Schlagwort-Archive: Lebenskunst

Vom Lauf=Sinn des Lebens

Du wirst geboren
Alles vorbewusst

Zäck – ein ICH gerufen in die Existenz!

Schau dich um:
Meine Zeit?
Mein Ort?
Was für eine spannende…
und doch so (verw)IRR(nd)E Welt!

Wo bin ich hier gelandet?
Wer ist sonst noch da?

Ach so: Nur ein Fleischblobb?!
Ach so: So viele andere schon vor Ort?!
Ach so: So viel System implementiert?!
Ach so: Freiheit nur sehr bedingt?!
Ach so: Limitierungen allenthalben?!
Ach so: Leiden gehört zum prallen Leben dazu?!

Aber erstmal HALT:
Schau dich um –
orientier dich mal!

Was ist schon da?
Was wird gewusst?
Was wurde schon gedacht?
Was weiss niemand?
Vor was wird gewarnt?
Was darf man glauben?
Wer könnte Vorbild sein?
Wer das Gegenteil?
Was zeigte die Zeit?
Was kann ich tun?
Uff, es gibt so viel zu tun!

Nimm dir ZEIT
Hol dir Rat
Hör gut zu

Noch: Nichts eilt!
Übe die Besonnenheit!

Lerne dieses Dasein kennen
Lerne die Existenz zu spüren
Lerne die anderen kennen
Lerne dich im Spiegel der anderen zu sehen
Lerne Emotionen kennen
Lerne die Grenzen des Wissens kennen

Lerne DICH kennen:
Schwächen – klar!
Stärken – aber ja!

Pass auf: Die Gier!
Pass auf: Der Vergleich!
Pass auf: Das Echsenhirn (Dopamin)!
Pass auf: Viel Ratenfängerei!
Pass auf: Lerne zu dosiern!
Pass auf: Viele Dogmen und deren Verführer!
Pass auf: FOMA!
Pass auf: Solidarität versus mein eigenes Ego?
Pass auf: So viele reale und mentale Gifte!
Pass auf: Auch du zuinnerst nur ein Tier!
Pass auf: Auch du gebunden an den Zeitgeist!
Pass auf: Auch dein Wissen = Vorläufigkeit!

Dann erst: Entscheide!
Dann erst: Werte müssen zwingend her!
Dann erst: Das wird mein Weg!
Dann erst: Jetzt bin ich wer!

Die Richtung stimmt:
Jetzt geht es los

Falle ein!
Falle um!
Falle rein!
Falle durch!
Falle auf!
FALL IN LOVE!

Juche, es geht voran!

Halt inne: Bilanz
Halt inne: Werte noch da?
Halt inne: Innerer Orientierung gewahr?
Halt inne: Gewohnheiten im Griff?
Halt inne: Wie steht’s um Dankbarkeit?
Halt inne: Stimmen die Balancen?
Halt inne: Ich und die anderen?
Halt inne: Die richtige Truppe?
Halt inne: Besser nun Freischärler sein?
Halt inne: Der Pflicht zur Salutogenese gewahr?
Halt inne: Körper und Geist im Gleichgewicht?
Halt inne: Tempo (noch) OK?
Halt inne: Erlebnissdichte im grünen Bereich?
Halt inne: Genug des sozialen Netzes da?

Rekalibrier, korrigier, räum auf –
jetzt bleibt noch Zeit!

Und weiter geht’s
Die Zeit zerrinnt!

Die Energie nimmt ab…
die Wehwechen jedoch zu
Hey, bleib locker:
Ist voll normal!

Pass auf: FOMA 2.0
Pass auf: Vergleich 2.0
Pass auf: Die Zeit vergeht…
Pass auf: Du bist deine Gewohnheiten!
Pass auf: Was hab ich bisher verfehlt?
Pass auf: Memento mori + carpe diem
(du hast erlernt, dass beides geht)

Und weiter diese schwierigen Balancen:
Spannung und Ruh…
ich und die Herde…
Haben versus Sein…
Erleben versus Müdigkeit…
Tragen versus Getragenwerden
Ehrgeiz versus Faulheit…
Verantwortung versus ich kann nicht alles tun!
Wann ist genug wirklich genug?

Obacht: Letzte Chance der Korrektur!

Mehr Nachsicht!
Mehr Ruh!
Sei ehrlich: Auch Herbst gehört dazu!

(Nur für die Unbelehrbaren:
Nun ist spätestens auch für euch genug wirklich genug)

Pass auf: Jetzt geht es schnell
Pass auf: Bei Versäumtem eilt’s!
Pass auf: Letzte Chance und dann vorbei!
Pass auf: Am Ende kommt der Blick zurück:

Es bleibt NICHTS ausser deiner ganz persönlichen Bilanz

(Und der allerletzte Unbelehrbare nun erkennt:
Echt VANITAS war alles Streben nach Ruhm und Geld)

Das war‘s – kaum zu glauben:

* Es ist definitiv und endgültig vorbei *

Licht aus – hoffentlich:
What a ride!

Die Kunst des Gebrauchs der Zeit (Teil 2)

Dieser Text ist die Fortsetzung des Beitrages Die Kunst des Gebrauchs der Zeit. Es empfiehlt sich, vorgängig Teil 1 gelesen zu haben.

IMG_5602.jpeg

Elemente des klugen Gebrauchs der Zeit (Teil 2):

  • Umgang mit Erwartungen
    Da unsere Lebenszeit beschränkt ist und wir klug wählen müssen, für was wir wie viel Zeit aufwenden wollen, ist es wichtig, ein realistisches Erwartungsmanagement zu entwickeln. Geschieht dies nicht, verpufft schnell viel Zeit, die wir eigentlich für echte Bedürfnisbefriedung, Erholung oder unser Umfeld aufwenden könnten. Dies kann einerseits geschehen, wenn wir zu grosse, unrealistische Erwartungen aufbauen.Beispielsweise arbeiten viele Menschen über Jahre sehr hart, um sich dann ein sehr teures Auto leisten zu können. Ist das Auto dann endlich da, macht es anfangs zwar Freude, doch meist weniger, als man sich erhoffte und man gewöhnt sich sehr schnell daran, die Freude ist nur von kurzer Dauer. Ausserdem hat man nicht erwartet, dass die Besorgung von Zubehör und die Wartung eines neuen Fahrzeuges so viel Aufwand bedeutet  – im Vergleich zur Realität waren die Erwartungen überhöht, man hat sich über Jahre einer Fata Morgana verschrieben. Die verbrauchte Zeit, die nötig war, um das viele Geld anzusparen, ist jedoch für immer weg, ein Zurück gibt es nicht. Dito passiert oft bei luxeriösen Reisen, die dann meist nicht so schön sind, wie im Prospekt und oft gehetzt oder erschöpft angetreten werden, da man vorher noch so viele Entbehrungen auf sich nehmen muss, um sich das zu leisten.Leicht fänden sich auch Beispiele aus dem Bereich der sozialen Beziehungen und gar der Liebe, wo viele Menschen falsche Erwartungen gegenüber anderen Menschen haben und so später merken, dass sie viel Zeit am falschen Ort investierten. Hier ist ein offenes Ansprechen und eine Klärung oft besser als langes Abwarten.Zu einem realistischen Erwartungsmanagement gehört auch der vernünftige Umgang mit Erwartungen von aussen: Lebe ich nach meinen Bedürfnissen oder mache ich (zu) viel, weil es andere von mir erwarten? Kann ich genug gut Nein-Sagen? Was sind eigentlich meine Bedürfnisse und was nur von anderen übernommene?Selbstredend gilt es auch, die Erwartungen, die man an sich selber stellt, periodisch zu überprüfen, denn auch die Erfüllung von überhöhten oder unpassenden eigenen Erwartungen kann schnell zu Zeitverbrauch führen, den man später bereut.Zum Erwartungsmanagement gehört es ebenso, dass man lernt, dass man nicht überall dabei sein muss. Dies führt zu Entspannung und zu enormem Zeitersparnis. Mehr ist nicht immer mehr (siehe dazu auch Stimuli und Superstimuli: Ich will mehr!).
    Dies ist gerade in jungen Jahren nicht leicht und es gehört zum Reifeprozess dazu, dahingehend dazuzulernen und langsam aber sicher zu merken, dass man sich auch mal von etwas bewusst fern halten, mal etwas verpassen kann.
    Aber auch im fortgeschrittenen Alter, da ja älter werden auch Abschied nehmen bedeutet (siehe dazu Gelassen älter werden), bleibt dies ein wichtiges Thema. Abnehmende Kräfte und schwindende Lebenszeit fordern einen bewussten Umgang mit der eigenen Zeit.
  • Vorfreude und Nachhall besonderer Ereignisse bewusst wahrnehmen
    Auch wenn oben vor überhöhten Erwartungen gewarnt wurde, muss auch vor dem Gegenteil gewarnt werden: Lässt man keine Vorfreude zu oder erinnert sich nicht dankbar und bewusst an schöne, vergangene Dinge, vergibt man eine Chance, seine Lebenszeit qualitativ besser zu erleben oder sich zu motivieren.
    Gerade in schwierigen Zeiten können Erinnerungen an schöne Zeiten und Vorfreude auf Kommendes zum Durchhalten motivieren.
  • Entschleunigung und Achtsamkeit
    Diese Themenbereiche sind gerade sehr en vogue und werden später in einem eigenen Beitrag noch vertiefter behandelt. An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass Achtsamkeitstechniken das bewusste Erleben der Zeit ermöglichen und durch ihre entschleunigende Wirkung das subjektive Zeitwahrnehmen positiv verändern können. Dazu gehört auch, dass durch die routinierte Anwendung solcher Techniken kleinen und kleinsten Zeitfenstern auch in hektischen Lebensphasen eine andere Qualität – und damit anderes Erleben oder Erholungspotenzial – gegeben werden können.
    Zudem helfen solche Techniken, die eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen und sich dadurch besser von Zeitverbrauchern, für die eigentlich gar kein Bedarf besteht, fern zu bleiben (siehe dazu oben in diesem Text).
    Weitere Vorteile sowie ein theoretischer Hintergrund zu dieser Art der Selbsttechniken werden an anderer Stelle im Blog noch vertieft behandelt.
  • Gestaltung des Tagesablaufes und andere Gewohnheiten
    Wie im Zusammenhang mit den inneren und äusseren Rhythmen im Blog erörtert, empfiehlt es sich, nach gewissen Rhythmen zu leben. Dies lässt sich am einfachsten umsetzen, wenn man seinen Tagesablauf einer gewohnheitsmässigen Routine unterwirft. Dies nicht stur, denn ein gewisser spielerischer Umgang mit der Lebenszeit und Offenheit für Unvorhergesehenes sollen erhalten bleiben. So soll in der Regel der Tag gewohnt ablaufen, ein ausnahmeweises Abweichen bringt dann Salz in die Suppe und kann besonders genossen werden, ohne den Rhythmus und die Routinen zu verlernen, kehrt man schnell wieder zu diesen zurück.Auch ist es ratsam, wiederkehrende Verrichtungen (z.B. Haushalt) möglichst gewohnheitsmässig zu absolvieren. Dadurch verbraucht man dafür weder viel Zeit noch Energie. In einem Mehrpersonenhaushalt kann man sich durch solche Routinen unnötige Konflikte ersparen: Erledigt jedes Mitglied routinemässig seine Aufgaben, bleibt nichts liegen und niemand muss andere kritisieren oder kämpft mit dem frustrierenden Gefühl, immer mehr zu machen, als abgemacht.Dass die Übung – und die dadurch entstehende Gewohnheit – wichtige Techniken der selbstermächtigten Lebensführung sind und wie dies mit der Formbarkeit unseres Gehirns (Neuroplastizität) zusammengeht, wurde bereits mehrfach im Blog dargelegt.

Ging es in den letzten Beiträgen der Serie um den Menschen als Individuum, wird im nächsten Beitrag der Kreis erweitert und das Individuum in einem nächsten Schritt in seinen engeren, sozialen Bezugskreis gestellt, ehe der Kreis dann immer weiter gefasst wird, so dass wir von einer Individualethik über eine Gesellschaftsethik schliesslich hin zu einer ganzheitlichen Weltsicht gelangen werden.

Sustine et abstine (14) – der Mensch (9)

Die Kunst des Gebrauchs der Zeit (Teil 1)

„Oh I wish I could… and I will!
But now I just don’t have the time…“
(…)

So dizzy Mr. Busy – Too much rush to talk to Billy
All the silly frilly things have to first get done
In a minute – sometime soon – maybe next time – make it June
Until later… doesn’t always come
The Cure

IMG_5602.jpegEs ist eine Binsenwahrheit, dass das Leben immer hektischer wird. Darüber beklagten sich jedoch schon viele Generationen vor der unseren. Auch wenn dies eine menschliche Konstante zu sein scheint, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass sich viele Menschen heutzutage gehetzt, ja gar gestresst, fühlen. Sei dies nun aufgrund einer real schneller gewordenen Welt oder nur aufgrund der eigenen Wahrnehmung, Fakt ist, dass die heutige Zeit oft ein Gefühl der Gehetztheit vermittelt und es Not tut, sich darüber Gedanken zu machen, ob wir sinnvoll mit unserer Lebenszeit umgehen oder ob ein anderes Lebenstempo nicht zufriedener machen würde.

Denn, will Mensch ein gutes Leben führen, sollte er oder sie nicht ständig in einer Rushhour durch das Leben hetzen sowie jeweils im Hier bereits gedanklich schon im Dort resp. im Jetzt schon im Danach sich befinden.

Bewusst mit der Zeit umzugehen, gehört zum Kern der autonomen Lebensführung: Nur wer darüber reflektiert, wie sie oder er seine Zeit verwendet, kann dort generös mit seiner oder ihrer Zeit sein, wo es ihr oder ihm wichtig ist, während er oder sie unnötige, einer guten Lebensführung gar entgegenstehende, Zeitfresser eliminiert – oder dort, wo dies nicht möglich ist, diese auf ein Minimum reduziert.

So gilt es beispielsweise zwingende Alltagshandlungen gewohnheitsmässig und routiniert zu vollziehen. Hier bringt es nichts, Dinge aufzuschieben (Prokrastination) und innere Widerstände aufzubauen, die schlussendlich viel Energie – und damit Zeit – kosten.

Hingegen ist es in anderen Lebensbereichen geradezu eine Kunst, die Zeit nicht optimal zu nutzen, wie es heutzutage überall gepredigt wird, sondern auch mal dem Müssiggang zu frönen, sich treiben zu lassen und damit zur Ruhe und zu sich selbst zurückzufinden.

Dies ist teils gar nicht so einfach, denn wir heute lebenden Menschen sind von klein an darauf getrimmt, keine Zeit zu „vergeuden“, immer effizient zu sein und Langeweile als etwas Negatives zu sehen.

Jedoch muss Zeit ohne Zweck und Ziel zu verbringen, gelernt und geübt sein. Wer kennt es nicht, dass sich diese ausdehnt, wenn sie mal „leer“ ist und wir nichts vor haben? Auch wenn dies unangenehm werden kann, ist es wichtig, dies regelmässig zu tun, denn nur ohne Ziel und Zweck kommt eine gewisse Langeweile auf, die zu einer ganz anderen Optik auf sich und die Mitwelt führt. Gerade weiterführende Gedanken, Kreativität und eine Optik von aussen auf das eigene Leben entfalten sich oft erst, wenn man den gewohnten Modus des Tuns und Abarbeitens verlässt – im Hamsterrad fehlt schlicht und einfach der distanzierte Blick auf unser Tun und Lassen.

Zum gelungenen Leben gehört ein bewusstes Spielen mit diesen verschiedenen, teils widersprüchlichen Gebrauchsarten der Zeit. 

Was könnten Handlungsfelder sein, in denen es bewusst immer wieder eine kluge Wahl in Hinblick auf den Einsatz von Zeit zu treffen gilt?

  • Mobilität
    Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Pendelwege, aber auch Wege in der Freizeit, werden immer länger. Mensch verbringt immer mehr Zeit in überfüllten Verkehrsmitteln oder auf verstopften Strassen und es gilt zum guten Ton, möglichst weit in die Ferien zu fliegen. Hier macht es Sinn, periodisch zu überprüfen, ob die persönliche Lebenslage noch stimmig ist, ob die eigenen Bedürfnisse nicht mit einem anderen Modell, manchmal zwar mit einer kurzfristig grösseren Anstrengung (z.B. Umzug) verbunden, nicht langfristig befriedigender wären. Oder es gilt zu prüfen, ob man nur, weil man es kann und die anderen es tun, in die Ferien fliegen muss, anstatt gemütlicher und für die Umwelt weniger schädlich, in der Nähe die Ferien verbringen könnte? Wie befreiend ein Leben der kurzen Wege und Ferien in der Nähe – ganz ohne Reisestress – sind, wissen viele Menschen gar nicht mehr. Dass man dadurch nicht nur Zeit gewinnt, sondern auch achtsamer und sorgfältiger mit der nahen Umgebung und den Menschen darin umgeht, zeigen Studien deutlich auf.
  • Verhältnis von Spannung und Entspannung
    Das eine bedingt das andere –Entspannung ohne Spannung schmeckt fade. Das stimmige Verhältnis zwischen Ruhe und Anstrengung zu finden, ist nicht immer einfach. Hier klug und bewusst zu steuern, ist für ein gelungenes Leben wichtig.
  • Zeitinseln und Zeit für sich selber schaffen
    Es gibt Lebensphasen, in denen es trotz bewusstem Umgang mit der Zeit hektisch wird. Wenn dies punktuell geschieht und die Dauer einer solchen Phase absehbar ist, kann dies zu Dynamik und Lust an der Leistung führen. Eine solche Phase sollte jedoch nicht zum Dauerzustand werden und es ist ganz wichtig, auch in der stressigen Phase selber, immer wieder Zeitinseln zu schaffen, um Energie zu tanken und in sich hineinzuhören. Ohne dies kann sich schleichend eine Sinnleere und Entfremdung entwickeln oder das vegetative Nervensystem macht plötzlich nicht mehr mit, da der Körper zu wenig Erholung hat (Burnout). Da dies schleichend kommen kann, ist es wichtig, in ruhigen Lebensphasen ein Sensorium zur Erkennung von Frühwarnzeichen zu entwickeln, das dann in der hektischen Lebensphase hilft, frühzeitig zu erkennen, dass es kritisch wird und so Gegensteuer gegeben werden kann und man nicht in eine langfristige Krise gerät. Techniken, die in einen solchen Werkzeugkasten des in sich hinein Horchens gehören, werden an anderer Stelle der Serie näher erörtert. Stichworte dazu sind Achtsamkeit, Atmungstechniken oder Meditation aber auch Selbstvertrauen und Nein-Sagen-Können.
  • Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung (zeitliche Autonomie)
    Wie im einleitenden Text erwähnt, gehört es, wie bei so vielen Themen dieser Serie, zu einem befriedigenden Leben dazu, auch den Umgang mit der Zeit selbstreflexiv und so gut als möglich (teil)autonom zu vollziehen. Letztgenanntes ist natürlich nur bedingt möglich. Jeder und jede muss Zeit dafür aufwenden, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und viele Alltagshandlungen immer wieder abzuarbeiten. Kommt Familie dazu, werden diese Zwänge in der Regel grösser. Es bleiben jedoch immer Möglichkeiten, zu steuern. Einerseits kann man den materiellen Bedarf so beschränken, dass möglichst wenig Zeit für dessen Sicherung verbraucht werden muss. Andererseits kann man die Rahmenbedingungen so einrichten (z.B. Leben der kurzen Wege), dass die Zeit, die man zwingend aufwenden muss, möglichst gering ist.
    Und in jedem Lebensarrangement bleiben Zeitinseln, die man autonom nutzen kann. Dies sollte man dann auch tun. Dies nicht im Sinne von Effizienzsteigerung oder Zwang, möglichst viel reinzustopfen, sondern ganz im Sinne einer Balance von Spannung und Entspannung, aktiver Steuerung von Ruhe und Aktivität. Denn gerade ungenutzte Zeit (z.B. beim Anstehen), ist nur scheinbar leer, da solche Mikropausen, wo die Gedanken mal frei rumstreifen können, dienen dem Gehirn als Erholung und fördern das assoziative Denken. Ausserdem können viele Alltagsverrichtungen, wie z.B. das Abwaschen oder der Hausputz, achtsam gemacht werden, was ihnen eine ganz andere Qualität verleiht.
  • Umgang mit neuen (sozialen) Medien
    Über sie wurde in letzter Zeit viel geschrieben. Die Extrem-Meinungen gehen dabei weit auseinander: Auf der einen Seite werden sie als Heilbringer angesehen. Für Vertreterinnen und Vertreter dieser Meinung sind sie die Erneuerer der Demokratie, die Einbinder der ganzen Welt und bieten sie ungeahnte Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Während auf der anderen Seite eine düstere Verteufelung stattfindet. Neue Medien werden hier als Drogen, designt, um uns süchtig, dumm und manipuliebar zu machen, angesehen.
    Die Wahrheit liegt wohl dazwischen: Es gibt Chancen und Gefahren.
    Ein bewusster Umgang tut somit Not, alles andere wäre naiv. Ausserdem sind wir verschieden, so dass jeder Mensch selber überlegen muss, ob –und falls ja, wie viel davon – er oder sie in seinem Leben haben möchte.
    Die Thematik der neuen Medien, insbesondere auch der sozialen, wird an anderer Stelle im Blog noch vertieft behandelt. Hier soll im Zusammenhang mit dem Gebruach der Zeit nur darauf hingewiesen werden, dass die neuen Medien schnell zu „Zeitfressern“ werden und eine bewusste Wahl, ob  – und falls ja, wie viel  – Zeit man damit verbringen will, zwingend bewusst getroffen werden muss: Der Sog der neuen Medien ist unumstritten zu gross (sie sind tatsächlich bewusst so konstruiert, dass sie unser Belohnungszentrum ansprechen und daher schnell abhängig machen), als dass man sich einfach so unreflektiert darin tummeln sollte. Ausserdem behindert der Mechanismus des ständigen Vergleiches mit anderen (resp. deren überhöhter Selbstdarstellung) die Förderung der Zufriedenheit – dazu aber an anderer Stelle dann mehr.

Weiter zu Teil 2 der Liste

Sustine et abstine (13) – der Mensch (8)

 

Mensch ist, was er isst

Der menschliche Köper gewinnt Energie durch den chemischen Umbau von Molekülen aus der Nahrung.  Aber nicht nur das: Unser Köper wird im wahrsten Sinne des Wortes auch zu dem, was in der Nahrung steckt, denn einerseits speichern wir das, was nicht durch „Veratmung“ – irreführend oft auch als “ Verbrennung“ bezeichnet – in Energie umgewandelt wird, im Körper selber ab (Leber, Fettpölsterchen). Andererseits wechseln wir im Laufe des Lebens mehrmals jede einzelne Zelle in unserem Körper aus und ersetzen diese neu durch Bausteine, die der Körper aus der Nahrung gewinnen muss.

Ausserdem haben einige Stoffe, die durch die Verdauung in den Blutkreislauf gelangen, direkte und indirekte Auswirkungen auf den Hormonhaushalt und dadurch auch auf die Gehirnchemie (siehe dazu Kleine Freuden des Alltags).

Dass wir bewusst überlegen sollten, was wir in unseren Körper einbringen und was nur wenig oder besser gar nicht, ist vor diesem Hintergrund offensichtlich.

Und auch hier gilt es, wie wir schon bei der Bewegung sahen, Gewohnheiten zu schaffen. Denn erst diese machen es leicht, bei den Grundsätzen einer gesunden Ernährung zu bleiben. Dass dies sonst schwierig ist, kennt jede und jeder: Unser Gehirn arbeitet nicht selten gegen unser Wissen und die hehren Vorsätze. Dies, da es in einer Zeit entstanden ist (mehr dazu hier), als wir selten auf energiereiche Nahrung stiessen (z.B. reife Früchte). Geschah dies zufällig mal, feuerte das Hirn ein Feuerwerk von Belohnungshormonen (vor allem Dopamin) ab und signalisierte uns, dass wir nun über Gebühr zuschlagen sollen – wer weiss, wann es wieder eine solche Gelegenheit geben wird.
Heute gibt es jedoch an jedem Kiosk zig solche Gelegenheiten. Unser evolutionär gesehen altes Gehirn regt uns daher quasi dauernd an, die Gelegenheit zu nutzen und über den Hunger hinaus zuzuschlagen. Die Resultate davon sind bekannt (z.B. Übergewicht oder Diabetes).

Zu einer bewussten Lebensführung gehört die Kenntnis solcher Vorgänge im Körper und insbesondere dem Hirn und darauf aufbauend ein bewusstes Einüben des Umganges damit. Für den einen heisst dies, sich asketisch ganz von Nahrungs- und Genussmitteln fern zu halten, die der Gesundheit abträglich sind, während andere die Menge oder Häufigkeit des Konsums bewusst dosieren. Dass weniger dann gar zu mehr Genuss führen kann, wurde unter Antwort auf die Frage der Woche „Warum ist Beschränken des Auslebens der Lüste oder Askese eigentlich gar kein Verzicht?“ näher erörtert.*

Bewusst steht im oberen Abschnitt das Wort Einüben, denn es gehört auch zum Menschsein dazu, ab und zu nachsichtig mit sich selber zu sein und es mit der Strenge nicht zu übertreiben und dann zu schmunzeln, wenn uns unser altes Hirn mal wieder überlistet hat und wir uns der Völlerei hingegeben haben. Wird dies nicht gerade zu einem Habitus und wir finden wieder zurück zum Üben (oder zur bereits etablierten Gewohnheit der wohlüberlegten Dosierung), ist das doch nur allzumenschlich und nicht weiter schlimm – nichts im Übermass gilt auch für die Strenge mit sich selber!

Dass ein bewusster Umgang und eine wohlüberlegte Wahl der Lebens- und Genussmittel nicht nur aufgrund der Sorge um sich selbst wichtig ist, sondern auch aus einer breiteren, das Individuum übersteigenden Perspektive, die später in dieser Serie erörtert wird, relevant ist, kann hier, wo es vorerst um das Individuum geht, nur angedeutet werden. Vorweggenommen werden kann hier schon mal, dass es sich zeigen wird, dass sich ein Entscheid für eine gesunde Ernährungsweise – z.B. biologische Lebensmittel aus der Region oder der Verzicht (oder zumindest das starke Einschränken) des Konsums von Fleisch und weiteren tierischen Nahrungsmitteln  – sich dann gut decken wird, mit gesamtgesellschaftlichen und ökologischen Prinzipien einer guten Lebensführung.

Vorerst bleiben wir jedoch noch beim Menschen als Individuum und schauen uns als nächstes an, was es in Hinblick auf ein an einen Körper gebundenes Dasein weiter zu beachten gilt.

 

 

 

*Für mich ganz persönlich hat sich z.B. im Umgang mit Süssem (Nahrungsmittel mit viel raffiniertem Zuckern (hoher glykämischer Index)) ein Jokersystem bewährt: Jeden Monat gebe ich mir selber vier Jokertage. Diese setze ich dann zu besonderen Gelegenheiten (z.B. Feste), als Belohnung für besondere Leistungen oder als Trost in schwierigen Momenten ein. An diesen Tagen gibt es dann Süsses nach Lust und Laune, an den übrigen Tagen jedoch gar nichts. Dieses System lässt Genuss – gar ab und zu mal regelrechte Völlerei – zu, es beschränkt jedoch die Gefahr des sich Gewöhnens oder gar süchtig zu werden. Ausserdem steigert es den Genuss, da etwas Seltenes bewusster wahrgenommen wird und wertvoller erscheint, als hätte man es täglich. Und nicht zuletzt lernt man sich selber besser kennen, wenn man bewusster in sich hinein hört, um zu entscheiden, ob es sich nun lohnt, einen der Joker einzusetzen (echtes Bedürfnis?) oder es nur ein vorübergehendes Gelüste nach Süssem ist, das bald vorbeigehen wird und man eigentlich wenig davon hätte, nun nachzugeben.

Sustine et abstine (8) – der Mensch (3)