Archiv der Kategorie: sustine et abstine (Serie)

Die hier entstehende Serie trägt Wissen verschiedenster Art zusammen, um in einem ganzheitlichen Ansatz ein Weltbild zu zeichnen sowie darin die mögliche Ausgestaltung eines gelingenden Lebens als Mensch in einer von Ambivalenzen geprägten Zeit zu skizzieren. Die Texte bauen zwar grundsätzlich aufeinander auf, können aber auch einzeln gelesen werden.

Vom Lauf=Sinn des Lebens

Du wirst geboren
Alles vorbewusst

Zäck – ein ICH gerufen in die Existenz!

Schau dich um:
Meine Zeit?
Mein Ort?
Was für eine spannende…
und doch so (verw)IRR(nd)E Welt!

Wo bin ich hier gelandet?
Wer ist sonst noch da?

Ach so: Nur ein Fleischblobb?!
Ach so: So viele andere schon vor Ort?!
Ach so: So viel System implementiert?!
Ach so: Freiheit nur sehr bedingt?!
Ach so: Limitierungen allenthalben?!
Ach so: Leiden gehört zum prallen Leben dazu?!

Aber erstmal HALT:
Schau dich um –
orientier dich mal!

Was ist schon da?
Was wird gewusst?
Was wurde schon gedacht?
Was weiss niemand?
Vor was wird gewarnt?
Was darf man glauben?
Wer könnte Vorbild sein?
Wer das Gegenteil?
Was zeigte die Zeit?
Was kann ich tun?
Uff, es gibt so viel zu tun!

Nimm dir ZEIT
Hol dir Rat
Hör gut zu

Noch: Nichts eilt!
Übe die Besonnenheit!

Lerne dieses Dasein kennen
Lerne die Existenz zu spüren
Lerne die anderen kennen
Lerne dich im Spiegel der anderen zu sehen
Lerne Emotionen kennen
Lerne die Grenzen des Wissens kennen

Lerne DICH kennen:
Schwächen – klar!
Stärken – aber ja!

Pass auf: Die Gier!
Pass auf: Der Vergleich!
Pass auf: Das Echsenhirn (Dopamin)!
Pass auf: Viel Ratenfängerei!
Pass auf: Lerne zu dosiern!
Pass auf: Viele Dogmen und deren Verführer!
Pass auf: FOMA!
Pass auf: Solidarität versus mein eigenes Ego?
Pass auf: So viele reale und mentale Gifte!
Pass auf: Auch du zuinnerst nur ein Tier!
Pass auf: Auch du gebunden an den Zeitgeist!
Pass auf: Auch dein Wissen = Vorläufigkeit!

Dann erst: Entscheide!
Dann erst: Werte müssen zwingend her!
Dann erst: Das wird mein Weg!
Dann erst: Jetzt bin ich wer!

Die Richtung stimmt:
Jetzt geht es los

Falle ein!
Falle um!
Falle rein!
Falle durch!
Falle auf!
FALL IN LOVE!

Juche, es geht voran!

Halt inne: Bilanz
Halt inne: Werte noch da?
Halt inne: Innerer Orientierung gewahr?
Halt inne: Gewohnheiten im Griff?
Halt inne: Wie steht’s um Dankbarkeit?
Halt inne: Stimmen die Balancen?
Halt inne: Ich und die anderen?
Halt inne: Die richtige Truppe?
Halt inne: Besser nun Freischärler sein?
Halt inne: Der Pflicht zur Salutogenese gewahr?
Halt inne: Körper und Geist im Gleichgewicht?
Halt inne: Tempo (noch) OK?
Halt inne: Erlebnissdichte im grünen Bereich?
Halt inne: Genug des sozialen Netzes da?

Rekalibrier, korrigier, räum auf –
jetzt bleibt noch Zeit!

Und weiter geht’s
Die Zeit zerrinnt!

Die Energie nimmt ab…
die Wehwechen jedoch zu
Hey, bleib locker:
Ist voll normal!

Pass auf: FOMA 2.0
Pass auf: Vergleich 2.0
Pass auf: Die Zeit vergeht…
Pass auf: Du bist deine Gewohnheiten!
Pass auf: Was hab ich bisher verfehlt?
Pass auf: Memento mori + carpe diem
(du hast erlernt, dass beides geht)

Und weiter diese schwierigen Balancen:
Spannung und Ruh…
ich und die Herde…
Haben versus Sein…
Erleben versus Müdigkeit…
Tragen versus Getragenwerden
Ehrgeiz versus Faulheit…
Verantwortung versus ich kann nicht alles tun!
Wann ist genug wirklich genug?

Obacht: Letzte Chance der Korrektur!

Mehr Nachsicht!
Mehr Ruh!
Sei ehrlich: Auch Herbst gehört dazu!

(Nur für die Unbelehrbaren:
Nun ist spätestens auch für euch genug wirklich genug)

Pass auf: Jetzt geht es schnell
Pass auf: Bei Versäumtem eilt’s!
Pass auf: Letzte Chance und dann vorbei!
Pass auf: Am Ende kommt der Blick zurück:

Es bleibt NICHTS ausser deiner ganz persönlichen Bilanz

(Und der allerletzte Unbelehrbare nun erkennt:
Echt VANITAS war alles Streben nach Ruhm und Geld)

Das war‘s – kaum zu glauben:

* Es ist definitiv und endgültig vorbei *

Licht aus – hoffentlich:
What a ride!

In eigener Sache: 10 Wochen Facebook

In der zweiten Hälfte Februar 2020 habe ich mich entschlossen, dass 10 Wochen Facebook genug sind.

Dies habe ich in einem letzten Post auf Facebook öffentlich gemacht und kurz begründet.

Den letzten Post habe ich wohl zu wenig lange online gelassen, denn offenbar suchen mich immer wieder ehemalige Facebookfreunde vergeblich auf der Plattform.

Aus diesem Grund findet sich hier der letzte Post nun nochmals:

fb.png

Weiterführende Gedanken zu meinen Erfahrungen mit Facebook werden später vertieft als eigener Blogtext im Rahmen der Serie „sustine et abstine“ erörtert.

Als Appetitmacher darauf empfiehlt sich schon mal ein kleiner aber feiner Film von ARTE auf youtube:

 

Welche Gefahren hat das wissenschaftliche Wissen?

Der letzte Beitrag der Serie zeigt auf, wie sich in der Denkgeschichte Methoden und Prozesse herausgebildet haben, die zu einem jeweiligen Zeitpunkt das bestmögliche Wissen ermöglichen.

Dieser offene Prozess führte gerade in den letzten zwei Jahrhunderten zu einem immensen Ansteigen der Erkenntnisse: Das Wissen ist geradezu explodiert.

Eine Folge davon ist, dass es nicht mehr möglich ist, dass ein einzelner Mensch alles wissen und den Überblick behalten kann – Spezialisierung ist nötig geworden.
Dazu hat sich ein Kanon an wissenschaftlichen Disziplinen herausgebildet, der kontinuierlich vergrössert wird: Subdisziplinen entwickeln sich, werden abgespalten, können sich teils als neue Disziplinen etablieren, fächern sich weiter auf etc. Für alles scheint es heute Spezialisten und Spezialistinnen zu geben!

Diese Aufteilung der moderne Wissenschaft in immer kleinteiligere Spezial- und Expertengebiete bringt neben enormem Fortschritt auf vielen Gebieten auch grosse Gefahren mit sich. Denn analog zu Kulturen im allgemeinen (siehe dazu hier) haben wissenschaftliche Disziplinen eine eigene Kultur. Solche Fachkulturen zeichnen sich durch eigene Fachsprachen, Argumentationskulturen oder Traditionen aus. Analog wie bei allen Kulturen werden neue Mitglieder durch Sozialisation in diese Kulturen eingeführt. Das Resultat davon ist eine spezifische Wahrnehmung und Bewertung der Welt – gleich einer Brille sehen die Mitglieder einer Disziplinenkultur die Welt nicht neutral, sondern getönt. Ausserdem werden sie blind für Dinge, die nicht in das disziplinäre Weltbild passen (selektive Wahrnehmung). Auch interessiert kaum mehr, was ausserhalb ihres Gebietes liegt. Gerne spricht man heute ja von Fachidioten, was zwar nicht nett, aber sicher nicht ganz falsch ist.

Neben dieser Gefahr der Verengung des Blickes fördert die Spezialisierung die Gefahr, dass niemand den Überblick hat und die ethisch-moralische Dimension ausser Acht gelassen wird. Gerade heutzutage mit dem Fortschritt z.B in Technik, in der Genetik und in der Medizin drängen sich jedoch vermehrt ethische Fragen auf. Diese werden von den Spezialisten und Spezialistinnen selten thematisiert. Dies ist auch nicht deren Aufgabe. Und sie haben gar nicht das Rüstzeug dazu, dazu müssten sie viel breiter ausgebildet und gefördert werden, was nicht erwünscht ist, da es lange dauern würde und sie weniger erfolgreich im Spezialgebiet machen würde.

Ein gesamtheitlicher, ganzheitlicher Blick aus grösserer Distanz tut hier somit Not und darf nicht vergessen gehen. Die guten alten Universalgelehrten, die einen solchen Blick haben, sind jedoch sehr selten geworden.

Ein Blick ohne Spezialisierung ist auch nötig, wollen verschiedene Disziplinen zusammenarbeiten oder zusammen mit gesellschaftlichen Akteuren ein Vorhaben vorantreiben, was sich bei vielen Problemen der Menschheit aufdrängt (Stichworte Inter- und Transdisziplinarität) – man denke etwa an die Umweltprobleme: Klimaveränderung oder der Verlust der Biodiversität sind nur durch einem ganzheitlichen, universalen sowie pluridisziplinären Ansatz bearbeitbar.

 

Sustine et abstine (20) – der Mensch als geselliges Wesen (6)

Wie gelangen wir zum bestmöglichen Wissen?

Der letzte Blogbeitrag zeigte, dass es kein Wissen gibt, das nicht durch Sprache, Sozialisation und Erfahrungen geprägt ist. Dadurch erhält ein jedes Wissen eine subjektive Komponente und ist relativ.

Denkende Menschen versuchen seit langer Zeit diesem Relativismus zu begegnen, indem sie seit der Antike die Methoden der Wissensgenerierung analysieren, hinterfragen und weiterentwickeln.

Auch das Wissen selber wurde und wird unter die Lupe genommen und immer wieder kritisch hinterfragt.

Angefangen hat diese Analyse  der Erkenntnismethoden und -instrumente und des Status des Wissens an sich bei Aristoteles und führte über mehrere Etappen hin zur modernen Wissenschaftstheorie und -soziologie.

Resultate dieses langen Prozesses der Denkgeschichte sind, dass es heute ein spezifisches wissenschaftliches Wissen gibt, das sich von anderen Wissensarten (z.B. Satzungen der Religionen, Traditionen oder Erfahrungswissen) unterscheidet.

Was ist wissenschaftliches Wissen?

Stichworte zum wissenschaftlichen Wissen sind etwa klare Begriffsdefinitionen, bestimmte Methoden und Prozesse der Wissensgenerierung oder ein strukturierter, systematischer Aufbau von Theoriegebäuden.

Das wissenschaftliche Wissen muss somit gewissen Kriterien Genüge leisten. Dazu gehören z.B. eine klare, schnörkellose Sprache (Wissenschaftssprache) oder logisches Argumentieren. Ausserdem müssen Begriffe, Argumente und Methoden offengelegt werden, so dass sie intersubjektiv überprüfbar sind.

Durch den bewusst nach Kriterien gestalteten Prozess der Wissensgewinnung ist das Wissen dynamisch und wird immer wieder revidiert. Dies teils nur in Details, ab und zu aber erdbebenartig durch die grossen Brüche der Paradigmenwechsel.

Durch diesen offenen Prozess (Wissenschaftsfreiheit), der auch viele soziale Komponenten beinhaltet, wie z.B. Thomas Kuhn schön in seinem Klassiker „Die Struktur der wissenschaftlichen Revolutionen“ (engl. Original 1962) aufzeigte, ist wissenschaftliches Wissen immer nur vorläufig und revisionsanfällig: Im Gegensatz zu Satzungen der Religionen, Traditionswissen oder Ideologien anerkennen Aktive der Wissenschaft, dass das, was heute gilt, morgen vielleicht obsolet sein wird.

Die Grenzen des Wissens sind somit bewusst, man kann höchstens von einer Annäherung an die Wahrheit(en) sprechen und niemals vom Besitz einer endgültigen Wahrheit ausgehen (siehe dazu auch hier).

Festzuhalten bleibt somit, dass auch das beste wissenschaftliche Wissen klare Grenzen hat. Diese zu kennen und zu akzeptieren – sich also auch über das Nichtwissen (sowie prinzipielle Nichtwissenkönnen) Gedanken zu machen – gehört auch zur Generierung von wissenschaftlichem Wissen (Grenzen des Wissens).*

Neben diesen prinzipiellen Grenzen des Wissens gibt es auch beim wissenschaftlichen Wissen Gefahren, denen man sich bewusst sein muss. Diese werden im nächsten Blogbeitrag näher beleuchtet.

*Der Vollständigkeit halber soll erwähnt werden, dass es neben der Vorläufigkeit des Wissens auch prinzipielle Grenzen der Erkenntnis gerade im ganz Grossen und ganz Kleinen gibt (Stichworte Entstehung der Raum-Zeit erst durch den Urknall oder Plankwelt). Diese hier zu erläutern würde den Rahmen dieses Textes jedoch sprengen. Erste Hinweise dazu sind in einem älteren Blogbeitrag zu finden und werden später vertieft behandelt.

Sustine et abstine (20) – der Mensch als geselliges Wesen (6)

Kann ich mir wirklich frei eine Meinung bilden?

Im letzten Blogbeitrag zeigte sich, dass der Mensch nicht so frei handeln kann, wie dies in der Theorie oft dargestellt wird. Wie sieht es denn mit dem Wollen aus, können wir wenigstens frei wählen, was wir wollen?

Leider ist es auch hier schwierig: Auch die Freiheit zu Wollen unterliegt gewissen prinzipiellen Einschränkungen.

Gefängnis Sprache

Dies fängt bei der Sprache an: Wenn eine Person bewusst und rational handeln will, muss sie jeden Entscheid abwägen. Will sie dies nicht rein intuitiv tun, muss sie Argumente formulieren und prüfen. Dabei kommt sie nicht darum herum, Sprache zu benutzen.

Eine jede Sprache hat ihre Eigenheiten, kann das eine ausdrücken, während anderes darin nicht sag- oder denkbar ist. Wer mehrere Sprachen beherrscht oder von einer Sprache eine historisch ältere Version mit einer neueren vergleicht, weiss, dass nicht in jeder Sprache dasselbe denkbar ist. Jede Sprache strukturiert das Denkmögliche anders. Und alle Sprachen verändern sich dynamisch, was sich auch auf das Wahrnehmen, Bewerten und Denken auswirkt.

Beispielsweise kann auf Guaraní (Paraguay / Brasilien) nur bis vier gezählt werden – alles darüber wird einfach als „viel“ bezeichnet. Dies strukturiert die Wahrnehmung der Welt stark, legt z.B. einen anderen Fokus auf das Haben: Ob ich 7 oder 8 Schweine habe, ist dann nicht so wichtig – es sind dann einfach viele.

Gefängnis Zeitgeist und Kultur

Auch der Zeitgeist und eine jeweilige Kultur setzen dem Denkbaren Grenzen: Nicht in jeder Zeit und Kultur ist dasselbe denkbar. Auch hier sind Menschen nicht frei in ihren Bewertungen, Urteilen und schlussendlich Handlungen. Beispielsweise wird in Kulturen, wo das Individuum weniger wichtig ist als die Gruppe es als undenkbar erscheinen, einem Individuum besondere Rechte und Freiheiten zuzugestehen.

So war es im alten Griechenland auch den damals fortschrittlichsten Philosophen klar, dass ihre Überlegungen zu Rechten und Pflichten sich nur auf die männlichen Mitglieder der Oberschicht beziehen – es war für sie undenkbar, dass auch Frauen oder Sklaven in den Genuss erweiterter Rechte kommen könnten. Die göttliche Ordnung wies einem jeden Menschen seinen Platz zu und der hat entsprechend zu leben.

Gefängnis individuelle Erfahrungen

Auch unsere individuellen Erfahrungen determinieren Wahrnehmungen, Bewertungen und dadurch schliesslich das Handeln. Dies einerseits direkt dadurch, dass unser Gehirn zu einem entscheidenden Teil durch unsere Erfahrungen geprägt und geformt ist. Andererseits dadurch, dass der Ablauf der kognitiven Prozesse auch aufgrund von früheren Erfahrungen geprägt ist.

So nehmen Menschen beispielsweise immer selektiv wahr: Was zu bereits Erfahrenem passt, nehmen wir eher bewusst wahr, während wir oftmals blind sind, gegenüber Dinge und Fakten, die unseren Erwartungen nicht entsprechen (selektive Wahrnehmung). Oder da, wo wir Muster erwarten, sehen wir dann auch welche – obwohl eine genauere Prüfung nicht selten diese als Trugschluss entlarvt (Esoterik).

Dieser kleine Ausflug in die Linguistik, Ethnologie oder Psychologie zeigt auf der einen Seite auf, dass beim Aufstellen von ethischen Grundsätzen immer Vorsicht geboten ist: Es gibt kein Wissen, das nicht an Sprache, Kultur oder Zeitgeist gebunden ist. Somit ist gegenüber allen Prinzipien, die universell und für immer Geltung beanspruchen, Vorsicht und Skepsis geboten.

Auf der anderen Seite gilt es beim Aufstellen von hehren Prinzipien des guten Lebens, den eigenen Standpunkt, die eigene Brille, bewusst zu machen und diese regelmässig zu hinterfragen.

 

 

Sustine et abstine (19) – der Mensch als geselliges Wesen (5)

Kann ich wirklich tun, was ich will?

Die Vorstellung des Utilitarismus und der Deontologie, der beiden Hauptstränge der philosophischen Diskussionen im Bereich der Ethik, zeigte auf, dass da sehr abstrakt argumentiert wird. So bald es um konkrete Handlungen geht, stellen sich neben diesen theoretischen Bewertungsmöglichkeiten einer Handlung jedoch auch sehr handfeste konkrete Fragen: So gilt es zu prüfen, was ein Individuum, das in eine Gesellschaft, in Strukturen und Machtkonstellationen eingebettet ist, überhaupt tun kann und wo seinem freien Handeln Grenzen gesetzt sind. Können Menschen in der realen Welt wirklich so frei bewerten, entscheiden und handeln, wie es sich die Philosophen und Philosophinnen sich vorstellen?

Auf zwei Ebenen sind da Zweifel angebracht. Auf der einen Seite gibt es spannende Diskussionen darüber, wie frei wir prinzipiell handeln können. Hierbei geht es darum, dass Teile unseres Gehirns, das neben der Genetik vor allem durch das, was wir erfahren und erlebt haben, geprägt ist, uns nur vorspielen, dass wir rational abwägend entscheiden würden, während tatsächlich „vorbewusst“ durch das neuronale Netzwerk ein Entscheid schon gefallen ist.
Empirische Experimente haben dies mehrfach gezeigt: Unser freier Wille ist nicht wirklich so frei, teils handeln wir determiniert. Dieser Problemkreis ist in der Philosophie ein grosses Thema, die Neurophysiologie fordert uns da heraus. Hier ist jedoch nicht der Platz, detailliert darauf einzugehen. Es wurde trotzdem erwähnt, da, wenn es dann um Verantwortung geht, teils Vorsicht geboten ist, denn nicht immer kann diese so stark verlangt und zugeschrieben werden, wie dies in der Theorie aussieht.

Auf der anderen Seite gibt es ganz praktische Unfreiheiten eines jeden in gesellschaftliche Zusammenhänge lebenden Individuums. Gerade wer in einer komplexen, hierarchischen und arbeitsteiligen Gesellschaft lebt, wie es heute fast alle Menschen tun, ist in Strukturen, Organisationen und Institutionen eingebettet. Ausserdem dominieren gewisse Diskurse und Informationsträger das Wissen und Nichtwissen. Nur wer alleine lebt, ist frei davon – alle anderen können sich dem nicht entziehen.

Und eine solche Verstrickung hat immer auch Macht- und Herrschaftskomponenten. Erstere sind eher diffus, um auf Michel Foucault Bezug zu nehmen, eher ein Gas als etwas Festes, konkret zu Fassendes. Hingegen ist das zweite, die Herrschaft, sehr klar an Personen und Organisationen gebunden: Der mit der Peitsche beherrscht den ohne, um es sinnbildlich zu sagen. Hingegen hat auch der Untergebene in Machtkonstellationen immer auch eine gewisse Macht. Z.B. der Klient auch über seinen Patron, da beide in einem sozialen Gefüge gewisse Abhängigkeiten haben, obwohl der oben natürlich mehr auf den Handlungsspielraum von dem unten nehmen kann – und dennoch hat auch der unten eine gewisse Macht und engt des Handlungsspielraum von dem oben ein – sie sind gegen innen und aussen eher ein eingespieltes Team als eine reine Hierarchie.

Wenn es nun konkret wird, wie ein gutes Leben auszugestalten sein wird, muss also beachtet werden, dass der Mensch eingebettet ist in Strukturen und Machtbeziehungen und nicht so autonom handeln kann, wie man sich dies gerne ausdenkt. Die verschiedenen Kontexte und (Abhängigkeits)Beziehungen, in denen eine Person lebt, engen den Handlungsspielraum ein – dies zu übersehen, käme einer Überforderung des Individuums zugleich: Eine einzelne Person kann nicht wirklich frei handeln oder die Verantwortung für alles Weltgeschehen übernehmen.

Ausserdem hat zwangsweise bei der grossen Anzahl von Menschen, die zur Zeit leben, nicht ein jeder Mensch die gleiche Möglichkeit, sich in die Gesellschaft prägende Institutionen, Diskurse und Organisationen einzubringen.

Und es sind oft historische Zufälle, die ein Individuum an eine prägende Stelle bringen – all zu gerne wird in der Geschichte und in Erzählungen ein Subjekt überhöht, es als seine eigene Leistung ausgewiesen, dass es nun da oben angekommen ist. Und da oben ist dann auch nicht frei von Verstrickungen, das wird oft völlig unterschätzt: Auch auf den ersten Blick mächtig aussehende Menschen haben vielfältige Abhängigkeiten, können selten wirklich autonom handeln und haben, gerade in der heutigen komplexen Gesellschaft, einen viel engeren Handlungsspielraum als es den Anschein macht.

Somit sind auch vermeintlich Grosse der Geschichte zugleich auch immer Objekte des geschichtlichen Geschehens – auch wenn sie die Geschichtsschreibung (die ist ja immer konstruiert, nie neutral) als vor allem aktive, autonome Subjekte darstellt: Die grossen Züge des Weltgeschehens sind kaum von einzelnen Menschen zu beeinflussen. Hingegen kann jede Person im Kleinen viel bewirken, so dass in der Serie immer wieder darauf Gewicht gelegt wird.

Und die Beschränkung der individuellen Autonomie fängt schon beim Wahrnehmen und Bewerten an, ehe mensch überhaupt handelt. Ob ich mir überhaupt frei eine Meinung bilden kann, muss somit als nächstes geprüft werden.

 

 

 

Sustine et abstine (18) – der Mensch als geselliges Wesen (4)

Utilitarismus versus Deontologie – Rechnen oder die Pflicht befolgen?

Bei der Frage, was moralisch richtiges Handeln ist, haben sich in der Geschichte der Philosophie zwei Hauptrichtungen herauskristallisiert.

Auf der einen Seite steht der Utilitarismus. Darunter versteht man die Position, die eine Nutzenethik vertritt. Konkret heisst dies, dass die Folgen einer Handlung darüber entscheiden, ob sie moralisch gut oder schlecht ist. Das Ziel, der Zweck stehen also im Vordergrund – daher wird diese Position auch als teleologisch (Griechisch Telos = Ziel) bezeichnet. Plakativ gesagt, muss man also rechnen, ob es gut rauskommt und dann das machen, das am meisten bringt.

Die utilitaristische Position wurde im 19. Jahrhundert erstmals systematisch von Bentham und Mill herausgearbeitet. Später entwickelten sich verschiedene Unterarten und Verfeinerungen des Ansatzes. Insbesondere wurde diskutiert, was genau in die Rechnung genommen werden soll, um eine Handlung als moralisch gut oder schlecht zu bewerten (z.B. kam der Negative Utilitarismus („Leid vermeiden“) auf, verschiedene Gewichtungen verschiedener Arten von Nutzen werden diskutiert, Differenzierung nach Bedürfnissen vorgenommen oder verschiedene Positionen zum Guten Leben und was Glück bedeutet erarbeitet).

In der Deontologie geht es hingegen um die Pflicht. Relevant sind die moralisch richtigen Gründe und Absichten, warum und wie wir handeln. Ergebnisse sind nicht das Entscheidende. Daher spricht man auch von Gesinnungsethik.
Der Hauptvertreter dieser Richtung ist Kant mit seinem Kategorischen Imperativ. Neuere Diskussionen um unverhandelbare Menschenrechte und die universelle Menschenwürde orientieren sich an dieser Position der Prinzipien, die einmal begründet und dann stur eingehalten werden sollen.

Beide Strömungen haben Kritik geerntet und für beide Ansätze gibt es in den philosophischen Diskussionen schöne Beispiele, wie es in einzelnen Situationen absurd wird, sich stur an eine Position zu halten.
Das klassische Kritik-Beispiel gegenüber der Pflichtethik ist die Lüge. Deontologisch gesehen muss man immer die Wahrheit sprechen, man hat eben die Pflicht dazu, ausnahmslos. Dies auch, wenn nun ein Nazischerge an die Türe klopft und man eine jüdische Familie verstecke und danach gefragt wird.
Beim Utilitarismus geht die Kritik hingegen unter anderem in die Richtung, dass es absurd ist, immer alle Folgen einer Handlung kennen zu wollen (man denke z.B. an die Kernkraft) oder die Bewertung der Folgen sehr subjektiv (was ist eigentlich Glück?) sein kann, so dass Minderheitenpositionen es schwer haben.

Dann gibt es in der Philosophiegeschichte AutorInnen, die die beiden Positionen verbinden wollen. Am bekanntesten ist da John Rawls mit seiner umfassenden Theorie der Gerechtigkeit. In seinem Mammutwerk zur Gerechtigkeit präsentiert er Grundprinzipien aus beiden Ansätzen und kombiniert sie, was einige Probleme löst, aber wieder andere schafft.

Neutral gesehen haben in der Tat beide Positionen Schwächen und Stärken und eine situative und intuitive Anwendung mal der einen, mal der anderen Position dürfte Sinn machen.

Im weiteren Verlauf der Entwicklung von eigenen, konkreten Ansätzen für eine gute Lebensführungen werden somit teils deontologische Ansätze zum Zuge kommen, während es in anderen Bereichen wohl ein Abwägen der Folgen geben wird. Teils wird es wohl auch eine Mischung brauchen – es ist in der Realität mal wieder viel komplexer und komplizierter als in der Theorie!

Sustine et abstine (17) – der Mensch als geselliges Wesen (3)

Mensch als soziales Wesen – ein bisschen Theorie

Seit langer Zeit denken Menschen darüber nach, wie wir das Zusammenleben untereinander am besten organisieren können. Zuerst waren es Mythen, religiöse Überzeugungen, und überlieferte Traditionen, die diesbezüglich den Ton angaben. Später, vor allem durch die ersten griechischen Philosophen, löste sich das Denken von diesen überlieferten Dogmen und Geboten und es wurde auch abstrakter, systematischer sowie theoretischer darüber nachgedacht, wie gutes Zusammenleben unter den Menschen organisiert werden könnte.

Die grundsätzlichen Ideen und Lehren aus der Antike wurden verfeinert und einige Konzepte kamen (und kommen immer wieder) hinzu, während vieles, was sich seit Jahrtausenden bewährt hat, in die weitere Diskussion integriert wird.
So wurde etwa die Idee der Gerechtigkeit bereits bei den Griechen stark diskutiert, während in den letzten Jahrzehnten das Konzept zum Beispiel um die Begriffe Fairness oder Chancengleichheit erweitert wurde.
Erweitert wurde auch der Kreis, den man bei solchen Überlegungen mit einbezieht: So war auch noch bei den Griechen hauptsächlich eine männliche Elite Ziel – und Urheber – der ethischen Diskurse, während heutzutage auch Tiere bis hin zu ganzen Ökosystemen und schliesslich der ganze Planet eine Rolle bei solchen Überlegungen spielen.

Schon nur diese kurze Einleitung zeigt, dass es schnell kompliziert wird: Befasst man sich heute mit den philosophischen Diskursen zum Thema, wird es umgehend unübersichtlich. Daher sollen hier ganz stark vereinfacht lediglich die wichtigsten Konzepte aus der Diskussion – ohne abschliessend sein zu wollen – zusammengestellt werden. Denn es es soll schnell wieder konkret werden!

Um die später folgenden Ansichten und konkreten Ideen für ein sinnvolles Zusammenleben als Menschen als soziale Wesen, eingebetet in ein weiteres Umfeld, eine nachvollziehbare Basis geben zu können, müssen in den nächsten Texten der Serie trotz der Komplexität und „Trockenheit“ der Themen, folgende grundlegende Fragen kurz näher betrachtet werden:*

Die beiden Hauptrichtungen der Ethik: Rechnen oder die Pflicht befolgen?

Kann ich wirklich tun, was ich will?

Kann ich mir wirklich frei eine Meinung bilden?

Wie gelangen wir zum bestmöglichen Wissen?

Welche Gefahren hat das wissenschaftliche Wissen?

Was bleibt? Plädoyer für freies Denken und eine holistische Weltsicht

 

*Dies ergänzend und vertiefend zu den bei den Grundlagen (siehe dazu Teil 1, Teil 2 und Teil 3) bereits gemachten Verortungen.

Sustine et abstine (16) – der Mensch als geselliges Wesen (2)

Vom Ego zur Gesellschaft – oder vom Ich zum Wir

Nachdem es in der Serie zum Menschsein in einer von Ambivalenzen geprägten Zeit in den ersten 14 Teilen vor allem um das Individuum und seine eigene Lebensführung ging, soll der Blick nun geweitet werden: Ist mensch nicht gerade ein weltabgewandter Einsiedler, so heisst Leben immer Verwobensein mit anderen Menschen.
Des Weiteren ist ein jeder Mensch in vielfältige Zusammenhänge natürlicher, sozialer, politischer oder wirtschaftlicher Art eingebettet.

Menschsein bedeutet somit, wie bereits Aristoteles festhielt, ein Zoon politikon zu sein. Damit ist gemeint, dass das Wesen des Menschen grundsätzlich sozialer und damit politischer Art ist. Das hat zur Folge, dass eine Individualethik, die beim Ich startet, nicht beim Ich aufhören darf, will sie nicht bei einer egoistischen sowie narzistischen oder rein hedonistisch ausgerichteten Lebensführung enden.

Dieser Erweiterung vom Ich zum Wir sind die nächsten Teile der Serie gewidmet.

Sustine et abstine (15) – der Mensch als geselliges Wesen (1)

Die Kunst des Gebrauchs der Zeit (Teil 2)

Dieser Text ist die Fortsetzung des Beitrages Die Kunst des Gebrauchs der Zeit. Es empfiehlt sich, vorgängig Teil 1 gelesen zu haben.

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Elemente des klugen Gebrauchs der Zeit (Teil 2):

  • Umgang mit Erwartungen
    Da unsere Lebenszeit beschränkt ist und wir klug wählen müssen, für was wir wie viel Zeit aufwenden wollen, ist es wichtig, ein realistisches Erwartungsmanagement zu entwickeln. Geschieht dies nicht, verpufft schnell viel Zeit, die wir eigentlich für echte Bedürfnisbefriedung, Erholung oder unser Umfeld aufwenden könnten. Dies kann einerseits geschehen, wenn wir zu grosse, unrealistische Erwartungen aufbauen.Beispielsweise arbeiten viele Menschen über Jahre sehr hart, um sich dann ein sehr teures Auto leisten zu können. Ist das Auto dann endlich da, macht es anfangs zwar Freude, doch meist weniger, als man sich erhoffte und man gewöhnt sich sehr schnell daran, die Freude ist nur von kurzer Dauer. Ausserdem hat man nicht erwartet, dass die Besorgung von Zubehör und die Wartung eines neuen Fahrzeuges so viel Aufwand bedeutet  – im Vergleich zur Realität waren die Erwartungen überhöht, man hat sich über Jahre einer Fata Morgana verschrieben. Die verbrauchte Zeit, die nötig war, um das viele Geld anzusparen, ist jedoch für immer weg, ein Zurück gibt es nicht. Dito passiert oft bei luxeriösen Reisen, die dann meist nicht so schön sind, wie im Prospekt und oft gehetzt oder erschöpft angetreten werden, da man vorher noch so viele Entbehrungen auf sich nehmen muss, um sich das zu leisten.Leicht fänden sich auch Beispiele aus dem Bereich der sozialen Beziehungen und gar der Liebe, wo viele Menschen falsche Erwartungen gegenüber anderen Menschen haben und so später merken, dass sie viel Zeit am falschen Ort investierten. Hier ist ein offenes Ansprechen und eine Klärung oft besser als langes Abwarten.Zu einem realistischen Erwartungsmanagement gehört auch der vernünftige Umgang mit Erwartungen von aussen: Lebe ich nach meinen Bedürfnissen oder mache ich (zu) viel, weil es andere von mir erwarten? Kann ich genug gut Nein-Sagen? Was sind eigentlich meine Bedürfnisse und was nur von anderen übernommene?Selbstredend gilt es auch, die Erwartungen, die man an sich selber stellt, periodisch zu überprüfen, denn auch die Erfüllung von überhöhten oder unpassenden eigenen Erwartungen kann schnell zu Zeitverbrauch führen, den man später bereut.Zum Erwartungsmanagement gehört es ebenso, dass man lernt, dass man nicht überall dabei sein muss. Dies führt zu Entspannung und zu enormem Zeitersparnis. Mehr ist nicht immer mehr (siehe dazu auch Stimuli und Superstimuli: Ich will mehr!).
    Dies ist gerade in jungen Jahren nicht leicht und es gehört zum Reifeprozess dazu, dahingehend dazuzulernen und langsam aber sicher zu merken, dass man sich auch mal von etwas bewusst fern halten, mal etwas verpassen kann.
    Aber auch im fortgeschrittenen Alter, da ja älter werden auch Abschied nehmen bedeutet (siehe dazu Gelassen älter werden), bleibt dies ein wichtiges Thema. Abnehmende Kräfte und schwindende Lebenszeit fordern einen bewussten Umgang mit der eigenen Zeit.
  • Vorfreude und Nachhall besonderer Ereignisse bewusst wahrnehmen
    Auch wenn oben vor überhöhten Erwartungen gewarnt wurde, muss auch vor dem Gegenteil gewarnt werden: Lässt man keine Vorfreude zu oder erinnert sich nicht dankbar und bewusst an schöne, vergangene Dinge, vergibt man eine Chance, seine Lebenszeit qualitativ besser zu erleben oder sich zu motivieren.
    Gerade in schwierigen Zeiten können Erinnerungen an schöne Zeiten und Vorfreude auf Kommendes zum Durchhalten motivieren.
  • Entschleunigung und Achtsamkeit
    Diese Themenbereiche sind gerade sehr en vogue und werden später in einem eigenen Beitrag noch vertiefter behandelt. An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass Achtsamkeitstechniken das bewusste Erleben der Zeit ermöglichen und durch ihre entschleunigende Wirkung das subjektive Zeitwahrnehmen positiv verändern können. Dazu gehört auch, dass durch die routinierte Anwendung solcher Techniken kleinen und kleinsten Zeitfenstern auch in hektischen Lebensphasen eine andere Qualität – und damit anderes Erleben oder Erholungspotenzial – gegeben werden können.
    Zudem helfen solche Techniken, die eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen und sich dadurch besser von Zeitverbrauchern, für die eigentlich gar kein Bedarf besteht, fern zu bleiben (siehe dazu oben in diesem Text).
    Weitere Vorteile sowie ein theoretischer Hintergrund zu dieser Art der Selbsttechniken werden an anderer Stelle im Blog noch vertieft behandelt.
  • Gestaltung des Tagesablaufes und andere Gewohnheiten
    Wie im Zusammenhang mit den inneren und äusseren Rhythmen im Blog erörtert, empfiehlt es sich, nach gewissen Rhythmen zu leben. Dies lässt sich am einfachsten umsetzen, wenn man seinen Tagesablauf einer gewohnheitsmässigen Routine unterwirft. Dies nicht stur, denn ein gewisser spielerischer Umgang mit der Lebenszeit und Offenheit für Unvorhergesehenes sollen erhalten bleiben. So soll in der Regel der Tag gewohnt ablaufen, ein ausnahmeweises Abweichen bringt dann Salz in die Suppe und kann besonders genossen werden, ohne den Rhythmus und die Routinen zu verlernen, kehrt man schnell wieder zu diesen zurück.Auch ist es ratsam, wiederkehrende Verrichtungen (z.B. Haushalt) möglichst gewohnheitsmässig zu absolvieren. Dadurch verbraucht man dafür weder viel Zeit noch Energie. In einem Mehrpersonenhaushalt kann man sich durch solche Routinen unnötige Konflikte ersparen: Erledigt jedes Mitglied routinemässig seine Aufgaben, bleibt nichts liegen und niemand muss andere kritisieren oder kämpft mit dem frustrierenden Gefühl, immer mehr zu machen, als abgemacht.Dass die Übung – und die dadurch entstehende Gewohnheit – wichtige Techniken der selbstermächtigten Lebensführung sind und wie dies mit der Formbarkeit unseres Gehirns (Neuroplastizität) zusammengeht, wurde bereits mehrfach im Blog dargelegt.

Ging es in den letzten Beiträgen der Serie um den Menschen als Individuum, wird im nächsten Beitrag der Kreis erweitert und das Individuum in einem nächsten Schritt in seinen engeren, sozialen Bezugskreis gestellt, ehe der Kreis dann immer weiter gefasst wird, so dass wir von einer Individualethik über eine Gesellschaftsethik schliesslich hin zu einer ganzheitlichen Weltsicht gelangen werden.

Sustine et abstine (14) – der Mensch (9)