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Die Zeiten ändern sich

Früher beim „Studium“ des Playboys:
Fantasien, was wir dann in real machen werden.
Wie wird es sein, dies und das zu berühren?
Wie wird es riechen, agieren und reagieren, dieses mysteriöse Gegenüber in Fleisch und Blut?
… schlicht unglaublich wird es sein, oh yeah!

Die heute heranwachsende Generation macht es anders:
Realität dient zum Nachstellen der Szenen im Kopf.
Och, wie langweilig: Alles schon gesehen.
Und das Gegenüber macht ja gar nicht das, was ich will!
Viel zu real, wie man schwitzt, riecht und so.
Insgesamt eher mühsam, zu anstrengend.
… Tubesites dagegen yeah!

Ob das eine oder andere besser ist, das bleibe hier mal jedem selber überlassen – erste Gedankenanstösse gab es bereits an anderer Stelle im Blog und das Thema wird später in der Serie sustine et abstine vertieft analysiert.

Wer mehr Anregungen und Hintergrundwissen zum Thema möchte, dem sei der Ted Talk the great porn experiment von Gary Wilson auf youtube empfohlen.

Dass die Gefahren der Internetpornographie grösser sein dürften, als viele vermuten, darauf deuten die über 13 Millionen Views des Talks hin…

 

 

Kann ich mir wirklich frei eine Meinung bilden?

Im letzten Blogbeitrag zeigte sich, dass der Mensch nicht so frei handeln kann, wie dies in der Theorie oft dargestellt wird. Wie sieht es denn mit dem Wollen aus, können wir wenigstens frei wählen, was wir wollen?

Leider ist es auch hier schwierig: Auch die Freiheit zu Wollen unterliegt gewissen prinzipiellen Einschränkungen.

Gefängnis Sprache

Dies fängt bei der Sprache an: Wenn eine Person bewusst und rational handeln will, muss sie jeden Entscheid abwägen. Will sie dies nicht rein intuitiv tun, muss sie Argumente formulieren und prüfen. Dabei kommt sie nicht darum herum, Sprache zu benutzen.

Eine jede Sprache hat ihre Eigenheiten, kann das eine ausdrücken, während anderes darin nicht sag- oder denkbar ist. Wer mehrere Sprachen beherrscht oder von einer Sprache eine historisch ältere Version mit einer neueren vergleicht, weiss, dass nicht in jeder Sprache dasselbe denkbar ist. Jede Sprache strukturiert das Denkmögliche anders. Und alle Sprachen verändern sich dynamisch, was sich auch auf das Wahrnehmen, Bewerten und Denken auswirkt.

Beispielsweise kann auf Guaraní (Paraguay / Brasilien) nur bis vier gezählt werden – alles darüber wird einfach als „viel“ bezeichnet. Dies strukturiert die Wahrnehmung der Welt stark, legt z.B. einen anderen Fokus auf das Haben: Ob ich 7 oder 8 Schweine habe, ist dann nicht so wichtig – es sind dann einfach viele.

Gefängnis Zeitgeist und Kultur

Auch der Zeitgeist und eine jeweilige Kultur setzen dem Denkbaren Grenzen: Nicht in jeder Zeit und Kultur ist dasselbe denkbar. Auch hier sind Menschen nicht frei in ihren Bewertungen, Urteilen und schlussendlich Handlungen. Beispielsweise wird in Kulturen, wo das Individuum weniger wichtig ist als die Gruppe es als undenkbar erscheinen, einem Individuum besondere Rechte und Freiheiten zuzugestehen.

So war es im alten Griechenland auch den damals fortschrittlichsten Philosophen klar, dass ihre Überlegungen zu Rechten und Pflichten sich nur auf die männlichen Mitglieder der Oberschicht beziehen – es war für sie undenkbar, dass auch Frauen oder Sklaven in den Genuss erweiterter Rechte kommen könnten. Die göttliche Ordnung wies einem jeden Menschen seinen Platz zu und der hat entsprechend zu leben.

Gefängnis individuelle Erfahrungen

Auch unsere individuellen Erfahrungen determinieren Wahrnehmungen, Bewertungen und dadurch schliesslich das Handeln. Dies einerseits direkt dadurch, dass unser Gehirn zu einem entscheidenden Teil durch unsere Erfahrungen geprägt und geformt ist. Andererseits dadurch, dass der Ablauf der kognitiven Prozesse auch aufgrund von früheren Erfahrungen geprägt ist.

So nehmen Menschen beispielsweise immer selektiv wahr: Was zu bereits Erfahrenem passt, nehmen wir eher bewusst wahr, während wir oftmals blind sind, gegenüber Dinge und Fakten, die unseren Erwartungen nicht entsprechen (selektive Wahrnehmung). Oder da, wo wir Muster erwarten, sehen wir dann auch welche – obwohl eine genauere Prüfung nicht selten diese als Trugschluss entlarvt (Esoterik).

Dieser kleine Ausflug in die Linguistik, Ethnologie oder Psychologie zeigt auf der einen Seite auf, dass beim Aufstellen von ethischen Grundsätzen immer Vorsicht geboten ist: Es gibt kein Wissen, das nicht an Sprache, Kultur oder Zeitgeist gebunden ist. Somit ist gegenüber allen Prinzipien, die universell und für immer Geltung beanspruchen, Vorsicht und Skepsis geboten.

Auf der anderen Seite gilt es beim Aufstellen von hehren Prinzipien des guten Lebens, den eigenen Standpunkt, die eigene Brille, bewusst zu machen und diese regelmässig zu hinterfragen.

 

 

Sustine et abstine (19) – der Mensch als geselliges Wesen (5)

Kann ich wirklich tun, was ich will?

Die Vorstellung des Utilitarismus und der Deontologie, der beiden Hauptstränge der philosophischen Diskussionen im Bereich der Ethik, zeigte auf, dass da sehr abstrakt argumentiert wird. So bald es um konkrete Handlungen geht, stellen sich neben diesen theoretischen Bewertungsmöglichkeiten einer Handlung jedoch auch sehr handfeste konkrete Fragen: So gilt es zu prüfen, was ein Individuum, das in eine Gesellschaft, in Strukturen und Machtkonstellationen eingebettet ist, überhaupt tun kann und wo seinem freien Handeln Grenzen gesetzt sind. Können Menschen in der realen Welt wirklich so frei bewerten, entscheiden und handeln, wie es sich die Philosophen und Philosophinnen sich vorstellen?

Auf zwei Ebenen sind da Zweifel angebracht. Auf der einen Seite gibt es spannende Diskussionen darüber, wie frei wir prinzipiell handeln können. Hierbei geht es darum, dass Teile unseres Gehirns, das neben der Genetik vor allem durch das, was wir erfahren und erlebt haben, geprägt ist, uns nur vorspielen, dass wir rational abwägend entscheiden würden, während tatsächlich „vorbewusst“ durch das neuronale Netzwerk ein Entscheid schon gefallen ist.
Empirische Experimente haben dies mehrfach gezeigt: Unser freier Wille ist nicht wirklich so frei, teils handeln wir determiniert. Dieser Problemkreis ist in der Philosophie ein grosses Thema, die Neurophysiologie fordert uns da heraus. Hier ist jedoch nicht der Platz, detailliert darauf einzugehen. Es wurde trotzdem erwähnt, da, wenn es dann um Verantwortung geht, teils Vorsicht geboten ist, denn nicht immer kann diese so stark verlangt und zugeschrieben werden, wie dies in der Theorie aussieht.

Auf der anderen Seite gibt es ganz praktische Unfreiheiten eines jeden in gesellschaftliche Zusammenhänge lebenden Individuums. Gerade wer in einer komplexen, hierarchischen und arbeitsteiligen Gesellschaft lebt, wie es heute fast alle Menschen tun, ist in Strukturen, Organisationen und Institutionen eingebettet. Ausserdem dominieren gewisse Diskurse und Informationsträger das Wissen und Nichtwissen. Nur wer alleine lebt, ist frei davon – alle anderen können sich dem nicht entziehen.

Und eine solche Verstrickung hat immer auch Macht- und Herrschaftskomponenten. Erstere sind eher diffus, um auf Michel Foucault Bezug zu nehmen, eher ein Gas als etwas Festes, konkret zu Fassendes. Hingegen ist das zweite, die Herrschaft, sehr klar an Personen und Organisationen gebunden: Der mit der Peitsche beherrscht den ohne, um es sinnbildlich zu sagen. Hingegen hat auch der Untergebene in Machtkonstellationen immer auch eine gewisse Macht. Z.B. der Klient auch über seinen Patron, da beide in einem sozialen Gefüge gewisse Abhängigkeiten haben, obwohl der oben natürlich mehr auf den Handlungsspielraum von dem unten nehmen kann – und dennoch hat auch der unten eine gewisse Macht und engt des Handlungsspielraum von dem oben ein – sie sind gegen innen und aussen eher ein eingespieltes Team als eine reine Hierarchie.

Wenn es nun konkret wird, wie ein gutes Leben auszugestalten sein wird, muss also beachtet werden, dass der Mensch eingebettet ist in Strukturen und Machtbeziehungen und nicht so autonom handeln kann, wie man sich dies gerne ausdenkt. Die verschiedenen Kontexte und (Abhängigkeits)Beziehungen, in denen eine Person lebt, engen den Handlungsspielraum ein – dies zu übersehen, käme einer Überforderung des Individuums zugleich: Eine einzelne Person kann nicht wirklich frei handeln oder die Verantwortung für alles Weltgeschehen übernehmen.

Ausserdem hat zwangsweise bei der grossen Anzahl von Menschen, die zur Zeit leben, nicht ein jeder Mensch die gleiche Möglichkeit, sich in die Gesellschaft prägende Institutionen, Diskurse und Organisationen einzubringen.

Und es sind oft historische Zufälle, die ein Individuum an eine prägende Stelle bringen – all zu gerne wird in der Geschichte und in Erzählungen ein Subjekt überhöht, es als seine eigene Leistung ausgewiesen, dass es nun da oben angekommen ist. Und da oben ist dann auch nicht frei von Verstrickungen, das wird oft völlig unterschätzt: Auch auf den ersten Blick mächtig aussehende Menschen haben vielfältige Abhängigkeiten, können selten wirklich autonom handeln und haben, gerade in der heutigen komplexen Gesellschaft, einen viel engeren Handlungsspielraum als es den Anschein macht.

Somit sind auch vermeintlich Grosse der Geschichte zugleich auch immer Objekte des geschichtlichen Geschehens – auch wenn sie die Geschichtsschreibung (die ist ja immer konstruiert, nie neutral) als vor allem aktive, autonome Subjekte darstellt: Die grossen Züge des Weltgeschehens sind kaum von einzelnen Menschen zu beeinflussen. Hingegen kann jede Person im Kleinen viel bewirken, so dass in der Serie immer wieder darauf Gewicht gelegt wird.

Und die Beschränkung der individuellen Autonomie fängt schon beim Wahrnehmen und Bewerten an, ehe mensch überhaupt handelt. Ob ich mir überhaupt frei eine Meinung bilden kann, muss somit als nächstes geprüft werden.

 

 

 

Sustine et abstine (18) – der Mensch als geselliges Wesen (4)

Stimuli und Superstimuli: Ich will mehr!

Ich habe nur probiert, um mal zu sehen.
Es war nur sehr wenig, doch es war schön.
Ich wollte mehr davon,
nur ein bisschen mehr.

Gib mir mehr.
Gib mir mehr.
Die Toten Hosen

 

Wie schon an anderer Stelle erörtert, ist unser Gehirn in vier Schichten aufgebaut. Diese entsprechen evolutionären Stufen. Am ältesten ist das Stammhirn („Echsenhirn“, „Reptilienhirn“). In eben diesem ist das Belohnungszentrum angelegt. Dieses funktioniert vor allem mittels Botenstoff Dopamin. Dieser Neurotransmitter wird auch „Belohnungshormon“ genannt, denn er lässt uns bei entsprechenden Stimuli ein Hoch erleben. Dies war evolutionär sehr wichtig, da es uns motiviert, Dinge zu tun, die dem biologischen Zweck unseres Daseins (Überleben und Fortpflanzung) dienen. Dopamin fliesst ebenfalls in Strömen, wenn wir Neues erleben oder wir positive Erwartungen haben. Ausserdem wird Dopamin freigesetzt, wenn wir Risiken eingehen oder Verbotenes tun („Reiz des Verbotenen“).

Das Belohnungszentrum ist im Vergleich mit den neueren Hirnarealen wenig formbar und besonders wirkmächtig: Das modernere Grosshirn, der Sitz von Bewusstsein, Sprache oder Denken, wird von diesem alten Mechanismus sehr leicht übersteuert: Die Verbindungen von alten zu neuen Teilen sind viel schneller und leistungsfähiger als umgekehrt. Das erleben wir immer wieder, wenn wir in einer Bedrohungslage oder bei einem Wutanfall quasi ferngesteuert reagieren und blitzschnell uns tot stellen, wild um uns schlagen oder fliehen. Fliesst also das Dopamin in grossem Stile, können wir kaum noch rational reagieren – die Emotionen und Reaktionen dazu passieren uns scheinbar einfach.

Den so mächtigen Mechanismus des Belohnungssystems zu kennen und vor diesem Hintergrund sorgfältig mit dieser sehr starken körpereigenen Steuerungszentrale der Motivation umzugehen, ist für ein selbstbestimmtes Dasein von grösster Wichtigkeit. Denn dieser Mechanismus ist so stark, dass er den bewussten Willen und die rationale Steuerung unseres Verhaltens ausser Kraft setzen kann. Dies kann soweit gehen, dass wir offensichtlich schädliches Verhalten scheinbar zwanghaft immer wieder repetieren.* 

Es muss nicht immer so dramatisch sein, derselbe Mechanismus kann uns auch ganz sanft weg von der Selbstkontrolle und – beherrschung führen. Meist fängt dies ja bei feinem Abstumpfen gegenüber schwächeren Stimuli oder mit der Flucht in das dopamin-ausschüttende Verhalten bei unangenehmen Gefühlen (Langeweile, Einsamkeit etc.) an. Dies führt jedoch leicht weiter bis zu den bekannten Süchten und dem damit einhergehenden Kontrollverlust über die eigene Lebensführung.

Es ist kein Zufall, dass viele der gerne konsumierten Drogen die Dopaminproduktion emporschnellen lassen. So wirken die am meisten süchtig machenden Drogen fast alle auf das Belonhungszentrum und überschwemmen dieses mit Dopamin, was ein gutes Gefühl verschafft. Doch das bleibt nicht lange so – schnell braucht man mehr.

Dass sich der Körper gegen ein zu viel eines Stoffes wehrt, kennt man aus der Suchtforschung gut. Das Gehirn entwickelt bei regelmässiger Exposition von zu viel Dopamin mehr Rezeptoren dafür, so dass es immer einer grösseren Menge an Dopamin braucht, um dasselbe gute Gefühl zu erhalten.

Dieser Mechanismus wird Desensibilisierung genannt: Man braucht immer mehr, um sich wieder gut zu fühlen. Dass dann der Normalzustand oder kleine Dopmanischübe durch kleine Belohnungen kaum mehr Wirkung zeigen, ist eine logische Konsequenz. Der Normalzustand wird dann gar als unangenehm und quälend wahrgenommen – man ist auf Entzug und braucht nun schon den Stoff oder das dopaminausschüttende Verhalten, nur um nicht mehr passiv oder gar depressiv zu sein.

Dass es vor diesem Hintergrund ratsam ist, sorgfältig mit entsprechenden Stimuli umzugehen, leuchtet ein. Beschränkung und Verzicht führt damit, wie an anderer Stelle ausführlicher gezeigt, dann gar insgesamt zu einem Mehr an guten Gefühlen als weniger.

Sich ab und zu gezielt und bewusst zu belohnen ist grundsätzlich positiv und gehört zu einem gelungenen Leben dazu – die sprichwörtliche Praline, die ab und zu alles einfach viel besser macht, soll doch genossen sein!

Die heutige Welt bietet unserem uralten Belohnungszentrum jedoch all zu viele solcher Gelegenheiten. Gerade die, die ohne Anstrengung schnell und leicht ermöglicht werden, sind besonders verführerisch und schnell ist man mitten drin und die sprichwörtliche Praline gehört zum Alltag dazu, so dass wir sie weder schätzen, noch geniessen, sondern einfach haben müssen.

Die heutige Zeit bietet uns neben besagter Praline als Beispiel für einen moderaten Stimulus, aber leider auch sehr starke Reize, für die unser Gehirn schlicht und einfach nicht gemacht ist. Nennen wir sie Superstimuli. Hier führt eine Exposition geradezu zu einer Dopaminexplosion in unserem Gehirn. Da kann nichts „Natürliches“ mithalten, alles andere erscheint fade daneben.

Und gegen eine solche Dopaminüberschwemmung durch einen Superstimulus wehrt sich das Gehirn sehr schnell mal mittels oben beschrieben Desensibilisierung. Dies geht dann einerseits mit einem kaum zu bändigen Wiederholungsdrang einher und hat andererseits den Effekt, dass alltägliche kleine Freuden nicht mehr wahrgenommen werden können, da danach der Anstieg an Dopamin lächerlich wirkt gegenüber dem, was das Gehirn durch den Superstimulus erlebt hatte – es will dann das und tut alles, damit man ihm genau das oder besser, noch mehr davon, wieder gibt (Sucht).

Diese Superstimuli sollte man folglich sehr behutsam dosieren, von einigen bleibt man besser ganz fern, denn nur die wenigstens können bewusst mit dem Sog einer solchen Dopaminüberflutung umgehen. Bei Menschen mit durchschnittlichem Willen wird aus Lust sonst schnell ein reines Verlangen nach der nächsten Dosis, das Lustvolle, des Rauschhafte wird dann zum völlig lustfreien Zwang.

Vorsicht ist auch geboten, da eine solche Abhängigkeit meist schleichend beginnt und dies wieder rückgängig zu machen ist sehr schwierig (durch die Neuroplastizität aber nicht unmöglich).

Bekannt ist, dass viele der harten Drogen sich extrem auf das Belohnungszentrum auswirken (z.B. Kokain, Speed oder Amphetamine durch direkten „Dopamin-Kick“, Opiate indirekt durch Hemmung des Dopamindämpfers Noradrenalin).

Neben diesen bekannten Superstimuli gibt es viele alltägliche Dinge und Verhaltensweisen, die starke oder sehr regelmässige Dopaminausschüttungen (auch das verändert das Gehirn und macht schnell süchtig) auslösen:

  • stark zuckerhaltige Nahrungsmittel (dazu siehe auch hier)
  • soziale Medien+
  • Nikotin
  • Alkohol
  • Gewöhnung an schnelle News (insbes. Push-Meldungen)+
  • Games
  • Glücksspiel
  • Drang immer was Besseres, Neueres haben zu müssen (Konsumsucht)+
  • Jagd nach Geld, Ruhm und Macht+
  • Internetpornographie+
  • Sexsucht+
  • Jagd nach Statussymbolen oder übermässiger externer Anerkennung (Geltungssucht)+
  • Bingewatching von Serien
  • Fresssucht
  • Sportsucht

+ weiterführende Gedanken und konkrete Vorschläge für sinnvollen Umgang damit werden später in einem eigenen Blogeintrag der Serie behandelt

Und was hilft dagegen, dass wir mit einem steinzeitlichen Belohnungszentrum in einer überall mit leicht verfügbaren Belohnungen lockenden Welt leben müssen? Wie so oft ist dies eine Mischung aus Selbstwahrnehmung (wo und wann bin ich besonders empfindlich für diese leichten Belohnungen? Bei was und in welchem Zusammenhang ist es OK, mal nachzugeben? Bei was bleibe ich besser ganz fern? Und, wann ist mein Gelüste auf einen starken Stimulus des Belohnungszentrums eigentlich nur eine Ersatzhandlung (z.B. um schlechten Gefühlen oder Langeweile auszuweichen) und gar keine echte Belohnung für was Geleistetes oder einfach um einen schönen Moment zu zelebrieren?). Auf diesen Selbsterkenntnissen basierend kann dann wohlüberlegt entschieden werden, was Sinn macht und von was man besser die Finger lässt – jeder und jede ist anders und kennt sich am Besten.

Auch hilft es, die kleinen Freuden bewusst wahrzunehmen und zu schätzen (siehe auch Kleine Freuden des Alltags) und insgesamt ein ausgewogenes, eher ruhiges Leben mit Fokus auf das Jetzt zu führen, in dem man dankbar ist, über das was ist und man hat und so weniger anfällig auf das ewig Neue und zu Erwartende wird (gerade bei Erwartungen fliesst ja auch schon das Dopamin).

Und, es hilft auch, zu wissen, dass es völlig normal ist, dass uns unser Belohnungszentrum ab und zu überlistet und wir über die Stränge schlagen. Wir sollten dahingehend nachsichtig sein, denn es bleibt ein Widerspruch, den niemand auflösen kann, dass wir mit einem auf sehr viel weniger Reize ausgerichtetes Gehirn in einer Welt voller Stimuli und gar Superstimuli – für die es erst recht nicht geschaffen ist – leben.

Wie das alles konkreter aussehen könnte, wird in der Serie anhand einzelner Themen noch intensiv behandelt werden.

Insgesamt hilft in der von übervielen Reizen geprägten Welt auch eine bewusste Entschleunigung und Vereinfachung des Lebens – man muss nicht überall dabei sein, alles gemacht haben und immer Angst haben, etwas zu verpassen. Weniger wird zu mehr und Langsamkeit ermöglicht intensiveres Wahrnehmen. Diesem Thema des Lebenstempos wird der nächste Beitrag der Serie gewidmet sein.

 

*In Experimenten, die die Dopaminproduktion bei Tieren anregen, repetieren diese Verhalten, das zu grosser Dopaminausschüttungen führt, gar bis sie tot sind (z.B. Kopulation bis zur Erschöpfung, sich regelrecht zu Tode fressen) oder vernachlässigen den Nachwuchs vollständig.

Sustine et abstine (12) – der Mensch (7)

 

 

Mensch als Einheit – Körper und Geist

Die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der Philosophie des Geistes legen nahe, dass der Leib-Seele Dualismus ad acta gelegt werden sollte: Je mehr wir über die Funktionsweise des Gehirns wissen, je deutlicher wird, dass die Basis von allem, was den Menschen ausmacht, im Körper selbst seinen Ursprung hat. Der Geist scheint nichts anderes als eine emergente* Eigenschaft des neuronalen Netzwerkes namens Gehirn zu sein. Keine zusätzliche Substanz von ausserhalb scheint nötig zu sein, um das Selbstbewusstsein in Gange zu setzen. Das Gehirn spielt uns dahingehend ein Theater vor – wir sind höchstwahrscheinlich tatsächlich nichts als unsere (Gehirn-)Chemie.

Diese Haltung klingt gegenüber den Denk- und Glaubenstraditionen, die von ewiger Seele, Geist als eigenständiger Substanz oder Ähnlichem reden, auf den ersten Blick abwertend. Dies ist es aber ganz und gar nicht. So kommt es nahezu einem Wunder gleich, was alles zusammenspielen musste, damit ein Wesen entstehen konnte, das Selbstwahrnehmung hat und über sich und den Kosmos nachdenken kann. Des Weiteren ist schon nur die schiere Komplexität des neuronalen Netzwerkes ein jedes menschlichen Gehirns unglaublich.

Auch wenn der Dualismus von Leib und Seele also als überholt angesehen werden kann, ist es für den Entwurf von ethischen Lebensleitlinien und für das Erfassen, was es heisst, ein Mensch zu sein, dennoch sinnvoll, von Geist und Körper getrennt zu reden. Einerseits aus methodischer Sicht, denn eine getrennte Betrachtung der beiden Themenbereiche vereinfacht die Herangehensweise. Andererseits ist in der Alltagssprache und in überlieferten Denk-, Wahrnehmungs- und Glaubenstraditionen diese Unterscheidung nach wie vor dominierend, so dass sonst an vielem davon nicht angeknüpft werden könnte.

Der Substanzmonismus** betont, dass der Körper, als alleiniger Träger und Hervorbringer des Geistes, letztlich die Basis des Bewusstseins ist. Somit ist gerade ihm in einer Individualethik genügend Raum zu widmen. Anders ist ein ganzheitliches Menschenbild nicht vertretbar. Dies muss betont sein, denn sowohl in der christlichen wie der philosophischen Denktradition wurde dies all zu oft missachtet. So wurde der physische Körper gegenüber dem Geist über viele Jahrhunderte stiefmütterlich – oder gar aus einer Perspektive der Verachtung heraus – behandelt. Heute scheint eine solche Flucht in eine rein „geistige Welt“ nicht mehr sinnvoll zu sein.

Geist und Körper bilden also – auch wenn der Dualismus hier nur eine Hilfskonstruktion zur einfacheren Handhabung darstellt und ontologisch gesehen obsolet erscheint – zwei zu betrachtende Basiselemente des menschlichen Daseins. Beide sollen in den nächsten Teilen der Serie genauer angeschaut werden und darauf aufbauend Aspekte des sorgfältigen und sorgsamen Umgangs damit beschrieben werden.

Als erstes wird dazu der Mensch als körperliches Wesen näher betrachtet.

 

*emergent bedeutet, dass ein Phänomen auf einer oberen Ebene eines Systems durch das Zusammenspiel der Elemente auf einer unteren Ebene des Systems sich herausbildet. Beim Gehirn kann dies grob so zusammengefasst werden, dass das Bewusstsein aus der Quantität von Neuronen und der Qualität ihrer Vernetzung entsteht. Es ist jedoch nicht auf der Ebene einzelner Neuronen (untere Ebene) selbst zu finden, sondern entsteht erst durch die immense Anzahl und das spezifische Zusammenspiel (Art der Verknüpfung).

**Als Substanzmonismus wird in der Philosophie die Position bezeichnet, dass der Mensch keine vom Körper unabhängige Seele hat, sondern ein rein materielles Wesen ist.

Sustine et abstine (6) – der Mensch (1)

Grundlagen und Verortungen (Teil 2)

Nachdem der vorausgehende Teil der Serie geisteswissenchaftliche Grundlagen präsentierte, sollen in diesem Beitrag ergänzend ausgewählte naturwissenschaftliche Grundlagen zusammengetragen werden. Dies wiederum in nicht abschliessender und eklizistischer Form, es gelten dieselben einleitenden Worte wie im ersten Teil.

Aus den Naturwissenschaften fliessen vor allem folgende Erkenntnisse und Konzepte in die weiteren Ausführungen ein:

  • Astrophysik, Kosmologie, Kosmogonie u.ä.
    Von den Beobachtungen und Erkenntnissen aus der Astrophysik, Kosmologie, Kosmogonie und verwandten Wissenschaften wird mitgenommen, wie unglaublich gross das Universum ist (z.B. nur schon zum Mond sind es 384 400 km, zur Sonne 150 Mio. km (das Licht braucht dafür 8,33 Minuten bei 300 000 km/s), die Distanzen zu anderen Sternen und Galaxien sind unfassbar gross, so braucht das Licht schon nur bis zur nächsten Galaxie rund 200 000 Jahre). Wir Menschen bewegen uns da auf einer ganz anderen Skala, sind in kosmischen Dimensionen völlig unbedeutend und winzig klein. Dies betrifft ebenfalls die Zeit (das Universum ist nach den neusten Erkenntnissen 14 Milliarden Jahr alt). Wenn man sich über Jahre mit dem in den letzten Jahren stark angewachsenen Wissen zur Ausgestaltung und dem Entstehen des Universums befasst, gewöhnt man sich an diese riesigen Zahlen, doch fassbarer werden sie nie wirklich.
    Was wir heute auch wissen, ist, dass sehr viel zusammengespielt haben muss, damit das Leben auf der Erde in der Form, wie wir sie heute vorfinden, entstehen konnte. Die Erde ist ein ganz besonderer Ort im Universum und wir haben nur ihn: Eine bemannte Raumfahrt zu anderen Sternen erscheint aufgrund der immensen Distanzen als unrealistisch. Aber auch die Erde ist nur ein vorläufiges und unsicheres Zuhause. Auf die lange Dauer – zum Glück geht das aber für unsere Massstäbe noch unendlich lange – wird auch sie nicht mehr bewohnbar sein (spätestens dann, wenn die Sonne in ca. 5 Mrd. Jahren zu einem roten Riesen wird und ihre Grösse sich bis zur Marsbahn ausdehnt). Die beiden Erkenntnisse zusammen ergeben, dass wir erstens in einem gegenüber uns Menschen abweisenden, metaphorisch gesprochen „kalten“, mechanisch-seelenlosen Universum leben und nur die Erde als Zuhause haben. Niemand und nichts ist da, das uns behütet, beschützt, Sinn von aussen gibt oder erlösen kann – das müssen wir schon alles selber tun! Zweitens können und sollten wir (dankbar) staunen, dass wir als bewusste Lebewesen entstanden sind und an all dem Teilhaben können (siehe dazu auch Schwierigkeiten der Ontologie – das Drei-Ebenenproblem). Drittens folgen aus dem Erkennen der Einzigartigkeit unseres Platzes im lebensfeindlichen Universum, dass wir Sorge zu unserem Raumschiff Erde tragen sollten, wir haben nur dieses.
  • Evolutionstheorie, insbes. Evolution des Gehirns, Systemtheoretisches Hirnmodell, Neurowissenschaften
    Aus der Evolutionstheorie nehmen wir erstens mit, dass wir nicht die Krönung der Schöpfung sind, sondern lediglich ein „besonderes Tier“ in einer ganz grossen Familie von Lebewesen. Wir entstanden wie alle aktuellen Versionen der Lebewesen durch Mutation und Selektion. Wie bei allen Lebewesen geht davon eine doppelte Tragik aus, nämlich die, dass wir einerseits einem nicht zielgerichteten Evolutionsgeschehen unterworfen sind und andererseits dem Individuum eine undankbare Rolle zukommt: Es ist der Erbinformationsträger und es muss von daher beschränkte Zeit leben und dann vergehen, damit die Evolutionsmechanismen arbeiten können. Darauf stützt sich der Prozess der Evolution ab. Dass wir dies bewusst wahrnehmen können, gehört zur conditio humana und wird in der Serie zu reflektieren sein.Unsere „Zugehörigkeit zum Tierreich“ hat zweitens ethische Konsequenzen: Wir werden sehen, dass wir bei ethischen Überlegungen auch die Natur einbeziehen müssen: Wir sind nicht nur Teil ebendieser, sondern geradezu mit ihr verwoben, gar von ihr abhängig. So werden wir uns auch mit ökologischen Überlegungen befassen müssen und uns gut überlegen, wie wir unsere Mitwelt behandeln wollen.Drittens geht aus unserem entwicklungsgeschichtlichen Stammbaum hervor, dass wir viele Elemente mit früheren Lebensformen teilen – die Evolution behält bei, was sich bewährt. So sind wir auch gewissen Rythmen unterworfen, was es bei den konkreten Fragen nach einem guten Leben zu beachten gilt: Spannung und Entspannung sowie Ruhe und Anstrengung werden in einem sinnvollen Mass zu gestalten sein, um nicht gegen unsere „Natur“ zu leben.Ein weiterer Zeuge unserer evolutionären Wurzeln ist unser Gehirn, das in vier Schichten aufgebaut ist. Diese Schichten widerspiegelen die evolutionären Stufen (im Volksmund wird der älteste Teil, das Stammhirn auch als „Reptilienhirn“ oder einer der mittleren als „Säugetiergehirn“ bezeichnet, was wissenschaftliche Basis hat). Dass uns vor allem das Stammhirn, ein evolutionär sehr altes Ding, bei unseren hehren Vorsätzen uns regelmässig einen Strich durch die Rechnung macht, wird ebenfalls ein Thema sein müssen, denn es ist nicht selten dieser uralte Teil des Hirns, in dem das Belohnungszentrum sitzt, der einem emotional übersteuert, Süchte auslöst (Stichwort Dopamin) oder uns ständig zu Vergleichen anregt sowie uns blindlings wütend werden lässt – das moderne Grosshirn, dort wo Sprache und Denken sitzen, einfach übersteuert. Die Verbindungen von alten zu neuen Teilen sind viel schneller und leistungsfähiger als umgekehrt, das hat jeder Mensch schon erlebt, der in einer Bedrohungslage quasi ferngesteuert entweder kämpft, sich tot stellt oder flieht. Die genau Kenntnis, der sorgfältige und bewusste Umgang mit diesen Mechanismen in unserem Kopf, werden in der Serie noch vertiefter behandelt werden. An anderer Stelle im Blog wurde spielerisch bereits darauf hingewiesen (siehe Warum ist Beschränken des Auslebens der Lüste oder Askese eigentlich gar kein Verzicht? und Kleine Freuden des Alltags).

    Aus den Erkenntnissen der Neurowissenschaften nehmen wir des Weiteren mit, dass das Bewusstsein sehr wahrscheinlich eine emergente Eigenschaft der qualitativen und quantitativen neuronalen Verknüpfungen (schichtartiges Netzwerk) ist (ganz sicher ist man sich da noch nicht, doch als Arbeitshypothese nehmen wir die im Moment solideste Hypothese mit in unserer Diskussion). Auch hier sind die Konsequenzen, mit denen wir uns befassen werden, eher tragischer Natur: Weder eine unsterbliche Seele noch eine Weiterführung irgendeiner dubiosen „Lebensenergie“ scheinen plausibel zu sein. Was das für unsere Lebensführung und der Wahrnehmung und Konzentration auf das Hier und Jetzt für Konsequenzen haben wird, wird zu erörtern sein.
    Auch wie wir lernen und was dabei die Übung und das Sich-Beschränken für eine Rolle spielen werden, hängt sehr stark vom Aufbau und der Funktionsweise des Gehirns ab und wird in der Serie näher zu betrachten sein.

  • Standardmodell der Teilchenphysik, Quantenphysik, Multiversentheorie, Stringtheorie u.ä.
    Obwohl diese Themen zu den Lieblingtshemen des Autors gehören, würde es den Rahmen dieses einleitenden Textes sprengen, hier inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Dennoch sollen sie hier der Vollständigkeit halber Erwähnung finden. Dies, da wir  in Fragen der Ontologie (Seinslehre) zwingend auf diese Modelle zurückgreifen werden, denn es ist schlicht das Beste, was uns zur Zeit zur Verfügung steht: So ist das Standardmodell der Teilchenphysik empirisch sehr gut getestet (Grob gesagt: Fermionen (Quarks+Leptonen in drei Generationen) bauen die Materie auf; Bosonen übertragen die Kräfte (inkl. dem sagenumworbenen Higgs-Teilchen)).
    Die Effekte der Quantenphysik sind nicht nur mehrfach empirisch geprüft, sondern z.B. in der Computerwelt oder für Verschlüsselungen auch bereits in praktischer Anwendung. Bei weiteren Theorien, wie der Stringtheorie oder der Multiversenvorstellung ist hingegen interessierte Vorsicht geboten: Sie entziehen sich prinzipiell der empirischen Überprüfung (die Stringtheorie bezieht sich auf eine so kleine Ebene, die wir prinzipiell nie „beobachten“ werden können; die Multiversentheorie wird wohl auch nie empirisch überprüfbar werden, da sie Aussagen zum ausserhalb des uns zugänglichen Raum-Zeit-Gebildes macht, wir sind aber prinzipiell an dieses gebunden). Dennoch sind diese und ähnliche Überlegungen und Modelle beizuziehen, wenn wir uns fragen, was die eigentliche Essenz der Welt und damit unseres Daseins ist, denn dafür geben sie inspirierende Hinweise.
    Was wir im Übrigen speziell durch die Quantenphysik kennenlernen, sind die Grenzen unserer Vorstellungskraft: So können etwa Tunneleffekte, Quantenverschränkungen zur Kenntnis genommen, jedoch nicht wirklich begriffen werden, da sie ausserhalb der uns intuitiv stimmig scheinenden Realität zu sein scheinen. So wird auch von „Spukeffekten“ gesprochen. Ausserdem ist es für uns ungewohnt, dass die Grundlage allen Seins probabilistischer und nicht klar deterministischer Art zu sein scheinen.
    Das Standardmodell der Teilchenphysik zeigt uns auch auf, dass uns klare Grenzen des Wissens gesetzt sind, denn es ist noch nicht vollständig (z.B. Rätsel dunkle Materie) und erlaubt nach wie vor keine Integration aller vier Fundamentalkräfte im Universum (Elektromagnetismus, Schwache Kraft, Starke Kraft und Gravitation).

Schlussfolgerungen
Wie bereits an andere Stelle erörtert (siehe dazu Schwierigkeiten der Ontologie – das Drei-Ebenenproblem), sind es gerade die neuen und neusten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die nicht zu einem kohärenten, lückenlosen Weltbild führen. Erstens sind die Erkenntnisse aus der Makroebene noch nicht wirklich mit denen auf der Meso- und Mikroebene verbunden. Zweitens sind viele der Erkenntnisse aus der Mikroebene, man denke an die Quantenphysik, für uns kaum nachvollziehbar und geben neue Rätsel vor. Drittens machen auch die modernsten naturwissenschaftlichen Untersuchungen nur Aussagen über einen kleinen Teil der Welt. Ein Grossteil – denken wir z.B. an die ominöse, postulierte dunkle Materie (wechselwirkt nicht mit der Gravitation), die vermutet 72% der Materie im Universum ausmacht – ist nach wie vor mit den uns zur Verfügung stehenden Instrumenten unortbar.
Neben der prinzipiellen Vorläufigkeit jeden Wissens, ist es auch diese Begrenztheit, mit der wir als Mensch umgehen können müssen. Denn gerade das Akzeptieren dieser Tatsachen muss nicht zur Aufgabe der Suche nach einem sinnstiftenden und sinnhaften Leben – und damit zum Fatalismus – werden, denn, wie der Text zum Drei -Ebenen-Problem aufzeigt, sind nicht alle Erkenntnisse für die Alltags- oder Lebenswelt sowie das ethisch und moralische Handeln gleich relevant (siehe dazu letzter Abschnitt von Schwierigkeiten der Ontologie – das Drei-Ebenenproblem).

Gerade in unserer konkreten Lebens- und Alltagswelt spielt neben dem wissenschaftlichen Wissen das Erfahrungswissen (kollektiver und individueller Art) eine ganz wichtige Rolle. Hiervon handelt der letzte Teil der Grundlagen und Verortungen.

Sustine et abstine (3)