Alle Beiträge von Amordasini

Eigentlich bin ich Ethnologe mit vertieften Kenntnissen der Philosophie und Ökologie. Den akademischen Betrieb habe ich nach vielen Jahren verlassen und verdiene meine Brötchen nun indem ich Züge durch nahezu die ganze Schweiz führe. Dennoch bin ich dem Wissen und der Neugierde treu geblieben. So interessiere ich mich weiterhin intensiv für die Fortschitte und das Wissen aus allen möglichen Gebieten der Wissenschaften, der Philosophie aber auch für Fragen der guten Lebensführung.

Grundlagen und Verortungen (Teil 3)

Nachdem in den Teilen 2 und 3 der Grundlagen einige geisteswisschaftlichen und naturwissenschaftlichen Konzepte kurz umrissen wurden, soll an dieser Stelle betont werden, dass wissenschaftliches Wissen zwar viele wichtige Hinweise und Anregungen zu einem Weltbild und dem guten Leben beitragen kann. Des Weiteren zeigte der erste Teil der Grundlagen mit dem Aufführen von Literaturbeiträgen, dass auch Kunst eine wichtige Rolle spielt. Warum ist dies so? Weil gerade sie uns Erfahrungswissen in reflektierter Form zugänglich macht und zur Reflexion anregt. Erfahrungswissen – sei es individuelles, durch eigene Lebenserfahrungen erworbenes oder durch Kultur und Kollektive verwobenes und weitergegebenes Wissen – ist neben strukturiertem sowie formalisiertem Wissen aus den Wissenschaften entscheidend, um sich in der Welt zurechtzufinden und ein sinnhaftes Leben zu führen. Und eben genau dieses Erfahrungswissen zeigt uns, dass vieles im Dasein als Mensch nicht erklärt werden kann. Ausserdem zeigt das Erfahrungswissen, dass wir grundsätztlich mit Ambivalenzen und Widersprüchen leben müssen. Das Dasein als Mensch, die conditio humama, beinhaltet zwingend auch das Wissen darum – darin war der Mensch schon immer stark, denken wir an all die Mythen und religiösen Texte, die uns in einer schwierig zu verstehenden Welt halt und Erklärung boten. Auch, dass wir vieles nicht wissen können und wir vielem ohnmächtig unterworfen sind, stellt ein prinzipielles Element unseres Daseins dar. Plakativ gesprochen besteht das Leben aus Sonne und Schatten, es geht auf- und abwärts, Krisen sind zu meistern und Schönes dankbar wahrzunehmen. Dabei helfen einem Erfahrungswissen, Beziehungen und das Training der heiteren Gelassenheit oft mehr als wissenschaftliches Wissen.

Abschluss der Grundlagen und Verortungen
Dies sind also grob umrissen die Grundlagen, auf denen sich nun die konkreten Handlungsanleitungen zum Menschsein in der heutigen Zeit ableiten werden. Zusammenfassend handelt es sich um einen wissen- und faktenorientierten – aber dennoch lebensweltnahen Ansatz, der einem modernen, postdogmatischen sowie posttheistischen Weltbild verpflichtet ist. Ein solcher Zugang zur Welt ist sich seiner eigenen Grenzen bewusst und basiert nicht auf einem idealisierten, überhöhten Menschenbild. Damit stellt er einen Kontrast zu postfaktischen Tendenzen und dem allgemeinen Dekonsturktionstrend der so genannten Postmoderne dar. Letzteres dennoch im Wissen um die Beschränktheit und der Grenzen eines jeden Wissens und Zeitgeistes.

Die Grundlagen und Verortungen sind damit abgeschlossen, das Fundament ist gelegt. Nun gilt es einen ersten Schritt hin zur Umsetzung zu machen – welchen Weg wir da konkret einschlagen werden ist unter der rote Faden nachzulesen.

Sustine et abstine (4)

 

Grundlagen und Verortungen (Teil 2)

Nachdem der vorausgehende Teil der Serie geisteswissenchaftliche Grundlagen präsentierte, sollen in diesem Beitrag ergänzend ausgewählte naturwissenschaftliche Grundlagen zusammengetragen werden. Dies wiederum in nicht abschliessender und eklizistischer Form, es gelten dieselben einleitenden Worte wie im ersten Teil.

Aus den Naturwissenschaften fliessen vor allem folgende Erkenntnisse und Konzepte in die weiteren Ausführungen ein:

  • Astrophysik, Kosmologie, Kosmogonie u.ä.
    Von den Beobachtungen und Erkenntnissen aus der Astrophysik, Kosmologie, Kosmogonie und verwandten Wissenschaften wird mitgenommen, wie unglaublich gross das Universum ist (z.B. nur schon zum Mond sind es 384 400 km, zur Sonne 150 Mio. km (das Licht braucht dafür 8,33 Minuten bei 300 000 km/s), die Distanzen zu anderen Sternen und Galaxien sind unfassbar gross, so braucht das Licht schon nur bis zur nächsten Galaxie rund 200 000 Jahre). Wir Menschen bewegen uns da auf einer ganz anderen Skala, sind in kosmischen Dimensionen völlig unbedeutend und winzig klein. Dies betrifft ebenfalls die Zeit (das Universum ist nach den neusten Erkenntnissen 14 Milliarden Jahr alt). Wenn man sich über Jahre mit dem in den letzten Jahren stark angewachsenen Wissen zur Ausgestaltung und dem Entstehen des Universums befasst, gewöhnt man sich an diese riesigen Zahlen, doch fassbarer werden sie nie wirklich.
    Was wir heute auch wissen, ist, dass sehr viel zusammengespielt haben muss, damit das Leben auf der Erde in der Form, wie wir sie heute vorfinden, entstehen konnte. Die Erde ist ein ganz besonderer Ort im Universum und wir haben nur ihn: Eine bemannte Raumfahrt zu anderen Sternen erscheint aufgrund der immensen Distanzen als unrealistisch. Aber auch die Erde ist nur ein vorläufiges und unsicheres Zuhause. Auf die lange Dauer – zum Glück geht das aber für unsere Massstäbe noch unendlich lange – wird auch sie nicht mehr bewohnbar sein (spätestens dann, wenn die Sonne in ca. 5 Mrd. Jahren zu einem roten Riesen wird und ihre Grösse sich bis zur Marsbahn ausdehnt). Die beiden Erkenntnisse zusammen ergeben, dass wir erstens in einem gegenüber uns Menschen abweisenden, metaphorisch gesprochen „kalten“, mechanisch-seelenlosen Universum leben und nur die Erde als Zuhause haben. Niemand und nichts ist da, das uns behütet, beschützt, Sinn von aussen gibt oder erlösen kann – das müssen wir schon alles selber tun! Zweitens können und sollten wir (dankbar) staunen, dass wir als bewusste Lebewesen entstanden sind und an all dem Teilhaben können (siehe dazu auch Schwierigkeiten der Ontologie – das Drei-Ebenenproblem). Drittens folgen aus dem Erkennen der Einzigartigkeit unseres Platzes im lebensfeindlichen Universum, dass wir Sorge zu unserem Raumschiff Erde tragen sollten, wir haben nur dieses.
  • Evolutionstheorie, insbes. Evolution des Gehirns, Systemtheoretisches Hirnmodell, Neurowissenschaften
    Aus der Evolutionstheorie nehmen wir erstens mit, dass wir nicht die Krönung der Schöpfung sind, sondern lediglich ein „besonderes Tier“ in einer ganz grossen Familie von Lebewesen. Wir entstanden wie alle aktuellen Versionen der Lebewesen durch Mutation und Selektion. Wie bei allen Lebewesen geht davon eine doppelte Tragik aus, nämlich die, dass wir einerseits einem nicht zielgerichteten Evolutionsgeschehen unterworfen sind und andererseits dem Individuum eine undankbare Rolle zukommt: Es ist der Erbinformationsträger und es muss von daher beschränkte Zeit leben und dann vergehen, damit die Evolutionsmechanismen arbeiten können. Darauf stützt sich der Prozess der Evolution ab. Dass wir dies bewusst wahrnehmen können, gehört zur conditio humana und wird in der Serie zu reflektieren sein.Unsere „Zugehörigkeit zum Tierreich“ hat zweitens ethische Konsequenzen: Wir werden sehen, dass wir bei ethischen Überlegungen auch die Natur einbeziehen müssen: Wir sind nicht nur Teil ebendieser, sondern geradezu mit ihr verwoben, gar von ihr abhängig. So werden wir uns auch mit ökologischen Überlegungen befassen müssen und uns gut überlegen, wie wir unsere Mitwelt behandeln wollen.Drittens geht aus unserem entwicklungsgeschichtlichen Stammbaum hervor, dass wir viele Elemente mit früheren Lebensformen teilen – die Evolution behält bei, was sich bewährt. So sind wir auch gewissen Rythmen unterworfen, was es bei den konkreten Fragen nach einem guten Leben zu beachten gilt: Spannung und Entspannung sowie Ruhe und Anstrengung werden in einem sinnvollen Mass zu gestalten sein, um nicht gegen unsere „Natur“ zu leben.Ein weiterer Zeuge unserer evolutionären Wurzeln ist unser Gehirn, das in vier Schichten aufgebaut ist. Diese Schichten widerspiegelen die evolutionären Stufen (im Volksmund wird der älteste Teil, das Stammhirn auch als „Reptilienhirn“ oder einer der mittleren als „Säugetiergehirn“ bezeichnet, was wissenschaftliche Basis hat). Dass uns vor allem das Stammhirn, ein evolutionär sehr altes Ding, bei unseren hehren Vorsätzen uns regelmässig einen Strich durch die Rechnung macht, wird ebenfalls ein Thema sein müssen, denn es ist nicht selten dieser uralte Teil des Hirns, in dem das Belohnungszentrum sitzt, der einem emotional übersteuert, Süchte auslöst (Stichwort Dopamin) oder uns ständig zu Vergleichen anregt sowie uns blindlings wütend werden lässt – das moderne Grosshirn, dort wo Sprache und Denken sitzen, einfach übersteuert. Die Verbindungen von alten zu neuen Teilen sind viel schneller und leistungsfähiger als umgekehrt, das hat jeder Mensch schon erlebt, der in einer Bedrohungslage quasi ferngesteuert entweder kämpft, sich tot stellt oder flieht. Die genau Kenntnis, der sorgfältige und bewusste Umgang mit diesen Mechanismen in unserem Kopf, werden in der Serie noch vertiefter behandelt werden. An anderer Stelle im Blog wurde spielerisch bereits darauf hingewiesen (siehe Warum ist Beschränken des Auslebens der Lüste oder Askese eigentlich gar kein Verzicht? und Kleine Freuden des Alltags).

    Aus den Erkenntnissen der Neurowissenschaften nehmen wir des Weiteren mit, dass das Bewusstsein sehr wahrscheinlich eine emergente Eigenschaft der qualitativen und quantitativen neuronalen Verknüpfungen (schichtartiges Netzwerk) ist (ganz sicher ist man sich da noch nicht, doch als Arbeitshypothese nehmen wir die im Moment solideste Hypothese mit in unserer Diskussion). Auch hier sind die Konsequenzen, mit denen wir uns befassen werden, eher tragischer Natur: Weder eine unsterbliche Seele noch eine Weiterführung irgendeiner dubiosen „Lebensenergie“ scheinen plausibel zu sein. Was das für unsere Lebensführung und der Wahrnehmung und Konzentration auf das Hier und Jetzt für Konsequenzen haben wird, wird zu erörtern sein.
    Auch wie wir lernen und was dabei die Übung und das Sich-Beschränken für eine Rolle spielen werden, hängt sehr stark vom Aufbau und der Funktionsweise des Gehirns ab und wird in der Serie näher zu betrachten sein.

  • Standardmodell der Teilchenphysik, Quantenphysik, Multiversentheorie, Stringtheorie u.ä.
    Obwohl diese Themen zu den Lieblingtshemen des Autors gehören, würde es den Rahmen dieses einleitenden Textes sprengen, hier inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Dennoch sollen sie hier der Vollständigkeit halber Erwähnung finden. Dies, da wir  in Fragen der Ontologie (Seinslehre) zwingend auf diese Modelle zurückgreifen werden, denn es ist schlicht das Beste, was uns zur Zeit zur Verfügung steht: So ist das Standardmodell der Teilchenphysik empirisch sehr gut getestet (Grob gesagt: Fermionen (Quarks+Leptonen in drei Generationen) bauen die Materie auf; Bosonen übertragen die Kräfte (inkl. dem sagenumworbenen Higgs-Teilchen)).
    Die Effekte der Quantenphysik sind nicht nur mehrfach empirisch geprüft, sondern z.B. in der Computerwelt oder für Verschlüsselungen auch bereits in praktischer Anwendung. Bei weiteren Theorien, wie der Stringtheorie oder der Multiversenvorstellung ist hingegen interessierte Vorsicht geboten: Sie entziehen sich prinzipiell der empirischen Überprüfung (die Stringtheorie bezieht sich auf eine so kleine Ebene, die wir prinzipiell nie „beobachten“ werden können; die Multiversentheorie wird wohl auch nie empirisch überprüfbar werden, da sie Aussagen zum ausserhalb des uns zugänglichen Raum-Zeit-Gebildes macht, wir sind aber prinzipiell an dieses gebunden). Dennoch sind diese und ähnliche Überlegungen und Modelle beizuziehen, wenn wir uns fragen, was die eigentliche Essenz der Welt und damit unseres Daseins ist, denn dafür geben sie inspirierende Hinweise.
    Was wir im Übrigen speziell durch die Quantenphysik kennenlernen, sind die Grenzen unserer Vorstellungskraft: So können etwa Tunneleffekte, Quantenverschränkungen zur Kenntnis genommen, jedoch nicht wirklich begriffen werden, da sie ausserhalb der uns intuitiv stimmig scheinenden Realität zu sein scheinen. So wird auch von „Spukeffekten“ gesprochen. Ausserdem ist es für uns ungewohnt, dass die Grundlage allen Seins probabilistischer und nicht klar deterministischer Art zu sein scheinen.
    Das Standardmodell der Teilchenphysik zeigt uns auch auf, dass uns klare Grenzen des Wissens gesetzt sind, denn es ist noch nicht vollständig (z.B. Rätsel dunkle Materie) und erlaubt nach wie vor keine Integration aller vier Fundamentalkräfte im Universum (Elektromagnetismus, Schwache Kraft, Starke Kraft und Gravitation).

Schlussfolgerungen
Wie bereits an andere Stelle erörtert (siehe dazu Schwierigkeiten der Ontologie – das Drei-Ebenenproblem), sind es gerade die neuen und neusten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die nicht zu einem kohärenten, lückenlosen Weltbild führen. Erstens sind die Erkenntnisse aus der Makroebene noch nicht wirklich mit denen auf der Meso- und Mikroebene verbunden. Zweitens sind viele der Erkenntnisse aus der Mikroebene, man denke an die Quantenphysik, für uns kaum nachvollziehbar und geben neue Rätsel vor. Drittens machen auch die modernsten naturwissenschaftlichen Untersuchungen nur Aussagen über einen kleinen Teil der Welt. Ein Grossteil – denken wir z.B. an die ominöse, postulierte dunkle Materie (wechselwirkt nicht mit der Gravitation), die vermutet 72% der Materie im Universum ausmacht – ist nach wie vor mit den uns zur Verfügung stehenden Instrumenten unortbar.
Neben der prinzipiellen Vorläufigkeit jeden Wissens, ist es auch diese Begrenztheit, mit der wir als Mensch umgehen können müssen. Denn gerade das Akzeptieren dieser Tatsachen muss nicht zur Aufgabe der Suche nach einem sinnstiftenden und sinnhaften Leben – und damit zum Fatalismus – werden, denn, wie der Text zum Drei -Ebenen-Problem aufzeigt, sind nicht alle Erkenntnisse für die Alltags- oder Lebenswelt sowie das ethisch und moralische Handeln gleich relevant (siehe dazu letzter Abschnitt von Schwierigkeiten der Ontologie – das Drei-Ebenenproblem).

Gerade in unserer konkreten Lebens- und Alltagswelt spielt neben dem wissenschaftlichen Wissen das Erfahrungswissen (kollektiver und individueller Art) eine ganz wichtige Rolle. Hiervon handelt der letzte Teil der Grundlagen und Verortungen.

Sustine et abstine (3)

 

 

Grundlagen und Verortungen (Teil 1)

Wissen, Gedanken und Publikationen zu Weltbildern, zum Menschsein und zur guten Lebensführung sind in den letzten Jahrzehnten explosionsartig angestiegen. Vor diesem Hintergrund gilt es als ersten Schritt nach der Sichtung dieses Wissenskorpus‘, ihn zu ordnen und einige Elemente als Grundpfeiler bewusst auszuwählen: Alles kann nicht berücksichtigt werden, es gilt eine kluge und mutige Wahl zu treffen.

In diesem Blogeintrag werden die Elemente präsentiert, die eine sinnvolle Auswahl als Startpunkt für weitere Schritte hin zu einem kohärenten Weltbild und konkreten Handlungsanleitungen zum Menschsein in der heutigen, komplexen Welt, darstellen.

Bei der Auswahl werden als erstes die Geisteswissenschaften (geisteswissenschaftliche Grundlagen) beleuchtet. In einem separaten Text werden dann als nächstes die naturwissenschaftlichen Grundlagen präsentiert, während ein dritter Teil sich mit weiteren Formen* des Wissens, dem Erfahrungswissen, beschäftigen wird.

Zuerst wird damit geklärt, was für wissen da ist (und was fehlt), was prinzipiell überhaupt analysiert sein kann (und was nicht). Weiter wird beleuchtet, was es heisst, Mensch zu sein und wie ein Leben sinnstiftend geführt werden könnte sowie was kluges Handeln sein könnte.

Aus der geisteswissenschaftlichen Tradition werden schwerpunktartig folgende Elemente beigezogen – im Wissen, dass dies nicht vollständig sein kann und eklizistisch ausgewählt wird (sowie ganz viel anderes implizit einfliessen wird):

  • Antike Philosophie:
    Darunter werden schwerpunktmässig Gedanken aus dem Stoizismus, Konzepte der Sorge um sich selber (bereits von Sokrates begründet), Überlegungen zur Lebensführung (Mässigung, Balance-Halten) oder zum Umgang mit den Lüsten (z.B. Epikur) sowie Gedanken zur wohlüberlegten, klugen Wahl (oder Nichtwahl) zentral sein.
  • Existenzialismus:
    Besonders hervorzuheben gilt es dabei Albert Camus: Seine Gedanken zur Geworfenheit eines jeden menschlichen Daseins und seine Beschreibungen des Absurden der conditio humana an sich werden immer wieder auftauchen. Wichtig werden auch Gedanken sein, die aufzeigen dass diesem (elenden) Zustand nur durch eigene aktive Sinngebung, z.B. durch (soziales) Engagement („l’homme révolté“), eine gewisse Erträglichkeit und ein Sinn eingehaucht werden kann.
    Des Weiteren einfliessen werden Camus‘ Aussagen, dass Glück nur kurze Momente darstellen kann und kein Dauerzustand ist, denn die schönen Momente sind flüchtig und müssen immer wieder erkämpft werden. Und da ist noch das Bild von Sisyphus in Camus‘ Dissertation: Gar er hat seine glücklichen Momente und wir sind alle eigentlich mit ihm verwandt und müssen ein Leben im Dennoch oder im Trotzdem gestaltend abspulen.
  • Friedrich Nietzsche:
    Was er in die Diskussion um unser Dasein als Menschen (z.B. „Gott ist tot“ oder Gedanken zu Macht- und Herrschaftstrieb) einbrachte, ist wohl allgemein bekannt, so dass dies hier nicht weiter ausgeführt werden muss. Begegnen werden wir in unserer Serie immer wieder Elementen aus seinem Denken.
  • Michel Foucault:
    Zwei Hauptgedanken fliessen in die weiteren Überlegungen ein: Einerseits werden wir sehen, dass Macht und Strukturen alles durchdringen und wir uns immer wieder mit ihr verstricken, ob wir wollen oder nicht. Es wird sich zeigen, dass wir keine echten Positionen der Opposition finden können, keine Positionen ausserhalb der Macht – ob wir aber Sand ins Getriebe streuen können und wollen oder uns eine Nische zu schaffen anstreben, müssen wir klug abwägen.
    Neben Gedanken zur Macht bringen wir durch Foucault natürlich auch Gedanken zur Entwicklung von Wissensystemen, zum Übertragen der antiken Konzepte der Sorge um sich selbst (Lebenskunst) in die (Post)Moderne oder Hinweise zur Geschichte und Ausgestaltung der Sexualität mit in unsere Serie hinein.
  • Wirtschaftswissenschaften, insbes. Wirtschaftsethik:
    Wir alle sind tätig und in ein grösseres Wirtschaftsystem eingebetet, ob wir wollen oder nicht. Von der schwierigen Diskussion um das Privateigentum (man denke z.B. an Marx extreme Position dazu) bis hin zu Überlegungen zum Umbruch der Wirtschaft in Zeiten der aufkommenden Digitalisierung werden uns hier einige Themen beschäftigen müssen.
  • Literatur:
    Dabei handelt es sich um ein riesiges Feld, das die ganze Kultur, Sprache und Weltwahrnehmung prägt. Exemplarisch werden wir Gedanken von Thomas Mann (eigenes Leben unter einer Beschreibung führen, als Kunstwerk gestalten und Triebe und Abgründe durch Disziplin im Schach halten) sowie Dostojewski (innere Kämpfe, Ambivalenzen und Widersprüche als Dauerzustand) beiziehen. Viele weitere von Dante bis Sybille Berg werden einfliessen – alle hier zu nennen würde den Rahmen dieser Einleitung sprengen.
  • Weitere VertreterInnen der moderneren Philosophie, insbes. der Wissenschaftstheorie:
    Auch hier ist das Feld, das es abzuschreiten gilt, sehr gross, so dass an dieser Stelle nur exemplarisch auf einige wichtige Elemente verwiesen werden kann, die in der Serie wichtige Grundpfeiler sein werden. So werden etwa Überlegungen zur prinzipiellen Beschränktheit ein jeglichen Wissens, der Sprache und das Gefangen- resp. Geworfen-Sein eines jeden Denken und denkenden Daseins im jeweiligen Moment der Geschichte wichtige Reflexionspunkte darstellen (z.B. Wittgenstein (Sprache als Gefängnis), Heidegger (Welt als (zer)fliessender Zeitstrom)). Erwähnt werden muss namentlich noch Thomas Kuhn: Der beschränkte Status von wissenschaftlichem Wissen (als Abfolge von Paradigmen beschrieben), die Brüche in der Entwicklung des Wissens (kein linearer Prozess, sondern auch ein sozialer), wird uns immer wieder zum Misstrauen gegenüber zu viel Einbildung auf unser eigenes Wissen ermahnen und die von ihm angeregte Stimuli-Ontologie wird in Fragen wie die Welt an sich beschaffen ist und was für eine Rolle unser evolutionär entstandener Wahrnehmungsapparat bei einer solchen Konzeptionalisierung spielt, anregen.
    Generell bringen AutorInnen der Postmoderne, der Sozialanthropologie sowie des Dekonstruktivismus Gedanken zum Hinterfragen unserer eigenen Wahrnehumgs- , Deutungs- und Handlungsmuster auf, die es in der Serie immer wieder zu beachten und reflektieren gilt.
  • Arthur Schopenhauer und fernöstliches Denken:
    Er soll doch noch namentlich erwähnt werden, denn er wird uns Distanz gewinnen lassen bei den dann doch teils eher schwarz eingefärbten, schweren Themen: So betont er auf spielerische Art, dass all diese Machtspielchen und dieses „wer sein“, doch eigentlich in allen Zeiten nur ein Affentheater – jeweils mit anderen Mitteln – sind. Somit soll der Serie ein optimistischer Pessimismus zu Grunde gelegt werden – auch wenn Schopenhauer das wohl nicht passen würde, er würde wohl lieber einem pessimistischen Pessimismus Vorschub leisten.
    Über Schopenhauer gelangt man zum fernöstlichen Denken. Das führt hin zu Achtsamkeits-, Meditations- und Selbsttechniken, die auch eine wichtige Rolle in der Serie spielen werden.
  • Psychologie:
    Aus der Psychologie wird so einiges einfliessen. Alles kann hier nicht erwähnt werden. Dem Systemtheoretischen Hirnmodell wird an anderer Stelle dann eh ein eigener Text gewidmet sein. Denn das aktuelle Wissen zum Aufbau des Gehirns, dessen Funktionsweise und wie Lernen sich darin manifestiert, sind ganz zentral für das Verständnis, was es heisst, Mensch zu sein.

Dies zu den geisteswissenschaftlichen Grundlagen und Verortungen. Als nächstes sollen die naturwissenschaftlichen Grundlagen zur Sprache kommen.

 

*Wissenschaftliches Wissen wird durch ein strukturiertes Vorgehen und klar umrissene Methoden erarbeitet. Ausserdem wird es immer wieder überprüft und revidiert. Treten dabei Widersprüche auf, wird angepasst. Weitere Wissenschaftlichkeitskriterien sind etwa die intersubjektive Überprüfbarkeit, eine Fachsprache mit Begriffsklärungen oder aufbauendes, logisches Argumentieren. Dieses Wissen erhält in der Serie eine Schlüsselposition. Nichtsdestotrotz werden andere Wissensarten (Erfahrungswissen, Intuition u.ä.) auch zur Sprache kommen. Hingegen wird dogmatisches Behaupten (d.h. durch unhinterfragbare Autorität gesetzte, unumstössliche Wahrheiten) sowie einfach so Postuliertes aussen vor gelassen.

Sustine et abstine (2)

Auftakt einer Serie

Vom Menschsein als gestaltenden Prozess in einer von Ambivalenzen geprägten Zeit

Diese Serie trägt wichtige Elemente und Grundpfeiler eines Weltverständnisses zusammen. Dies als Grundlage für Überlegungen, wie eine gelingende Lebensführung aussehen könnte.

Vorschau – was alles eine Rolle spielen wird:

Astrophysik

Ethik

Evolutionstheorie

Geschichte

Grenzen der Erkenntnis

Hirnmodell

Kosmogonie

Kosmologie

Literatur

Multiversentheorie

etwas Mystik

etwas Mythologie

viel Neugierde

Nichtwissen

Ontologie

Philosophie

Quantenphysik

Religionsgeschichte

Staunen

Stringtheorie

Standardmodell (Teilchenzoo)

Wissenschaftstheorie, – soziologie und -kritik

Zweifel und kritisches Denken

 

Genug Zeit für Musse und Muse

Hier weiter zu Teil zwei.

Sustine et abstine (1)

 

 

Das Freiheitsdilemma

Letzte Woche ging es um den schwierigen Umgang mit der Freiheit:

Warum spricht man in der Philosophie vom Dilemma der Freiheit?

Das Freiheitsdilemma wird in der Philosophie seit der Antike thematisiert. Seit damals fragen wir Menschen uns, wie wir Freiheit behalten und dennoch erfüllt leben können. Freiheit ohne sie zu nutzen, sich also auf etwas festzulegen, ist leer – wird sie genutzt, verschwindet sie hingegen.

Am Beispiel von sozialen Bindungen wird dies gut sichtbar: Ein Leben ohne soziale Bindungen ist wenig wert. Geht man jedoch solche Bindungen ein, verliert man an Freiheiten, wird gar abhängig. Mit dem Realisieren von Bindungen schränken wir unsere Freiheit umgehend ein.

Eine weitere Variante des Dilemmas sind alle Entscheide für oder gegen eine Option. Wir alle haben eine endliche Menge an Energie und Zeit, so dass jeder Entscheid für etwas gleichzeitig ein Entscheid gegen hundert andere Dinge ist. Oft ist dann halt die realisierte Option nicht so befriedigend, wie es im Vorfeld aussah, so dass Freiheit oft schnell in Enttäuschung und Frust umschlägt.

Menschsein heisst, mit diesen Widrigkeiten umzugehen. Daran führt kein Weg vorbei. Das Dilemma ist nicht auflösbar und gilt es somit auszuhalten. Dies kann man bewusst machen oder sich einfach treiben lassen.

Will man ersteres, also trotz Widrigkeiten selber entscheiden und nicht einfach gelebt werden, so gibt es ein paar Werkzeuge, die einem dabei helfen können. Dazu gehört ein vernünftiges Erwartungsmanagement, das Treffen von bewussten, wohlinformierten Entscheiden oder das periodisches Überprüfen und Neuausrichten.
Letzteres besteht konkret darin, sich einerseits der Bindungen an Menschen, Werte, Dinge, die Auswahl von Aktivitäten und allgemein der eingegangenen und vorhandenen Abhängigkeiten bewusst zu werden und dann diese auch mal wieder zu lösen, um neue – oder die alten – willentlich wieder einzugehen.

Und nicht zuletzt darf Befreiung – wie es in der heutigen Zeit der „Multioptionsgesellschaft“ arg propagiert wird – nicht als reine Verheissung angesehen werden. Denn ganz frei wird es schnell mal fade und einsam. Aber auch das Gegenteil, das heute bei einigen Gesellschaftsgruppen zu beobachtende unreflektierte Verharren in alten Gewohnheiten oder Denkmustern ist keine gute Wahl im Umgang mit einer sich rasend verändernden Welt.

Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Und es gilt intuitiv, klug und situativ zu wählen sowie zu akzeptieren, dass das Leben im Fluss ist und nichts ein für alle Male feststeht.

Tja, und wie erreichen wir dies alles konkret? Selbstreflexion, Zeit und Raum für Muse und Musse, Disziplin und Mässigung sind mal wieder einige der zu nennenden Stichworte. Und nicht schaden tut halt auch die viel beschworene Gelassenheit. Diese ist halt schon wichtig, damit man auch mal eine Option nicht nutzt und nicht umgehend das Gefühl hat, was zu verpassen. Dies hier mal so angedeutet, mehr dazu wird an anderer Stelle noch folgen.

Die Zeit der Ausschnitte

Alles war ihnen in ihrem Revier bekannt
Neues Wissen fiel auf
Sofort ordneten sie ein
Sofort knüpften sie an
und webten ein
Die Grundstruktur blieb bewahrt

Man war zu Hause
Alles vermessen, alles kartiert

Heute kennen wir nur Ausschnitte
Der ganze Wissenskörper? Spinscht, zu gross!

Und alles aus zweiter Hand
Metakommunikation
Lingua Franca ist eigentlich nicht mein
Keine Einheit, kein Topos mehr
Gesichtet, beschlagwortet, abglegt
Durchdringen hiesse jedoch mehr

Unsere Unsicherheit, unsere blinden Flecken
Es bleibt dabei: Teilüberblick und Widersspruch

Gelehrter sein? – bitte sei nicht passé

Gefühl des Nichtgenügens
Angst ertappt zu werden
Mut zur Lücke !
Innen aber Kapitulation
Kenntnisstand des Nichtwissens – mir unbekannt

Eigener Garten? Spinscht, auch das passé
Fremde Experten – oh weh oh weh
Critical Friends und Citations Index
Global vernetzt und nie allein:
Juche, ein anderer weiss immer mehr!

Beschränken der Lüste oder Askese ohne Verzicht?

Im Rahmen der letzten Frage der Woche galt es die Frage zu beantworten „Warum ist Beschränken des Auslebens der Lüste oder Askese eigentlich gar kein Verzicht?„.

Da die Antwort etwas länger als gewohnt ausfällt, wird sie diesmal nicht direkt unter der Frage, sondern als eigener Blogeintrag beantwortet.

Hier ein paar Gedankenanstösse als Hinweise zur möglichen Beantwortung:

IMG_5605.jpeg
Gerade die hedonistische Lehre von Epikur (geb. 341 v. Chr.) wird oft verkürzt als Leben nach dem hemmunglosen Lustprinzip fehlinterpretiert. Denn ihm ging es gerade auch um den bewussten Umgang mit Begierde und Lust.

Bei vielen Lehren und Philosophien, die asketische Elemente propagieren, geht es nicht um Verzicht, sondern um Dosierung und bewusste Mässigung der Lusterfahrungen. Dies auf der einen Seite, um insgesamt mehr Lust zu erfahren und auf der anderen Seite, um die Lusterlebnisse bewusster eingehen zu können. Denn, gibt sich der Mensch zu sehr seinen Begierden hin, kann dies schnell zu Unlust führen, da bereits früh beobachtet wurde, dass wir ohne Mässigung uns gewöhnen und immer grössere Begierden entwickeln. Für all die kleinen Möglichkeiten des Lustgewinnes sind wird dann nicht mehr empfänglich. Somit erwächst aus unkontrolliertem den-Lüsten-Nachgeben am Ende Unlust.

Die heutigen Kenntnisse zum Funktionieren des Belohnungszentrums in unserem Gehirn bestätigen diese alten Beobachtung aufs Vortreffliche (siehe dazu Kleine Freuden des Alltags).

Asketische Übungen stärken des Weiteren unsere Willensstärke. Dies führt zu mehr Selbstkontrolle, mehr Autarkie, besserem „Sich-Selber-Führen-Können“ und mehr Selbstermächtigung. Damit sind wir unseren Emotionen und Affekten nicht mehr so hilfslos ausgeliefert. Dies erleichtert auch das Zusammenleben.

Als Bonus wird man sich durch solche Übungen der Widersprüche und der Breite der Erfahrungen – guter und schlechter Art – die das Leben so mit sich bringt, mehr bewusst. Über sich selber besser zu verfügen, sich besser zu kennen, aber auch bewusster Zusammenhänge und Strukturen sowie Abhängigkeiten auf einer überindividuellen Ebene wahrzunehmen, vermindert natürlich auch, dass ein Mensch zu einem passiven Spielball der Umstände wird – das macht doch insgesamt auch ein zufriedeneres Dasein aus, als passiv dahinzuleben und jeder Begierde ausgeliefert zu sein?

Und es ist noch kein Meister und keine Meisterin vom Himmel gefallen: Asketische Übungen sind auch Mittel zum Zweck – denn nur wer regelmässig etwas übt, wird besser, stärker und kann nur so etwas verstetigen, so dass es nach und nach zur Gewohnheit und schliesslich zum Habitus wird und kaum mehr der Anstrengung bedarf.
Auch hier zeigen die neusten empirischen Erkenntnisse der Neurowissenschaften, dass die uralten Techniken wie Meditation und Repetition goldrichtig lagen: Tun wir etwas ein paar Mal, gibt es chemische Spuren im Gehirn. Üben wir weiter, entstehen neue Neuronen und immer dickere Neuronenstränge. Schliesslich feuern ganze Netzwerke von Neuronen und Neuronenstränge zusammen, was sie am Ende gar zusammenschweisst – what fires together, wires together. Gelernt ist erst dann richtig gelernt.

Zusammenfassend können wir festhalten, dass ein kalkulierter, wohldosierter sowie bewusster Umgang mit den Lüsten und Begierden zufriedener macht und Mässigung somit schlussendlich gar keinen Verzicht nach sich zieht, sondern insgesamt ein Mehr an Lusterleben und Zufriedenheit bringt.

In einer tempomässig überdrehten Zeit wie der unseren, mit doch eher zu viel als zu wenig Möglichkeiten, hilft Mässigung ausserdem, weniger Entscheide treffen zu müssen, was am Ende auslaugt und erschöpft, so dass man gar nicht mehr fähig ist, Lustempfindungen wahrzunehmen oder zu geniessen. Dafür muss man einen gewissen Grad an Wachheit und Neugierde mitbringen. Wer immer alles sofort erleben, haben, kommunizieren oder machen muss, hat das halt einfach nicht mehr. Mehr wird auch aus dieser Perspektive eigentlich dann zu weniger.

Aber eine Warnung muss doch auch hier ausgesprochen werden: Auch für die Mässigung und asketische Übung gilt – wie schon über dem Orakel von Delphi stand – nichts im Übermass (μηδὲν ἄγαν)!

P.S.
Das hier vorgebrachte sah auch Thomas Morus in seinem genrebegründenden Werk „Utopia“ (1516) nicht anders. So lässt er aus dem Idealstaat Utopia berichten: „Nun aber ruht nach ihrer Ansicht das Glück freilich nicht in jeder Lust, wohl aber in der richtigen und ehrbaren.“

Frage der Woche

 

Bei vielen antiken Philosophen werden in Bezug auf ein gelungenes Leben asketische Übungen oder generell eine Lebensführung mit Beschränkung des Auslebens der Lüste empfohlen.

Dies ist heute wieder en vogue (siehe dazu Museumstipp: Sei kein gieriger Affe oder Kleine Freuden des Alltags).

Oft werden diese Konzepte jedoch falsch verstanden, nämlich als reiner Verzicht auf Freuden des Lebens („Lustfeindlichkeit“).
Dies ist jedoch falsch, was uns zur Frage der Woche führte:

Warum ist Beschränken des Auslebens der Lüste oder Askese eigentlich gar kein Verzicht?

 

 

Die Zeiten ändern sich: Die verschwundene Magie der Fernbedienung

Früher war beim Kaufentscheid einer Stereoanlage oder eines Fernsehers eines der absolut entscheidenden Kriterien die Fernbedienbarkeit.  Wehe, in den Katalogen war die Fernbedienung zu wenig gross abgebildet. Dann musste man zwingend ins Fachgeschäft gehen.

Was lässt sich alles fernbedienen – auch der Kassettenrekorder und nicht nur Radio und CD? Auch Spezialfunktionen wie zufällige Wiedergabe? Nur die Sender beim TV oder auch noch alle Einstellungen? Das waren über Jahrzehnte wichtige Fragen beim Gerätekauf.

Mehr ist besser – das war die Devise. Wie oft lachte ich meinen Bruder aus, der zum Verändern der Lautstärke aufstehen musste oder die Sender beim TV nicht einfach rauf- und runterschalten konnte, sondern die Nummern einzeln eingeben musste.

Heute ist das ganz anders.

Einerseits hält man die meisten Geräte – etwa Smartphones oder iPads – eh direkt in der Hand, so dass sich die Frage nach der Fernbedienbarkeit oft gar nicht mehr stellt.

Und läuft man andererseits mal zufällig an einen stationären Fernseher heran, liegen da gleich mehrere Fernbedienungen bereit. Eine für das Gerät selber, eine für das komische viereckige Teil darunter, das die Kenner und Kennerinnen Box nennen, und vielleicht noch eine dritte für was weiss ich noch was?! Und wie riesig und kompliziert diese heutigen Fernbedienungen sind.

IMG_5722.jpeg
„…zu viel des Guten?“

Ich selber bin damit völlig überfordert: Zu viele Knöpfe, zu viele Farben – weniger wäre nun definitiv mehr! Ohne Hilfe bringe ich kaum mehr einen Fernseher zum laufen… läuft nun schon die Box oder habe ich den Fernseher angemacht? Wie finden sich die Geräte… och, nun wieder alles schwarz. Ich geb’s auf.