Bei der Frage, was moralisch richtiges Handeln ist, haben sich in der Geschichte der Philosophie zwei Hauptrichtungen herauskristallisiert.
Auf der einen Seite steht der Utilitarismus. Darunter versteht man die Position, die eine Nutzenethik vertritt. Konkret heisst dies, dass die Folgen einer Handlung darüber entscheiden, ob sie moralisch gut oder schlecht ist. Das Ziel, der Zweck stehen also im Vordergrund – daher wird diese Position auch als teleologisch (Griechisch Telos = Ziel) bezeichnet. Plakativ gesagt, muss man also rechnen, ob es gut rauskommt und dann das machen, das am meisten bringt.
Die utilitaristische Position wurde im 19. Jahrhundert erstmals systematisch von Bentham und Mill herausgearbeitet. Später entwickelten sich verschiedene Unterarten und Verfeinerungen des Ansatzes. Insbesondere wurde diskutiert, was genau in die Rechnung genommen werden soll, um eine Handlung als moralisch gut oder schlecht zu bewerten (z.B. kam der Negative Utilitarismus („Leid vermeiden“) auf, verschiedene Gewichtungen verschiedener Arten von Nutzen werden diskutiert, Differenzierung nach Bedürfnissen vorgenommen oder verschiedene Positionen zum Guten Leben und was Glück bedeutet erarbeitet).
In der Deontologie geht es hingegen um die Pflicht. Relevant sind die moralisch richtigen Gründe und Absichten, warum und wie wir handeln. Ergebnisse sind nicht das Entscheidende. Daher spricht man auch von Gesinnungsethik.
Der Hauptvertreter dieser Richtung ist Kant mit seinem Kategorischen Imperativ. Neuere Diskussionen um unverhandelbare Menschenrechte und die universelle Menschenwürde orientieren sich an dieser Position der Prinzipien, die einmal begründet und dann stur eingehalten werden sollen.
Beide Strömungen haben Kritik geerntet und für beide Ansätze gibt es in den philosophischen Diskussionen schöne Beispiele, wie es in einzelnen Situationen absurd wird, sich stur an eine Position zu halten.
Das klassische Kritik-Beispiel gegenüber der Pflichtethik ist die Lüge. Deontologisch gesehen muss man immer die Wahrheit sprechen, man hat eben die Pflicht dazu, ausnahmslos. Dies auch, wenn nun ein Nazischerge an die Türe klopft und man eine jüdische Familie verstecke und danach gefragt wird.
Beim Utilitarismus geht die Kritik hingegen unter anderem in die Richtung, dass es absurd ist, immer alle Folgen einer Handlung kennen zu wollen (man denke z.B. an die Kernkraft) oder die Bewertung der Folgen sehr subjektiv (was ist eigentlich Glück?) sein kann, so dass Minderheitenpositionen es schwer haben.
Dann gibt es in der Philosophiegeschichte AutorInnen, die die beiden Positionen verbinden wollen. Am bekanntesten ist da John Rawls mit seiner umfassenden Theorie der Gerechtigkeit. In seinem Mammutwerk zur Gerechtigkeit präsentiert er Grundprinzipien aus beiden Ansätzen und kombiniert sie, was einige Probleme löst, aber wieder andere schafft.
Neutral gesehen haben in der Tat beide Positionen Schwächen und Stärken und eine situative und intuitive Anwendung mal der einen, mal der anderen Position dürfte Sinn machen.
Im weiteren Verlauf der Entwicklung von eigenen, konkreten Ansätzen für eine gute Lebensführungen werden somit teils deontologische Ansätze zum Zuge kommen, während es in anderen Bereichen wohl ein Abwägen der Folgen geben wird. Teils wird es wohl auch eine Mischung brauchen – es ist in der Realität mal wieder viel komplexer und komplizierter als in der Theorie!
Sustine et abstine (17) – der Mensch als geselliges Wesen (3)