I‘m not rich but I am free
I‘m not important but I am free
I‘m not famous but I am free
I live in a tiny appartement but it‘s enough
I live a quiet life but it is full of adventures
I live slow but I am wide awake
I own less but make more experiences
I own less but feel more connected
I own less but have more purpose
I prefere learning to earning
I prefere travelling to saving money
I prefere beeing outside to the office
I don’t have a house but I am free
I don‘t have a car but I am free
I don’t have a fancy watch but I am free
What‘s important to you?
Schlagwort-Archive: Menschsein
Utilitarismus versus Deontologie – Rechnen oder die Pflicht befolgen?
Bei der Frage, was moralisch richtiges Handeln ist, haben sich in der Geschichte der Philosophie zwei Hauptrichtungen herauskristallisiert.
Auf der einen Seite steht der Utilitarismus. Darunter versteht man die Position, die eine Nutzenethik vertritt. Konkret heisst dies, dass die Folgen einer Handlung darüber entscheiden, ob sie moralisch gut oder schlecht ist. Das Ziel, der Zweck stehen also im Vordergrund – daher wird diese Position auch als teleologisch (Griechisch Telos = Ziel) bezeichnet. Plakativ gesagt, muss man also rechnen, ob es gut rauskommt und dann das machen, das am meisten bringt.
Die utilitaristische Position wurde im 19. Jahrhundert erstmals systematisch von Bentham und Mill herausgearbeitet. Später entwickelten sich verschiedene Unterarten und Verfeinerungen des Ansatzes. Insbesondere wurde diskutiert, was genau in die Rechnung genommen werden soll, um eine Handlung als moralisch gut oder schlecht zu bewerten (z.B. kam der Negative Utilitarismus („Leid vermeiden“) auf, verschiedene Gewichtungen verschiedener Arten von Nutzen werden diskutiert, Differenzierung nach Bedürfnissen vorgenommen oder verschiedene Positionen zum Guten Leben und was Glück bedeutet erarbeitet).
In der Deontologie geht es hingegen um die Pflicht. Relevant sind die moralisch richtigen Gründe und Absichten, warum und wie wir handeln. Ergebnisse sind nicht das Entscheidende. Daher spricht man auch von Gesinnungsethik.
Der Hauptvertreter dieser Richtung ist Kant mit seinem Kategorischen Imperativ. Neuere Diskussionen um unverhandelbare Menschenrechte und die universelle Menschenwürde orientieren sich an dieser Position der Prinzipien, die einmal begründet und dann stur eingehalten werden sollen.
Beide Strömungen haben Kritik geerntet und für beide Ansätze gibt es in den philosophischen Diskussionen schöne Beispiele, wie es in einzelnen Situationen absurd wird, sich stur an eine Position zu halten.
Das klassische Kritik-Beispiel gegenüber der Pflichtethik ist die Lüge. Deontologisch gesehen muss man immer die Wahrheit sprechen, man hat eben die Pflicht dazu, ausnahmslos. Dies auch, wenn nun ein Nazischerge an die Türe klopft und man eine jüdische Familie verstecke und danach gefragt wird.
Beim Utilitarismus geht die Kritik hingegen unter anderem in die Richtung, dass es absurd ist, immer alle Folgen einer Handlung kennen zu wollen (man denke z.B. an die Kernkraft) oder die Bewertung der Folgen sehr subjektiv (was ist eigentlich Glück?) sein kann, so dass Minderheitenpositionen es schwer haben.
Dann gibt es in der Philosophiegeschichte AutorInnen, die die beiden Positionen verbinden wollen. Am bekanntesten ist da John Rawls mit seiner umfassenden Theorie der Gerechtigkeit. In seinem Mammutwerk zur Gerechtigkeit präsentiert er Grundprinzipien aus beiden Ansätzen und kombiniert sie, was einige Probleme löst, aber wieder andere schafft.
Neutral gesehen haben in der Tat beide Positionen Schwächen und Stärken und eine situative und intuitive Anwendung mal der einen, mal der anderen Position dürfte Sinn machen.
Im weiteren Verlauf der Entwicklung von eigenen, konkreten Ansätzen für eine gute Lebensführungen werden somit teils deontologische Ansätze zum Zuge kommen, während es in anderen Bereichen wohl ein Abwägen der Folgen geben wird. Teils wird es wohl auch eine Mischung brauchen – es ist in der Realität mal wieder viel komplexer und komplizierter als in der Theorie!
Sustine et abstine (17) – der Mensch als geselliges Wesen (3)
Mensch als soziales Wesen – ein bisschen Theorie
Seit langer Zeit denken Menschen darüber nach, wie wir das Zusammenleben untereinander am besten organisieren können. Zuerst waren es Mythen, religiöse Überzeugungen, und überlieferte Traditionen, die diesbezüglich den Ton angaben. Später, vor allem durch die ersten griechischen Philosophen, löste sich das Denken von diesen überlieferten Dogmen und Geboten und es wurde auch abstrakter, systematischer sowie theoretischer darüber nachgedacht, wie gutes Zusammenleben unter den Menschen organisiert werden könnte.
Die grundsätzlichen Ideen und Lehren aus der Antike wurden verfeinert und einige Konzepte kamen (und kommen immer wieder) hinzu, während vieles, was sich seit Jahrtausenden bewährt hat, in die weitere Diskussion integriert wird.
So wurde etwa die Idee der Gerechtigkeit bereits bei den Griechen stark diskutiert, während in den letzten Jahrzehnten das Konzept zum Beispiel um die Begriffe Fairness oder Chancengleichheit erweitert wurde.
Erweitert wurde auch der Kreis, den man bei solchen Überlegungen mit einbezieht: So war auch noch bei den Griechen hauptsächlich eine männliche Elite Ziel – und Urheber – der ethischen Diskurse, während heutzutage auch Tiere bis hin zu ganzen Ökosystemen und schliesslich der ganze Planet eine Rolle bei solchen Überlegungen spielen.
Schon nur diese kurze Einleitung zeigt, dass es schnell kompliziert wird: Befasst man sich heute mit den philosophischen Diskursen zum Thema, wird es umgehend unübersichtlich. Daher sollen hier ganz stark vereinfacht lediglich die wichtigsten Konzepte aus der Diskussion – ohne abschliessend sein zu wollen – zusammengestellt werden. Denn es es soll schnell wieder konkret werden!
Um die später folgenden Ansichten und konkreten Ideen für ein sinnvolles Zusammenleben als Menschen als soziale Wesen, eingebetet in ein weiteres Umfeld, eine nachvollziehbare Basis geben zu können, müssen in den nächsten Texten der Serie trotz der Komplexität und „Trockenheit“ der Themen, folgende grundlegende Fragen kurz näher betrachtet werden:*
Die beiden Hauptrichtungen der Ethik: Rechnen oder die Pflicht befolgen?
Kann ich wirklich tun, was ich will?
Kann ich mir wirklich frei eine Meinung bilden?
Wie gelangen wir zum bestmöglichen Wissen?
Welche Gefahren hat das wissenschaftliche Wissen?
Was bleibt? Plädoyer für freies Denken und eine holistische Weltsicht
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*Dies ergänzend und vertiefend zu den bei den Grundlagen (siehe dazu Teil 1, Teil 2 und Teil 3) bereits gemachten Verortungen.
Sustine et abstine (16) – der Mensch als geselliges Wesen (2)
Vom Ego zur Gesellschaft – oder vom Ich zum Wir
Nachdem es in der Serie zum Menschsein in einer von Ambivalenzen geprägten Zeit in den ersten 14 Teilen vor allem um das Individuum und seine eigene Lebensführung ging, soll der Blick nun geweitet werden: Ist mensch nicht gerade ein weltabgewandter Einsiedler, so heisst Leben immer Verwobensein mit anderen Menschen.
Des Weiteren ist ein jeder Mensch in vielfältige Zusammenhänge natürlicher, sozialer, politischer oder wirtschaftlicher Art eingebettet.
Menschsein bedeutet somit, wie bereits Aristoteles festhielt, ein Zoon politikon zu sein. Damit ist gemeint, dass das Wesen des Menschen grundsätzlich sozialer und damit politischer Art ist. Das hat zur Folge, dass eine Individualethik, die beim Ich startet, nicht beim Ich aufhören darf, will sie nicht bei einer egoistischen sowie narzistischen oder rein hedonistisch ausgerichteten Lebensführung enden.
Dieser Erweiterung vom Ich zum Wir sind die nächsten Teile der Serie gewidmet.
Sustine et abstine (15) – der Mensch als geselliges Wesen (1)
Grundlagen und Verortungen (Teil 1)
Wissen, Gedanken und Publikationen zu Weltbildern, zum Menschsein und zur guten Lebensführung sind in den letzten Jahrzehnten explosionsartig angestiegen. Vor diesem Hintergrund gilt es als ersten Schritt nach der Sichtung dieses Wissenskorpus‘, ihn zu ordnen und einige Elemente als Grundpfeiler bewusst auszuwählen: Alles kann nicht berücksichtigt werden, es gilt eine kluge und mutige Wahl zu treffen.
In diesem Blogeintrag werden die Elemente präsentiert, die eine sinnvolle Auswahl als Startpunkt für weitere Schritte hin zu einem kohärenten Weltbild und konkreten Handlungsanleitungen zum Menschsein in der heutigen, komplexen Welt, darstellen.
Bei der Auswahl werden als erstes die Geisteswissenschaften (geisteswissenschaftliche Grundlagen) beleuchtet. In einem separaten Text werden dann als nächstes die naturwissenschaftlichen Grundlagen präsentiert, während ein dritter Teil sich mit weiteren Formen* des Wissens, dem Erfahrungswissen, beschäftigen wird.
Zuerst wird damit geklärt, was für wissen da ist (und was fehlt), was prinzipiell überhaupt analysiert sein kann (und was nicht). Weiter wird beleuchtet, was es heisst, Mensch zu sein und wie ein Leben sinnstiftend geführt werden könnte sowie was kluges Handeln sein könnte.
Aus der geisteswissenschaftlichen Tradition werden schwerpunktartig folgende Elemente beigezogen – im Wissen, dass dies nicht vollständig sein kann und eklizistisch ausgewählt wird (sowie ganz viel anderes implizit einfliessen wird):
- Antike Philosophie:
Darunter werden schwerpunktmässig Gedanken aus dem Stoizismus, Konzepte der Sorge um sich selber (bereits von Sokrates begründet), Überlegungen zur Lebensführung (Mässigung, Balance-Halten) oder zum Umgang mit den Lüsten (z.B. Epikur) sowie Gedanken zur wohlüberlegten, klugen Wahl (oder Nichtwahl) zentral sein. - Existenzialismus:
Besonders hervorzuheben gilt es dabei Albert Camus: Seine Gedanken zur Geworfenheit eines jeden menschlichen Daseins und seine Beschreibungen des Absurden der conditio humana an sich werden immer wieder auftauchen. Wichtig werden auch Gedanken sein, die aufzeigen dass diesem (elenden) Zustand nur durch eigene aktive Sinngebung, z.B. durch (soziales) Engagement („l’homme révolté“), eine gewisse Erträglichkeit und ein Sinn eingehaucht werden kann.
Des Weiteren einfliessen werden Camus‘ Aussagen, dass Glück nur kurze Momente darstellen kann und kein Dauerzustand ist, denn die schönen Momente sind flüchtig und müssen immer wieder erkämpft werden. Und da ist noch das Bild von Sisyphus in Camus‘ Dissertation: Gar er hat seine glücklichen Momente und wir sind alle eigentlich mit ihm verwandt und müssen ein Leben im Dennoch oder im Trotzdem gestaltend abspulen. - Friedrich Nietzsche:
Was er in die Diskussion um unser Dasein als Menschen (z.B. „Gott ist tot“ oder Gedanken zu Macht- und Herrschaftstrieb) einbrachte, ist wohl allgemein bekannt, so dass dies hier nicht weiter ausgeführt werden muss. Begegnen werden wir in unserer Serie immer wieder Elementen aus seinem Denken. - Michel Foucault:
Zwei Hauptgedanken fliessen in die weiteren Überlegungen ein: Einerseits werden wir sehen, dass Macht und Strukturen alles durchdringen und wir uns immer wieder mit ihr verstricken, ob wir wollen oder nicht. Es wird sich zeigen, dass wir keine echten Positionen der Opposition finden können, keine Positionen ausserhalb der Macht – ob wir aber Sand ins Getriebe streuen können und wollen oder uns eine Nische zu schaffen anstreben, müssen wir klug abwägen.
Neben Gedanken zur Macht bringen wir durch Foucault natürlich auch Gedanken zur Entwicklung von Wissensystemen, zum Übertragen der antiken Konzepte der Sorge um sich selbst (Lebenskunst) in die (Post)Moderne oder Hinweise zur Geschichte und Ausgestaltung der Sexualität mit in unsere Serie hinein. - Wirtschaftswissenschaften, insbes. Wirtschaftsethik:
Wir alle sind tätig und in ein grösseres Wirtschaftsystem eingebetet, ob wir wollen oder nicht. Von der schwierigen Diskussion um das Privateigentum (man denke z.B. an Marx extreme Position dazu) bis hin zu Überlegungen zum Umbruch der Wirtschaft in Zeiten der aufkommenden Digitalisierung werden uns hier einige Themen beschäftigen müssen. - Literatur:
Dabei handelt es sich um ein riesiges Feld, das die ganze Kultur, Sprache und Weltwahrnehmung prägt. Exemplarisch werden wir Gedanken von Thomas Mann (eigenes Leben unter einer Beschreibung führen, als Kunstwerk gestalten und Triebe und Abgründe durch Disziplin im Schach halten) sowie Dostojewski (innere Kämpfe, Ambivalenzen und Widersprüche als Dauerzustand) beiziehen. Viele weitere von Dante bis Sybille Berg werden einfliessen – alle hier zu nennen würde den Rahmen dieser Einleitung sprengen. - Weitere VertreterInnen der moderneren Philosophie, insbes. der Wissenschaftstheorie:
Auch hier ist das Feld, das es abzuschreiten gilt, sehr gross, so dass an dieser Stelle nur exemplarisch auf einige wichtige Elemente verwiesen werden kann, die in der Serie wichtige Grundpfeiler sein werden. So werden etwa Überlegungen zur prinzipiellen Beschränktheit ein jeglichen Wissens, der Sprache und das Gefangen- resp. Geworfen-Sein eines jeden Denken und denkenden Daseins im jeweiligen Moment der Geschichte wichtige Reflexionspunkte darstellen (z.B. Wittgenstein (Sprache als Gefängnis), Heidegger (Welt als (zer)fliessender Zeitstrom)). Erwähnt werden muss namentlich noch Thomas Kuhn: Der beschränkte Status von wissenschaftlichem Wissen (als Abfolge von Paradigmen beschrieben), die Brüche in der Entwicklung des Wissens (kein linearer Prozess, sondern auch ein sozialer), wird uns immer wieder zum Misstrauen gegenüber zu viel Einbildung auf unser eigenes Wissen ermahnen und die von ihm angeregte Stimuli-Ontologie wird in Fragen wie die Welt an sich beschaffen ist und was für eine Rolle unser evolutionär entstandener Wahrnehmungsapparat bei einer solchen Konzeptionalisierung spielt, anregen.
Generell bringen AutorInnen der Postmoderne, der Sozialanthropologie sowie des Dekonstruktivismus Gedanken zum Hinterfragen unserer eigenen Wahrnehumgs- , Deutungs- und Handlungsmuster auf, die es in der Serie immer wieder zu beachten und reflektieren gilt. - Arthur Schopenhauer und fernöstliches Denken:
Er soll doch noch namentlich erwähnt werden, denn er wird uns Distanz gewinnen lassen bei den dann doch teils eher schwarz eingefärbten, schweren Themen: So betont er auf spielerische Art, dass all diese Machtspielchen und dieses „wer sein“, doch eigentlich in allen Zeiten nur ein Affentheater – jeweils mit anderen Mitteln – sind. Somit soll der Serie ein optimistischer Pessimismus zu Grunde gelegt werden – auch wenn Schopenhauer das wohl nicht passen würde, er würde wohl lieber einem pessimistischen Pessimismus Vorschub leisten.
Über Schopenhauer gelangt man zum fernöstlichen Denken. Das führt hin zu Achtsamkeits-, Meditations- und Selbsttechniken, die auch eine wichtige Rolle in der Serie spielen werden. - Psychologie:
Aus der Psychologie wird so einiges einfliessen. Alles kann hier nicht erwähnt werden. Dem Systemtheoretischen Hirnmodell wird an anderer Stelle dann eh ein eigener Text gewidmet sein. Denn das aktuelle Wissen zum Aufbau des Gehirns, dessen Funktionsweise und wie Lernen sich darin manifestiert, sind ganz zentral für das Verständnis, was es heisst, Mensch zu sein.
Dies zu den geisteswissenschaftlichen Grundlagen und Verortungen. Als nächstes sollen die naturwissenschaftlichen Grundlagen zur Sprache kommen.
*Wissenschaftliches Wissen wird durch ein strukturiertes Vorgehen und klar umrissene Methoden erarbeitet. Ausserdem wird es immer wieder überprüft und revidiert. Treten dabei Widersprüche auf, wird angepasst. Weitere Wissenschaftlichkeitskriterien sind etwa die intersubjektive Überprüfbarkeit, eine Fachsprache mit Begriffsklärungen oder aufbauendes, logisches Argumentieren. Dieses Wissen erhält in der Serie eine Schlüsselposition. Nichtsdestotrotz werden andere Wissensarten (Erfahrungswissen, Intuition u.ä.) auch zur Sprache kommen. Hingegen wird dogmatisches Behaupten (d.h. durch unhinterfragbare Autorität gesetzte, unumstössliche Wahrheiten) sowie einfach so Postuliertes aussen vor gelassen.
Sustine et abstine (2)