Archiv der Kategorie: Z: BloGian=Blödian

Auch Spass muss sein – hier versammeln sich Textfetzen, die nicht all zu ernst genommen werden sollten…

Nächtliche Fata Morgana: Das Glühen der Städte

Vorne in der Lok fährt man ohne Innenbeleuchtung. Man muss sich ja auf die Signale und die Fahrbahn konzentrieren. Auch hat es – abgesehen von den Bahnhöfen – keine Beleuchtung der Gleise. Die Scheinwerfer der Loks sind vergleichsweise schwach. Bildschirme und Anzeigen im Führerstand dimmen wir. Dadurch passen sich die Augen an die Dunkelheit an und man sieht erstaunlich viel auf den langen nächtlichen Fahrten über Land.

Fährt man im Dunkeln länger durch die ländliche Landschaft, fällt einem auf, dass alle grösseren Orte eine rötliche Lichtglocke über sich erzeugen. Bei meinen ersten solchen Fahrten staunte ich oft über dieses Glühen der Städte. Es ist vor allem bei tief hängenden Wolken bereits von weit sichtbar.

Anziehend wirkt dieses Glühen über den grösseren Ortschaften. Gerade an einem kalten, windigen Wintermorgen scheint es einladend, richtiggehend warm.

Fuhr ich jedoch nicht gerade vor zwei Stunden auf dem Weg zum Bahnhof durch meine Stadt an einigen beleuchteten Fenstern vorbei, wo Menschen noch um 3 Uhr alleine vor dem Fernseher sassen? Manchmal in zwei benachbarten Wohnungen, dennoch isoliert? Stiess ich nicht gerade heute früh wieder auf zwei Betrunkene, die mich grundlos arg beschimpften und wer weiss, falls ich näher gekommen wäre, was die mit mir gemacht hätten? Und dann da, bei den Liften für in den Bahnhof runter, waren da nicht – wie fast immer am Wochenende- zwei Gruppen von Jugendlichen am sich aggressiv anbrüllen? Kippte da die Stimmung mal wieder und bald wird aus Anpöbeln und etwas Schupsen brutale physische Gewalt? Oder dann die Verwirrte unten in der Bahnhofsunterführung, die immer mit sich selber redet und von allen ignoriert wird: Ob sie auch heute Nacht von den Ordnungshütern aus dem Bahnhof auf den kalten Vorplatz verjagt wird?

Nicht alles was glüht, bietet auch (menschliche) Wärme!

Déjà-vu?

Weltende – ein Gedicht von Jakob van Hoddis, das in den Roaring Twenties Kultstatus erlangte:

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Und wie werden wohl unsere Zwanziger?

 

Heimat als Raum-Aneignung

Augen auf, irgendwo und
sofort weiss ich wo
Orientierung allenthalben
Raum ganz und gar durchdrungen

Mentale Karte – bewege mich frei
leicht geht es mir dabei
Leistung der Zeit
Quartier, Gegend – du bist mein

Neuer Ort – oh weh!
Ein, zwei Fixpunkte – nicht mehr
erste Tunnels zwischen Bekanntem
von Punkt A zu B, später noch C

Und dann wird es mehr
Querverbindungen zwar noch rar
doch plötzlich ist es da
ein Netz wird sichtbar

angeeignet heisst durchdrungen
Vogelperspektive errungen
volle Orientierung gewonnen
wie frei beweg ich mich seither

 

 

 

 

 

 

Die Zeiten ändern sich

Der Flughafendestinationszettel

Früher war es ein Privileg mit einem Flughafendestinationszettel am Gepäck rumzulaufen. Die Menschen liessen ihn möglichst lange am Gepäck. Je exotischer die darauf stehende Destination, desto besser. Ein echtes Statussymbol – seht her: Ich bin kosmopolitisch, weltgewandt. Bin weitgereist, individuell, vermögend – aussergewöhnlich!

Heute ist das anders. Die Zettel müssen sofort weg. Sie bedeuten: Ich bin ein Egoist. Ich verursache unnötig CO2 und Lärm. Mir ist die Umwelt, das Klima, die Tiere, die zukünftigen Generationen und Menschen im Süden egal. Ich konsumiere die Welt. Ich bin ein Viehmensch, der sich mit 300 anderen eng einsperren lässt. Ich lasse mich von peinlichen Sicherheitskontrollen demütigen. Meine Zeit ist nichts wert, ich vergeude sie in Schlangen. Ich bin Teil einer Touristenmasse – nichts ausser gewöhnlich!

 

 

 

Die 10 Gebote der Selbstsabotage im Wettkampfsport (ein Erfahrungsbericht)

 

  1. Probiere neue Nahrung kurz vor dem Wettkampf oder im Wettkampf aus – das gibt dir dann einen Zusatzkick!
    Realitätscheck (was wirklich geschah):
    Kohlenhydratpulver 24h Stunden vor einem Bikemarathon als Spezial-Carboloading einfach mal in alles reintun, was man isst: Wird dann für irre Power sorgen! Es führte jedoch zu rasend schneller „Abfuhr “ und dies bereits ab 2 Uhr morgens – die Kraft ging dann schon in der Hälfte des langen Rennens aus.
    Mal ein ganz langes Rennen nur mit Gels fahren, das schont den Magen. Resultat war ein böser Hungerast mit einer Zwangspause liegend in der Alpwiese.
    Redbull wird im Feld in einem Radrennen rumgereicht. Nehme ich doch auch mal ein bisschen, soll ja Flügel verleihen – führte dann etwas später, als es im Schlussaufstieg zur Sache ging, zu einem klebrigen (und nach Kaugummi riechenden) Rennrad (und keinen Flügeln, sondern Gummibeinen).
  2. You’re the Boss – zeig es ihnen von Anfang an! Vollgas ab der Startlinie!
    Realitätscheck:
    Anstatt da, wo ich von meinem Können in der Rangliste her gelandet wäre, landete ich viel weiter hinten und die Rennen wurden schon nach kurzer Zeit viel härter als sie sonst gewesen wären.
    Aber man konnte es ja eine Woche später wieder damit versuchen – bekannt im Feld wurde man durch diese Taktik sehr. Auf ging sie jedoch genau nie.
  3. Trainiere nur alleine und überrasche dann die anderen mit deiner Topform im Rennen!
    Realitätscheck:
    Wieso sind die denn plötzlich so schnell? In anderen Jahren, als wir viel in der Gruppe fuhren, waren die nicht plötzlich einen Zacken schneller als ich!
  4. Erkältungen gehen schneller weg, wenn man weitertrainiert – schwitze es raus!
    Realitätscheck:
    Schnell arteten Erkältungen zu langwierigem Husten aus und dann ist schnell mal eine Pause von 3 bis 4 Wochen fällig und die Form bricht voll ein. Kann sogar mal eine Lungenentzündung geben und dann sind Monate des Formaufbaus weg.
  5. Ein bisschen Schmerz gehört dazu – nur Memmen hören beim ersten Wehwehchen auf!
    Realitätscheck:
    Fast alle längeren Verletzungspausen fingen mit feinem Stechen im Knie oder einem leichten Brennen an einer Sehne an…
  6. Was dich nicht umbringt, macht dich hart!
    Realitätscheck:
    Nicht auf die Warnzeichen des Körpers zu hören, dass nun eine Ruhetag oder eine Trainingspause nötig wäre, rächte sich dann spätestens in einem Rennen oder Leistungstest: Jetzt habe ich doch so viel mehr und härter trainiert, warum bin ich denn weniger leistungsfähig als vor 6 Monaten?
  7. Stecke alles Geld in eine top Ausrüstung!
    Realitätscheck:
    Ja, ein neues Velo oder neue Laufschuhe motivierten immer ungemein. Doch es muss nicht das High-End-Teil sein, das dich dein halbes Erspartes kostet und dich zu mehr Stunden bei der Arbeit zwingt. Mehr Training  – oder ein Kilo weniger auf den Rippen – hätten wohl immer mehr gebracht als nochmals leichteres Material – wie viele waren mit schlechterem Material besser? Einige. Und wie viele mit noch viel besserem Material massiv langsamer? Sehr viele. Aber eben, hat der Trainingskumpan leichtere Räder, brauche ich solche doch auch sofort?
  8. Am Abend vor dem Wettkampf die Schaltung am Velo nochmals einstellen: Das lässt dich besser schlafen!
    Realitätscheck:
    Mehrmals fuhr ich einen Marathon mit mehreren Pässen nur mit den halben Gängen, da sich über Nacht die neue Einstellung der Schaltung verstellte oder das umgebogene Teil sich wieder zurückbog.
    Oder die Kette fiel immer wieder raus beim Bikemarathon, da halt nur schnell auf dem Hotel-Parkplatz getestet wurde und nicht im Gelände – bei 5000hm wird das dann sehr mühsam – verdammt, vorher ging es einen Monat gut über Stock und Stein!
    Oder ein Renntag wird zur Tortur, weil ich unbedingt noch einen neuen Winkel das Sattels ausprobieren wollte und das dann zur einer schrägen Belastung des Knies führte.
  9. Neue Kleider oder Schuhe machen dich an der Startlinie zum unschlagbaren King!
    Realitätscheck:
    Blasen wegen neuen Schuhen nach 2 km in einem langen Lauf.
    Brustwarzen vom neuen super-marken T-Shirt wund nach kurzer Zeit und der Rest des Laufes wird zum Horror.
    Oder die neuen Veloschuhe, nur einmal kurz ausprobiert, werden dann unter Vollbelastung im langen Rennen zur Folter. Folge: Schmerzen in der Achillessehne für 4 Wochen!
  10. Leistungstests in einer Belastungswoche machen – dann bist du ja eh voll drin und auf Touren!
    Realitätscheck:
    Es wird noch viel härter als sonst.
    Enttäuschung pur wegen schlechten Werten.
    Last but not least: Werte völlig unbrauchbar – Geld und Zeit für nichts aufgewendet!