I‘m not rich but I am free
I‘m not important but I am free
I‘m not famous but I am free
I live in a tiny appartement but it‘s enough
I live a quiet life but it is full of adventures
I live slow but I am wide awake
I own less but make more experiences
I own less but feel more connected
I own less but have more purpose
I prefere learning to earning
I prefere travelling to saving money
I prefere beeing outside to the office
I don’t have a house but I am free
I don‘t have a car but I am free
I don’t have a fancy watch but I am free
What‘s important to you?
Schlagwort-Archive: Freiheit
Kann ich mir wirklich frei eine Meinung bilden?
Im letzten Blogbeitrag zeigte sich, dass der Mensch nicht so frei handeln kann, wie dies in der Theorie oft dargestellt wird. Wie sieht es denn mit dem Wollen aus, können wir wenigstens frei wählen, was wir wollen?
Leider ist es auch hier schwierig: Auch die Freiheit zu Wollen unterliegt gewissen prinzipiellen Einschränkungen.
Gefängnis Sprache
Dies fängt bei der Sprache an: Wenn eine Person bewusst und rational handeln will, muss sie jeden Entscheid abwägen. Will sie dies nicht rein intuitiv tun, muss sie Argumente formulieren und prüfen. Dabei kommt sie nicht darum herum, Sprache zu benutzen.
Eine jede Sprache hat ihre Eigenheiten, kann das eine ausdrücken, während anderes darin nicht sag- oder denkbar ist. Wer mehrere Sprachen beherrscht oder von einer Sprache eine historisch ältere Version mit einer neueren vergleicht, weiss, dass nicht in jeder Sprache dasselbe denkbar ist. Jede Sprache strukturiert das Denkmögliche anders. Und alle Sprachen verändern sich dynamisch, was sich auch auf das Wahrnehmen, Bewerten und Denken auswirkt.
Beispielsweise kann auf Guaraní (Paraguay / Brasilien) nur bis vier gezählt werden – alles darüber wird einfach als „viel“ bezeichnet. Dies strukturiert die Wahrnehmung der Welt stark, legt z.B. einen anderen Fokus auf das Haben: Ob ich 7 oder 8 Schweine habe, ist dann nicht so wichtig – es sind dann einfach viele.
Gefängnis Zeitgeist und Kultur
Auch der Zeitgeist und eine jeweilige Kultur setzen dem Denkbaren Grenzen: Nicht in jeder Zeit und Kultur ist dasselbe denkbar. Auch hier sind Menschen nicht frei in ihren Bewertungen, Urteilen und schlussendlich Handlungen. Beispielsweise wird in Kulturen, wo das Individuum weniger wichtig ist als die Gruppe es als undenkbar erscheinen, einem Individuum besondere Rechte und Freiheiten zuzugestehen.
So war es im alten Griechenland auch den damals fortschrittlichsten Philosophen klar, dass ihre Überlegungen zu Rechten und Pflichten sich nur auf die männlichen Mitglieder der Oberschicht beziehen – es war für sie undenkbar, dass auch Frauen oder Sklaven in den Genuss erweiterter Rechte kommen könnten. Die göttliche Ordnung wies einem jeden Menschen seinen Platz zu und der hat entsprechend zu leben.
Gefängnis individuelle Erfahrungen
Auch unsere individuellen Erfahrungen determinieren Wahrnehmungen, Bewertungen und dadurch schliesslich das Handeln. Dies einerseits direkt dadurch, dass unser Gehirn zu einem entscheidenden Teil durch unsere Erfahrungen geprägt und geformt ist. Andererseits dadurch, dass der Ablauf der kognitiven Prozesse auch aufgrund von früheren Erfahrungen geprägt ist.
So nehmen Menschen beispielsweise immer selektiv wahr: Was zu bereits Erfahrenem passt, nehmen wir eher bewusst wahr, während wir oftmals blind sind, gegenüber Dinge und Fakten, die unseren Erwartungen nicht entsprechen (selektive Wahrnehmung). Oder da, wo wir Muster erwarten, sehen wir dann auch welche – obwohl eine genauere Prüfung nicht selten diese als Trugschluss entlarvt (Esoterik).
Dieser kleine Ausflug in die Linguistik, Ethnologie oder Psychologie zeigt auf der einen Seite auf, dass beim Aufstellen von ethischen Grundsätzen immer Vorsicht geboten ist: Es gibt kein Wissen, das nicht an Sprache, Kultur oder Zeitgeist gebunden ist. Somit ist gegenüber allen Prinzipien, die universell und für immer Geltung beanspruchen, Vorsicht und Skepsis geboten.
Auf der anderen Seite gilt es beim Aufstellen von hehren Prinzipien des guten Lebens, den eigenen Standpunkt, die eigene Brille, bewusst zu machen und diese regelmässig zu hinterfragen.
Sustine et abstine (19) – der Mensch als geselliges Wesen (5)
Kann ich wirklich tun, was ich will?
Die Vorstellung des Utilitarismus und der Deontologie, der beiden Hauptstränge der philosophischen Diskussionen im Bereich der Ethik, zeigte auf, dass da sehr abstrakt argumentiert wird. So bald es um konkrete Handlungen geht, stellen sich neben diesen theoretischen Bewertungsmöglichkeiten einer Handlung jedoch auch sehr handfeste konkrete Fragen: So gilt es zu prüfen, was ein Individuum, das in eine Gesellschaft, in Strukturen und Machtkonstellationen eingebettet ist, überhaupt tun kann und wo seinem freien Handeln Grenzen gesetzt sind. Können Menschen in der realen Welt wirklich so frei bewerten, entscheiden und handeln, wie es sich die Philosophen und Philosophinnen sich vorstellen?
Auf zwei Ebenen sind da Zweifel angebracht. Auf der einen Seite gibt es spannende Diskussionen darüber, wie frei wir prinzipiell handeln können. Hierbei geht es darum, dass Teile unseres Gehirns, das neben der Genetik vor allem durch das, was wir erfahren und erlebt haben, geprägt ist, uns nur vorspielen, dass wir rational abwägend entscheiden würden, während tatsächlich „vorbewusst“ durch das neuronale Netzwerk ein Entscheid schon gefallen ist.
Empirische Experimente haben dies mehrfach gezeigt: Unser freier Wille ist nicht wirklich so frei, teils handeln wir determiniert. Dieser Problemkreis ist in der Philosophie ein grosses Thema, die Neurophysiologie fordert uns da heraus. Hier ist jedoch nicht der Platz, detailliert darauf einzugehen. Es wurde trotzdem erwähnt, da, wenn es dann um Verantwortung geht, teils Vorsicht geboten ist, denn nicht immer kann diese so stark verlangt und zugeschrieben werden, wie dies in der Theorie aussieht.
Auf der anderen Seite gibt es ganz praktische Unfreiheiten eines jeden in gesellschaftliche Zusammenhänge lebenden Individuums. Gerade wer in einer komplexen, hierarchischen und arbeitsteiligen Gesellschaft lebt, wie es heute fast alle Menschen tun, ist in Strukturen, Organisationen und Institutionen eingebettet. Ausserdem dominieren gewisse Diskurse und Informationsträger das Wissen und Nichtwissen. Nur wer alleine lebt, ist frei davon – alle anderen können sich dem nicht entziehen.
Und eine solche Verstrickung hat immer auch Macht- und Herrschaftskomponenten. Erstere sind eher diffus, um auf Michel Foucault Bezug zu nehmen, eher ein Gas als etwas Festes, konkret zu Fassendes. Hingegen ist das zweite, die Herrschaft, sehr klar an Personen und Organisationen gebunden: Der mit der Peitsche beherrscht den ohne, um es sinnbildlich zu sagen. Hingegen hat auch der Untergebene in Machtkonstellationen immer auch eine gewisse Macht. Z.B. der Klient auch über seinen Patron, da beide in einem sozialen Gefüge gewisse Abhängigkeiten haben, obwohl der oben natürlich mehr auf den Handlungsspielraum von dem unten nehmen kann – und dennoch hat auch der unten eine gewisse Macht und engt des Handlungsspielraum von dem oben ein – sie sind gegen innen und aussen eher ein eingespieltes Team als eine reine Hierarchie.
Wenn es nun konkret wird, wie ein gutes Leben auszugestalten sein wird, muss also beachtet werden, dass der Mensch eingebettet ist in Strukturen und Machtbeziehungen und nicht so autonom handeln kann, wie man sich dies gerne ausdenkt. Die verschiedenen Kontexte und (Abhängigkeits)Beziehungen, in denen eine Person lebt, engen den Handlungsspielraum ein – dies zu übersehen, käme einer Überforderung des Individuums zugleich: Eine einzelne Person kann nicht wirklich frei handeln oder die Verantwortung für alles Weltgeschehen übernehmen.
Ausserdem hat zwangsweise bei der grossen Anzahl von Menschen, die zur Zeit leben, nicht ein jeder Mensch die gleiche Möglichkeit, sich in die Gesellschaft prägende Institutionen, Diskurse und Organisationen einzubringen.
Und es sind oft historische Zufälle, die ein Individuum an eine prägende Stelle bringen – all zu gerne wird in der Geschichte und in Erzählungen ein Subjekt überhöht, es als seine eigene Leistung ausgewiesen, dass es nun da oben angekommen ist. Und da oben ist dann auch nicht frei von Verstrickungen, das wird oft völlig unterschätzt: Auch auf den ersten Blick mächtig aussehende Menschen haben vielfältige Abhängigkeiten, können selten wirklich autonom handeln und haben, gerade in der heutigen komplexen Gesellschaft, einen viel engeren Handlungsspielraum als es den Anschein macht.
Somit sind auch vermeintlich Grosse der Geschichte zugleich auch immer Objekte des geschichtlichen Geschehens – auch wenn sie die Geschichtsschreibung (die ist ja immer konstruiert, nie neutral) als vor allem aktive, autonome Subjekte darstellt: Die grossen Züge des Weltgeschehens sind kaum von einzelnen Menschen zu beeinflussen. Hingegen kann jede Person im Kleinen viel bewirken, so dass in der Serie immer wieder darauf Gewicht gelegt wird.
Und die Beschränkung der individuellen Autonomie fängt schon beim Wahrnehmen und Bewerten an, ehe mensch überhaupt handelt. Ob ich mir überhaupt frei eine Meinung bilden kann, muss somit als nächstes geprüft werden.
Sustine et abstine (18) – der Mensch als geselliges Wesen (4)
Das Freiheitsdilemma
Letzte Woche ging es um den schwierigen Umgang mit der Freiheit:
Warum spricht man in der Philosophie vom Dilemma der Freiheit?
Das Freiheitsdilemma wird in der Philosophie seit der Antike thematisiert. Seit damals fragen wir Menschen uns, wie wir Freiheit behalten und dennoch erfüllt leben können. Freiheit ohne sie zu nutzen, sich also auf etwas festzulegen, ist leer – wird sie genutzt, verschwindet sie hingegen.
Am Beispiel von sozialen Bindungen wird dies gut sichtbar: Ein Leben ohne soziale Bindungen ist wenig wert. Geht man jedoch solche Bindungen ein, verliert man an Freiheiten, wird gar abhängig. Mit dem Realisieren von Bindungen schränken wir unsere Freiheit umgehend ein.
Eine weitere Variante des Dilemmas sind alle Entscheide für oder gegen eine Option. Wir alle haben eine endliche Menge an Energie und Zeit, so dass jeder Entscheid für etwas gleichzeitig ein Entscheid gegen hundert andere Dinge ist. Oft ist dann halt die realisierte Option nicht so befriedigend, wie es im Vorfeld aussah, so dass Freiheit oft schnell in Enttäuschung und Frust umschlägt.
Menschsein heisst, mit diesen Widrigkeiten umzugehen. Daran führt kein Weg vorbei. Das Dilemma ist nicht auflösbar und gilt es somit auszuhalten. Dies kann man bewusst machen oder sich einfach treiben lassen.
Will man ersteres, also trotz Widrigkeiten selber entscheiden und nicht einfach gelebt werden, so gibt es ein paar Werkzeuge, die einem dabei helfen können. Dazu gehört ein vernünftiges Erwartungsmanagement, das Treffen von bewussten, wohlinformierten Entscheiden oder das periodisches Überprüfen und Neuausrichten.
Letzteres besteht konkret darin, sich einerseits der Bindungen an Menschen, Werte, Dinge, die Auswahl von Aktivitäten und allgemein der eingegangenen und vorhandenen Abhängigkeiten bewusst zu werden und dann diese auch mal wieder zu lösen, um neue – oder die alten – willentlich wieder einzugehen.
Und nicht zuletzt darf Befreiung – wie es in der heutigen Zeit der „Multioptionsgesellschaft“ arg propagiert wird – nicht als reine Verheissung angesehen werden. Denn ganz frei wird es schnell mal fade und einsam. Aber auch das Gegenteil, das heute bei einigen Gesellschaftsgruppen zu beobachtende unreflektierte Verharren in alten Gewohnheiten oder Denkmustern ist keine gute Wahl im Umgang mit einer sich rasend verändernden Welt.
Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Und es gilt intuitiv, klug und situativ zu wählen sowie zu akzeptieren, dass das Leben im Fluss ist und nichts ein für alle Male feststeht.
Tja, und wie erreichen wir dies alles konkret? Selbstreflexion, Zeit und Raum für Muse und Musse, Disziplin und Mässigung sind mal wieder einige der zu nennenden Stichworte. Und nicht schaden tut halt auch die viel beschworene Gelassenheit. Diese ist halt schon wichtig, damit man auch mal eine Option nicht nutzt und nicht umgehend das Gefühl hat, was zu verpassen. Dies hier mal so angedeutet, mehr dazu wird an anderer Stelle noch folgen.
Frage der Woche
Freiheit – was für ein starkes Wort, was für Vorstellungen!
Viel davon möchten wir alle haben… aber einfach ist dann der Umgang damit doch irgendwie nicht. Warum ist das eigentlich so?
Warum spricht man in der Philosophie vom Dilemma der Freiheit?