Die Zeit schwindet dahin,
und wir altern durch unmerkliche Jahre,
und die Tage fliehen,
da keine Zügel ihnen Einhalt gebieten.
Ovid
Eine weitere Komponente des an einen Körper gebundenen Daseins als Mensch ist, dass der Körper uns fortwährend die Endlichkeit der eigenen Existenz vor Augen führt. Sei es, dass es mit zunehmendem Alter nach körperlichen Anstrengungen immer länger geht, bis mensch sich erholt hat, oder sei es, dass um Dreissig die ersten grauen Haare auftreten. Bereits ab Mitte 20 beginnt dieser unvermeidbare Prozess.
Da sich dies nicht ändern lässt, nützt es nichts, sich dagegen zu stemmen oder den falschen Hoffnungen der Kosmetikindustrie aufzusitzen, die es geschickt weiss, die Ängste vor dem Altern zu bewirtschaften: Altern gilt es so gut als möglich gelassen zu akzeptieren. Dass dies aufgrund des verbreiteten Jugendwahns immer wieder eine Herausforderung ist, versteht sich von selber.
Aber auch die gegenteilige Extrem-Reaktion, das sich in jeder Hinsicht Gehen-Lassen, da es vor der Vergänglichkeit eh nur einer Sisyphusarbeit gleichkommt, den Körper weiter zu fordern oder das Gedächtnis und die Neugierde zu trainieren, ist nicht ratsam.
Es gilt, wie bei so vielen in diesem Blog angesprochenen Themen, die Balance zu finden: Weder übertriebenes sich Sorgen, Schonen, Pflegen und Hegen des Körpers und Geistes, noch das Handtuch voreilig hinzuwerfen, sind kluge Ratgeber für ein zufriedenes Dasein.
Dem bewussten und gelassenen Umgang mit dem Älterwerden ist der nächste Blogbeitrag gewidmet. Bevor es konkret wird, soll hier ein Vorteil des sichtbaren und unabwendbaren Alterns betont werden: Dass wir alle kontinuierlich am Altern sind, zeigt nämlich auch auf, dass das Leben bewusst gelebt werden sollte. Die Einmaligkeit des Lebens winkt einem jeden Menschen durch den Indikator des Zerfalls des Körpers sprichwörtlich vom Spiegel zurück. Es gibt kein Zurück und der Tod wartet hinter jeder Ecke, so dass es, je älter man wird, um so wichtiger wird, seine Bedürfnisse zu kennen, und das Leben so einzurichten, dass die einem wichtig erscheinenden Bedürfnisse möglichst gut befriedigt werden können und andererseits keine Energie und Zeit für unabänderbare Dinge aufzuwenden.
Lebenszeit ist das kostbarste Gut, das wir haben. Daher ist es klug, bewusst damit umzugehen sowie wohlüberlegt zu wählen, für was wir wie viel davon einsetzen wollen. Dass dies nicht einfach ist und zu Widersprüchen führen kann, wurde bereits unter das Freiheitsdilemma erörtert und wird an anderer Stelle noch vertiefter zu behandeln sein. Vorerst wollen wir uns nun konkret mit dem Umgang des Älterwerdens auseinandersetzen.
Sustine et abstine (10) – der Mensch (5)