Rennen oder Leistungstest: Jetzt habe ich doch so viel mehr und härter trainiert, warum bin ich denn weniger leistungsfähig als vor 6 Monaten?
  7. Stecke alles Geld in eine top Ausrüstung!
    Realitätscheck:
    Ja, ein neues Velo oder neue Laufschuhe motivierten immer ungemein. Doch es muss nicht das High-End-Teil sein, das dich dein halbes Erspartes kostet und dich zu mehr Stunden bei der Arbeit zwingt. Mehr Training  – oder ein Kilo weniger auf den Rippen – hätten wohl immer mehr gebracht als nochmals leichteres Material – wie viele waren mit schlechterem Material besser? Einige. Und wie viele mit noch viel besserem Material massiv langsamer? Sehr viele. Aber eben, hat der Trainingskumpan leichtere Räder, brauche ich solche doch auch sofort?
  8. Am Abend vor dem Wettkampf die Schaltung am Velo nochmals einstellen: Das lässt dich besser schlafen!
    Realitätscheck:
    Mehrmals fuhr ich einen Marathon mit mehreren Pässen nur mit den halben Gängen, da sich über Nacht die neue Einstellung der Schaltung verstellte oder das umgebogene Teil sich wieder zurückbog.
    Oder die Kette fiel immer wieder raus beim Bikemarathon, da halt nur schnell auf dem Hotel-Parkplatz getestet wurde und nicht im Gelände – bei 5000hm wird das dann sehr mühsam – verdammt, vorher ging es einen Monat gut über Stock und Stein!
    Oder ein Renntag wird zur Tortur, weil ich unbedingt noch einen neuen Winkel das Sattels ausprobieren wollte und das dann zur einer schrägen Belastung des Knies führte.
  9. Neue Kleider oder Schuhe machen dich an der Startlinie zum unschlagbaren King!
    Realitätscheck:
    Blasen wegen neuen Schuhen nach 2 km in einem langen Lauf.
    Brustwarzen vom neuen super-marken T-Shirt wund nach kurzer Zeit und der Rest des Laufes wird zum Horror.
    Oder die neuen Veloschuhe, nur einmal kurz ausprobiert, werden dann unter Vollbelastung im langen Rennen zur Folter. Folge: Schmerzen in der Achillessehne für 4 Wochen!
  10. Leistungstests in einer Belastungswoche machen – dann bist du ja eh voll drin und auf Touren!
    Realitätscheck:
    Es wird noch viel härter als sonst.
    Enttäuschung pur wegen schlechten Werten.
    Last but not least: Werte völlig unbrauchbar – Geld und Zeit für nichts aufgewendet!